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Songs des Jahres 2025

In Zei­ten wie die­sen hel­fen ja vor allem Tra­di­tio­nen und Ritua­le: Jedes Jahr sit­ze ich also im Janu­ar vor mei­nem Mac­Book, schie­be zuneh­mend hilf­los Tracks in einer Spo­ti­fy-Play­list hin und her und ver­su­che, Hun­der­te Songs, die ich im ver­gan­ge­nen Jahr gehört habe, in irgend­ei­ne belast­ba­re Rei­hen­fol­ge zu brin­gen. Das neue Jahr kann, ja: darf, nicht rich­tig begin­nen, ehe ich nicht das alte mit einer mög­lichst objek­ti­ven, all­um­fas­sen­den Rück­schau abge­schlos­sen habe.

Aus der ers­ten Kalen­der­wo­che wird die zwei­te, drit­te und vier­te, lang­sam wer­de ich gestresst — und obwohl ich weiß, dass das hier nie­mand ernst­haft von mir erwar­tet, erscheint mir die­ses Hob­by-Pro­jekt, das eigent­lich harm­los, posi­tiv und lebens­be­ja­hend sein soll­te, zuneh­mend wie eine Last; eine Art musi­ka­li­sche Steu­er­erklä­rung. Mehr noch: Weil ich weiß, dass ich mir die­sen Druck aus­schließ­lich selbst mache, habe ich beson­ders schlech­te Lau­ne — so einen intrin­si­schen Stress ken­ne ich von den ande­ren Män­nern in mei­ner Fami­lie und dafür bin ich nicht in The­ra­pie gegan­gen!

Die­ses Jahr ist es zumin­dest ein biss­chen anders: Ich habe mich Anfang Dezem­ber bei Apple Music ange­mel­det — das ist ethisch immer­hin ein biss­chen bes­ser zu ver­tre­ten als Spo­ti­fy, außer­dem ist die Sound­qua­li­tät so viel bes­ser, dass ich Anfangs dach­te, ich hät­te ein neu­es Paar Ohren, und alle mei­ne Lieb­lings­al­ben erst­mal neu – also qua­si: zum ers­ten Mal – hören muss­te. Wenn man Musik die letz­ten 19 Jah­re als MP3s mit 160 kb/​s gehört hat, hat man kei­ne Musik gehört!

Die ande­ren Pro­ble­me aber blei­ben: So vie­le Songs, aber die meis­ten nicht öfter als drei, vier Mal gehört. Zumin­dest im Strea­ming — man­che Songs habe ich bei BBC Radio 6 Music bestimmt 20, 30 Mal gehört und sie sind mir damit auto­ma­tisch ver­trau­ter, lie­ber und wer­den am Ende ver­mut­lich höher gerankt wer­den. Und damit zeigt sich ja die gan­ze Absur­di­tät der ver­meint­li­chen Qua­li- und Quan­ti­fi­zie­rung: Es gehört eben­falls zur Tra­di­ti­on, dass ich zu irgend­ei­nem Zeit­punkt den Sinn des gan­zen Unter­fan­gens hin­ter­fra­ge. Und wen genau will ich mit so einer Rang­lis­te, die ich nun – mit Unter­bre­chun­gen – seit dem Jahr 2000 jedes Jahr anle­ge, eigent­lich noch beein­dru­cken?

Mit zuneh­men­dem Alter erscheint mir das Pro­jekt also immer sinn­lo­ser und trotz­dem mache ich erst­mal wei­ter (was auch eine sehr schö­ne Beschrei­bung für das Kon­zept „Leben“ an sich wäre). Weil es mir eben auch hilft, zurück­zu­bli­cken, zu sor­tie­ren, und so ein Jahr dann in einen Kar­ton zu packen und ins Schwer­last­re­gal zu stel­len.

Wenn ich die gro­ßen Trends und The­men von 2025 her­aus­ar­bei­ten soll­te, wür­de ich sagen: Die 1990er Jah­re sind wie­der da — und sie gehen nicht mehr weg. Von Brit­pop (und da rech­nen wir die Oasis-Reuni­on und das neue Rob­bie-Wil­liams-Album glei­chen Namens nicht mit rein) über Alter­na­ti­ve Rock ist alles zurück; jun­ge Acts erin­nern an Beck, Blur, Hole, Smas­hing Pump­kins und so wei­ter. Und was nicht nach den Neun­zi­gern klingt, klingt nach The War On Drugs.

Ansons­ten war ich sti­lis­tisch weit unter­wegs: Ich sehe in mei­ner Lis­te neben Nahe­lie­gen­dem wie Indie, Ame­ri­ca­na und Elec­t­ro auch fran­zö­si­schen Hip­Hop, Jazz, Klas­sik; ich zäh­le sechs deutsch­spra­chi­ge Songs (davon zwei in den Top 10), was es so ver­mut­lich auch lan­ge nicht mehr gege­ben hat, zwei nie­der­län­di­sche und was auch immer Rosalía da alles in „Berg­hain“ abfeu­ert. Zwei Cover-Ver­sio­nen des glei­chen Songs! Der längs­te Song ist 10:52 Minu­ten lang, der kür­zes­te 1:56.

