Im Stechschritt in den Fettnapf

Von Lukas Heinser, 11. Oktober 2007 3:49

Ich wollte nichts mehr über Eva Herman schreiben, wirklich nicht. Die Frau war für mich unter DBDDHKPUAKKU1 einsortiert und ich wollte zum Tagesgeschäft übergehen. Doch dann stolperte ich bei den Osthessen News über einen Tonmitschnitt ihrer Rede beim Forum Deutscher Katholiken, die ja auch schon für etwas Wirbel gesorgt hatte.

Um nicht als böswillig, sinnentstellend und gleichgeschaltet zu gelten, habe ich mir mit den Zähnen in der Tischplatte die ganze Rede angehört. Danach wusste ich zumindest, warum sie bei Kerner nicht auf die Argumente der anderen Gesprächspartner einzugehen vermochte: Sie wollte gerade ihre Rede vom Wochenende auswendig aufsagen und war nicht auf Improvisationen eingestellt.

Aus der Rede wird eines deutlich, noch deutlicher als aus ihrem Auftritt bei Kerner: Eva Herman wird nie als große Rhetorikerin in die Geschichte eingehen. Da beschwert sie sich erst, ein Halbsatz von ihr sei falsch und sinnentstellend zitiert worden und sie würde ja eh immer schnell in die rechte Ecke gerückt, und dann sagt sie allen Ernstes Sätze wie diese:

„Wir marschieren im Stechschritt durch einen anstrengenden Alltag voller Widersprüche. Wir sehnen uns verzweifelt nach Geborgenheit, Heim und Familie, und kämpfen täglich unser einsames Gefecht in der männlich geprägten Arbeitswelt.“

„Marschieren“! „Im Stechschritt“! „Einsames Gefecht“! Wer auch immer der Frau seinen Metaphern-Duden geliehen hat: Er sollte ihn schnellstens zurückfordern.

Keine zwei Minuten später:

„Sofern jemand das Wort erhebt und sich für diese Werte einsetzt, wird er bombardiert, es wird Nazilob in ihn projeziert und gleichzeitig wird er als Sympathisant dieser Ideologie öffentlich verurteilt.“

Er wird „bombadiert“? Ja hallo, geht’s denn noch? Muss sich eine Frau, der die braune Kacke nur so am Schuh klebt, denn auch noch hinstellen und aus dem riesigen Strauß sprachlicher Bilder ausgerechnet diejenigen herauspicken, auf denen „Explosive devices, do not touch“ steht?

Alice Schwarzer bezeichnet sie als „Chef-Feministin“, die mitverantwortlich sei für eine der „beispiellosesten Abtreibungskampagnen auf dieser Erde“ und man freut sich, dass man sich an dem Superlativ der Beispiellosigkeit festbeißen kann und gar nicht erst auf die inhaltliche Ebene hinunterklettern muss.

Frau Herman fürchtet allen Ernstes, dass „wir“ aussterben und angesichts der immer schneller wachsenden Weltbevölkerung müsste sie sich eigentlich fragen lassen, wer zum Henker denn da aussterben soll. Sie kann von Glück reden, dass gerade kein böser, gleichgeschalteter Journalist vorbeikam, der ihr zynischerweise „das deutsche Volk“ unterstellen wollte.

Bald sieht sie sich und die Ihrigen gar verfolgt und spätestens in diesem Moment wäre ich wohl aufgesprungen und hätte sie losgeschickt, mal fünf Minuten mit jemandem zu reden, der wirklich verfolgt wurde oder wird. Egal ob im Dritten Reich, in der DDR oder in China.

Noch was richtig unglücklich Formuliertes? Bitteschön:

„Die Statistiken, die ernüchternd sind, die Diskussion, die Ursachen und die Folgen der heutigen Kinderlosigkeit werden mich auch weiterhin dazu bewegen, diese Diskussion zu führen – da hilft auch kein Berufsverbot.“

„Berufsverbot“?! Nee, sicher: Gab’s auch alles schon vor den Nazis und hinterher natürlich auch. Zum Beispiel für die vielgescholtenen Achtundsechziger.

In den USA würde man spätestens hier den Umstand betonen, wie toll es doch sei, in einem freien Land leben zu können, wo jeder frei sprechen könne – auch Eva Herman. Und vielleicht sollte man wirklich mal die Goldwaage wegpacken, die sprachliche Ebene auf der eh nichts mehr zu holen ist, verlassen und sich dem Inhaltlichen zuwenden.

So erzählt Eva Herman die Geschichte, wie sehr die Geburt ihres Kindes ihr Leben verändert habe, und wie unvereinbar Familie für sie plötzlich mit einem Beruf schien. Man glaubt ihr das ja, man ahnt, dass man hier ganz nah dran ist an dem Knacks, den diese Frau irgendwann mal erlitten haben muss. Nur schließt sie dabei wie so oft von ihrer persönlichen Erfahrung auf andere und selbst, wenn ihr statt 700 Katholiken 700.000 zugejubelt hätten, würden mir immer noch genug Frauen einfallen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen haben – offenbar ohne daran zu zerbrechen.

