Give Facts A Chance

Von Lukas Heinser, 12. September 2008 12:40

Ich weiß nicht, warum sich Journalisten dieser Tage so auffallend schwer damit tun, sich korrekt daran zu erinnern, wann und wo John Lennon erschossen wurde (8. Dezember 1980 vor dem Dakota Building in Manhattan, steht auch in der Wikipedia).

Ich weiß nur, dass es so ist:

1980 war bekanntlich John Lennon in New York vor dem Chelsea Hotel von David Chapman erschossen worden.
(„Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, 7. September 2008)

John Lennon ist schon seit 26 Jahren tot, aber die Friedensmission der beiden lebt im Werk Yoko Onos weiter.
(„Welt am Sonntag“, 7. September 2008)

Nach dem Attentat auf John von 1969 fotografiert sie seine blutbespritzte Brille und macht draus ein Platten-Cover.
(„Bild“, 11. September 2008)

Mit Dank u.a. an BILDblog-Hinweisgeber Wilhelm E.

10 Kommentare

  1. Johanna
    12. September 2008, 15:07

    Am Thema vorbei, aber interessiert mich grade: Wer hat die blutbespritzte Brille fotografiert und daraus ein Plattencover gemacht?

  2. Lukas
    12. September 2008, 15:50

    Yoko Ono (s.a. den verlinkten „Bild“-Artikel).

  3. Johanna
    12. September 2008, 18:10

    Sorry… Peinlich. Naja, wieder eine Bildungslücke geschlossen.

  4. der toby
    21. September 2008, 17:10

    Ist Zeitdruck heute der Grund für schlampige Recherche oder ist das gewollt?

  5. Jeeves
    22. Februar 2010, 19:32

    Recherche? Zumindest das Jahr und den Ort des Attentats hat man doch im Kopf; schon gar als Journalist.

  6. Peter Brülls
    23. Februar 2010, 7:42

    @Jeeves Um Gottes Willen, warum? Das ganze ist jetzt dreißig Jahre her und nur noch von begrenztem Interesse. Ansonsten müßten Journalisten ja Abertausende von Todesorten und Todesdatum auswendig im Kopf haben.

    „War Musiker“ und „Um die 80er herum ermordet“ reicht völlig, der Rest kann recherchiert werden.

  7. Hustenstorch
    23. Februar 2010, 10:14

    @ Peter Brülls

    1.) John Lennon war nicht irgendein Musiker, der auf irgendeine Art und Weise gestorben ist. Daher wissen es doch einige Leute auch ohne Recherche

    2.) Der Rest kann recherchiert werden? Nun offensichtlich ja nicht, wenn man sich den Müll so ankuckt, der geschrieben wird. Da scheinen ja einige „Qualitätsjournalisten“ sogar zu doof oder zu faul zu sein, mal bei Wikipedia zu kucken.

  8. Peter Brülls
    23. Februar 2010, 10:31

    zu 1:

    Nein, er war nicht irgendein Musiker, aber nun weiß Gott nicht Jesus Christus. Man sollte die persönliche Begeisterung für eine Person nicht mit deren Relevanz verwechseln. Bedeutende Menschen, die durch Gewalt oder sonst wie umkamen, gibt es zu hunderten. Die kann man nicht alle kennen. Geht einfach nicht.

    zu 2: Darum gibt es eigentlich den Beruf des Fakt-Checkers. Egal für wie toll ein Journalist sein Gedächtnis hält, er sollte das, was er schreibt, trotzdem noch mal verifizieren oder verifizieren lassen. Dann passieren solche Klopfer wie die zitierten auch nicht, denn die Verfasser werden sich die Daten ja eben nicht ausgedacht haben, sondern ehrlich geglaubt haben, daß sie sich korrekt erinnern. (Von BILD mal abgesehen.)

  9. simba
    23. Februar 2010, 16:51

    @Jeeves:
    „Zumindest das Jahr und den Ort des Attentats hat man doch im Kopf;“

    Äh, nein? Ich hab weiß Gott wichtigeres zu tun, als mir Jahr und Ort des Lennonattentats zu merken. Da gibt es weitaus wichtigere Dinge, die „man im Kopf“ hat/haben sollte.

  10. Talleyrand
    23. Februar 2010, 20:42

    @Toby…. zum Teil ist die Antwort „JA“, wir werden oft sehr schlecht bezahlt, und das Checken von Info ist ein Opfer davon. Sogar wenn man es im Kopf hat, Jeeves, must man es checken. In der „alten Zeit“, gab es einen „fact checker“ der das alles gemacht hat. (Mein Deustch ist vielleicht komisch, ich bin Ausländer, sorry) …. Ein Beispiel für Bezahlung. 1986, gebauter Beitrag für Rundfunk: DM 400 + ein bisschen Urlaubsgeld + KV (anteilig) + Spesen und ein Techniker hat es gemixt. Heute: € 220 brutto. Mwst. muss ich abziehen. Und mixen darf ich auf selber.

    Ja, wir werden sehr schlecht bezahlt.