München

Von Lukas Heinser, 28. März 2009 11:33

Es gibt Orte, die für immer den Stempel des Grauens verpasst bekommen haben. Wenn man ihren Namen hört, denkt man unwillkürlich an die schrecklichen Taten und menschlichen Tragödien, die sich dort abgespielt haben. Winnenden, ein kleiner beschaulicher Ort in Baden-Württemberg, gehört nun dazu: .. (Foto: dpa)

Und falls Sie sich fragen, wie die Sachbearbeiter des Grauens so aussehen mögen, die beschaulichen Orten den Stempel des Grauens aufdrücken: Vermutlich so wie die Online-Redakteure der „Abendzeitung“.

Die haben nämlich eine 23-teilige Klickstrecke online, in der fleißig gestempelt wird: Winnenden, Erfurt (eine Landeshauptstadt …), Emsdetten, Eschede, Ramstein, Mölln, Bad Reichenhall (wegen Eishalle, obwohl’s dort auch schon mal einen Amoklauf gegeben hat), Gladbeck natürlich und Amstetten.

Schön aufgeführt und auf ewig im Internet archiviert unter einer Überschrift, in der sicher kein Funke Selbsterkenntnis mitschwingt:

Bilderstrecke: Orte des Grauens

Dass ganz nebenbei auch noch mal die berühmtesten Amokläufer, Geiselnehmer und Vergewaltiger der jüngeren Vergangenheit gewürdigt werden wie die Verstorbenen des Jahres bei der Oscarverleihung, versteht sich natürlich von selbst.

7 Kommentare

  1. Niels
    28. März 2009, 11:41

    Ist doch sehr fair. Bei soviel Grauen bleibt ja keine Stadt mehr über, die happy sein darf.

  2. Kunar
    28. März 2009, 12:36

    Mein persönlicher Hassartikel ist Erklärungsversuche im Eifer der Sprachlosigkeit von Tobias Rüther. Da stand ursprünglich „Vor drei Jahren, als in Emsdetten Schüler und Lehrer starben“. Nur ist in Emsdetten niemand gestorben außer dem Täter selbst. Inzwischen hat man den Artikel korrigiert. Dort steht nun „Vor drei Jahren, als in Emsdetten auf Schüler und Lehrer geschossen wurde“. Geärgert hat’s mich trotzdem. Wenn man lang und breit über Schulmassaker schwadroniert und sie medial ausschlachtet, warum bekommt man dann nicht einmal auf Anhieb die wesentlichen Fakten auf die Reihe?

  3. Kunar
    28. März 2009, 12:39

    Ganz vergessen: München ist natürlich auch ein Ort, der für immer den Stempel des Grauens verpasst bekommen hat. Der Film von Steven Spielberg war die erste Assoziation, die ich nach Lesen der Überschrift und des ersten Satzes hatte.

  4. Raventhird
    28. März 2009, 23:28

    Klickstrecken sind das schlimmste Übel des sogenannten „Journalismus“ in Zeiten des Internet. Allesamt nur zum Kotzen.

  5. Hirni
    30. März 2009, 9:46

    Graulich natürlich auch „Hamburg“. Heimstatt solcher Übel wie Springer samt Bild, Spiegel etc…

  6. Hendrik
    31. März 2009, 23:43

    Erinnert mich ungut an die Berliner Mahntafeln „Orte des Schreckens, die wir niemals vergessen dürfen“.

  7. Coffee And TV: » Die Achse des Blöden
    30. Juli 2010, 18:59

    […] von … na klar: Winnenden in einer Klickstrecke bereits die “Orte des Grauens” gekürt und schwafelig verkündet: Es gibt Orte, die für immer den Stempel des Grauens verpasst bekommen […]