Man sollte ihre Meinung und vor allem ihren Glauben respektieren, sollte sie bemitleiden für die Karriere, die sie tragischerweise gemacht hat, und sie beglückwünschen dafür, dass sie für sich die „Wahrheit“ entdeckt hat – so, wie man jedem Menschen wünscht, dass er nach seiner Fasson glücklich werde. Aber sie macht es einem so schwer, indem sie ihre Ansichten als unumstößliche Fakten darstellt, das Singledasein als unvollendeten Schöpfungswillen betrachtet und in einer Tour von einem „Wir“ spricht, ohne je zu sagen, wer das sein soll: Alle Frauen, alle konservativen Frauen, alle paranoiden Ex-Fernsehmoderatorinnen?

Eva Hermans Weltsicht ist eine derart verquastete Melange aus Kapitalismuskritik, Schöpfungslehre und Fortschrittsfeindlichkeit, dass ich mir dagegen wie ein neoliberaler Atheist vorkomme – und so will ich mich nie wieder fühlen. Fast wäre man geneigt zu sagen, sie habe einen Urknall, wenn man sich nicht sicher sein könnte, dass sie genau den nicht hat.

1 Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und auch keine kalten Umschläge.

Nachtrag 13:14 Uhr: Irgendwie scheint der ganze Themenkomplex verunglückte Metaphern regelrecht anzuziehen. Diesmal ist es Franz Josef Wagner, der Kerner vorwirft, mit Herman überhaupt über das Thema Nationalsozialismus gesprochen zu haben.

Mit diesen Worten:

Das Monster Hitler sprengt unsere Tafelrunde.

53 Kommentare

  1. Thomas
    11. Oktober 2007, 9:40

    Das sehe ich zu hundert Prozent genauso.
    Deswegen hier meine Unterschrift, ist zwar keine Petition, aber trotzdem.

  2. SteanHater
    11. Oktober 2007, 13:32

    Herzlichen Glückwunsch zu den beiden letzten Texten. So gut, dass sie meinen ersten Kommentar ever bewirkten…

  3. Gregor Keuschnig
    11. Oktober 2007, 15:59

    Frau Herman fürchtet allen Ernstes, dass “wir” aussterben und angesichts der immer schneller wachsenden Weltbevölkerung müsste sie sich eigentlich fragen lassen, wer zum Henker denn da aussterben soll.
    Das ist aber doch nicht so schwer zu verstehen. Hierr gibt sie nur den Tenor in der öffentlichen Diskussion wieder: Man denke an Bundespräseident Köhler, der im Juli 2005 in seiner Bundestagsauflösungsrede u. a. beklagte, dass keine Kinder mehr geboren werden, dann weiter von Udo di Fabio bis Frank Schirrmacher und der CDU/SPD-grosskoalitionären Politik. Ausser di Fabio wird dieses Problem jedoch ausschliesslich unter dem Blickwinkel der Aufrechterhaltung der Sozialsysteme gesehen.

    Der einzige, der das im Zusammenhang mit der Weltbevölkerung gelassen sieht, ist Helmut Schmidt.

  4. Rene Fuchs
    11. Oktober 2007, 18:38

    Sehr gut auf den Punkt gebracht.

  5. PS
    11. Oktober 2007, 20:39

    Nun denn…
    Entspannen wir uns wieder, bis kommende Woche die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird und hoffen wir doch einfach, dass man sich darüber genauso gut amüsieren kann.
    Oder – um Stefan N. zu zitieren: Jehova!

  6. Alex
    11. Oktober 2007, 22:09

    Klasse Artikel, aber vielleicht brauchen wir gerade aus irgendeinen Grund mal wieder jemanden über den wir uns aufregen können….

    Erst Hermann und nun Dejagah….

    und wir rennen und all dieses wird unser Handeln beeinflussen und bilden unser Urteil, wie eigentlich immer nur weil wir ein paar Dinge im TV aufgeschnappt haben….

    Besonders immer sehr schön, einige Passanten zum Thema befragen und zeigen tun wir dann nur dass, was uns gerade passt….

    Mein Lieblingsanfrage an die N24 Redaktion war – „Warum sprechen Sie in Ihren Berichten immer von „Top-Terrorist“ ? Ich verbinde mit „top“ immer irgendwas was besonders tolles oder großartiges….

  7. Blub
    12. Oktober 2007, 11:22

    Wie verkommen ist die Medienwelt, wenn schon Blogger eine solche Einstellung haben!

    Ich mag dieses Blondchen absolut nicht!
    Und ich bin auch NICHT Rechts!

    Aber wo Eva Recht hat, hat sie Recht!
    Kaum spricht man über das Thema in der Öffentlichkeit wird man gleich als Nazi abgestempelt!

    Das ist absolut lachhaft!
    Und wie es Eva so schön ausgedrückt hat:
    „Diese Einstellung spielt der Rechten-Szene direkt in die Arme!“

    … dieser Kommentar wurde anonym veröffentlicht, damit ich nicht auch gleich als Nazi-Blogger dargestellt werde!
    Echt schlimm das es schon soweit ist, dass man seine Meinung nicht mal mehr öffentlich machen darf ohne gleich in eine Schublade geschoben zu werden.
    … und die braune Schublade scheint besonders groß zu sein …

  8. Lukas
    12. Oktober 2007, 11:53

    Kaum spricht man über das Thema in der Öffentlichkeit wird man gleich als Nazi abgestempelt!

