Eine Sprache vor die Deutschen

Von Lukas Heinser, 2. Dezember 2008 13:13

T-Shirt-Aufdruck in fremder Sprache (vielleicht bald verboten).

Die CDU-Basis hat ihre Parteispitze überstimmt. Leider nicht bei irgendeiner relevanten Entscheidung über Personal- oder Politikfragen, sondern bei einem Thema, das nicht viel kostet, aber intensive Diskussionen verspricht: die Partei will jetzt die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufnehmen.

dpa tickert dazu:

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller meinte hingegen, die Partei müsse sich klar dazu bekennen, «was den Staat ausmacht». Neben der Flagge gehöre dazu auch die deutsche Sprache.

Das ist natürlich schon mal ein Super-Anfang, der in die gleiche Kerbe schlägt wie Bundestagspräsident Norbert Lammert im Sommer dieses Jahres:

Es gebe „für die Kultur und das Selbstverständnis dieses Landes keinen wichtigeren Faktor als die Sprache“.Sie sei „noch wichtiger als die Festlegung auf Berlin als Hauptstadt und auf Schwarz-Rot-Gold als Landesfarben“.Beides regle das Grundgesetz, die Sprache „leider nicht“.

Zunächst einmal sollte man den beiden Herren also stecken, dass auch die Nationalhymne nicht im Grundgesetz verankert ist — aber deren Einbindung wollten sie vermutlich erst im nächsten Jahr fordern.

Kommen wir nun zur Forderung an sich: Konkret soll Artikel 22 des Grundgesetzes um ein „Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch“ ergänzt werden. Das ist natürlich schon mal ein gutes Beispiel für die Schönheit der deutschen Sprache: Ein halbfertiger Satz mit Hilfsverb, der noch dazu gar nichts aussagt.

Denn was soll das heißen, „die Sprache“ „ist Deutsch“? Würde man die Amtssprache festlegen wollen, wäre das noch verständlich — aber die ist schon im Verwaltungsverfahrensgesetz geregelt. Und was hieße das für den Kreis Nordfriesland und die Insel Helgoland, wo auch Friesisch als Amtssprache zugelassen ist?

Die deutsche Sprache mache also „den Staat aus“, findet Peter Müller, studierter Jurist. Müssen denn Dinge, die den Staat „ausmachen“ (was auch immer Müller damit meint) und die uns in jedem Moment überall in diesem Land umgeben, noch gesetzlich geregelt werden?

Es gibt eigentlich nur zwei Lesarten für diese Forderung: Die eine würde es den Bastian Sicks und Wolf Schneiders dieser Republik erlauben, gegen jeden „Service Point“ eine Verfassungsklage anzustrengen. Die andere wäre die Ansage, dass jeder, der in diesem Land lebt, gefälligst und jederzeit Deutsch zu sprechen habe. So oder so klingt es wie die staatsrechtliche Umsetzung des unsäglichen Slogans „Der Klügere spricht deutsch“ des idiotischen „Vereins Deutscher Sprache“.

Linguisten lernen im ersten Semester: Sprache ist einem ständigen Wandel unterworfen. Sprache ist kein scheues Reh, das unter Artenschutz gestellt und von staatlicher Seite gepflegt werden muss. Sprache wird gesprochen und geschrieben und wenn sie nicht gesprochen wird, stirbt sie aus. Wir dürften uns sicher sein, dass junge Menschen heute in Social Networks und SMS-Nachrichten mehr Text produzieren, als unsere Elterngeneration je handschriftlich geschrieben hat. Auch wenn die Müllers, Schneiders und Sicks es nicht begreifen wollen: Diese jungen Menschen kommunizieren in der Sprache, die in diesem Moment den Stand der deutschen Sprache darstellt. Wenn es überhaupt Sprachen gibt, die in Deutschland eines gesetzlichen Schutzes bedürfen, dann sind es die Regionalsprachen und Dialekte (die streng linguistisch betrachtet keine Sprachen, sondern Varietäten sind).

