Domino Dancing
Von Lukas Heinser am Donnerstag, 25. Juni 2009 16:59
Kategorie: Rock'n'Roll High School
Wer sich mit pubertären Abgrenzungssorgen trägt, tut gut daran, Popkonzerte oder Fußballspiele zu besuchen. Die Erkenntnis “Ja, auch mit diesen Menschen habe ich offenbar etwas gemeinsam”, kann gleichermaßen befreiend wie verstörend wirken. Aber ist es nicht beruhigend zu wissen, dass auch Menschen, die Ed-Hardy-T-Shirts tragen, die gleiche Musik gut finden dürfen wie man selbst?
Gestern stand ich also als einer der jüngsten Besucher ohne elterliche Begleitung im Kölner Palladium (das dringend auf meine imaginäre Liste der unbrauchbarsten Konzerthallen NRWs gehört) und guckte mir die Pet Shop Boys an. Dass ich satte 50 Euro Eintritt gelatzt hatte – und das Konzert daher in jedem Fall gut finden müsste -, kam mir am Abend ungefähr ein Mal in den Sinn. Der Gedanke lautete vollständig: “Doch, die 50 Ocken ham’ sich gelohnt”.

Bei der Bühne hatten sich der studierte Architekt Chris Lowe und der ehemalige Musikjournalist Neil Tennant (sowie deren Mitarbeiter) sichtlich Mühe gegeben, den feuilletonistisch angehauchten Besuchern Steilvorlagen zu liefern: Aus großen weißen Würfeln wurden immer wieder neue Wände zusammengepuzzelt, die dann als Projektionsflächen für Videos dienten — fast genau so, wie die Musiker auch ihr eigenes Werk immer wieder neu zusammenpuzzelten: “Pandemonium” wurde mit “Can You Forgive Her?” gekreuzt, “Building A Wall” mit “Integral” und “Domino Dancing” ging schnell in Coldplays “Viva La Vida” über, dessen “Oh-oh-ooh-ooooooh-oh”-Chöre sich übrigens als nächstes “Seven Nation Army” empfehlen.
Gemeinsam mit den Tänzern (drei Frauen und ein Mann in unterschiedlichsten Kostümierungen) erinnerte die Show mitunter schon ein wenig an ein Musical — aber das geht schon in Ordnung, denn auch sowas haben die Pet Shop Boys in ihrer langen Karriere ja schon gemacht. Und nur Neil Tennant beim Wechseln von Jacken und Hüten und Chris Lowe beim Bedienen verschiedenster elektronischer Instrumente zuzusehen, wäre ja auch irgendwie langweilig gewesen.

Dass die Setlist für mich zwischendurch ein paar Hänger aufwies (ich bin halt erst seit “Very” dabei), kann man schwerlich der Band anlasten. Die älteren Fans (also ungefähr alle anderen in der Halle) haben sich sichtlich gefreut, dass neben einigen unvermeidlichen Hits auch ein paar nicht so Formatradio-erprobte Klassiker dabei waren. Neben dem alten Material lag der Schwerpunkt dann vor allem auf dem phantastischen neuen Album “Yes” — Stücke von “Release” fehlten im Set völlig, “Fundamental” und “Bilingual” waren auch deutlich unterrepräsentiert und selbst von “Very” kam nur “Go West” vollständig zum Einsatz.
Von dieser ganzen Exegese ab war das Konzert aber auch einfach eine gelungene Party, bei der lediglich die etwas zu leise Stimme und das mitunter unschön dröhnende Keyboard negativ auffielen. Und die Preise fürs Merchandising natürlich …
Donnerstag, 25. Juni 2009 21:32
“Viva La Vida” [...], dessen “Oh-oh-ooh-ooooooh-oh”-Chöre sich übrigens als nächstes “Seven Nation Army” empfehlen [...]”
Schon längst passiert, glaube in Frankfurt läuft das nach Toren. Kann auch woanders gewesen sein, auf jeden Fall habe ich es schon im Fußballstadion gehört. :)
Donnerstag, 25. Juni 2009 21:45
@Malte: Läuft in Hamburg als Tormusik.
Donnerstag, 25. Juni 2009 21:52
Musik überschreitet doch alle Grenzen, auch die des Alters.