Es sind 100 Songs, alle sehr gut, vie­le davon rich­tig, und ich hät­te sicher­lich noch viel mehr fin­den und auf die Lis­te packen kön­nen. Ihr könnt sie auf Shuff­le hören, aber das hier sind – Stand Jetzt – mei­ne Top 10 des Jah­res 2025:

10. Jalen Ngonda – Just As Long As We’re Together

Erst Anfang des letz­ten Jah­res bin ich durch mei­nen Kum­pel Ste­phan Kochs auf Jalen Ngon­das Debüt-Album „Come Around And Love Me“ (Dap­to­ne; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Band­camp) aus dem Jahr 2023 auf­merk­sam gewor­den — und da haben wir gleich einen wei­te­ren Grund, die­se gan­zen Jah­res­bes­ten­lis­ten in Fra­ge zu stel­len, denn im Nach­hin­ein wür­de ich die­se fei­ne Soul/R&B/Motown-Platte ger­ne in mei­ne Top 10 jenes Jah­res packen (die aller­dings eh nicht so rich­tig exis­tiert).

Die gute Nach­richt: Jalen Ngon­da hat auch 2025 Musik ver­öf­fent­licht und „Just As Long As We’­re Tog­e­ther“ ist Son­nen­schein auf Vinyl (wenn man Musik noch auf Vinyl hört). Man ist sich beim ers­ten Hören sicher, die­sen Song schon seit der eige­nen Kind­heit von Mar­vin Gaye, The Tempt­a­ti­ons, The Four Tops, The Spin­ners oder The Jack­son 5 zu ken­nen, und stellt dann fest: Nee. Aber es fühlt sich genau­so an!

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9. Kae Tempest – Statue In The Square

Bis zum letz­ten Jahr war Kae Tem­pest immer nur am Ran­de mei­nes Sicht­felds auf­ge­taucht: span­nen­de Per­son (die Kar­rie­re begann weib­lich gele­sen, 2020 hat­te Kae Tem­pest ein coming out als nicht-binä­re Per­son, seit letz­tem Jahr spricht er von sich selbst als trans Mann), die Gedich­te, Roma­ne, Thea­ter­stü­cke, Essays und eigent­lich alle Arten von Tex­ten schreibt, span­nen­de Musik, aber näher beschäf­tigt hab ich mich nie damit.

Dann kam „Sta­tue In The Squa­re“, die ers­te Sin­gle des Albums „Self Titled“ (Island; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music): Breit­bei­nig stellt sich der Song kon­ser­va­ti­ven Evo­lu­ti­ons­brem­sen und dem Nar­ra­tiv eines reak­tio­nä­ren Back­lashs ent­ge­gen; im Hin­ter­grund schwillt ein Beat, irgend­wie bedroh­lich, aber mit­rei­ßend. „They never wan­ted peo­p­le like me round here /​ But when I’m dead, they’ll put my sta­tue in the squa­re“, rappt Kae Tem­pest und errich­tet denen, die nie rein­ge­passt haben, die beäugt, ver­spot­tet und aus­ge­grenzt wur­den, eige­ne Denk­mä­ler. Eine Faust, die auf den Brust­korb trom­melt, an der Stel­le, wo das Herz ist.

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8. KORD – Das ist nicht New York

Auf deutsch­spra­chi­ge Tex­ten reagie­re ich in aller Regel sehr kör­per­lich: Ent­we­der will ich mich vor lau­ter Fremd­scham selbst ent­lei­ben oder mein Herz wird direkt frei­ge­legt, weil es zu groß für mei­nen Brust­korb gewor­den ist.

„Das ist nicht New York“ von KORD fällt in letz­te­re Kate­go­rie. Ich weiß gar nicht, bei wie vie­len Text­stel­len ich Gän­se­haut bekom­me. Es ist die Geschich­te einer Kind­heit in der deut­schen Pro­vinz im Wis­sen um das Kon­zept „USA“ (im Springsteen’schen Sin­ne, nicht im poli­ti­schen) bei gleich­zei­ti­ger Nega­ti­on des­sel­ben. Drauf gesto­ßen bin ich durch den Auf­tritt bei „Inas Nacht“, aber die gan­ze EP (War­ner; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Deezer) gefällt mir sehr gut. Klingt, als hät­te Adam Gran­du­ciel von The War On Drugs Annen­May­Kan­te­reit pro­du­ziert, ist aber geil!

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7. Clipping – Keep Pushing

Das ein­zi­ge, was ich lan­ge über Clip­ping, jenes expe­ri­men­tel­les Hip­Hop-Trio aus Kali­for­ni­en, wuss­te, war, dass Dave­ed Diggs, Mar­quis de Lafayette/​Thomas Jef­fer­son aus „Hamil­ton“, dort sei­ne maschi­nen­ge­wehr­ähn­li­chen rap skills abfeu­ert.

Dann kam „Keep Pushing“ als Vor­ab-Sin­gle ihres fünf­ten Albums „Dead Chan­nel Sky“ (Sub Pop Records; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music, Band­camp): Ein hyp­no­ti­scher Track, der sich immer wei­ter stei­gert und einen mit­reißt wie in einen Stru­del. Und jeder Stru­del führt nach unten: Es ist ein Song dar­über, in einer Welt, die um einen zer­fällt, immer wei­ter zu machen. Wobei die­ses „wei­ter machen“ im Text kon­kret bedeu­tet: Dro­gen­han­del.

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6. HAIM – Relationships

„Bezie­hun­gen: Oder soll man es las­sen?“, ist eine Fra­ge, die (mei­nes Wis­sens, aber ich hab auch bes­se­res zu tun) bis­her noch kein Medi­um gestellt hat. Dabei gäbe es in Zei­ten, in denen die kör­per­li­che Selbst­be­stim­mung von Frau­en in vie­len US-Bun­des­staa­ten wie­der ein­ge­schränkt wird; in denen das Mutt­chen am Herd als frag­wür­di­ger Social-Media-Trend „Trad­wi­fe“ eine über­ra­schen­de Renais­sance fei­ert; in denen meh­re­re Stu­di­en zu dem Ergeb­nis kom­men, dass die jüngs­te geschlechts­rei­fe Gene­ra­ti­on, Z, weni­ger Sex hat als die Gene­ra­tio­nen vor ihr; in denen Paartherapeut*innen zu Social-Media-Stars wer­den, genug Anläs­se, Bei­spie­le und Gele­gen­hei­ten, mal inten­si­ver über zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen nach­zu­den­ken.

