Barack Obamas schlimme Folgen für die Weltpolitik

Von Lukas Heinser, 24. November 2008 16:02

„Was können wir vom Wahlkampf von Barack Obama lernen?“ hatte ein Delegierter auf dem Grünenparteitag den zu diesem Zeitpunkt noch designierten Parteivorsitzenden Cem Özdemir gefragt. Özdemir antwortete irgendwas Kluges, Abwartendes, von wegen das solle man jetzt nicht alles nachmachen und man müsse auch mal sehen und so …

„Ist eine Internet-Kampagne wie die von Barack Obama auch in Deutschland möglich?“ hatte Markus Beckedahl schon kurz nach Obamas Wahlsieg gefragt und sowohl eine kurze („Ja und Nein“), als auch eine lange Antwort darauf gegeben.

Aber wie das immer so ist: auf besonnene Politiker hören genauso viele Personen, wie längliche Blog-Einträge lesen — also kaum einer. Und so kommt es, dass die zweite bis dreißigste Reihe (so viele Sitzreihen hat das Bochumer Ruhrstadion, vielleicht bietet jemand mehr) der Politiker jetzt vor den Fettnäpfen Schlange steht, um auf eine neue Liste zu kommen.

Sie heißt:
„Yes, maybe we could try to, but come to think of it: we definitely can’t“

Los ging es mit diesem Meisterwerk:

Yes we can -  Klausurtagug der SPD Havixbeck

[via Jens]

Eine weitere gewagte Kombination aus Slogan und missglückter deutscher Sprache fand ich dann bei Facebook:

Wir machen's: Mit Heiko Maas, muss einer neuer Mann an die Spitze der saarländischen Landesregierung. Unterstützt Heiko Maas für Gute Arbeit, Faire Chancen und Neue Energie im Saarland.

Und den finalen Auslöser, die Nummer von einer TwitterSerie zu einer Blog-Serie zu machen (hoffentlich nicht), fand ich dann im Dinslakener Lokalteil der „Rheinischen Post“:

Dinslaken: 
Köse dreht Wansing-Wahlspot. Dinslaken (RP) Reportage am Montag "Wansing on Ice" hieß es am Sonntagmittag in der Dinslakener Eishalle. Dort drehte CDU-Bürgermeisterkandidat Heinz Wansing gemeinsam mit Regisseur Adnan Köse seinen Wahlwerbespot.

Der aufstrebende Lokalpolitiker Heinz Wansing hat sich vom Dinslakener Regisseur Adnan Köse („Lauf um Dein Leben – Vom Junkie zum Ironman“) überreden lassen, einen Wahlwerbespot zu drehen, der ab Januar als zehnminütige Version auf seiner Homepage und später als Zweiminüter in der Dinslakener Lichtburg laufen soll.

Die „RP“ zitiert den Regisseur wie folgt:

Man muss die neuen Medien nutzen. Mir gefällt seine Haltung und ich will mit dem Film erreichen, dass neben dem Politiker und Verwaltungsfachmann auch der private, der Mensch Heinz Wansing fokussiert wird.

Und wenn Sie jetzt fragen: „Ja, was sollen die armen deutschen Politiker denn jetzt machen, ohne dass Ihr Internet-Jungspunde Euch immer über deren Unbeholfenheit lustig macht?“, dann antworte ich mit meiner glockenklarsten Engelsstimme, die sonst für Familienbesuche und meinen Bankberater reserviert ist: „Politik!“

13 Kommentare

  1. Kunar
    24. November 2008, 19:53

    Mir fehlt noch die dritte Kategorie, die gerade wieder in Mode ist: Schiefe USA-Europa- oder USA-Deutschland-Vergleiche. Gerade wird das Pendant von Barack Obama gesucht.

    Als Kandidaten werden gehandelt: 1) die Türken, 2) alle Migranten egal welcher Herkunft (Bsp. Cem Özdemir), 3) die Sorben (Bsp. Stanislaw Tillich, sorbischer Ministerpräsident), 4) Hugenotten, 5) Bsp. Sarkozy (bezogen auf EU).

    Wichtig ist: Es geht nicht darum, Vor- und Nachteile der USA, Deutschland und der EU zu sehen oder gar Unterschiede zu erörtern. Erklärtes Ziel muss immer sein, jeweils das andere für rückständig, ausländerfeindlich, rassistisch zu erklären.

  2. meistermochi
    24. November 2008, 20:44

    oh mir graut so. so sehr. alles unglaubwürdig!

  3. westernworld
    24. November 2008, 22:31

    wansing … gnade, gnade der mann ist doch ein gekaufter agent der schlagzeilenformulierungsmafia …

    ansonsten möcht ich anmerken das nichts verächtlicher ist als das epigonale … yes we can and no we shouldn’t.

  4. Lukas
    25. November 2008, 0:00

    Na, dann wollen wir mal den Wahlkampfschlager anwerfen: „Daas ist Waaaaaan-sing …“

  5. ckwon
    25. November 2008, 8:59

    Hölle, Hölle, Hölle!

  6. Michael
    25. November 2008, 22:19

    Kurzer Nachtrag zum Saarland: Die Facebook-Gruppe ist vergleichsweise harmlos, wenn man sich die „Wir-machen’s“-Videos bei Youtube ansieht. Im Vergleich zu Barack Obama ist das reiner Polit-Slapstick….

  7. Coffee And TV: » Nixkönner
    25. November 2008, 22:32

    Im Falle unserer neuen Liste “Yes, maybe we could try to, but come to think of it: we definitely can’t” geht die SPD Marburg möglicherweise uneinholbar in Führung: […]

  8. Heiko
    26. November 2008, 15:43

    Verstehe ich nicht. Was ist daran schlimm, wenn ein Politiker einen Wahlwerbespot drehen lässt?

  9. Lukas
    26. November 2008, 15:51

    @Heiko: Für die Bürgermeisterwahl in einer Stadt mit 70.000 Einwohnern (Geschätztes Durchschnittsalter: 45) und drei Kinosälen?

  10. Heiko
    26. November 2008, 20:19

    @Lukas
    Kommt darauf an, wieviel er dafür bezahlen musste. Ansonsten sehe ich nicht ganz, wieso es darauf ankommen soll, um was für ein Amt es sich handelt.

  11. Coffee And TV: » Tun statt Können
    6. Dezember 2008, 16:15

    […] hat sich die SPD viel Mühe gegeben hat, unsere neue Liste “Yes, maybe we could try to, but come to think of it: we definitely can’t” zu […]

  12. zoom
    8. Dezember 2008, 17:16

    Es kommt alles immer schlimmer als man denkt ;-)

    http://www.abendblatt.de/daten.....69088.html

  13. ????
    9. Februar 2009, 8:43

    was haben die pläne von obama für folgen