Ganz schnell ist man bei dem Thema ja dann immer bei Goethe, Schiller und Adalbert Stifter und der Behauptung, dass man so „schönes“ Deutsch heutzutage gar nicht mehr höre. Dieser Aussage liegen gleich mehrere Denkfehler zugrunde: Erstens ist Schönheit subjektiv, zweitens haben auch zur Zeit der Weimarer Klassik die wenigsten Bauern schöne, druckreife Sätze gesprochen (geschweige denn geschrieben), und drittens empfiehlt einem jede treusorgende Buchhändlerin bei Interesse sicher gerne ein paar Dutzend zeitgenössischer Autoren, die mit der deutschen Sprache formvollendet umzugehen verstehen.

Das Perfide an der Nummer mit dem Grundgesetz ist natürlich auch: Wer im Bundestag gegen diesen albernen Vorschlag stimmen würde, dürfte sein Gesicht mit ziemlicher Sicherheit am nächsten Tag auf der Titelseite der „Bild“-Zeitung (kreativster Umgang mit deutscher Sprache: „Wir sind Papst“) wiederfinden, versehen mit der Frage „Was haben Sie gegen unsere schöne deutsche Sprache?“

Für den Beginn würde es also vielleicht reichen, wenn unsere Politiker ein wenig nachdächten, bevor sie ihre Münder öffneten, und wenn unsere Zeitungen uns auch mal ab und an mit ein paar ausgewählten Formulierungen erfreuten. Ich bin sicher: zwei Drittel der Bevölkerung hätten damit Probleme, aber das war in der Goethezeit ja nicht anders.

Einen wie üblich sehr fundierten Artikel zum Thema „Amtssprache Deutsch“ hat Anatol Stefanowitsch bereits vor anderthalb Jahren im Bremer Sprachblog veröffentlicht.

40 Kommentare

  1. Jörg Friedrich
    2. Dezember 2008, 13:26

    Dass sich die deutsche Sprache ändert ist noch kein Grund, ihr keinen besonderen Schutz zuzuerkennen. Sprache ist so ziemlich das wichtigste Element einer Kultur. Ich sehe keinen Grund, ihren Schutz nicht grundgesetzlich zu verankern. Eine Weiterentwicklung und Eigendynamik wird ja damit nicht verboten.

  2. Philip
    2. Dezember 2008, 13:34

    „Es gebe „für die Kultur und das Selbstverständnis dieses Landes keinen wichtigeren Faktor als die Sprache“ “

    Hier sehe ich ein grundlegendes Problem. Die Herren Politiker und Sprachfetischisten müssen einfach mal einsehen, dass „Kultur“ nichts ist, was man von oben herab produzieren kann.

  3. Alberto Green
    2. Dezember 2008, 13:43

    Eigendynamik mit Ankerkette? Warum wieder die Verfassung mit etwas belästigen, was wir viel besser selbst erledigen können?

    Ich möchte in der Verfassung verankert haben, dass ich immer einen Einkaufschip in der Geldbörse habe.

    Wie soll denn der Schutz aussehen? Es wird doch auf einen dämlichen pseudoperformativen Satz wie: „Hiermit ist die deutsche Sprache geschützt.“ hinauslaufen.

  4. Felix
    2. Dezember 2008, 13:56

    @ Jörg Friedrich: Schutz wovor denn?

    Was soll mit der Festlegung der deutschen Sprache im Grundgesetz denn nun genau erreicht werden? Ich lese nur äußerst schwammige Begründungen wie in den Zitaten hier.

    Reiner Populismus also. Und mit die Folgen, die die Gerichte dann auswürfeln, müssen dann alle tragen.

  5. Felix
    2. Dezember 2008, 14:00

    Und ich habe mich schon so an die Edit-Funktionen überall gewöhnt.
    – 1x mit im letzten Satz.

