Old man yells at cloud

Von Lukas Heinser, 14. April 2016 18:07

Seit meine Familie ihre Sommerurlaube in den Niederlanden verbringt (also seit kurz nach Ende des Wiener Kongress), ist es lieb gewonnene Tradition, bei Ausflügen ins Nachbarland die dortigen Supermärkte aufzusuchen und all jene kleinen Köstlichkeiten in gerade noch haushaltsüblichen Mengen rauszuschleppen, die in Deutschland rätselhafterweise nicht zu haben sind: Pindakaas, Pasta Choca, Krentenbollen, Vla und Hagelslag. Erst letzten Monat nutzte ich eine Familienfeier im Grenzgebiet, um anschließend noch mal ordentlich was fürs holländische Bruttoinlandsprodukt zu tun.1 In Zeiten der Globalisierung sind diese grocery shopping sprees allerdings zunehmend symbolischer geworden: Schokoladenstreusel bekommt man hier schon lange, seit einiger Zeit auch Vla und seit kurzem bekommt man bei jedem Discounter abgepackte Rosinenbrötchen, die den niederländischen Originalen zumindest in Konsinstenz und Optik zum Verwechseln ähneln. Das nimmt den Produkten den Reiz der begrenzten Verfügbarkeit und sorgt nebenher für so ernüchternde Erkenntnisse wie die, dass ich eigentlich gar keinen Pudding mag.

Holländische Spezialitäten.

Ich habe Probleme, mich zu entscheiden. Deswegen meide ich Restaurants mit großen Karten,2 Kaufhäuser und diese Bars mit 246 Sorten Gin. Noch schlimmer sind Frühstücksbüffets und „All you can eat“-Läden, weil ich da immer das Gefühl habe, ich müsste jetzt wirklich alles probieren und verzehren — ich hab ja schließlich dafür gezahlt und das Zeugs steht da jetzt rum und darf eh nicht zurück in die Küche. Und während ich beim Betreten von Buchhandlungen seit jeher leicht depressive Schübe bekomme, weil ich denke: „Das werde ich bis zum Ende meines Lebens niemals alles lesen können“, sind Leihbüchereien noch schlimmer, denn da kann ich ja nicht mal mehr auf eine Intervention meines Kontostands hoffen. Lauter offene Türen, also Zeit, klaustrophobisch zu werden.

Und so komme ich dann auch mit dem Konzept „Streaming“ überhaupt nicht klar: Seit ich Kunde bei Musikstreamingdiensten bin (erst Spotify, dann Apple Music) habe ich weniger Musik gehört als je zuvor in meinem Leben. Jede Woche werden mir dutzende neue Songs und Alben angezeigt, von denen ein Algorithmus glaubt, dass sie mir gefallen könnten — also höre ich lieber das, was ich kenne, und kaufe die neuesten Werke der Künstler, von denen ich sonst schon alles habe.3 Natürlich auf CD, denn das ist ja mein anderes Dilemma: Ich will den ganzen Kram natürlich auch besitzen. Ins Regal stellen. Anfassen können. Haben. MP3s waren irgendwie auch noch okay, denn da „habe“ ich ja die Datei auf der Festplatte. Streaming ist da wie Auto leasen: zahlen, aber am Ende nichts besitzen.

Gleiches Dilemma bei Fernsehserien: Weil ich es mag, wenn meine Amazon-Bestellungen noch am selben Tag verschickt werden, damit ich sie am übernächsten Werktag im Postamt abholen kann, bin ich „Prime“-Kunde — und bekomme ungefragt die Option, hunderte Fernsehserien jederzeit kostenlos anschauen zu können. So könnte ich die Stunden, in denen ProSieben keine Wiederholungen von „The Big Bang Theory“ zeigt, mit Wiederholungen von „The Big Bang Theory“ überbrücken. Wenn ich denn „The Big Bang Theory“ gucken wollen würde — oder irgendeine andere Fernsehserie.

