Kategorien
Digital Leben

Zettel-Traum

Tho­mas schrieb in den Kom­men­ta­ren zum Bei­trag über mein selbst­ge­mal­tes Schild im Trep­pen­haus:

Ein­fach noch einen Zet­tel schrei­ben. Mit Recht­schreib­feh­lern, mehr Unter­strei­chun­gen und WICHTIGEN WÖRTERN IN GROSSBUCHSTABEN!!!!! So ähn­lich wie die Zet­tel am Dins­la­ke­ner Bahn­hof bit­te.

Damit konn­ten Sie als Nicht-Dins­la­ke­ner ver­mut­lich wenig anfan­gen.

Das macht aber nichts, denn es gibt ein wun­der­ba­res Blog, das die geheim­nis­vol­len Zet­tel am Dins­la­ke­ner Bahn­hof minu­ti­ös doku­men­tiert. Seit andert­halb Jah­ren foto­gra­fiert und kom­men­tiert der mir unbe­kann­te Blog­ger alle neu­en Bot­schaf­ten, die man am Bahn­steig und in der Ein­gangs­hal­le lesen kann.

Mein bis­he­ri­ges Lieb­lings­mo­tiv:

Verbot!! Wer besitzt die Unverschämtheit und bringt von zu Hause Mülltüten hier mit und wirft diese in die Behälter der DB? Nur für Reiseabfall. Benutzen Sie zu Hause für Ihren Müll. Ihre Restmülltonne.

Aber nicht nur die Expo­na­te selbst sind sen­sa­tio­nell, auch die dazu­ge­hö­ri­gen Kom­men­ta­re sor­gen immer wie­der für Lacher.

So wie die­ser hier:

Was auf den ers­ten Blick wie ein altes, bekann­tes Hin­weis­schild­chen aus­schaut, ent­puppt sich bei genau­er Betrach­tung als ein Hin­weis­schild­chen der vier­ten oder fünf­ten Gene­ra­ti­on. Immer wie­der neu muss hier also mit Hil­fe von Freund Tesa­film für den frei­en Zugang zum Abfall­be­häl­ter gekämpft wer­den.

Hin­ter die­sen omi­nö­sen Zet­teln steckt ver­mut­lich Man­fred Rei­ners, ein Rent­ner, der sich seit eini­gen Jah­ren ehren­amt­lich um den ansons­ten völ­lig her­un­ter­ge­kom­me­nen Dins­la­ke­ner Bahn­hof küm­mert und es damit immer­hin schon zu Erwäh­nun­gen im Lokal­teil der „Rhei­ni­schen Post“, in der „Wirt­schafts­wo­che“ und beim WDR gebracht hat.

Kategorien
Musik

Chinese Delivery

Vor zehn Tagen ist „Chi­ne­se Demo­cra­cy“ von Guns N‘ Roses erschie­nen, ein Album der Super­la­ti­ve: 14 Jah­re in der Mache, Gesamt­kos­ten von geschätzt 13 bis 15 Mil­lio­nen Dol­lar, min­des­tens sechs ver­schie­de­ne Gitar­ris­ten.

Wäh­rend angeb­lich bis zum Früh­jahr die­ses Jah­res an „Chi­ne­se Demo­cra­cy“ gear­bei­tet wur­de (was man ange­sichts des sat­ten Neun­zi­ger-Sounds kaum glau­ben mag), lag ein ande­res Album ein­fach neun Jah­re lang auf Hal­de:

Am 26. Okto­ber 1999 soll­te „Por­ta­ble Life“ erschei­nen, das zwei­te Album von Dani­elle Bri­se­bo­is. Deren Debüt­al­bum „Arri­ve All Over You“ von 1994 hat­te sich trotz elf wun­der­ba­rer Power­pop-Songs kaum ver­kauft und die New Radi­cals, deren Band­mit­glied Bri­se­bo­is neben ihrem Song­wri­tin­g­part­ner und Pro­du­zen­ten Gregg Alex­an­der war, hat­ten sich nach ihrem welt­wei­ten Mega­hit sofort wie­der auf­ge­löst. Das Ver­hält­nis zwi­schen den Plat­ten­fir­men und allem, wo Brisebois/​Alexander drauf stand, war also ein eher gespann­tes. War­um RCA Records aber „Por­ta­ble Life“ nicht ver­öf­fent­lich­te, nach­dem man schon Pro­mo-Kopien an Musik­jour­na­lis­ten ver­sandt und die Sin­gle „I’ve Had It“ nebst Video fer­tig­ge­stellt hat­te, lässt sich bis heu­te nicht genau rekon­stru­ie­ren.