    Das ist doch schlichtweg Blödsinn: Man kann durchaus konservative Werte vertreten, ohne als Nazi durchzugehen. Mann sollte halt nur ein bisschen auf auf seine Wortwahl achten und in der Beziehung ist Frau Herman ein Fettnapfspringer vor dem Herrn.
    Niemand hat sie gezwungen, zur Verteidigung konservativer Werte auf das Dritte Reich zu sprechen zu kommen, sie hätte auch problemlos das Familienbild des Biedermeier loben können.

  9. Jeeves
    12. Oktober 2007, 12:45

    „blub“ scheint den wunderbaren Stechschritt-Artikel weiter oben nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben?

  10. blub sympa
    12. Oktober 2007, 13:16

    Naja, blub hat schon irgendwo recht.

    Autobahn
    gleichgeschaltete Presse (bitte mal googlen)
    Mutterrolle im Dritten Reich

    Ich habe mir die Show bei Kerner angeschaut. Es war traurig anzusehen, was mit der Eva gemacht wurde.

    Ich denke, niemand will dem anderen zuhören und verstehen, was er sagen wollte. Ich denke, wenn diese Eva genau die gegenteilige These vertreten würde, würden die Worte nicht auf die Goldwaage gelegt.

    Egal, was man von den Thesen und ihrer Einstellung hält, nur weil sie extrem ist und von vielen nicht geteilt wird, darf man nicht so gezielt rumpicken bis man etwas findet.

    Mit ihrer Kritik, braune Keule hat sie schon recht.

  11. Bla
    12. Oktober 2007, 13:24

    @Jeeves:
    du meinst wohl den stechschritt-quote.

    ich bin übrigens absolut der selben meinung wie „Blub“. Da wird sich künstlich aufgeregt über das wort stechschritt … was soll der schwachsinn ?
    an blogger habe ich einen bisschen höheren anspruch als auf sowas anzuspringen und empört händefuchelnd auf das subjekt des empörung zu zeigen.

  12. Lukas
    12. Oktober 2007, 13:36

    Ich rege mich nicht auf, schon gar nicht über das Wort „Stechschritt“. Aber wenn jemand, der schon vorher immer mal wieder wegen unglücklicher Äußerungen in die rechte Ecke gestellt werden sollte, sich über diese Behandlung beschwert, drei Mal betont, er sei garantiert kein Nazi, und dann im nächsten Satz mit Kriegsmetaphorik hantiert, dann ist das mindestens unglücklich. Gleiches gilt für „Gleichschaltung“ und „Autobahnen“.

    Im Übrigen unterstellen Sie mir hier auch „Empörungen“, die ich gar nicht hege: Ich habe überhaupt nicht vor, Eva Herman in eine rechte Ecke zu stellen. Ich glaube ihr, dass sie „gegen Nazis“ ist. Aber ich glaube auch, dass sie sich da in einem rhetorischen und ideologischen Netz verheddert hat, aus dem sie Dank ihrer eigenen Uneinsichtigkeit nicht mehr herausfindet – und möglicherweise gar nicht herausfinden will, weil sie sich in der „Opferrolle“ gefällt.

  13. julia
    12. Oktober 2007, 13:45

    ich finde diese ganze geschichte zeigt nur, wie saudämmlich Menschen sind. Frau Hermann hat viele provokante Thesen bzgl. Familie und Kinder, aber die werden in der Öffentlichkeit gar nicht diskutiert, weil sich nur die Idioten aufregen, die das Buch nicht verstanden haben bzw. die nicht verstehen WOLLEN, was Frau Hermann von sich gibt. Ich teile nicht alles was sie sagt, aber ihr Grundtenor ist: SCHÄTZT HAUSFRAUEN UND MÜTTER WENN SIE SICH FREIWILLIG DAFÜR ENTSCHIEDEN HABEN! UND DENKT AN DIE KINDER! Sie fordert ein Muttergehalt(bzw. sogar ein Erziehendengehalt…) und dieses Land schreit: NAZI!!! Wo leben wir denn? in einem Land voller pseudo-intellektueller wie Schreinemakers und Mario Barth? Und Ausgerechnet Prof. Wipperman, den Zeithistoriker als absoluten Außenseiter in ALLEM kennen, soll beweisen, dass er das Buch nicht gelesen und verstanden hat. Dieses Land ist ARMSELIG, da es eine normale Meinungsäußerung zur Geschichte und zur Politik nicht mit Gelassenheit annehmen kann!

  14. Jo Drathjer
    12. Oktober 2007, 14:02

    Schön anzusehen wie man sich auch hier in den Kanon der Wortjäger einreiht. Stechschritt, Bombe… ja klar – die muss ja Nazi sein.