HAIM machen das auf ihrem vier­ten Album „I Quit“ (Poly­dor; Apple Music, Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Tidal, You­Tube Music), über das ich für die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“ geschrie­ben habe, unter vie­len Aspek­ten; vor allem tun sie es in der ers­ten Sin­gle „Rela­ti­onships“, die Jahr­zehn­te (ehr­li­cher­wei­se: Jahr­tau­sen­de, aber mit sol­chen Kate­go­rien ist man ja hier­zu­lan­de lie­ber vor­sich­tig) gesell­schaft­li­cher Kon­ven­tio­nen in Fra­ge stellt und dabei so ver­gnügt klingt wie eine TLC-Sin­gle aus den 1990er Jah­ren: „Oh, this can’t just be the way it is /​ Or is it just the shit our par­ents did /​ And had to live with it in their rela­ti­onship?“

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5. Deep Sea Diver – Shovel

„Sho­vel“ von Deep Sea Diver aus Seat­tle wird schon des­halb immer einen beson­de­ren Platz in mei­nem Her­zen haben, weil wir damit unse­re kurz­le­bi­ge Musik-Video­blog-Serie „5 Songs, die Ihr die­sen Monat gehört haben soll­tet“ eröff­net haben.

Die­ser Wech­sel zwi­schen Stro­phe und Refrain, zwi­schen Selbst­zwei­feln und trot­zig-opti­mis­ti­schem „It’s taken care of“ reißt mich auch ein Jahr spä­ter immer noch mit.

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4. Lucy Dacus – Best Guess

Das ist einer die­ser Songs, die bei BBC Radio 6 Music rauf- und run­ter­lie­fen: Ein Lie­bes­lied dar­über, dass bei­de Part­ne­rin­nen altern wer­den; dass es viel­leicht nicht für immer hal­ten wird; dar­über, was man sucht und fin­det, und dass letzt­lich alles, was mit der Zukunft zu tun hat, immer auch eine Wet­te ist.

So abge­klär­te Gedan­ken zu einem wun­der­schö­nen, roman­ti­schen Love­song zu for­men, ist die gro­ße Stär­ke von Lucy Dacus. Nicht als trotz­dem, son­dern als des­halb. Was soll man denn auch sonst machen?

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3. Taal – Schwerelos

Auf deutsch­spra­chi­ge Tex­ten reagie­re ich …

Sor­ry, ich komm noch mal rein: Taal sind ein jun­ges FLIN­TA-Duo aus Köln. Cla­ra hat schon unter dem Namen Mar­ya­ka Musik gemacht und in der aller­al­ler­ers­ten Fol­ge unse­rer klei­nen Musik­sen­dung haben wir Mar­ya­kas Song „Grow“ gespielt. Zusam­men mit Tari ist Cla­ra Taal und die bei­den sin­gen auf Deutsch über gro­ße Gefüh­le.

„Schwe­re­los“ ist erst ihre drit­te Sin­gle, aber es war sehr, sehr unan­ge­foch­ten mein Som­mer­hit des Jah­res 2025. „Bei Dir den­ke ich, ich kann das“, ist – hands down – eines der auf­rich­tigs­ten, pas­sends­ten und süßes­ten Kom­pli­men­te, das je in einem Lie­bes­lied gemacht wur­de.

Text­li­che Ver­spre­chen knal­len natür­lich umso mehr, wenn sie auch musi­ka­lisch ein­ge­löst wer­den — und hier ist tat­säch­lich alles schwe­re­los, indi­go und so groß: Älte­re wer­den sich an Wir Sind Hel­den oder Mia erin­nert füh­len, ganz Alte viel­leicht an Nena, es ist auch ein Hauch von The War On Drugs zu erken­nen (wie eigent­lich aktu­ell über­all), vor allem ist es aber ein wun­der­schö­ner, unpein­li­cher, quee­rer Love­song!

Und wenn man ein­mal gese­hen hat, wie Cla­ra und Tari die­sen Song live mit einer Cho­reo unter­le­gen, die man nur als „selbst­be­wusst awk­ward“ bezeich­nen kann, wird die bei­den eh sofort in sein Herz schlie­ßen!

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2. Ider – Attachment Theory

Die­se merk­wür­di­gen neu­en Ver­öf­fent­li­chungs­kon­zep­te mit „water­fall stra­tegy“ und allem füh­ren dazu, dass Du als Act in zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Jah­ren in mei­nen Top 10 auf­tau­chen kannst: Letz­tes Jahr waren Ider mit „You Don’t Know How To Dri­ve“ auf Platz 6, jetzt sind sie mit „Attach­ment Theo­ry“ auf Platz 2: Ein trei­ben­der Song über Bezie­hun­gen, Rol­len­bil­der, Selbst­er­mäch­ti­gung und dar­über, aus alten Struk­tu­ren aus­zu­bre­chen. (Ich mer­ke gera­de, dass min­des­tens die Hälf­te mei­ner Top-10-Songs mit Bezie­hun­gen und Lie­be zu tun haben. Weiß mein Musik­ge­schmack etwas, das ich nicht weiß?)