  6. Der Postillon
    2. Dezember 2008, 14:13

    Das ist schlicht ein neuer Vorstoß in Richtung „deutsche Leitkultur“, nur ein wenig geschickter. Mit der Begründung von Müller könnte man übrigens auch die Hautfarbe „weiß“ im Grundgesetz verankern.

  7. Michael
    2. Dezember 2008, 14:25

    Eine ganz ähnliche Diskussion (mit ähnlichen Argumenten) gibt es in den USA – schon seit Langem.

  8. ruhrpottjunge
    2. Dezember 2008, 14:37

    Ein – wie ich finde – vielschichtiges Problem. Ich kann verstehen, dass Sprache als wichtiges (wichtigsten?) Kulturgut unter besonderen Schutz gestellt werden soll. Schutz im Sinne von: Wir (Politiker, Bürger…) geben uns Mühe, unsere Sprache Tag für Tag sorgfältig zu behandeln, wir erkennen Sprache als wertvoll, als der Sorgfalt wert an.

    Aber: „Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch“??? Das ist nicht nur sprachlich unschön, das ist auch gleich in mehrerer Hinsicht Unsinn. Zum einen sind wir ein Einwanderungsland, und z.B. Türkisch ist auch „Sprache in der Bundesrepublik“. Gut, nicht mit offiziellem Status, nicht an Schulen und in Behörden. Aber davon steht in dem Satz auch nichts, das dürfte eh auch andernorts geregelt sein. Zum anderen fallen mir spontan mit dem Friesischen, dem Sorbischen und dem Dänischen drei weitere, offizielle Sprachen der Bundesrepublik ein, an deren Status doch hoffentlich nicht zu rütteln sein wird, oder?

    Diese, solche Sprachen brauchen Schutz, die kleinen, die z.T. vom Aussterben bedrohten Minderheitensprachen. Nicht eine große europäische Sprache mit 100 Millionen Sprechern.

  9. Der Typ mit dem Bleistift
    2. Dezember 2008, 14:38

    Die Debatte um die ‚deutsche Leitkultur‘ ist schon mal gegen die Wand gefahren. Nicht zuletzt, weil gerade die Beiträge eines Fatih Akin, um nur einen zu nennen, heute die deutsche Kultur ausmachen.

    Die ist nämlich deshalb so schön, weil sie sich anderer Einflüsse nicht entzieht. Wer den Schiller auch wirklich gelesen hätte, hätte das auch begriffen.

  10. Christian
    2. Dezember 2008, 14:40

    Meine Ö-Recht Vorlesung ist schon lange her, eber es gab irgendwie eine 2 Klassengesellschaft der Rechte. Bestimmte Rechte waren nicht einklagbar, also witzlos. Tierschutz im Grundgesetz ist so ein Fall, glaub ich.

  11. Sebastian S.
    2. Dezember 2008, 14:52

    @Jörg Friedrich: Dass nichts gegen ein Gesetz spricht, sollte aber nicht Grundlage der Gesetzgebung sein, sondern eher, was dafür spricht. Und da sieht es schon mau aus.

  12. Matthias
    2. Dezember 2008, 15:11

    Selbst Bastian Sick hat mittlerweile eingesehen, dass Sprache einem ständigen Wandel unterworfen ist und dass das an sich nichts Schlimmes ist. Siehe seine letzte Kolumne: http://www.spiegel.de/kultur/z.....78,00.html

    Vielleicht besteht ja noch Hoffnung. Andererseits sind weder er noch Wolf Schneider annähernd so „militant“ wie der unsägliche „Verein Deutscher Sprache“.