    Ärmlich. Ich hätte nicht gedacht dass Blogger genauso auf die Quote schielen wie versagende, ausgebildete Journalisten.

    Schönen Gruß an die „Mutter“ oder wie auch immer sie die Frau bezeichen die sie zur Welt gebracht hat.

  15. Lukas
    12. Oktober 2007, 14:06

    Stechschritt, Bombe… ja klar – die muss ja Nazi sein.

    Sie müssen nicht verstehen, was ich schreibe, Sie müssen es nicht einmal lesen, aber dann entscheide ich mich dazu, die Diskussion mit meinen anderen Kommentatoren fortzusetzen und mich von Ihnen zu verabschieden, bevor Sie hier noch persönlicher werden.

  16. M.S.
    12. Oktober 2007, 14:07

    [gelöscht]

  17. julia
    12. Oktober 2007, 14:13

    hahaha @lukas

    ich kann sie verstehen, ich sehe den wortkanon auch als dumm gewählt an, aber ihre Reaktion ist das, was wirklich undifferenziert und reaktionär ist. Das ist keine Demokratie, wenn man alles, was unbequem oder sarkastisch ist (was der vorherige Kommentar war und er war gut, verdammt gut!ich lache immer noch :-) ) ausschließt. Damit spielen wir nur den rechten in die hände, dass ist doch der punkt. wir demokraten müssen zusammenhalten und uns nicht wie beleidigte Diven verhalten!!! Oh man, dieses Land ist wirklich dem Untergang geweiht, die Medien gleichgeschaltet (ja, dass taten die Nazis und ja, wie man sieht ist das immer noch so, denn niemand hat Eva Hermann im ORIGINAL zitiert!) und die Menschen unempathisch, undifferenziert und einfältig…hahaha und ich zu doof für saubere Orthographie :-)

  18. julia
    12. Oktober 2007, 14:14

    ok, der letzte kommentar war wieder ein beweis für dummheit, also der gelöschte :-)

  19. Marc
    12. Oktober 2007, 14:18

    @Julia: ich bin ehrlich gesagt auch deiner meinung. ich habe gestern bei YouTube noch einmal die sendung mit dem rausschmiss bei kerner angeschaut. da ging es zu wie bei einem tribunal. kerners einziges ziel war es, eva herman ein eingeständnis ihrer fehler abzuringen. das war schon brutal – um inhaltliche argumente ging es gar nicht. und was, so glaube ich, den wenigstens richtig bewusst war, aus welchem existentiellen anliegen heraus sich eva herman verteidigen wollte: sie ist ihren job los, weil ihr etwas unterstellt wird, was sie tatsächlich (s. tonmittschnitt) so nicht gesagt hat. sicher wird sie nicht am hungertuch nagen, aber teifgreifend ist so etwas schon, wenn man bedenkt, wie lange sie schon im fernsehgeschäft ist.

    @lukas: ich finde deinen artikel toll geschrieben (sprachlich). er ist sehr pointiert, aber ich bin trotzdem inhaltlich nicht deiner meinung. du hast nicht ganz unrecht damit, dass fr. hermann nicht gerade zu denen gehört, die – wie alte politprofis – genau auf die wirkung ihrer worte achten oder gleich ein wissenschaftsreifes differenziern an den tag legen. aber ist das immer notwendig und vor allem so notwendig, dass man ihr für einen unklaren sachbezug (das wäre in einem Aufsatz höchstens ein halber fehler) gleich den job kündigt. ich finde du gehst mit deinem artikel in dieselbe richtung der leute, die im öffentlichen mediendiskurs nur noch politische korrektheiten ertragen können und sich nicht selten von sachlichen auseinanderstzungen dispensieren, weil nicht diskutiert werden darf, was nicht politisch korrekt ist. schade.

  20. Lukas
    12. Oktober 2007, 14:20

    Das ist keine Demokratie, wenn man alles, was unbequem oder sarkastisch ist […] ausschließt.

    Aber das will und tut hier doch niemand!!!!1

    Letzter Versuch: Die ganze Platzhalterdiskussion über „Nazi oder nicht“ und Meinungsfreiheit ist (in meinen Augen) nur entstanden, weil Frau Herman schlicht unfähig war, sich auszudrücken und diesen Umstand einzusehen.

    Wir können gerne über Familienbilder früher und heute diskutieren, ich stimme gerne zu, dass es nicht fair ist, Frauen, die „nur“ Mütter und Hausfrauen sein wollen, zu verspotten. Aber diese Diskussion sollten wir auf einer unverfänglicheren sprachlichen Ebene führen.

  21. julia
    12. Oktober 2007, 14:22

    doch du hast den kommentar, den lustigen, von dem menschen, dessen andere kommentar nicht lustig war, gelöscht :-)

  22. textkoch
    12. Oktober 2007, 14:23

    Das Argumentationsmuster ist seit Jahrzehnten gleich: Jemand pickt sich ein Detail gesellschaftlicher Entwicklung heraus -hier Frau Herman die Familienwerte – stellt dieses Detail mit Berechnung oder aus Schusseligkeit in einen mindestens missverständlichen Kontext mit dem Nationalsozialismus, wird dafür hart oder manchmal auch überzogen, aber grundsätzlich zu Recht kritisiert, und kann schließlich mit Hiweis auf diese Kritik durchs Land ziehen und behaupten, man kann nicht mal mehr über Failienwerte/Autobahnen/Krankenversicherung/etc. reden, ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden. Exakt dieses Muster durchzieht auch die Kommentare hier und anderswo, die Frau Hermann verteidigen. Es ist so langweilig….

