Chinese Delivery

Von Lukas Heinser, 3. Dezember 2008 13:46

Vor zehn Tagen ist „Chinese Democracy“ von Guns N‘ Roses erschienen, ein Album der Superlative: 14 Jahre in der Mache, Gesamtkosten von geschätzt 13 bis 15 Millionen Dollar, mindestens sechs verschiedene Gitarristen.

Während angeblich bis zum Frühjahr dieses Jahres an „Chinese Democracy“ gearbeitet wurde (was man angesichts des satten Neunziger-Sounds kaum glauben mag), lag ein anderes Album einfach neun Jahre lang auf Halde:

Am 26. Oktober 1999 sollte „Portable Life“ erscheinen, das zweite Album von Danielle Brisebois. Deren Debütalbum „Arrive All Over You“ von 1994 hatte sich trotz elf wunderbarer Powerpop-Songs kaum verkauft und die New Radicals, deren Bandmitglied Brisebois neben ihrem Songwritingpartner und Produzenten Gregg Alexander war, hatten sich nach ihrem weltweiten Megahit sofort wieder aufgelöst. Das Verhältnis zwischen den Plattenfirmen und allem, wo Brisebois/Alexander drauf stand, war also ein eher gespanntes. Warum RCA Records aber „Portable Life“ nicht veröffentlichte, nachdem man schon Promo-Kopien an Musikjournalisten versandt und die Single „I’ve Had It“ nebst Video fertiggestellt hatte, lässt sich bis heute nicht genau rekonstruieren.

So blieb das Album irgendwo liegen, während RCA als Teil von BMG zu SonyBMG fusionierte und Danielle Brisebois Hitsingles für Natasha Bedingfield und Kelly Clarkson schrieb. Bis zum 30. September dieses Jahres wusste niemand etwas genaueres über den Verbleib der zwölf Songs, zu denen auch „Everything My Heart Desires“ (aus dem Soundtrack zu „Besser geht’s nicht“) und eine neue Version des „Arrive All Over You“-Songs „Just Missed The Train“ gehörten — dann tauchte das Album plötzlich im iTunes Musicstore und als Download bei Amazon.com auf.

Man merkt dem Album seine lange Lagerzeit nicht unbedingt an: Es sind gute Popsongs, die mal mehr, mal weniger druckvoll, mal mehr, mal weniger melancholisch klingen. Manche haben großartige Titel wie „Stop It Hurts You’re Killing Me Don’t Stop“ oder „If I Died Tonight You’d Have To Think Of Me“ und insgesamt fragt man sich, warum Dido oder Kelly Clarkson eigentlich so einen riesigen Erfolg haben und Danielle Brisebois nicht.

Danielle Brisebois - Portable Life (Albumcover)
Danielle Brisebois – Portable Life

VÖ: 30. September 2008 / 26. Oktober 1999
Label: RCA Records
Vertrieb: SonyBMG (digital) / BMG Entertainment

Ein Kommentar

  1. DonDahlmann
    3. Dezember 2008, 14:19

    Uiiiii… das erste Album habe ich wirklich sehr, sehr gerne gehört, was auch daran gelegen haben könnte, dass ich mich nach dem Interview mit ihr damals ein klitzekleines bisschen in sie verliebt hatte. Danke für den Tipp!