    Was Peter Müller und Konsorten da fordern, ist zwar nicht per se verabscheuenswürdig, aber dennoch völlig überflüssig. Im Grunde ein durchschaubares Manöver, um noch einen Hauch von deutscher Leitkultur ins Grundgesetz zu pressen. Sollte der Vorstoß jedoch erfolgreich sein, dann sehe ich da auch kein größeres Problem: Was „Deutsch“ ist (gemeint ist das die Sprache bezeichnende Wort, das dann so schön abstrakt in Art. 22 stehen soll) legen immer noch die Menschen fest, die die Sprache sprechen. Sprachliche Weiterentwicklungen (einschließlich weiterer konsekutiver Anglisierung) werden durch diesen Satz ja überhaupt nicht berührt.

  13. Daniel
    2. Dezember 2008, 15:13

    Ich bin dafür. Ich will, dass das Verfassungsgericht sich damit beschäftigen muss, ob französische Wegweiser und spanische Restaurantnamen nicht gegen das Grundgesetz verstoßen. Die CDU, ein lustiger Verein. Aber wer in Herrgottsnamen wählt diese Chaoten?

  14. matze
    2. Dezember 2008, 15:21

    nun ja, aber die jeweilige Landessprache ist in anderen Verfassungen aufgenommen.

    Artikel 2 der französischen Verfassung zum Beispiel. „Die Sprache der Republik ist Französisch.“

    http://www.assemblee-nationale.fr/deutsch/8cb.asp

    Und in Deutschland sollte die Sprache Deutsch sein. Kein Service-Point, T-Com-Talk, Finance Center, Sell-Out.

    Warum? Weil es nicht nur Leute mit guten Englisch-Kenntnissen in Deutschland gibt sondern sehr, sehr viele, die wenig bis gar kein Englisch sprechen.

    Und einige mögen lachen, aber diese Leute werden durch solche Sprachverirrung von der Teilhabe am Leben ausgeschlossen oder beieinträchtigt.

    Vom ganzen PR-Englisch-Kauderwelsch, mal ganz zu schweigen, was totaler Humbug ist.

  15. Philip
    2. Dezember 2008, 15:35

    @matze:
    mag ja sein, aber da problem wird wohl kaum dadurch gelöst, dass wir das in der verfassung stehen haben. wenn mal alles so einfach wäre. wir packen einfach was in gesetze und dann läuft das…

  16. Lukas
    2. Dezember 2008, 15:35

    @Matze: Aber genau das ist doch gar kein Englisch.

    Das gern genommene Beispiel „Handy“ als Bezeichnung für ein Mobiltelefon ist ein anglophones deutsches Wort. Und an welche Sprache („mobil“ von lat. mobilis = beweglich, biegsam, „Telefon“ von gr. τηλε (tēle) = entfernt und φωνή (phōnḗ) = Stimme) ich ein neues Wort anlehne, ist erstens egal und ändert sich zweitens alle paar Jahrzehnte.

    Natürlich braucht es nicht für alles crazy neue Worte, aber in der Sprache gilt in der Regel: Was „gut“ klingt und griffig ist, setzt sich durch.

    In einem gebe ich Dir aber recht: Die Deutschen können viel zu wenig Englisch.

  17. Sebastian S.
    2. Dezember 2008, 15:45

    Abgesehen davon, dass so ein Gesetz nicht durchführbar ist – es wäre auch garnicht wünschenswert. Es wäre ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit, wenn einem vorgeschriebebn werden soll, in welcher Sprache er sich anderen Menschen mitzuteilen hat. Eine von oben verordnete Sprachregelung, da kommt man ja fast garnicht mehr drumherum, dass in Kommentaren viel zu häufig zitierte 1984 zu bemühen.

    Wenn sich Unternehmen um ihre Kunden bringen, weil sie unverständliche Wörter einführen, ist das ihr Problem. Langfristig merken die das vielleicht auch. Ich sehe aber nicht, dass sich Menschen, die kein englisch können, aber ausgeschlossen werden. Jedenfalls nicht, solange es doch noch Bahn- und Bankschalter gibt, an denen man noch „echten Menschen“ (ist bei der Bahn ja manchmal so eine Sache) um ihre Dienstleistung bitten kann.