  23. julia
    12. Oktober 2007, 14:28

    oh, nein, das ist arrogant von ihnen!!!!

    Und es ist nicht langweilig, dass es anscheinend reicht, die worte nationalsozialismus und gut in einem, langen, satz zu erwähnen und schon steht die republik kopf. DAS ist doch wirklich ein Problem. Wie soll man denn die ganzen offenen Fragen bzgl. des Nationalsozialismus klären, wenn das nur wir Zeithistoriker hinter verschlossenen Türen oder Guido Knopp dürfen!! Adolf Hitler war ein Mensch wie wir es sind und die rassisch-anerkannten Menschen (was dann doch relativ viele waren) fanden Hitler zu großen Teilen sehr lange SUPER, was zahlreiche Dokumente und Aufnahmen beweisen! Da muss man doch fragen warum!!!!! Und das geht nicht, da hat Frau Hermann recht, da die Öffentlichkeit bei dem Wort NAtionalsozialismus nervös zu zucken beginnt und wahllos mit einem hammer auf Köpfe haut!!!! schlimm!!!

  24. Manuel
    12. Oktober 2007, 14:37

    Leider ist die Diskussion auch in diesem Blog zum Teil vollkommen unsachlich und zwar in alle Richtungen. Das gilt für Jo Drathjer und Konsorten genauso wie für Lukas.

    Die Wortwahl ist der Frau Hermann ist höchstens diskutabel, aber keinesweg verabscheuungswürdig. Sich jedoch an der Diskussion darüber festzubeißen heißt, dass Thema zu verfehlen.

    Fakt ist, dass es in DE eine Art moralische Diktatur gibt, die gewisse Werte zum ungeschriebenen Gesetz macht. Zum Beispiel haben viele Frauen für die Gleichberechtigung gekämpft und sie erreicht, indem sie erreicht haben, dass Frauen wählen, arbeiten, sich scheiden, abtreiben… dürfen. Das führt nur dummerweise zu der Ansicht, dass jeden Frau jetzt wählen, arbeiten, sich scheiden, abtreiben … MUSS. Andernfalls ist sie rückständig. Das ist Zwang – in die andere Richtung.
    Dafür, dass die Hermann das ausspricht, kassiert sie Prügel, aber da es keine echten Argumente gegen sie gibt, greift man sie bei ihrer Wortwahl an.
    Aber woher kommt diese Wortwahl? Sie benutzt Metaphern, die Intoleranz, Ignoranz und Uniformität ausdrücken. Und wo bekommt man die besser weg als aus dem dritten Reich – zumal das ja durch das ständige Wiederkäuen und ausgraben derselben Keule ja präsent ist und bleibt. Und solange man sich über diese Nichtigkeiten aufregt werden diese Worte auch ihre Wirkung erzielen. (Auch diese Katze beißt sich in den Schwanz)

    Fassen wir uns und hören wir zu, was sie zu sagen hat. Nicht wie sie sagt. Und dann können wir es immer noch ablehnen – ohne mit Scheiße zu werfen.

  25. Marc
    12. Oktober 2007, 14:39

    @textkoch
    das ist ja nicht ganz richtig. kritisiert wurde frau herman schon vor ihrer missverständlichen äußerung in bezug auf den nationalsozialismus. mir geht es auch gar nicht darum, irgendetwas an ihrer wortwahl zu rechtfertigen. ich würde mich im gegenteil ganz anders ausdrücken. aber es geht hier, wie ich es sehe, „bei den verteiteidigungsreden“ eher um eine beobachtung, für die frau hermann und ihre ganze thematik nur ein beispiel unter vielen ist. ich selbst bin überzeugter christ und nehme schon seit jahren wahr, dass bestimmte themen (so z.B. das christliche familienbild) in der öffentlichen mediendiskussion unsachlich, tendenziös und polemisierend behandelt werden. und das hat in der tat etwas mit mainstream und politischer korrektheit zu tun, die oft nicht so tolerant ist (s. kündigung von fr. hermann), wie sie sich nach außen hin gebärdet

  26. textkoch
    12. Oktober 2007, 14:40

    @Julia: Ja, es reicht aus die Worte „Nationalsozialismus“ und „gut“ in einen aufeinander bezogenen, zustimmenden Zusammenhang zu bringen, um sich aus der Runde ernst zu nehmender Diskutanten zu verabschieden. Nur auf der Basis dieses Konsens sind weitere Diskussionen möglich und sinnvoll.

    Und die Einzige, die nervös zuckt, sind Sie.