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1. Wet Leg – Catch These Fists

Ich weiß noch ganz genau, wo und wie ich die ers­ten Tak­te von „Catch The­se Fists“ von Wet Leg zum ers­ten Mal bei „All Songs Con­side­red“ gehört habe. Ich wuss­te schon nach drei, vier Tönen, dass mich die­ser Song lan­ge beglei­ten und ver­mut­lich mein Song des Jah­res wer­den wird. Es war frü­her Mor­gen, die Son­ne schien und Hei­ko But­scher, der den VfL Bochum in der Sai­son 2023/​24 völ­lig über­ra­schend in der Bun­des­li­ga gehal­ten hat­te, fuhr auf dem Fahr­rad an mir vor­bei.

2025 ist der VfL dann abge­stie­gen, aber dazu passt ein Song, der die gan­ze Zeit damit droht, einem eins aufs Maul zu geben, natür­lich auch sehr schön: Rhi­an Teas­da­le und Hes­ter Cham­bers von Wet Leg wis­sen jeden­falls, wie man einen Span­nungs­bo­gen auf­baut und so rich­tig schön auf die Hörer*innen drauf­knüp­pelt. Man down!

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Und hier sind mei­ne Top 100 — bei Apple Music:

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Und auch noch mal bei Spo­ti­fy:

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Songs 10/​25

Like Roses covern Cher (und wie!), Haim brin­gen einen Bonus­track mit Bon Iver raus, Tay­lor Swift singt über Holz, Ash klin­gen zusam­men mit Blur-Gitar­rist (und Blog-Namens­ge­ber) Gra­ham Coxon wie Weezer, The Moun­tain Goats haben sich Ver­stär­kung in Form von „Hamilton“-Erfinder Lin-Manu­el Miran­da geholt, Brock­hoff chan­nelt die hal­ben 90er (also: den musi­ka­lisch guten Teil), Hem haben ihr Debüt­al­bum „Rab­bit Songs“ remas­te­red — und noch so viel mehr tol­le Sachen!

Hört ein­fach rein:

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Songs 3/​25

Das Jahr nimmt lang­sam rich­tig Fahrt auf, was man an der Zahl der Ver­öf­fent­li­chun­gen im März merkt. Ich ver­su­che mal, für Euch den Durch­blick zu behal­ten, und emp­feh­le neue Songs von HAIM, Clip­ping, Car Seat Head­rest, Case Oats und Kae Tem­pest.

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Noch mehr Songs gibt’s wie immer auf unse­rem Cof­fee-And-TV-Mix­tape:

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Songs des Jahres 2020

Hier Ein­stiegs­text: Was für ein Jahr, Musik als Trost und Eska­pis­mus, streng sub­jek­tiv, Stand 16:04, viel Spaß!

25. Janou – Sweet Love

Was für ein Geschenk das ist, talen­tier­ten Men­schen dabei zuse­hen zu dür­fen, wie sie ihre Kunst ver­fei­nern! Ich ken­ne Janou jetzt schon seit fast zehn Jah­ren und habe erlebt, wie sie rumo­ren­de Knei­pen zum Schwei­gen brach­te, wenn sie ihre Stim­me zur Akus­tik­gi­tar­re erhob. Seit eini­ger Zeit bekommt sie dabei elek­tro­ni­sche Unter­stüt­zung und gleich die aller­ers­te Sin­gle des Duos klingt, als hät­te sie 1994 auf der „Pro­tec­tion“ von Mas­si­ve Attack die­ses merk­wür­di­ge „Light My Fire“-Cover erset­zen sol­len:

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24. Hol­ly Hum­ber­stone – Deep End
Der Nach­teil, wenn einem Spo­ti­fy ein­fach so ein Lied vor­schlägt, in das man sich dann ver­liebt, ist ja, dass man ihn manch­mal ein Jahr lang hört, ohne irgend­et­was über die Per­son zu wis­sen, die ihn singt. Ande­rer­seits haben wir ja im Stu­di­um gelernt, Bio­gra­phie vom Werk zu tren­nen, und so kön­nen Formatradio-Moderator*innen ger­ne aus dem Wiki­pe­dia-Bei­trag von Hol­ly Hum­ber­stone vor­le­sen (als ob!) – ich blei­be ein­fach ganz ergrif­fen von die­sem tod­trau­ri­gen, aber irgend­wie auch opti­mis­ti­schen Song:

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23. love­ly­the­band – Loneli­ne­ss For Love
Erin­nern Sie sich noch, als The Kil­lers neu waren und wahl­wei­se dafür geschol­ten oder geprie­sen wur­den, dass sie wie Joy Divi­si­on, New Order und Duran Duran klan­gen? Ich freue mich, Ihnen mit­tei­len zu kön­nen, dass wir es alle geschafft haben, so alt zu wer­den, dass jun­ge Bands wie The Kil­lers klin­gen! love­ly­the­band ist nun wirk­lich kein beson­ders gelun­ge­ner Band­na­me, ich habe kei­ne Ahnung, wie der Rest ihres Schaf­fens klingt, aber die­ser 80’s pop song (und beson­ders sein Syn­the­si­zer-Riff) ist schon sehr chic:

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22. Dar­lings­ide – Green + Ever­green
„Fish Pond Fish“, das aktu­el­le Album von Dar­lings­ide, hat es knapp nicht in mei­ne Top 10 geschafft – ich möch­te es aber den­noch allen ans Herz legen, die opu­lent arran­gier­ten Folk-Pop lie­ben, bei dem trotz­dem kein Ton zu viel ist. Wer Fleet Foxes oder The Low Anthem mag, wird auch Dar­lings­ide zu schät­zen wis­sen!