So blieb das Album irgend­wo lie­gen, wäh­rend RCA als Teil von BMG zu SonyBMG fusio­nier­te und Dani­elle Bri­se­bo­is Hit­sin­gles für Nata­sha Beding­field und Kel­ly Clark­son schrieb. Bis zum 30. Sep­tem­ber die­ses Jah­res wuss­te nie­mand etwas genaue­res über den Ver­bleib der zwölf Songs, zu denen auch „Ever­y­thing My Heart Desi­res“ (aus dem Sound­track zu „Bes­ser geht’s nicht“) und eine neue Ver­si­on des „Arri­ve All Over You“-Songs „Just Missed The Train“ gehör­ten – dann tauch­te das Album plötz­lich im iTu­nes Musics­to­re und als Down­load bei Amazon.com auf.

Man merkt dem Album sei­ne lan­ge Lager­zeit nicht unbe­dingt an: Es sind gute Pop­songs, die mal mehr, mal weni­ger druck­voll, mal mehr, mal weni­ger melan­cho­lisch klin­gen. Man­che haben groß­ar­ti­ge Titel wie „Stop It Hurts You’­re Kil­ling Me Don’t Stop“ oder „If I Died Tonight You’d Have To Think Of Me“ und ins­ge­samt fragt man sich, war­um Dido oder Kel­ly Clark­son eigent­lich so einen rie­si­gen Erfolg haben und Dani­elle Bri­se­bo­is nicht.

Danielle Brisebois - Portable Life (Albumcover)
Dani­elle Bri­se­bo­is – Por­ta­ble Life

VÖ: 30. Sep­tem­ber 2008 /​ 26. Okto­ber 1999
Label: RCA Records
Ver­trieb: SonyBMG (digi­tal) /​ BMG Enter­tain­ment

Kategorien
Musik

„… und Radiohead spielen gar keine Popsongs!“

Ken­nen Sie noch Sta­tus Quo? Die­se schlimms­ten aller schlim­men Relik­tro­cker, für die das Wort „Rock­di­no­sau­ri­er“ erfun­den wur­de? „Wha­te­ver You Want“, „Rockin‘ All Over The World“, … Siehs­te!

Deren Sän­ger Fran­cis Ros­si, dem man auch mal sagen soll­te, dass graue Zöp­fe nichts sind, was man am Kopf haben soll­te (schon gar nicht bei ansons­ten kahl­köp­fi­gen Män­nern kurz vor dem Ren­ten­ein­tritts­al­ter) hat kürz­lich gesagt, dass er Oasis irgend­wie sehr un-rock’n’rol­lig fän­de:

“But some of the youn­ger bands don’t want to put that phy­si­cal com­mit­ment in, eit­her becau­se it’s not cool at the moment or wha­te­ver.

“What always comes to mind is Oasis. They call them­sel­ves a rock band and they stand the­re loo­king at the flo­or. Bored s***less they look.I’m not say­ing they’re a bad band, but that to me isn’t rock ’n’ roll.”

Nun gut, Oasis vor­zu­wer­fen, dass sie nicht breit­bei­nig über die Büh­ne hüp­fen und Gitar­ren und graue Mäh­nen im Takt schwen­ken, ist unge­fähr so ori­gi­nell, wie Sta­tus Quo vor­zu­wer­fen, dass sie die schlimms­ten aller schlim­men Relik­tro­cker sei­en, für die das Wort „Rock­di­no­sau­ri­er“ erfun­den wur­de. It’s obvious, isn’t it?

Es dürf­te Noel Gal­lag­her leicht gefal­len sein, Ros­sis Maß an Ori­gi­na­li­tät und Vor­her­seh­bar­keit nicht zu über­schrei­ten:

„Nor­mal­ly I would­n’t give a rat’s arse­hole what Sta­tus Quo have got to say about any­thing. But tell them from me that when I go on stage at Wem­bley next sum­mer, I won’t be won­de­ring about what the pos­ter boys from Help The Aged think“

Ein biss­chen wit­zi­ger war da schon der Vor­wurf des altern­den Belang­lo­sig­keits­pop­pers Mich Huck­nall (Sim­ply Red) aus Man­ches­ter, der mein­te, aus­ge­rech­net Oasis sei­en schuld am schlech­ten Image Man­ches­ters. Das ist ja, als ob Micha­el Wend­ler den Kili­ans vor­wür­fe …

[via Visi­ons]

Kategorien
Politik Gesellschaft

Eine Sprache vor die Deutschen

T-Shirt-Aufdruck in fremder Sprache (vielleicht bald verboten).