Fernsehen ist für mich wie für andere Leute Sport: Wenn jemand mitkommt und mich dazu zwingt, ist es meist ganz okay. Alleine fallen mir meist hundert Sachen ein, die ich dringender erledigen müsste.4 Dann möchte ich aber gerne auch, dass die Programmplaner mir gnadenlos vorgeben, was ich wann zu gucken habe. So wie früher, als ich jeden Montagabend zu meinen Großeltern gegangen bin, um „Akte X“ zu gucken, weil meine Eltern keine Satellitenschüssel hatten. Der 50 Meter lange Rückweg durch einen nächtlichen Garten gewinnt für einen 12-Jährigen deutlich an Spannung, wenn er sich vorher mit Aliens, Zombies oder Verschwörungen beschäftigt hat. Wenn ich Fernsehen nicht linear (oder, wie ich es nenne: „normal“) gucken kann, will ich es gar nicht sehen. Und dann diese Mengen! „Guck Dir ‚Breaking Bad‘ an!“ — alles klar: 62 Folgen,5 sehe ich aus, als hätte ich so viel Zeit?! Ich habe bei meinen Eltern noch einen laufenden Meter VHS-Kassetten mit über hundert Folgen „Nash Bridges“ stehen, die ich Ende der 1990er Jahre auf Vox mitgeschnitten habe!

Diese modernen Fernsehserien sind aber eh nichts für mich: Handlungsstränge, die sich über Wochen und Monate entfalten, „horizontales Erzählen“, Chronologiesprünge — urgs! Genauso schlimm wie diese unendlichen Kinofilme von Christopher Nolan und Zack Snyder! Ich lese auch am liebsten Bücher mit weniger als 300 Seiten, dann kann ich mehr verschiedene lesen. Wie dem älteren Herrn im Wartezimmer beim Arzt, der sehr detailliert, aber völlig pointenfrei erzählt, was er neulich im Wartezimmer beim Bürgerbüro erlebt hat, möchte ich sonst immer rufen: „Komm zum Punkt!“ Aber ich schweife ab.

Neulich wollte ich „Solsbury Hill“ von Peter Gabriel hören. Zu Schulzeiten hätte ich dazu erst meinen Vater befragt und wäre dann in die Stadtbibliothek gefahren.6 Wenn das entsprechende Album dort auch nicht verfügbar gewesen wäre, hätte ich nacheinander die – mittlerweile natürlich alle geschlossenen – Plattenläden meiner Heimatstadt abklappern müssen. Ich erinnere mich, wie ich Anfang 2000 bei bitterer Kälte mit meinem Fahrrad jeden Ort in Dinslaken ansteuerte, an dem ich Tonträger hätte käuflich erwerben können — sogar den Karstadt und die drei Videotheken.7 Nirgendwo gab es den Soundtrack zu „Fight Club“. Anderthalb Wochen später fuhr ich mit meinen Freunden mit dem Zug nach Essen, um die CD dort, in der großen Stadt, endlich zu erwerben. Das gleiche ein paar Monate später mit dem Album „St. Amour“ von Tom Liwa. Was meinen Sie, wie euphorisch ich jeweils war, als ich die CDs endlich nach hause schleppen und dort hören konnte? Heute: drei Klicks — Mega-Spannungsbogen! Und so habe ich dann neulich auch blitzschnell das (wirklich phantastische) erste selbstbetitelte Album von Peter Gabriel8 hören können. Und seitdem nie wieder, denn es wäre ja theoretisch jederzeit verfügbar, genauso wie fast jedes andere Album der Musikgeschichte. Kein „Ich hab das jetzt gekauft, da muss ich es auch jeden Tag hören“-Rechtfertigungszwang mehr, kein „Ich hab doch nur soundso viele CDs“-Ressourcenmangel. Kein Wunder, dass Konzepte wie Polyamorie und Offene Beziehung plötzlich näher liegen als auf dem Dorf.

Musiksammlung.

Douglas Adams hat über das Verhältnis von Menschen und Technologie geschrieben:

I’ve come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:

1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.

2. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.

3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.