  27. textkoch
    12. Oktober 2007, 15:00

    @Manuel: Das jede Frau jetzt angeblich wählen, arbeiten, scheiden, abteriben muss (interessante Rehenfolge, der ich höflicherweise mal keinen bedeutungssteigenderen Charakter unterstelle) höre ich zum ersten Mal. Wie versponnen ist ein Weltbild, wenn man dies ernsthaft glaubt?

    @Marc: Dass das christliche Familienbild in den Medien „unsachlich, tendenziös und polemisierend“ behandelt wird, möchte ich mal stark bezweifeln. Kaum ein Fernsehfilm der nicht das hohe Lied der glücklichen Familie singt, kaum eine Bouelvard-Illustrierte, die nicht um die ewige Liebe und das Glück des Kinderkriegens kreist. Familienforscher sehen heute die Gründe, warum Ehen oder Familien scheitern vor allem in den medial erzeugten übergroßen Glückserwartungen, die Menschen daran haben. Und nicht an vorgeblicher Zertrümmerung von Familienidealen. Und noch etwas: Die berühmte Scheidungsstatistik („Jede 3. Ehe geschieden !!) bezieht sich auf das Verhältnis der in einem Jahr geschlossenen, zu den im gleichen Jahr geschiedenen Ehen. Gemessen an der Gesamtzahl aller vorhandenen Ehen, werden in jedem Jahr weniger als ein Prozent der Ehe geschieden. Und achja, noch etwas: Nimmt man statt gesellschaftliche Quer- mal biographische Längsschnitte, haben über 90 Prozent der Bevölkerung in ihrem Leben eine Familie gegründet oder streben dies an. Das Ideal ist also zimelich lebendig und bedarf gar keiner Fürsprecher wie Frau Herman. Bei einem ernsthaftem Blick auf die faktische gesellschaftliche Situation zerbröseln Frau Hermanns Thesen also ebenfalls – ganz ohne die Notwendigekit missverständliche Äußerungen zu kritisieren.

  28. Manuel
    12. Oktober 2007, 15:03

    @textkoch: Mein Rede. Aber das war die Sache mit dem Zuhören ;)

  29. Manuel
    12. Oktober 2007, 15:11

    zur Erläuterung wiederhole ich hier mal den Common sense:
    – wer nicht wählt ist nicht demokratisch
    – Eine Frau, die nicht arbeitet ist faul oder rückständig
    – Ehen auf ewig? Wer ist bescheuert genug, daran zu glauben?
    – War das Kind ein „Unfall“ und wird keinen echten Vater haben ist es ja fast unverantwortlich es in die Armut einer Alleinerziehenden zu gebären (die auch noch dumm genug war, es sich machen zu lassen).

    Das ist das spinnerte Weltbild des Common sense…

  30. Marc
    12. Oktober 2007, 15:19

    @textkoch
    das christlich familienbild ist ja auch kein „rosamunde pilcher film“. dazu gehört die sicht, dass es so etwas wie eine berufung des mannes zum vater und eine berufung der frau zur mutter gibt – und beides, sowohl die vaterrolle bei kindern (nicht der mann als eine zweite mutter) als auch die mutterrolle (nicht die gestresste berufstätige, die ihr kind schon ziemlich bald nach der geburt in eine krippe geben muss) ist ein thema in den büchern von frau hermann. und ich glaube da geht die diskussion auch schon los, wenn sie denn überhaupt als sachliche diskussion zugelassen wird. das ist hoch brisant und bestimmt nicht gegenstand des „common sense“

  31. textkoch
    12. Oktober 2007, 15:39

    Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn es um innere Berufungen geht…und @Manuel: Da muss ich wohl deutlicher werden: Dieses abgebliche Weltbild des Common Sense ist ein Zerrbild, das nur in Deimem Kopf existiert, aber echt.

  32. julia
    12. Oktober 2007, 16:49

    @textkoch dass ist doch lächerlich! mal abgesehen davon, dass sie das nicht getan hat :-) Denn sie versucht ja zu erklären, dass durch die Pervertierung guter Werte durch den Nationalsoziaismus, die 68er auf die Idee gekommen sind (diese These finde ich nicht richtig, aber gut ;-) ), dass diese Werte zum NAtionalsozialismus geführt haben. Und dafür gibt es in der Literatur genug Bsp., die eben genau dies sagen.

    Ich zucke vielleicht nervös, weil es immer die gleiche Diskussion ist: Auschwitz war singulär, das hat es nie gegeben und wird es nie mehr geben, bla, bla, bla….Im Nationalsozialismus fühlten sich die Menschen zum teil sehr gut, da Hitler angenehme Dinge für sie getan hat, im 3. Reich war nicht alles schlecht, sonst hätten nicht so viele Leute Hitler so lange blind VEREHRT!!! (Tip: Hitlerreden googlen ;-) )