Die CDU-Basis hat ihre Par­tei­spit­ze über­stimmt. Lei­der nicht bei irgend­ei­ner rele­van­ten Ent­schei­dung über Per­so­nal- oder Poli­tik­fra­gen, son­dern bei einem The­ma, das nicht viel kos­tet, aber inten­si­ve Dis­kus­sio­nen ver­spricht: die Par­tei will jetzt die deut­sche Spra­che ins Grund­ge­setz auf­neh­men.

dpa tickert dazu:

Saar­lands Minis­ter­prä­si­dent Peter Mül­ler mein­te hin­ge­gen, die Par­tei müs­se sich klar dazu beken­nen, «was den Staat aus­macht». Neben der Flag­ge gehö­re dazu auch die deut­sche Spra­che.

Das ist natür­lich schon mal ein Super-Anfang, der in die glei­che Ker­be schlägt wie Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert im Som­mer die­ses Jah­res:

Es gebe „für die Kul­tur und das Selbst­ver­ständ­nis die­ses Lan­des kei­nen wich­ti­ge­ren Fak­tor als die Sprache“.Sie sei „noch wich­ti­ger als die Fest­le­gung auf Ber­lin als Haupt­stadt und auf Schwarz-Rot-Gold als Landesfarben“.Beides reg­le das Grund­ge­setz, die Spra­che „lei­der nicht“.

Zunächst ein­mal soll­te man den bei­den Her­ren also ste­cken, dass auch die Natio­nal­hym­ne nicht im Grund­ge­setz ver­an­kert ist – aber deren Ein­bin­dung woll­ten sie ver­mut­lich erst im nächs­ten Jahr for­dern.

Kom­men wir nun zur For­de­rung an sich: Kon­kret soll Arti­kel 22 des Grund­ge­set­zes um ein „Die Spra­che in der Bun­des­re­pu­blik ist Deutsch“ ergänzt wer­den. Das ist natür­lich schon mal ein gutes Bei­spiel für die Schön­heit der deut­schen Spra­che: Ein halb­fer­ti­ger Satz mit Hilfs­verb, der noch dazu gar nichts aus­sagt.

Denn was soll das hei­ßen, „die Spra­che“ „ist Deutsch“? Wür­de man die Amts­spra­che fest­le­gen wol­len, wäre das noch ver­ständ­lich – aber die ist schon im Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz gere­gelt. Und was hie­ße das für den Kreis Nord­fries­land und die Insel Hel­go­land, wo auch Frie­sisch als Amts­spra­che zuge­las­sen ist?

Die deut­sche Spra­che mache also „den Staat aus“, fin­det Peter Mül­ler, stu­dier­ter Jurist. Müs­sen denn Din­ge, die den Staat „aus­ma­chen“ (was auch immer Mül­ler damit meint) und die uns in jedem Moment über­all in die­sem Land umge­ben, noch gesetz­lich gere­gelt wer­den?

Es gibt eigent­lich nur zwei Les­ar­ten für die­se For­de­rung: Die eine wür­de es den Bas­ti­an Sicks und Wolf Schnei­ders die­ser Repu­blik erlau­ben, gegen jeden „Ser­vice Point“ eine Ver­fas­sungs­kla­ge anzu­stren­gen. Die ande­re wäre die Ansa­ge, dass jeder, der in die­sem Land lebt, gefäl­ligst und jeder­zeit Deutsch zu spre­chen habe. So oder so klingt es wie die staats­recht­li­che Umset­zung des unsäg­li­chen Slo­gans „Der Klü­ge­re spricht deutsch“ des idio­ti­schen „Ver­eins Deut­scher Spra­che“.

Lin­gu­is­ten ler­nen im ers­ten Semes­ter: Spra­che ist einem stän­di­gen Wan­del unter­wor­fen. Spra­che ist kein scheu­es Reh, das unter Arten­schutz gestellt und von staat­li­cher Sei­te gepflegt wer­den muss. Spra­che wird gespro­chen und geschrie­ben und wenn sie nicht gespro­chen wird, stirbt sie aus. Wir dürf­ten uns sicher sein, dass jun­ge Men­schen heu­te in Social Net­works und SMS-Nach­rich­ten mehr Text pro­du­zie­ren, als unse­re Eltern­ge­nera­ti­on je hand­schrift­lich geschrie­ben hat. Auch wenn die Mül­lers, Schnei­ders und Sicks es nicht begrei­fen wol­len: Die­se jun­gen Men­schen kom­mu­ni­zie­ren in der Spra­che, die in die­sem Moment den Stand der deut­schen Spra­che dar­stellt. Wenn es über­haupt Spra­chen gibt, die in Deutsch­land eines gesetz­li­chen Schut­zes bedür­fen, dann sind es die Regio­nal­spra­chen und Dia­lek­te (die streng lin­gu­is­tisch betrach­tet kei­ne Spra­chen, son­dern Varie­tä­ten sind).