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21. Jacob Col­lier feat. Maha­lia and Ty Dol­la $ign – All I Need
Der Name Jacob Col­lier ist mir im letz­ten Jahr immer wie­der in unter­schied­lichs­ten Zusam­men­hän­gen unter­ge­kom­men: Als Song­wri­ter für u.a. Cold­play; als Tes­ti­mo­ni­al, das in den Wer­be­blö­cken auf CNN erzählt, wel­che Aus­wir­kun­gen der Lock­down auf Musiker*innen hat; und als Gast in US-Late-Night-Shows. Ob er auch in Deutsch­land im Radio läuft? Kei­ne Ahnung, ich hör ja kaum wel­ches (eine kur­ze Recher­che ergab aller­dings, dass er zumin­dest inner­halb der letz­ten Woche nicht auf 1Live gespielt wur­de). „All I Need“ ist ein R’n’B-Song, der immer wie­der Haken schlägt und in Rich­tun­gen geht, die man einen Beat zuvor nicht erwar­tet hät­te. Cool, mit Ver­wei­sen auf die Musik­ge­schich­te und eige­nem Sound. Zuge­ge­ben: Das ist zu viel fürs deut­sche For­mat­ra­dio!

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20. Agnes Obel – Island Of Doom
„Kate Bush“. Da wir das jetzt hin­ter uns haben, kön­nen wir uns ganz auf die­sen … nun ja: äthe­ri­schen Pop­song ein­las­sen, in dem die Stim­me von Agnes Obel in vie­len Schich­ten über ein tän­zeln­des Kla­vier weht. Ein­fach mal durch­at­men war 2020 gar nicht so leicht, die­ser Song konn­te dabei hel­fen. Und: Ja, so coo­le Sachen bekom­men Sie im ARD-Mor­gen­ma­ga­zin zu sehen, für das ich unter ande­rem arbei­te!

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Alben des Jahres 2020

Okay, ich bin spät dran – ande­rer­seits hat 2021 ja nicht am 1. Janu­ar begon­nen, son­dern fast drei Wochen spä­ter. Und: Ja, ich hat­te letz­tes Jahr schon gesagt, dass ich viel­leicht nie wie­der eine Lis­te mit den „Alben des Jah­res“ machen wür­de, weil das For­mat Album zuneh­mend an Bedeu­tung ver­liert; weil man­che Acts zum Bei­spiel gar kei­ne Alben mehr machen – oder Leu­te wie Tay­lor Swift halt gleich zwei, von denen man dann auch irgend­wie nicht so recht weiß, wie man die­se behan­deln soll. Aber es war so ein selt­sa­mes Jahr, dass ein wenig Rück­be­sin­nung auf Alt­be­währ­tes psy­cho­lo­gisch sinn­voll sein kann.

Wald voller Bäume

Also dann: Zum wirk­lich aller­letz­ten Mal – mei­ne liebs­ten Alben eines Kalen­der­jah­res!

10. Sev­da­li­za – Shab­rang (Spo­ti­fy, Apple Music)
Der Musik von Sev­da­li­za bin ich zum ers­ten Mal im Febru­ar 2020 bei „All Songs Con­side­red“ begeg­net und erst­mal abge­taucht in die­se etwas unge­wohn­ten Klang­wel­ten. Als dann im August das zwei­te Album der ira­nisch-nie­der­län­di­schen Musi­ke­rin erschien, war „unge­wohnt“ kei­ne Kate­go­rie mehr, in der irgend­je­mand gedacht hat. Das Inter­net bezeich­net die Musik als „Elec­tro­nic, alter­na­ti­ve R&B, trip hop, expe­ri­men­tal pop, avant-pop“, aber manch­mal hilft es ja, sich Sachen ein­fach anzu­hö­ren und dar­auf ein­zu­las­sen.

9. Vis­tas – Ever­y­thing Chan­ges In The End (Spo­ti­fy, Apple Music)
Wenn Ste­phen Thomp­son von NPR, ein Mann, dem ich in Sachen Musik blind ver­traue, sagt, dass er seit lan­gem kein Album mehr gehört habe, das so vie­le poten­ti­el­le Hits ent­hal­te; das klin­ge wie eine Mischung aus den Pro­clai­mers, Andrew W.K. und Foun­ta­ins Of Way­ne und das eines sei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­al­ben des Jah­res sein wer­de, dann höre ich mir das natür­lich an: „Ever­y­thing Chan­ges In The End“ von Vis­tas war dann tat­säch­lich eine ein­zi­ge Samm­lung gro­ßer, vor Freu­de fast plat­zen­der Power-Pop-Hym­nen – in Sachen Span­nungs­bo­gen und Abwechs­lung war das ein biss­chen öde, aber nach­dem der Som­mer 2020 fast aus­schließ­lich in unse­rem eige­nen Gar­ten statt­fand, den­ke ich bei die­sen Songs eben nicht an Nach­mit­ta­ge im Stadt­park, Fes­ti­val-Besu­che (gut: ich bin eh zu alt für die­sen Quatsch!) und abend­li­che Heim­we­ge in kur­zen Hosen, son­dern an den Teil des Gar­tens hin­ter der Gara­ge, den Teil des Gar­tens neben der Kel­ler­trep­pe und – total cra­zy – den Aus­flug zu Fuß zum Ede­ka.