    Die meisten(es gab 1933 500’000 Juden in Deutschland, wovon 220’000 auswanderten und der Rest…naja, weiß man ja :-(, Deutschland hatte zu dieser Zeit knapp 40’000’000 Einwohner) hatten bis 1942 eine recht angenehme Lebenswirklichkeit. Das will in diesem Land nur keiner hören, weil die Menschen wussten ja nichts, es war ja alles so repressiv! SCHWACHSINN! Die Masse fand Hitler super!! Die meisten wussten, was bei den Nazis abgeht, einige haben sich gewehrt, Hitlerjugenddienst verweigert, etc. ABER die meisten sind begeistert mitgezogen. Alles andere ist Augenwischerei und lässt uns vergessen, was Menschen dazu bewegt dinge wie das 3. reich zuzulassen, Massenmorden zuzuschauen und Zivilcourage jeglicher Form zu vergessen. Und erst wenn wir aktzeptieren, dass Hitler auch gutes für einen gewissen Teil der Bevölkerung getan hat, können wir weiter diskutieren! Denn das, was dazu geführt, dass Hitler so wüten konnte, ist nur allzu menschlich und kann wieder passieren…….

  33. interkonsum
    12. Oktober 2007, 16:52

    Egal auf welchem Niveau über Evas Versprecher diskutiert wird, es hätte auch schlimmer kommen können (siehe Janet Jacksons Titte beim Super-Bowl und die anschließende Spaltung der Nation ;-)

    Danke Fettnäpfchensuperweib

  34. julia
    12. Oktober 2007, 16:54

    und sollte jetzt einer auf die Idee kommen, mich als Nazi zu beschimpfen, dann muss ich wirklich ganz bitterlich weinen und am Verstand der Menschen ganz bitterlich zweifeln…..schlimm, dass ich mich schäme Phrasen zu benutzen, die einen in die rechte Ecke stellen…obwohl ich hier diese Phrase in einem klar zu verstehenden Kontext benutze, aber man weiß ja nie….man weiß ja nie….:-(

  35. Dr. Dean
    12. Oktober 2007, 17:04

    Bewunderung verdient der Mut und die Geduld, sich die Hermansrede vollständig anzuhören. Irgendwie werde ich allerdings den Eindruck nicht los, Zeuge der „NLP-isierung“ öffentlicher Diskussionen zu sein. Wir verdanken es wohl der Aufmerksamkeitsökonomie, dass geistige „Schwergewichte“ die Auseinandersetzung über gesellschaftliche Themen bestreiten. Wenn Kerner nach Herman noch Paris Hitorn einladen würde, um sich über Fragen der Familienpolitik zu äußern, fände ich das konsequent. Auf der Gästebank dann bitte noch irgendeine deutsche Ann Coulter, dazu die Familienministerin und einen möglichst schreihalsigen Talkmaster (in Vertretung für den obligatorischen Komödianten).

    Okay, man sieht, man bekommt merkwürdige Ideen, wenn man versucht, sich nach dieser Diskussionsrunde eine würdige Nachfolgeveranstaltung vorzustellen.

    Und nun die gute Nachricht: E. Hermann hat ihre letzten 15 Minuten Ruhm erlebt (wenn man mal von Gastauftritten auf Katholikentagen und Lesereisen – Eintritt 10 Euro – absieht).

  36. Erich von Halacz
    12. Oktober 2007, 17:56

    Was mich an solchen Diskussionen nervt ist, das mittlerweile fast jedes Jahr solch eine Diskussion in Deutschland stattfindet.
    Mal ist es die lange Zeit verschwiegene Vergangenheit eines deutschen Schriftstellers in der NS-Zeit, die in einer Autobiographie offenbart wird, mal ist es ein Schriftsteller, dessen Buch man für antisemitisch hält, weil es darin um den Tod eines jüdischen Literaturkritikers geht, oft ist es ein verunglückter Witz, viel öfter ist es ein unglücklicher Vergleich mit der NS-Zeit und nicht selten reicht ein sprachlicher Fauxpas (d.h. die Verwendung von Begriffen, die belastet sind durch die NS-Zeit.).
    Manchmal frage ich mich, worüber all die Feuilletonisten (und natürlich die deutsche Bloglandschaft) sonst schreiben würden, wenn es nicht jedes Jahr einen „Skandal“ oder ein „Skandälchen“ oder einen „Eklat“ (wobei mir ein „Éclair“ lieber wäre) gäbe, der irgendwas mit der NS-Zeit zu tun hat.
    Wenn ich Feuilletonist oder oder „blogger“ wäre würde ich mich gänzlich weigern über solche Ereignisse zu schreiben, nicht auch nur eine Zeile dafür verschwenden. (Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich finde es allgemein in Ordnung, dass darüber geschrieben/diskutiert wird, aber ich möchte nicht überall mit dem gleichen Thema vollgeseiert werden. Fast jeder deutschsprachige Blog schreibt über das Thema oder macht schnippische Bemerkungen über E.H.(was bei manchen aufs Gleiche hinausläuft).
    Das ist auf dem gleichen Niveau wie immer noch Michel Friedmann Bashing zu betreiben, nur um sich auf die Schulter zu klopfen und zu denken: „Boah, ich gehör dazu, aber sowas von.“
    Immer die gleichen Witzchen und Bemerkungen. Zigmal wird der Begriff „Blondchen“ bemüht, gefühlte eine Million mal kommt jemand mit „Eva Braun“ um die Ecke und jeder Zweite gräbt das „Mutterkreuz“ aus.)
    Man kann sich geradezu damit abheben von den restlichen Feuilletonisten/Bloggern, wenn man einfach mal nicht über solche Dinge schreibt oder zumindest solche Ereignisse mit einer einfachen Randnotiz bedenkt (was auch meist dem jeweiligen Wichtigkeitsgrad entspricht).