    Man muss sich aber vor Augen halten, dass dieser Vorschlag eh nicht ganz ernstgemeint ist, sondern hier noch ein paar Stimmen abgegriffen werden sollen. Was wiederum schade ist, dass populistisches Getöse immer mit Grundgesetzforderungen einhergehen. Das ist ziemlich respektlos dem Rechtsstaat gegenüber.

  18. ruhrpottjunge
    2. Dezember 2008, 15:53

    Was hieße denn, „die Sprache in der bundesrepublik ist Deutsch“ in der Praxis? Für den (aus meiner Sicht abscheulich benannten) „Service Point“ am Bahnhof? Für das spanische Restaurant „Casa de la Alegría“? Für türkischsprachige Schilder an Obst und Gemüse im hauptsächlich von Türken besuchten Geschäft?

    Ist eine solche Regulierung wünschenswert? Klar, das Möchtegern-Englisch der Bahn und vieler anderer nervt – aber muss so etwas über Gesetze geregelt werden? Und welche Folgen hätten die Gesetze für die mehrsprachige Realität in Deutschland?

  19. Philip
    2. Dezember 2008, 16:04

    Es geht hier doch eigentlich auch nicht um das Verbot irgendwelcher Anglizismen, die manchmal gar keine sind.

    Es geht doch 1. darum, dass die Leutchen aus der CDU ein ziemlich genaues Bild davon haben, was denn nun deutsche Kultur ausmacht. Und sie sind dann auch noch der Meinung, sie könnten dem Volke durch so etwas eine Kultur aufzwingen. Die sind anscheinend der Meinung, nur weil etwas auf einem Blatt Papier steht, würde es dann auch der Wahrheit entsprechen und alle machen mit.

    und das 2. ist mir grade entfallen. vielleicht komme ich ja nochmal drauf ;-)

  20. ckwon
    2. Dezember 2008, 16:08

    Boah, und dabei kommt Peter Müller aus einem Bundesland, wo Deutsch eine Fremdsprache ist. Ich musste die erst mühsam lernen, als ich aus dem Saarland ausgezogen bin…

  21. Jan
    2. Dezember 2008, 16:53

    Ja, genau, echt lustig, dass so Vorschläge aus Saarbrücken kommen. Andererseits ist genau dieser Punkt aber schon im StGB geregelt: Saarsprech ist Körperverletzung und wird mit Völklingen o.ä. nicht unter 5 Jahren bestraft. Oder wie die Gesellschaft für deutsche Sprache in einem anderen Zusammenhang so schön formuliert hat: doofe Vorschlägen dieser Art halten „das Saarland auf diese Weise erfreulich häufig »in aller Munde«“ (http://www.gfds.de/publikation.....-saarland/)

  22. Sal
    2. Dezember 2008, 19:40

    Ist mir völlig unersichtlich, was damit bezweckt werden soll. Wie soll sich das denn konkret rechtlich auswirken?

    @14 Matze:
    „Und in Deutschland sollte die Sprache Deutsch sein. Kein Service-Point, T-Com-Talk, Finance Center, Sell-Out.“

    Soll das heißen, es sollte privaten Unternehmen / Privatpersonen gesetzlich vorgeschrieben sein, wie sie zu sprechen und zu kommunizieren haben?
    Thats not really vereinbar mit dem, was ich unter einem liberalen Staat verstehe.

  23. Kunar
    2. Dezember 2008, 22:58

    Die Idee, dass jeder Einwohner Deutschlands einfordern kann, auf Deutsch zu kommunizieren (etwa mit Behörden), finde ich gut. Wenn allerdings die bestehende gesetzliche Verankerung von Deutsch das noch nicht gewährleistet, nützt auch eine Aufnahme in die Verfassung nichts. Also muss darüber nachgedacht werden, warum das im Alltag nicht klappt und wie man dieses Problem lösen kann.