8. Bruce Springsteen – Let­ter To You (Spo­ti­fy, Apple Music)
Wenn man ein Album von Bruce Springsteen in sei­ne Jah­res-Top-10 packt, kann man eigent­lich als nächs­tes an der Leser­charts-Wahl des deut­schen „Rol­ling Stone“ teil­neh­men, sich mit Leder­ja­cke auf ein Motor­rad set­zen und schon mal den Ter­min für die nächs­te Vor­sor­ge-Unter­su­chung beim Haus­arzt machen! Aber wenn uns 2020 eines gelehrt hat, dann: Weni­ger Zynis­mus, bit­te! (Und mehr Vor­sor­ge-Unter­su­chun­gen!) Was kön­nen ich und motor­rad­fah­ren­de Rock­ma­ga­zin-Leser über 60 denn dafür, dass der Boss auch nach all den Jah­ren so gute Alben aus dem Ärmel sei­ner Leder­ja­cke schüt­telt? Fast das gan­ze „Let­ter To You“ ist eine Fei­er von Musik, Opti­mis­mus und Durch­hal­te­ver­mö­gen und es ist etwas über­ra­schend, dass die Songs schon vor dem gan­zen Scheiß geschrie­ben (drei sogar vor fast 50 Jah­ren) und mit der E Street Band auf­ge­nom­men wur­den.

7. Tou­ché Amo­ré – Lament (Spo­ti­fy, Apple Music)
Wer woll­te 2020 nicht am Liebs­ten ein­fach nur Schrei­en? Jere­my Bolm macht genau das – und er ist sehr gut dar­in. Irgend­wie waren die ers­ten vier Alben von Tou­ché Amo­ré an mir vor­bei­ge­gan­gen, obwohl sie eigent­lich genau mein Ding hät­ten sein müs­sen. Jetzt aber: „Lament“. Musik, die klingt, als wür­de ich sie schon seit 20 Jah­ren im Her­zen tra­gen, als hät­te ich dazu schon in abge­ranz­ten Clubs auf der Tanz­flä­che gestan­den, mei­ne Fäus­te geballt, die Unter­ar­me ange­win­kelt und dann sehr laut und emo­tio­nal mit­ge­brüllt. Ich ver­spre­che, ich wer­de es nach­ho­len, sobald es mög­lich ist!

6. Cir­ca Waves – Sad Hap­py (Spo­ti­fy, Apple Music)
Wo wir gera­de vom For­mat Album spra­chen: „Sad Hap­py“ kam in zwei Tei­len her­aus – „Hap­py“ im Janu­ar 2020, als die Welt, wie wir sie kann­ten, noch exis­tier­te, und man ange­sichts von sie­ben groß­ar­ti­gen Songs schon mal nach Tour­da­ten Aus­schau gehal­ten hat; „Sad“ an jenem 13. März, in des­sen Ver­lauf Schu­len und Kin­der­gär­ten geschlos­sen, die Bun­des­li­ga aus­ge­setzt und gene­rell die vor­he­ri­ge Nor­ma­li­tät völ­lig abge­schal­tet wur­de. Nach der eupho­ri­schen, ener­gie­ge­la­de­nen ers­ten Hälf­te pass­te der 2. Teil zur neu­en Wirk­lich­keit (so, wie natür­lich alles plötz­lich irgend­ei­ne Bedeu­tung hat­te): Ein biss­chen mehr Melan­cho­lie, ein biss­chen mehr Syn­the­si­zer, ein biss­chen mehr Akus­tik­gi­tar­ren. Die ers­ten sie­ben Songs waren plötz­lich eine Erin­ne­rung an eine ande­re Welt, das gan­ze Album blieb toll.

5. Dar­ren Jes­see – Remo­ver (Spo­ti­fy, Apple Music)
Dar­ren Jes­see beglei­tet mich mehr als mein hal­bes Leben: Erst als Schlag­zeu­ger, Back­ground-Sän­ger und Gele­gen­heits-Song­wri­ter bei mei­ner ewi­gen Lieb­lings­band Ben Folds Five, dann als Sän­ger und Haupt-Band­mit­glied von Hotel Lights, wo ich ein paar Mal mit ihm im E‑Mail-Aus­tausch stand, um die Musik der Band bei CT das radio zu spie­len und sonst­wie in Euro­pa popu­lär zu machen. „Remo­ver“ ist Dar­ren Jes­sees zwei­tes Solo­al­bum und zählt mit zum Bes­ten, was er je her­aus­ge­bracht hat: Ein ein­fa­ches, redu­zier­tes Folk-Pop-Album zwi­schen Elliott Smith und Mon­ta, Neil Young und Wil­co. Songs wie „Along The Out­skirts“ und „Never Gon­na Get It“ füh­len sich an wie die kraft­vol­le Umar­mung eines alten Freun­des (wenigs­tens glau­be ich das, was weiß ich, wie sich Umar­mun­gen anfüh­len?!).

4. Kath­le­en Edwards – Total Free­dom (Spo­ti­fy, Apple Music)
2014 hat­te sich Kath­le­en Edwards nach vier groß­ar­ti­gen Alben und aus­zeh­ren­den Tou­ren durch die hal­be Welt aus dem Musik­ge­schäft zurück­ge­zo­gen und in ihrer Hei­mat einen Cof­fee Shop namens „Quit­ters“ auf­ge­macht. Nach Jah­ren der Stil­le und des Milch­auf­schäu­mens kehr­te sie im ver­gan­ge­nen Jahr zurück und sang auf „Total Free­dom“ zum Glück wie­der wun­der­schö­ne, etwas melan­cho­li­sche Alter­na­ti­ve-Folk-Songs über zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen, das Leben und den Aus­stieg aus dem Busi­ness. Ich bin 2020 wirk­lich nicht viel Auto gefah­ren, aber wenn ich mich an unbe­schwer­te Stun­den auf der Auto­bahn erin­ne­re, dann mit die­sem Album.

