Everybody in the house of love

Von Lukas Heinser, 29. Februar 2008 10:47

Leider habe ich heute Abend schon eine Verabredung mit der Hochkultur, sonst könnte ich mir in meiner Heimatstadt doch glatt das Comeback des Jahres ansehen. In einem mir unbekannten Bochumer Tanzschuppen wird die Band auf der Bühne stehen, die in meiner Musiksozialisation den Zeitraum zwischen der Münchener Freiheit und den New Radicals bestimmt hat: East 17.

Mitte der Neunziger bestimmte die Frage „Oasis oder Blur?“ die britische Musikszene. Die andere zentrale Frage für die etwas jüngeren und/oder ahnungsloseren lautete: „Take That oder East 17?“. Und während es heutzutage völlig okay ist, Take That gut gefunden zu haben (ihr Comeback-Album muss man ja gar lieben), „gehen“ East 17 rückblickend „gar nicht“ – sagen zumindest alle.

Ich mochte die Band damals und die Erinnerung an diese Zeit lässt es auch heute noch nicht zu, ihre Musik scheiße zu finden. Ich war im Besitz einer dieser aus der „Bravo“ zusammengeklaubten und hingeschluderten (heute würde man die Wikipedia nehmen) Bandbiographien und während ich lange Jahre dachte, „Postcards From Heaven“ der Lighthouse Family wäre mein erstes selbstgekauftes Album gewesen, muss ich diese Information nach weiterer Inaugenscheinnahme meiner CD-Sammlung korrigieren: es war „Up All Night“ von East 17.

Ich habe East 17, die schließlch nur noch E-17 hießen (was sie, wie der Kenner weiß, natürlich schon getan hatten, bevor sie East 17 hießen) und nur noch zu dritt waren, irgendwann aus den Augen verloren. Von 1996 bis 1998 war mein Interesse an Kinofilmen und deren Scores größer als das an Popmusik. Was ich noch mitbekam war, dass das Trio noch ein Album veröffentlichte und sich dann auflöste. Sänger Brian Harvey war vor einigen Jahren Kandidat bei „I’m a Celebrity … Get Me Out of Here!“ und schaffte es, von seinem eigenen Mercedes überfahren zu werden, während er am Steuer saß. In einem Plattenladen hatte ich neulich ein Best Of der Band in der Hand, das etliche Jahr jünger war als ihr Best Of bei mir im Regal, aber die gleichen Songs enthielt.

Heute Abend stehen East 17 also als East 17, aber weiterhin ohne Tony Mortimer, den coolen Rapper, auf der Bühne des „Rombach’s“ in Bochum. Ich bin ganz froh, dass ich was anderes vorhabe.

PS: East 17s größter Hit war natürlich „Stay Another Day“, den ich auch heute noch komplett mitsingen kann. Ein wenig kredibiler ist das natürlich bei der Coverversion von Maps, die man sich hier herunterladen kann.

7 Kommentare

  1. Sebastian
    29. Februar 2008, 14:22

    Oha, die Bad Boys der Boygroups, Oasis Pendant sozusagen. Aber Steam und Stay another day fand ich auch ganz okay. Albern waren nur House of love und die Mütze.

  2. Bob
    1. März 2008, 1:42

    Alright! Alright! Everything’s gonna be alright!
    Hmmm, wenn man mal die Nostalgie abzieht, bleibt dann doch nicht mehr so viel übrig. Hat aber allemal gereicht, um den Frauenversteher zu geben. Take That hätte einem da niemand abkauft (und das wär’s auch nicht wert gewesen :)

  3. kmy
    1. März 2008, 21:50

    jaaa! stay another day hab ich geliebt!! diese glocken!!

  4. milhouse
    2. März 2008, 15:43

    War kein Fan, aber „If you ever“ mit Gabrielle war groß (zwar ein Cover, aber was für eins).

  5. SvenR
    3. März 2008, 10:08

    …und ich dachte zuerst an „Temptation“, das war aber von Heaven 17. Bin halt schon ein alter Sack.

  6. SvenR
    3. März 2008, 10:27

    Noch mehr OT: A propos Coverversionen, ich habe heute Morgen „Welcome to the Pleasuredome“ aber eben nicht von Frankie goes to Hollywood gehört, mit einer schluchzenden Chris Isaak-Gitarre. Über sachdienliche Hinweise würde ich mich sehr freuen.

  7. Coffee And TV: » A Different Beat
    13. November 2008, 14:57

    Ich gebe zu, ich hatte nicht mitbekommen, dass sich Boyzone zu einer Reunion zusammengefunden hatten. East 17: klar, Take That: sowieso, aber Boyzone, die immerhin auf Platz 3 meiner imaginären Liste der okayen Boybands der Neunziger standen: nee, verpasst. […]