    Zwei frühere Einträge, die ich mir im eigentlichen Artikel gewünscht hätte:
    1. Liste der G8-Staaten, die ihre Nationalhymne in der Verfassung haben (oder eben nicht) – ähnliches Thema zu Identität und Kultur, die in der Verfassung festgeschrieben werden (oder eben nicht). In diesem Zusammenhang ist auch die Frage interessant, wie viele (und welche) der EU-Staaten etwa ihre Landessprachen in die Verfassung aufgenommen haben.

    2. Gegen die Deutschquote im Radio – ähnliches Thema (Verordnung von oben, Deutsch, Verein Deutsche Sprache). Besonders lesenswert finde ich den erwähnten Beitrag vom Grand Hotel van Cleef, der m.E. recht gut aufzeigt, warum eine reine Deutschquote zu kurz greift.

    Hinweis: Ich bin VDS-Mitglied, habe aber seit Jahren nichts gemacht außer mit wachsender Langeweile die Sprachnachrichten zu lesen.

  24. Lukas
    2. Dezember 2008, 23:28

    @Kunar: Aber der Brüh-im-Lichte-Artikel ist doch verlinkt (hinter „Nationalhymne“) …

  25. Kunar
    2. Dezember 2008, 23:37

    Hoppla, mein Fehler. Es bleibt die interessante Frage, wie viele Länder der EU denn ihre Sprachen festgelegt haben. (Nicht, dass ich das hier als Dienstleistung vehement einfordern würde – ich finde das nur interessant als Vergleichsmöglichkeit.)

  26. lisa
    2. Dezember 2008, 23:51

    was mir bei dieser debatte absolut nicht in den kopf will ist wieso irgend jemand glaube man kann eine sprache einfach zu irgend einem zeitpunkt einfrieren und dann sagen das ist das „richtige deutsch“. was waere wenn zum beispiel im 16. jhd jemand festgelegt haette, so, das ist jetzt das richtige deutsch, ab jetzt darf sich die sprache nicht mehr aendern.

    auch das mit den anglizismen ist quatsch. leute die besonders viele griechische und lateineische woerter benutzen fuer die es auch einfache deutsche woerter gibt, gelten als gebildet und anglizismen sind angeblich doof. wieso ist es ok griechische und lateinische woerter zu benutzen und nicht ok englische zu benutzen? (btw: wieviele leute in deutschland koennen denn latein und griechisch und verstehen im detail die bedeutung von diesen woertern)

    *kopfschuettel*

  27. Latze
    3. Dezember 2008, 9:29

    Es ist wirklich rührend, dass so viele Menschen das Bedürfnis haben, die Sprache schützen zu wollen. Das ist aber völlig unnötig, finde ich. Die Sprache ist so mächtig und biegsam zugleich, dass sie sich stets weiterentwickeln und so ihren Status sichern wird – ohne dass wir gefragt werden. Über die Lächerlichkeit des Satzes „Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch“ ist hier schon genug gesagt worden. Lukas (16) und lisa (26) weisen mit ihren Statements den richtigen Weg, meine ich.
    @16 Lukas: Mag sein, dass die Deutschen zu wenig Englisch sprechen, aber anderswo ist es mitunter noch VIEL schlimmer, wie mir längere Aufenthalte in Spanien gezeigt haben.

  28. Thomas
    3. Dezember 2008, 9:50

    Bastian Sick schreibt auch zu diesem Vorstoß und ist grundlegend Lukas‘ Meinung:

    http://www.spiegel.de/kultur/g.....25,00.html

  29. roman g
    3. Dezember 2008, 10:18

    @matze:
    „Vom ganzen PR-Englisch-Kauderwelsch, mal ganz zu schweigen, was totaler Humbug ist.“

    Hehehe!