3. HAIM – Women In Music Pt. III (Spo­ti­fy, Apple Music)
Natür­lich hie­ßen die ers­ten bei­den Alben von HAIM nicht „Women In Music“, aber es war schon ein klu­ger, klei­ner Gag der Schwes­tern-Band, das drit­te Werk so zu benen­nen, ist es doch im bes­ten Sin­ne eine kon­se­quen­te Fort­set­zung: Es groovt, die Drums schep­pern ein biss­chen und die Stim­men von Este, Dani­elle und Ala­na Haim har­mo­nie­ren. Man hat das Gefühl, das eige­ne Leben wür­de ein biss­chen gla­mou­rö­ser und kre­di­bi­ler, wenn man die­se Musik hört – Rosé­wa­ve eben! Für mich war „Women In Music Pt. III“ der Sound­track zu einem Sams­tag­vor­mit­tag im Juni, den ich beruf­lich bedingt in Ham­burg ver­brach­te und an dem ich zwei Stun­den bei Son­nen­schein (Ham­burg!) durchs Schan­zen­vier­tel spa­zier­te, was sich trotz Mas­ken­pflicht in den Geschäf­ten so sehr wie Urlaub anfühl­te wie wenig ande­res in 2020.

2. Gor­di – Our Two Skins (Spo­ti­fy, Apple Music)
Alle, wirk­lich alle Songs, die Sophie Pay­ten ali­as Gor­di vor­ab ver­öf­fent­licht hat­te, hat­ten es auf mei­ne Vor­auswahl-Lis­te für die Songs des Jah­res geschafft und lie­ßen Gro­ßes erwar­ten. „Our Two Skins“ ent­täusch­te nicht: Vom zag­haf­ten, ganz zer­brech­li­chen „Aero­pla­ne Bath­room“ über das tän­zeln­de „Sand­wi­ches“ bis zu den schwel­ge­ri­schen „Vol­ca­nic“ (bei dem man am Deut­lichs­ten hört, dass es mit dem Pro­du­zen­ten Chris Mes­si­na und dem Label Jag­ja­gu­war eini­ge Gemein­sam­kei­ten mit Bon Iver gibt) und “Extra­or­di­na­ry Life“ folgt hier wirk­lich ein unwahr­schein­li­cher Hit auf den nächs­ten. „Our Two Skins“ klingt, wie sich tie­fes Durch­at­men (was wir ja jetzt Dank der 2020 ent­deck­ten Yoga-Vide­os und Medi­ta­ti­ons-Apps alle regel­mä­ßig machen) anfühlt!

1. Tay­lor Swift – Folk­lo­re (Spo­ti­fy, Apple Music)
Schon als ich „Folk­lo­re“ zum ers­ten Mal gehört habe, wuss­te ich, dass es eine beson­de­re Bezie­hung sein wür­de zwi­schen mir und die­sem Album. Tay­lor Swift hat­te es im 1. Lock­down geschrie­ben und auf­ge­nom­men, kei­ne 24 Stun­den vor Ver­öf­fent­li­chung ange­kün­digt – und schon beim ers­ten Hören war klar, dass sie gemein­sam mit ihren Co-Song­wri­tern und Pro­du­zen­ten Aaron Dess­ner (The Natio­nal, Big Red Machi­ne) und Jack Anton­off damit schlicht­weg ein Meis­ter­werk geschaf­fen hat­te. Waren Tay­lor Swift mit moderns­ter, auf­wen­digs­ter Pro­duk­ti­on schon zahl­rei­che instant clas­sics gelun­gen, so kata­pul­tier­te sie der eher redu­zier­te Sound von „Folk­lo­re“ in noch höhe­re Höhen. End­lich han­del­ten die Tex­te mal nicht mehr nur davon, wie es ist, Tay­lor Swift zu sein, son­dern sie erzähl­ten klei­ne Geschich­ten – wobei, was heißt da „klein“?! „The Last Gre­at Ame­ri­can Dynasty“ ist eine gre­at Ame­ri­can novel in 3:51 Minu­ten; „Bet­ty“ der bes­te Song, der je dar­über geschrie­ben wur­de, wie es ist, ein 17-jäh­ri­ger Jun­ge zu sein (Sor­ry, Tra­vis!); „August“ klingt so sorg­los, wie sich der gleich­na­mi­ge Monat im Nach­hin­ein fast anfühl­te; „Epi­pha­ny“ bringt mich immer noch zum Heu­len (oder zumin­dest dazu, tief durch­zu­at­men) und das Tren­nungs-Duett „Exi­le“ mit Jus­tin Ver­non von Bon Iver ist sowie­so ein Lied, das einem ein­fach jedes Mal den Ste­cker zieht.
Seit Juli wache ich jeden Mor­gen mit einem neu­en Ohr­wurm auf – und es sind wirk­lich alle 16 Songs von „Folk­lo­re“ dabei (wahl­wei­se gemein­sam oder anstel­le des täg­li­chen „Hamilton“-Ohwurms). Die­ses Album hat mich durch die zwei­te Jah­res­hälf­te beglei­tet wie sonst nur mein Kind und mei­ne engs­ten Freund*innen. Etwa ab Sep­tem­ber war klar, dass „Folk­lo­re“ mein Album des Jah­res wer­den wür­de – und dann hau­te Tay­lor Swift im Dezem­ber, wie­der mit mini­ma­ler Vor­war­nung, ein­fach noch ein Album raus! „Ever­mo­re“ hät­te mit sei­nen Kol­la­bo­ra­tio­nen mit HAIM, The Natio­nal und aber­mals Bon Iver bes­te Chan­cen gehabt, eben­falls in mei­nen Top 10 zu lan­den, aber ich hat­te ja schon „Folk­lo­re“. I think, I’ve seen this film befo­re. And I loved all of it.