Die Zahl „thirty-five“ kann man bei mir bequem durch „twenty-five“ ersetzen. Mit 13 war ich online,9 es ist für mich so normal wie elektrischer Strom oder analoges Antennenfernsehen. Mit 15 habe ich meine ersten Texte ins Internet geschrieben und das war so, wie eine eigene Zeitung herauszugeben: toll. Deswegen habe ich dann mit 23 einen Blog aufgemacht. Und obwohl ich hier in den nach unten offenen Kommentarspalten10 einige Freunde gefunden habe, muss ich zugeben, dass ich diesen Rückkanal gar nicht zwingend gebraucht hätte. Und hier sind ja zumeist total vernünftige Leute unterwegs! Stellen Sie sich mal vor, Sie arbeiten für die „Tagesschau“, halten Ihre Zuschauer für einigermaßen aufgeklärt und müssen dann erleben, was die auf Ihrer Seite oder gar bei Facebook kommentieren. Da wird der Betreuungsschlüssel nahegelegener Therapieeinrichtungen schnell überreizt!

Ich hätte deshalb gerne mein Internet von 2010 zurück: Blogs statt Facebook, ICQ statt WhatsApp und E-Mail statt Slack. Auch die Computer waren damals noch besser: MacBooks hatten verschiedene Anschlüsse für verschiedene Geräte und ein CD/DVD-Laufwerk, Mobiltelefone passten noch in Hosentaschen und auch die Betriebssysteme waren noch bedeutend besser als nach dem 17. Upgrade. „Online gehen“ setzte, wenn schon nicht mehr die leicht umständliche Einwahl per Modem, so doch zumindest einen Computer voraus, der zumeist auch noch an einen Platz gebunden war. Heute „geht“ man ja nicht mehr online, man ist es. Immer, überall. Kein drinnen und draußen mehr.11 Das Foto, gerade gemacht, ist jetzt schon auf allen Geräten, die mit dem Konto verbunden sind — oder, wenn Sie prominent sind, beim Hacker.

Neuester Trend: Live-Videos. Journalisten, gleichermaßen geblendet vom Moment des Dabeiseins und den neuen technischen Möglichkeiten, streamen wie besoffen von Parteitagen, Konferenzen und Festivals,12 die sie eigentlich besuchen, um zu beobachten, zu analysieren und einzuordnen. Positiver Nebenaspekt von so viel Live-Leben allerdings: Der früher oft so gefürchtete Dia- oder Videoabend nach einer großen (oder auch kleinen) Reise ist zurecht fast komplett ausgestorben.

Mag sein, dass andere Menschen mit dieser permanenten Verfügbarkeit von allem, inkl. ihrer selbst, besser klarkommen als ich. Gespräche mit Psychologen und Soziologen legen allerdings nahe, dass dem nicht so ist. Aber man kann sich ja jederzeit sein Entschleunigungs-Magazin mit Landhausflair und Lavendelduft auf dem iPad angucken oder die Meditations-App starten. Oder halt einfach durchdrehen, die Möbel aus dem Fenster schmeißen und den Kopf gegen die Wand schlagen.

  1. Wie das ungefähr aussieht, hatte ich vor sieben Jahren hier im Blog schonmal gezeigt. []
  2. Ich verfüge nämlich auch nicht über eine dieser Lebensmittelunverträglichkeiten, die einem die Auswahl massiv eingrenzt — solange keine Walnüsse im Essen sind oder es sich um gefüllte Nudeln handelt, kann und mag ich alles essen. []
  3. Tolle neue Alben von Weezer und den Pet Shop Boys, übrigens! []
  4. Sport, zum Beispiel. []
  5. Und damit noch für amerikanische Serien noch vergleichsweise wenig. []
  6. Musik aus der Stadtbibliothek ging übrigens immer total in Ordnung, die konnte man ja erst auf Kassette und später dann auf die Festplatte kopieren, also „haben“ — versuchen Sie das mal mit einem Buch! []
  7. Videotheken! „Wie Netflix, nur mit Kosten für Miete und Personal.“ []
  8. Oder „Car“, wie wir Nerds sagen. []
  9. Wenn auch anfangs nur sehr wenig, sehr langsam, dafür aber sehr teuer. []
  10. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an dieses Bonmot aus der guten, alten Zeit. []
  11. Viele Leute wissen dabei nicht mal, dass sie das Internet nutzen, die nutzen nur Facebook. []
  12. Wenn’s gut läuft. Wenn’s schlecht läuft, streamen sie live aus Polizeioperationen. []

13 Kommentare

  1. sven
    14. April 2016, 18:29

    Danke für den Titel. Und die Kettcar-Referenz.