Donnerstag, 25. Juni 2009 22:49
“go west” war und ist seit jeher wirklich schlimm. da dreht es mir alles um.
ist es nicht schön, dass auch leute ohne ed-hardy-affinität nichts von den pet shop boys halten? ;-)
Donnerstag, 25. Juni 2009 23:18
Lieber Lukas,
auch ich sah vor wenigen Jahren die Pet Shop Boys und sie haben mich ähnich begeistert. Allerdings, und da toppe ich die Lokalität, war es im Kraftwerk der Autostadt in Wolfsburg. Zu den dortigen Tanztagen “Movimentos” passte das musicalhafte perfekt. Dein Artikel macht mir jedenfalls Lust auf einen neuerlichen Konzertbesuch.
Viele Grüße
Steffen
Freitag, 26. Juni 2009 17:48
Ach, was hätte ich das Konzert auch gern gesehen, erst recht nach deiner Beschreibung…
50 € find ich eigentlich völlig in Ordnung, mittlerweile ist man ja doch was ganz anderes gewohnt!
Montag, 29. Juni 2009 22:49
[...] darf) ein bisschen anders aus. Aber das hätte ich auch nicht gewusst, wenn ich nicht zufällig dagewesen [...]
Dienstag, 14. Juli 2009 22:00
glaub mir,Parkbühne Leipzig war auch nicht besser…
allgemein,so nach dem Überblick der gewählten lokalitäten waren diese schon etwas unterere Schublade,ich durfte Parkbühne Leipzig miterleben,bis aufs Tempodrom Berlin,wurde warsch. gerade hieran gespart….
um die show und die Technik besser zu fungerieren…..
übrigenz gabs in Leip besonders lange Wartezeiten,die eine Wand is zwischendurch n paar mal eingestürzt und mit dem Einlass wurde zu spät begonnen,allgemein ham se “gemehrt”.
Gab wohl doch nochmal Komplikationen mit der Technik….
und zu den 50 Eus,die haben sich absolut gelohnt für Künstler dieses Niveaus (80er ,das hat noch Qualität!!!)
bei depeche Mode sins ja denne dieses Jahr nochemal 10-20 mehr…..
mal abgesehn davon habe ich auch die 100 für Madonna gezahlt,bei jedem Konzert habe ich bis jetzt besseren Blick genießen dürfen,als man siich dies vom hörensagen her vorstellt…..
und du hast recht,in einer Gesellschaft in der (zu mindest die Dudelchartz) Kindermusik ála Lady Gaga am Dominieren is die angeblich stilistisch und inhaltlich an die 80er bzw. die ganzen anderen Perioden revolutionärer Musik herankommen soll – was keinesfalls in irgendweiner Form eintreten wird……
ist und bleibt ECHTE “0riginalmusik” etwas zu bewahrendes….
meine Worte….. BLez….
Sonntag, 19. Juli 2009 23:07
Merkwürdig, dass du schreibst, dass die Setlist für dich zwischendurch ein paar Hänger aufwies. Die Setlist vereinte doch das großartigste Output der Pet shop boys. Fundamental und Bilingual waren unterrepräsentiert, weil sie schlicht und ergreifend die schwächsten Pet shop boys-Alben sind.
Sonntag, 19. Juli 2009 23:46
@Annette: Ich war halt mit den ersten Alben noch nicht so vertraut. Und “Bilingual” ist für mich eines der besten Pet-Shop-Boys-Alben (was natürlich auch daran liegen könnte, dass ich damit aufgewachsen bin).
Samstag, 25. Juli 2009 14:43
dann hör mal unbedingt in die ersten alben rein! :-) du wirst es nicht bereuen.
Mittwoch, 19. August 2009 19:38
aber vom Sound her sind Fundamental und RElease – aber unanstreitbar Yes besser kommend…
an Yes hat ja großartig nichtz zum beanstanden gefehlt aber an den andern schon =/
sie ham ne akustisch und optisch sehr qualitativ moderne Darbietung geliefert,sich allerdings sehr an die alten 80er und frühen 90er angelehnt *~*
naja sin halt stolz auf ihr Jubileum….