    Ist dir eigentlich klar, dass „humbug“ ein englisches(!) wort ist?

  30. roman g
    3. Dezember 2008, 10:29

    Wenn dieser passus tatsächlich in euer grundgesetz reinkommt, wäre ich sehr dafür, dass im gegenzug auch die korrekte aussprache von „dunlop“, „michelin“, „colgate“, „puzzle“, „tupperware“, etc. juristisch festgelegt wird.

    lg aus wien

  31. Joe
    3. Dezember 2008, 13:29

    @20 ckwon

    „Boah, und dabei kommt Peter Müller aus einem Bundesland, wo Deutsch eine Fremdsprache ist. Ich musste die erst mühsam lernen, als ich aus dem Saarland ausgezogen bin…“

    Ja, ich frage mich auch, von welchem Deutsch der Mann eigentlich spricht. Ist es Hochdeutsch? Dann allerdings ist die Frage, ob sich zum Beispiel Baden-Württemberg dann vom Bund abspalten muss. Schließlich werben die ja seit 1999 mit dem Spruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“

  32. meistermochi
    3. Dezember 2008, 14:35

    […] Ja ja, der Verein Deutscher Sprache … Lukas mag Recht haben. Vielleicht machen die da nur Unfug. Aber folgendes hatte […]

  33. Frédéric
    4. Dezember 2008, 10:11

    Also dass die Regionalsprachen (Du meinst schon Sorbisch und Dänisch, oder?) mehr Schutz bedürften, höre ich zum ersten Mal. Denen gehts im Rahmen ihrer Möglichkeiten eigentlich ganz gut, vor allem verglichen mit anderen nichtnationalen europäischen Regionalsprachen.

    (Sorry, mir war gerade nach Erbsenzählen.)

  34. Der Postillon
    4. Dezember 2008, 10:33

    […] aufzunehmen: „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Die Christdemokraten stoßen damit in Ausländerkreisen auf Unverständnis […]

  35. Oliver Ding
    4. Dezember 2008, 11:48

    Mit Regionalsprachen sind wohl eher jene Dialekte gemeint, die eben nicht den minderheitsbedingten Schutz genießen. Durch die im vergangenen Jahrhundert rasant gewachsenen Faktoren Mobilität und Kommunikation sind diverse Dialekte (wie z.B. das bereits genannte Saarländische) im Rückgang begriffen. Der Nachwuchs lernt das nur noch bedingt oder fragmentarisch; die Älteren, die es besser können, sterben langsam aus.

  36. s.anna
    4. Dezember 2008, 17:42

    Zum Thema “Deutsch ins Grundgesetz” gab es am 03.12. eine glossige Punktlandung auf NDRinfo. Prädikat: hörenswert. Link hier: http://www.ndr.de/podcastlink/.....wort.xml**

  37. jens
    5. Dezember 2008, 18:08

    Wer zu diesem Thema auch nur ein Stückchen schreibt ist auf das Ablenkungsmanöver der Idioten reingefallen.
    Wirtschaftskrise
    Millionen Arbeitslose
    Onlineüberwachung

    Und dann so ein rumgewichse?

  38. Sebastian S.
    5. Dezember 2008, 18:15

    Oh, ich bin überzeugt, dass man ein waches Auge auf „die Gesamtsituation“ haben kann und trotzdem noch Zeit findet, sich ein wenig mit anderem zu beschäftigen. Es ist ja auch nützlich, um aufzuzeigen, womit man sich die Politiker auf Parteitagen die Zeit vertreiben, anstatt zu arbeiten.

  39. Sebastian S.
    5. Dezember 2008, 18:15

    Abgesehen davon: Fällt Dein Kommentar noch unter die „ein Stückchen“-Grenze?

  40. jens
    5. Dezember 2008, 18:27

    Eben, tut es ja auch.
    Eine sehr Effektive Blendgranate.

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