    Was Douglas Adams sagt finde ich auch sehr treffend, bei mir ist es zum Glück noch nicht ganz so weit (trotz überschrittener Grenze). Also ok, bis auf Youtuber (nicht Youtube). Und Snapchat.

    Mit Streamingdiensten komme ich mental auch nicht zurecht, ich bin da einfach zu skeptisch was das überdauern angeht und mag das Leasinggefühl dabei nicht.

  2. Dirk Kropp
    14. April 2016, 19:02

    Charmanter Text.

  3. Gilbert
    14. April 2016, 22:28

    Ja, viele von uns werden sich zunehmend die Frage stellen: Ist das jetzt schlecht oder bin ich einfach zu alt?

    Ich denke, für neue Generationen wird der Zugang zu etwas (Musik, Film, Auto) mehr zählen, als der Besitz davon. Und mal ehrlich: Ist bei den meisten Dingen auch einfach schlauer, weil man sich selbst die ganzen blöden Nebenkosten spart.

  4. Pieter Hollants
    14. April 2016, 23:58

    Super Text. Ein Grund, warum ich bzgl. „Blogs statt Facebook“ voll und ganz zustimme. Nur IRC statt ICQ…

  5. Thomas
    15. April 2016, 7:21

    Hey Lukas,

    gerade was das „Besitzen“ von Medien angeht, bin ich vollends bei Dir. Ich kaufe alles nur noch auf Vinyl (so wie Du auf CD). Die MP3s gibt es ja meist noch oben drauf per Download-Code oder über Amazon Music. Wennes ein Album, das ich mag, nicht auf Platte gibt, dann zöger ich schon fast…

    Auf meinen nächsten Holland-Trip zu Albert Heijn freu ich mich jetzt schon. Soll ich Dir was mitbringen? :)

  6. Andi
    15. April 2016, 10:15

    Vielen Dank für diesen sehr, sehr schönen Text, dem ich in vielen Punkten zustimmen kann!

    Da ich auch aus Dinslaken komme, eine Anekdote zum Thema CDs aus der Stadtbibliothek ausleihen: Ausgerechnet in der Stadtbibliothek Dinslaken gab es früher die sehr seltene und überall vergriffene Doppel-CD-Version von Definitely Maybe von Oasis. In kindlicher Vorfreude auf eine ganze CD voller neuer Oasis-Songs, habe ich diese damals in den CD-Player geschoben, nur um festzustellen, dass auf der Platte gerade mal ein(!) Lied drauf ist. („Whatever“, aber der ist es wert!)
    Ich sehe gerade, dass aktuell die 3-CD-Version von Definitely Maybe in der Stadtbibliothek vorhanden ist. Irgendjemand dort scheint einen sehr guten Musikgeschmack zu haben. Vielleicht sollte ich dort mal wieder vorbeifahren.

    P.S. Danke auch für den simpsonshaften Titel!

  7. gebimmel
    15. April 2016, 14:04

    Also das mit der Musik ist mir auch schon aufgefallen. Es ist vielleicht einfach eine Frage des Alters. man greift auf Bewährtes zurück und hat für jede Stimmungslage sein Album. Und ratz fatz hört man kein 1Live mehr, sondern WDR4.

  8. Mathis
    15. April 2016, 14:06

    Weise Worte. Wo wir gerade bei Nostalgie sind: Früher gab es auch mehr Posts bei Coffee and TV :)

  9. Daniela
    15. April 2016, 23:05

    Schöner Text.
    Zum Thema Live-Streaming: habe mal einen dystopischen Roman gelesen, der die Thematik aufnimmt, beängstigend prophetisch. Kann das Buch als Freizeit Lektüre sehr empfehlen: Steyngart Super Sad Super True Love Story

  10. Lukas Heinser
    16. April 2016, 0:17

    @Andi: Oh ja, die Stadtbibliothek Dinslaken ist zu einem großen Teil an meiner Musiksozialisation beteiligt gewesen. Nicht zuletzt durch diesen Sampler.

