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A Different Point Of View

So schwer ist das bei den Pet Shop Boys ja eigentlich nicht: Anders als bei Arcade Fire (ca. 7) oder The Polyphonics Spree (ca. 23) gibt es nur zwei Bandmitglieder — und wenn man die nicht auseinanderhalten kann, nimmt man eben ein Foto, wo beide drauf sind, und schreibt beide Namen darunter.

Man kann es natürlich auch so machen wie “Zeit Online” und die Namen der beiden unter ein Foto schreiben, das zwei der vier Backgroundsänger/-tänzer zeigt:

Aufgeräumt: Die Pet Shop Boys Neil Tennant und Chris Lowe halten Hof im Berliner Tempodrom

Beim “Westen” bleibt immerhin unklar, ob es sich um eine Bildunterschrift oder den Vorspann des Artikels handeln soll:

Köln. Sie haben so ziemlich alle Moden ihrer Pionierzeit überlebt, aber sie selbst haben sich brillant gehalten: Die Pet Shop Boys im Kölner "Palladium".

In Wahrheit sehen Neil Tennant und Chris Lowe bei den Konzerten (bzw. zu Beginn, wenn die Presse fotografieren darf) ein bisschen anders aus. Aber das hätte ich auch nicht gewusst, wenn ich nicht zufällig dagewesen wäre.

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Domino Dancing

Wer sich mit pubertären Abgrenzungssorgen trägt, tut gut daran, Popkonzerte oder Fußballspiele zu besuchen. Die Erkenntnis “Ja, auch mit diesen Menschen habe ich offenbar etwas gemeinsam”, kann gleichermaßen befreiend wie verstörend wirken. Aber ist es nicht beruhigend zu wissen, dass auch Menschen, die Ed-Hardy-T-Shirts tragen, die gleiche Musik gut finden dürfen wie man selbst?

Gestern stand ich also als einer der jüngsten Besucher ohne elterliche Begleitung im Kölner Palladium (das dringend auf meine imaginäre Liste der unbrauchbarsten Konzerthallen NRWs gehört) und guckte mir die Pet Shop Boys an. Dass ich satte 50 Euro Eintritt gelatzt hatte – und das Konzert daher in jedem Fall gut finden müsste -, kam mir am Abend ungefähr ein Mal in den Sinn. Der Gedanke lautete vollständig: “Doch, die 50 Ocken ham’ sich gelohnt”.

Pet Shop Boys live

Bei der Bühne hatten sich der studierte Architekt Chris Lowe und der ehemalige Musikjournalist Neil Tennant (sowie deren Mitarbeiter) sichtlich Mühe gegeben, den feuilletonistisch angehauchten Besuchern Steilvorlagen zu liefern: Aus großen weißen Würfeln wurden immer wieder neue Wände zusammengepuzzelt, die dann als Projektionsflächen für Videos dienten — fast genau so, wie die Musiker auch ihr eigenes Werk immer wieder neu zusammenpuzzelten: “Pandemonium” wurde mit “Can You Forgive Her?” gekreuzt, “Building A Wall” mit “Integral” und “Domino Dancing” ging schnell in Coldplays “Viva La Vida” über, dessen “Oh-oh-ooh-ooooooh-oh”-Chöre sich übrigens als nächstes “Seven Nation Army” empfehlen.

Gemeinsam mit den Tänzern (drei Frauen und ein Mann in unterschiedlichsten Kostümierungen) erinnerte die Show mitunter schon ein wenig an ein Musical — aber das geht schon in Ordnung, denn auch sowas haben die Pet Shop Boys in ihrer langen Karriere ja schon gemacht. Und nur Neil Tennant beim Wechseln von Jacken und Hüten und Chris Lowe beim Bedienen verschiedenster elektronischer Instrumente zuzusehen, wäre ja auch irgendwie langweilig gewesen.

Das Bühnenbild bei den Pet Shop Boys (nachgestellt)

Dass die Setlist für mich zwischendurch ein paar Hänger aufwies (ich bin halt erst seit “Very” dabei), kann man schwerlich der Band anlasten. Die älteren Fans (also ungefähr alle anderen in der Halle) haben sich sichtlich gefreut, dass neben einigen unvermeidlichen Hits auch ein paar nicht so Formatradio-erprobte Klassiker dabei waren. Neben dem alten Material lag der Schwerpunkt dann vor allem auf dem phantastischen neuen Album “Yes” — Stücke von “Release” fehlten im Set völlig, “Fundamental” und “Bilingual” waren auch deutlich unterrepräsentiert und selbst von “Very” kam nur “Go West” vollständig zum Einsatz.

Von dieser ganzen Exegese ab war das Konzert aber auch einfach eine gelungene Party, bei der lediglich die etwas zu leise Stimme und das mitunter unschön dröhnende Keyboard negativ auffielen. Und die Preise fürs Merchandising natürlich …