Ganz schnell ist man bei dem The­ma ja dann immer bei Goe­the, Schil­ler und Adal­bert Stif­ter und der Behaup­tung, dass man so „schö­nes“ Deutsch heut­zu­ta­ge gar nicht mehr höre. Die­ser Aus­sa­ge lie­gen gleich meh­re­re Denk­feh­ler zugrun­de: Ers­tens ist Schön­heit sub­jek­tiv, zwei­tens haben auch zur Zeit der Wei­ma­rer Klas­sik die wenigs­ten Bau­ern schö­ne, druck­rei­fe Sät­ze gespro­chen (geschwei­ge denn geschrie­ben), und drit­tens emp­fiehlt einem jede treu­sor­gen­de Buch­händ­le­rin bei Inter­es­se sicher ger­ne ein paar Dut­zend zeit­ge­nös­si­scher Autoren, die mit der deut­schen Spra­che form­voll­endet umzu­ge­hen ver­ste­hen.

Das Per­fi­de an der Num­mer mit dem Grund­ge­setz ist natür­lich auch: Wer im Bun­des­tag gegen die­sen alber­nen Vor­schlag stim­men wür­de, dürf­te sein Gesicht mit ziem­li­cher Sicher­heit am nächs­ten Tag auf der Titel­sei­te der „Bild“-Zeitung (krea­tivs­ter Umgang mit deut­scher Spra­che: „Wir sind Papst“) wie­der­fin­den, ver­se­hen mit der Fra­ge „Was haben Sie gegen unse­re schö­ne deut­sche Spra­che?“

Für den Beginn wür­de es also viel­leicht rei­chen, wenn unse­re Poli­ti­ker ein wenig nach­däch­ten, bevor sie ihre Mün­der öff­ne­ten, und wenn unse­re Zei­tun­gen uns auch mal ab und an mit ein paar aus­ge­wähl­ten For­mu­lie­run­gen erfreu­ten. Ich bin sicher: zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung hät­ten damit Pro­ble­me, aber das war in der Goe­the­zeit ja nicht anders.

Einen wie üblich sehr fun­dier­ten Arti­kel zum The­ma „Amts­spra­che Deutsch“ hat Ana­tol Ste­fa­no­witsch bereits vor andert­halb Jah­ren im Bre­mer Sprach­blog ver­öf­fent­licht.

Kategorien
Musik Digital

Auswärtsspiel: Einer der 100 besten Songs aller Zeiten

Nilz Bokel­berg ver­öf­fent­licht in sei­nem Blog zur Zeit die defi­ni­ti­ve, unum­stöß­li­che Lis­te mit den 100 bes­ten Songs aller Zei­ten (kei­ne Dis­kus­si­on!). Vor einer Woche ging es los, inzwi­schen nähert er sich den Top 25.

Neben vie­len ande­ren Blog­gern durf­te auch ich einen Bei­trag zu die­ser Lis­te lie­fern. Weil ich die­ses kano­ni­sche „aller Zei­ten“ immer eini­ge Wochen mit mir dis­ku­tie­ren muss („Ele­a­n­or Rig­by“ oder „It’s All Over Now, Baby Blue“, „Bridge Over Trou­bled Water“ oder „Lon­don Cal­ling“?), habe ich lie­ber mein Lieb­lings­lied genannt. Da dau­ert die Ent­schei­dung meis­tens nur weni­ge Stun­den.

Letzt­lich ist mein Bei­trag für die Lis­te also „Such Gre­at Heights“ von The Pos­tal Ser­vice. War­um ich das den­ke, kön­nen Sie bei Nilz lesen. Auf Platz 26.

PS: Nilz Bokel­berg selbst wie­der­um hat heu­te einen Gast­auf­tritt bei „Spie­gel Online“, wo er sich an den Sen­de­start von Viva erin­nert. Das ist ver­mut­lich span­nen­der als das, was ich über einen ein­zel­nen Pop­song zu schrei­ben habe.
PPS: Nilz Bokel­bergs Nach­na­me erzeugt bei mir immer eine gewis­se Weh­mut, weil es mich an den Bökel­berg erin­nert.
PPPS: Nilz Bokel­berg hat mir schon öfter geschrie­ben, was für cra­zy Geschich­ten er über die Dins­la­ke­ner Kult­knei­pe „Ulcus“ kennt. Ich habe mitt­ler­wei­le Grund zu der Annah­me, dass er die­se Geschich­ten mal von mei­nem Anwalt gehört haben könn­te.