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Ein Sommer in pink

Es gibt ja so Men­schen, die man trifft und sofort am Liebs­ten mit ihnen befreun­det wäre. (Oder in sel­te­nen Fäl­len: ver­hei­ra­tet.) Es gibt aber auch Men­schen, die man sich sofort als Kol­le­gen wünscht und dazu gehö­ren für mich die Leu­te von NPR Music. Die Musik­re­dak­ti­on des öffent­li­chen US-Radi­os macht erst­klas­si­gen Musik­jour­na­lis­mus (u.a. im Pod­cast „All Songs Con­side­red“), ist rich­tig breit auf­ge­stellt und ihre Mit­glie­der wir­ken alle unfass­bar fach­kun­dig und sym­pa­thisch.

Jetzt haben die­se tol­len Leu­te von NPR Music ein neu­es Musik­gen­re erfun­den (wobei „erfun­den“ eigent­lich nicht ganz stimmt, eher „gefun­den“): Rosé­wa­ve. Wer sich bei die­ser maxi­mal tref­fen­den Bezeich­nung noch nicht ganz vor­stel­len kann, um was es geht, soll­te an Acts wie HAIM, Car­ly Rae Jep­sen, Tegan And Sara und Vam­pi­re Weekend den­ken. Und an jun­ge Men­schen, die unter­be­zahlt viel zu vie­le Stun­den in Agen­tu­ren in der gro­ßen Stadt klop­pen und sich dann nach Fei­er­abend mit ihren Freun­den in öffent­li­chen Parks tref­fen, Musik aus Blue­tooth-Boxen hören und dabei … nun ja: Rosé trin­ken.

Mir war das Anfangs nicht klar, aber Rosé­wa­ve deckt als Gen­re wei­te Tei­le mei­nes eige­nen Musik­ge­schmacks ab (rea­lis­ti­scher­wei­se könn­te man auch sehr viel ESC-Musik dar­un­ter ein­sor­tie­ren). Und weil die Men­schen bei NPR Music nicht nur sehr sym­pa­thisch sind, son­dern auch sehr gewis­sen­haft, sind sie nach einem Auf­schlag im ver­gan­ge­nen Jahr jetzt so rich­tig bei der Sache mit einer eige­nen Fol­ge „All Songs Con­side­red“ und wöchent­lich neu­en Play­lists mit ver­schie­de­nen, ja: Schwer­punk­ten. Da geht es dann um die schöns­ten Rosé­wa­ve-Songs bei Lie­bes­kum­mer, die bes­ten Rosé­wa­ve-Sin­gle-Hym­nen und spe­zi­el­le Rosé­wa­ve-Tracks für Män­ner. Ich bin mir bei­na­he sicher, dass sie mit der gan­zen Num­mer ein biss­chen über­trei­ben — und fin­de es doch sen­sa­tio­nell toll. So toll, dass ich dann neu­lich im Super­markt tat­säch­lich Rosé gekauft habe. Wenn der Som­mer noch zwei Mona­te anhält, habe ich mich bis dahin bestimmt auch an den Geschmack gewöhnt.

Die­ser Text erschien ursprüng­lich in mei­nem News­let­ter „Post vom Ein­hein­ser“, für den man sich hier anmel­den kann.

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Musik

Songs des Jahres 2017

Fro­hes Neu­es Jahr!

Ja, ich weiß, das ist jetzt alles ein biss­chen her, aber ich war zwi­schen­durch zum Bei­spiel zwei Wochen off­line und auch sonst immer mal wie­der ver­hin­dert.

Seit unge­fähr Mit­te Dezem­ber woll­te ich end­lich mal wie­der eine Jah­res­bes­ten­lis­te ver­öf­fent­li­chen, aber das war gar nicht so ein­fach.

Anders als frü­her war die Sache näm­lich viel schwie­ri­ger, weil ich die Lis­te anders als frü­her bei Spo­ti­fy ange­legt habe – und damit natür­lich viel mehr Aus­wahl hat­te als in iTu­nes. Außer­dem ist die­se „Dein Mix der Woche“-Funktion sehr gut und hat mir tat­säch­lich fast jede Woche meh­re­re Songs vor­ge­schla­gen, von denen ich sonst ver­mut­lich nie gehört hät­te.

Ehr­lich gesagt weiß ich des­halb über vie­le der Songs auch gar nicht so viel: Manch­mal habe ich mir die dazu­ge­hö­ri­gen Alben ange­hört (manch­mal auch öfter), aber nicht immer.

JEDENFALLS: Ich woll­te die 93 Songs, die ich an Sil­ves­ter bei­sam­men hat­te, eigent­lich auf 50 ein­damp­fen, aber das hät­te jetzt noch mal fünf Wochen dau­ern kön­nen.

Des­we­gen jetzt hier: Ohne gro­ße Erklä­run­gen, auch ohne ech­te Rei­hen­fol­ge (na ja: die zehn ers­ten Songs sind schon unge­fähr die zehn bes­ten, aber man kann das auch super im Shuff­le-Modus hören) – 60 Songs, die mir 2017 gut gefal­len haben!

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