    @gebimmel: WDR4 ist ja inzwischen der einzige hörbare der drei Unterhaltungssender des WDR. Und wo kriege ich sonst Udo Jürgens, die Beatles und Soul Asylum zu hören?

    @Mathis: Ja, ja. Wir arbeiten dran. Blogs statt Facebook!

  11. Eule
    16. April 2016, 11:03

    [X] AOL

    Achja, noch ein Vorteil des Internets von 2010 war ja, dass man es sogar mit einem Computer (also dem Ding auf dem Schreibtisch) benutzen konnte, jedenfalls ohne reihenweise durch riesige Fotos, massig Whitespace und sonstige Platzverschwen…, äh, Optimierung erst den Überblick und dann wahlweise die Gelduld oder die Nerven zu verlieren. Hach, damals.

    Das mit der Musik ist mir ebenfalls aufgefallen, allerdings ist bei mir auch ein Faktor dass das Internet von 2016 jede Menge Podcasts anbietet so dass oft schlicht die Zeit für Musik fehlt, egal ob gestreamt oder von der Silberscheibe.

  12. strawberry
    16. April 2016, 14:43

    Man könnte jetzt mit Erich Fromms „Haben oder Sein“ argumentieren, dass das Haben wollen ein primitiver Reflex ist und das Aufgeben von Besitz von höherer geistiger Reife zeugt. Platten-, CD und Bücherschränke sind tendenziell Trophäenschränke, und wer in dieser Sammelei aufgeht, ist geistig noch in den Reflexen alter Jagdgesellschaften gefangen. So gesehen ist die öffentliche Bücherei ein Akt der Befreiung.

    Aber leider geht es hier wohl doch eher um „Haben oder Mieten“. Jeder Vermögensberaterartikel aus der Apothekenpostille lehrt uns, dass man mit Arbeit nicht zu Geld kommt, man muss das Geld für sich arbeiten lassen. Und dazu muss man Vermögen anhäufen, das man verleihen kann. Und weil das mit Aktien und Derivaten schon mal schief ging, fließt jetzt alles in Immobilien.
    Und die Anbieter von Inhalten versuchen ganz ähnlich, den Sündenfall des Personal Computers rückgängig zu machen. Die Computer der Zukunft sollen keine frei verschiebbaren Dateien und Programme mehr haben. Wir werden transformiert in ein Heer von Mietern. Wir mieten Speicherplatz, wir mieten Programme (Kaufprogramme werden aussterben), wir mieten Unterhaltung. Momentan noch so günstig, dass die eigene Trophäensammlung dagegen altmodisch und armselig wirkt. Aber Mieten können bekanntlich schnell steigen. Hauptsache, man gewöhnt sich erstmal an monatliche Abgaben, dann kann später auf ein Recht daran gepocht werden.
    Und die hässliche Logik dahinter ist ja, dass am Ende nur derjenige profitieren kann, der ein möglichst breites Angebot an Inhalten hat. Der einzelne Produzent von Inhalten kann nicht wirklich konkurrieren, er wird sich den großen Distributoren zu deren Bedingungen zur Verfügung stellen müssen oder versuchen müssen, mit kostenlosen Angeboten zumindest ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Letztlich ist auch ein monatliches Abo eines Musikstreamingdienstes nur ein riesiger Trophäenschrank. Man besitzt damit alles und zugleich nichts. Man müsste ein neues Möbelstück erfinden, das den altmodischen Trophäenschrank ersetzt. Es würde auf den ersten Blick sehr armselig wirken, aber nur auf den ersten Blick.

  13. Andi
    3. Juni 2016, 14:49

    @Lukas: Danke für den Tipp mit dem Sampler! Habe ihn gebraucht gekauft und 20 Jahre nach dem Erscheinen noch ein paar „Neuheiten“ entdeckt.