Als wäre man selbst dabeigewesen

Von Lukas Heinser, 21. Februar 2008 2:12

Am Montag ist zoomer.de, das neue töfte Nachrichtenportal für Menschen, die sich von Ulrich Wickert duzen lassen wollen, gestartet (Coffee And TV berichtete). Da der Start von derwesten.de gelehrt hat, dass sich am ersten Tag und nach Inaugenscheinnahme des Layouts nichts verlässliches über die Qualität eines neues Webangebots sagen lässt, habe ich es vorgezogen, mich mit Äußerungen zurückzuhalten, bis es auf der inhaltlichen Seite etwas bloggenswertes gibt. Also bis jetzt.

In London wurden am Mittwochabend die Brit Awards verliehen (den qualitativen Unterschied zum Echo können Sie schon daran ablesen, dass auf der offiziellen Website der Brit Awards die Preisträger sofort aufgelistet waren). zoomer.de entschied sich, die wichtigsten Gewinner in einer Bildergalerie vorzustellen. Nun sind Bildergalerien natürlich Geschmackssache und nicht so meins, aber wenn man ein paar schöne atmosphärische Bilder von der Preisverleihung hat: warum nicht?

Wegen Javascript kann ich die einzelnen Bilder (jedes ein Klick) leider nicht direkt verlinken, aber wir können die neun Seiten trotzdem kurz durchgehen:

Bild 1: Kanye West

Bester internationaler Künstler wurde bei den Brit Awards Kanye West. Vielleicht hebt der Sieg seine Stimmung. Seine Mutter ist vor ein paar Wochen an den Folgen einer Schönheits-OP gestorben.

„vor ein paar Wochen“ ist natürlich ein dehnbarer Begriff, starb Dr. Donda West doch bereits im November. Das allerdings ist längst noch nicht so lange her wie der Anlass, bei dem das begleitende dpa-Foto entstanden ist – denn das war beim „Live Earth“-Konzert am 7. Juli 2007.

Bild 2: Kylie Minogue
Nun könnte es natürlich sein, dass Kylie Minogue bei den Brit Awards einfach wieder die gleiche Live-Show geboten hat wie bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ und ich deshalb die Fotos verwechsle (bei den Echos hatte sie ja eine andere Frisur). Hat sie aber offenbar nicht.

Bild 3: Foo Fighters
Über den minimal verunglückten Albumtitel kann ich hinwegsehen, ich muss „Echoes, Silence, Patience & Grace“ ja auch immer erst nachgucken. Das sind natürlich auch die Foo Fighters – aber das in ihrer Hand ist ziemlich sicher kein Brit Award.

Bild 4: Paul McCartney
Wenn Macca sich nicht während des Auftritts umgezogen hat, ist auch dieses ddp-Bild aus dem Archiv.

Bild 5: Take That
Ich finde auf die Schnelle nichts, was das Gegenteil beweist, also könnten wir davon ausgehen, dass das Bild tatsächlich Take That bei den Brit Awards zeigt, wenn – ja, wenn Take That dort gar nicht aufgetreten wären.

Bild 6: Arctic Monkeys
Tatsache: Das Bild mit der lustigen Verkleidung ist vom Mittwoch.

Bild 7: Mark Ronson
That’s easy: Das in seiner Hand ist ein Grammy.

Bild 8: Kate Nash

Bildnachweis: Promo

Na, jetzt wissen wenigstens alle, wie Kate Nash aussieht, wenn sie gerade nicht den Preis als beste britische Künstlerin erhält.

Bild 9: Mika
Ach, vielleicht ist das ja das gleiche Hemd. Ist letztlich auch egal fürs

Fazit
Von den neun Fotos der Fotostrecke „Brit Awards“ stammen mindestens sieben aus dem Archiv, die Minimaltexte neben den Bildern führen noch nicht mal alle Gewinner auf (andererseits: Welcher deutsche Leser kennt schon Adele?) und über den Auftritt des Abends (Rihanna! Klaxons! Zusammen!!!!1) fehlt jedes Wort. Dafür brauch ich kein neues Portal, für derartigen Qualitätsjournalismus habe ich „Spiegel Online“ und sueddeutsche.de …

Versöhnlicher Abschluss
Wenn Sie guten Musikjournalismus wollen, lesen Sie Kelefa Sannehs „New York Times“-Artikel über den New Yorker Auftritt von Tokio Hotel. Der ist wirklich toll und die zwei Bilder auf der Seite sind auch noch hundertmal besser als der Archiv-Krempel bei zoomer.de.

8 Kommentare

  1. Alberto Green
    21. Februar 2008, 11:27

    Sehr schöner Artikel, der offensichtlich bei zoomer gelesen wurde, da sie jetzt nicht nur Worte über Rainer feat. Saxon verlieren, sondern sogar ein Video vom Auftritt zeigen.
    http://www.zoomer.de/news/topt.....lla-live-2

  2. Sebastian
    21. Februar 2008, 12:39

    Der interessanteste Artikel zum TH-Auftritt in NY neulich kam von einem männlichen Groupie, leider finde ich ihn nicht mehr.

  3. OliverDing
    21. Februar 2008, 19:10

    Langsam entwickelt sich „Umbrella“ zu „Baby one more time“. Mistig-nerviges Original entwickelt in alternativen Versionen ungeahnte Stärken. Wenn jetzt Rihanna das Knödeln einstellen würde, könnte aus der Frau noch etwas werden.

  4. OliverDing
    21. Februar 2008, 20:18

    BTW: http://devanna.wordpress.com/2.....-and-sara/

  5. Coffee And TV
    22. Februar 2008, 19:19

    Ella, ella, eeh…

    Im Frühjahr 2007 erschien “Umbrella”, die erste Single aus dem dritten Album von Rihanna. Das zuvor semi-prominente R’n’B-Sternchen wurde über Nacht zum Superstar und “Umbrella” der Hit des Jahres, der es auch auf meine…

  6. Frank Syré
    27. Februar 2008, 1:06

    Was offenbar aufgefallen ist:
    Von den neun Fotos der Fotostrecke “Brit Awards” stammen mindestens sieben aus dem Archiv, die Minimaltexte neben den Bildern führen noch nicht mal alle Gewinner auf (andererseits: Welcher deutsche Leser kennt schon Adele?) und über den Auftritt des Abends (Rihanna! Klaxons! Zusammen!!!!1)“

    Was wohl keiner gemerkt hat, war, dass wir nachts parallel zur Preisverleihung gearbeitet haben und noch gar keine aktuellen Bilder vorlagen. Das morgentliche Update war entsprechend geplant. Da drin sind die kritisierten Punkte sauber abgearbeitet worden – da war die Konkurrenz auch nicht schneller, während wir bis 6.30 früh ganz alleine mit dem Thema online waren ;)

    lg –> -y-

  7. Lukas
    27. Februar 2008, 1:22

    Darf ich trotzdem fragen, warum man sich, wenn keine aktuellen Bilder vorliegen, ausgerechnet für die journalistische Form der Bildergalerie entscheidet?

  8. Frank Syré
    27. Februar 2008, 14:04

    Wir fanden das angemessener, als x-hundert Zeilen Text. Dann kann man sich die Künstler wenigstens ansehen, die einige nur aus dem Radio kennen.

    lg –> -y-