    Was mir noch einfällt: Wer diesen Vorfall bei Kerner als „Sternstunde“ des Fernsehens verkauft, hat in den 70ern und 80ern, sowohl Klaus Kinski Interviews als auch die NDR-Talkshow, respektive „3 nach 9“, verpasst. Das waren „Sternstunden“, die so nie wiederkehren werden. Da wurde dann auch mal ein Zuhälter bei „3 nach 9“ eingeladen:
    http://www.youtube.com/watch?v=pIOuZNMSiyE

    Hier mal Klaus Kinski bei der NDR-Talkshow:
    http://www.youtube.com/watch?v=R-r-JLigbUc

    Hier ein wahrer „Klassiker“: K. Kinski und der störende Zuschauer:
    http://www.youtube.com/watch?v=Z4qZJwODPf8

    Der Mann mit der Axt:
    http://www.youtube.com/watch?v=cyYZ0sqMvrM

    Hier mal Frau Merkel (1992):
    http://www.youtube.com/watch?v=oC8TIAB8Uks

    Sowas gibt es heute einfach nicht mehr. (Schade auch, dass es so etwas wie z.B. „Leo’s“ mit Leo Lukoschik nicht mehr gibt.) Und kaum noch jemand mit angenehmen Anarchismus in der deutschen Fernsehlandschaft zu finden.
    Niemand da, der das Medium „Fernsehen“ auf die Schippe nimmt, es entzaubert, seine Mechanismen karikiert, überhöht und in eine Burleske treibt.
    Heutzutage wird das Fernsehn fast nur noch von Leuten bevölkert, die ihr neuestes Buch, ihren neuen Film, eine DVD, ein Bühnenprogramm, ihr neues Album oder dergleichen bewerben wollen.

  37. Lukas
    12. Oktober 2007, 19:27

    Wenn ich Feuilletonist oder oder “blogger” wäre würde ich mich gänzlich weigern über solche Ereignisse zu schreiben, nicht auch nur eine Zeile dafür verschwenden.

    Gucken Sie mal, das ist für mich das Tolle an Blogs: Jeder kann schreiben, wie und worüber er will, ohne irgendwelche Erwartungshaltungen erfüllen zu müssen. Und jeder kann lesen, was er will, oder es bleiben lassen. Wenn das nicht mal echte Meinungsfreiheit ist …

  38. Heide
    12. Oktober 2007, 20:39

    liebe Julia, ich fühle mich selten dazu berufen, meine Meinung öffentlich kundzutun, aber auf deinen Beitrag, speziell auf den Satz:“Und erst wenn wir aktzeptieren, dass Hitler auch gutes für einen gewissen Teil der Bevölkerung getan hat, können wir weiter diskutieren!“ muss ich dir antworten. Ich verstehe deine Argumentation und niemand wird dir braune Tendenzen innerhalb deiner Argumentation unterstellen, das ist ja klar.
    Aber du denkst zu kurz.
    1. Frauenpolitik im dritten Reich sah SO aus:“In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt und in die Rolle der gebärenden Mutter und Hausfrau gedrängt. Frauen verloren das passive Wahlrecht, die Zulassung zur Habilitation, durften nicht mehr Jura studieren. Der Frauenanteil bei den Studierenden durfte nur noch 10% betragen. Nach Ergreifung der Macht der NSDAP 1933 wurden die Frauenorganisationen der demokratischen Parteien und der Gewerkschaften verboten. Viele Frauenorganisationen wurden aufgelöst.“(Susanne Heil,Exkurs Frauenbewegung)

    Auf die Mutterkreuzverarschung mitsamt garantierten Sitzplat in der Strassenbahn konnten meine Großmütter jedenfalls gut und gerne verzichten…

    Aber was ist dann das ominöse „Gute“, das du in deiner Argumentation anführst, um zu erklären, warum die Massen Hitler folgten?

    Leider garnichts Gutes…Hitler und Konsorten haben den Leuten die Möglichkeit gegeben, all die niedrigen Instinkte, zu denen man fähig sein kann, politisch und gesellschaftlich abgesegnet auszuleben, die da wären: Selbstgerechtigkeit, Verunglimpfung Andersdenkender, Bespitzelung, Rassismus, Abgeben von Eigenverantwortung – gegen solche „Geschenke“ ist die vielzitierte Autobahn doch einen Dreck wert. Darum, und aus keinem anderen Grund, sind die Massen Hitler gefolgt – ich seh nicht, was daran nun „gut“ ist…

    Eva Hermann ist eine erstaunlich ungebildete Frau, über die es nicht zu diskutieren lohnt. Schade – oder bezeichnend – das ihre öffentlichen „Gegner“ das gleiche Niveau haben.

    Erich von Halacz: die Links waren sehr vergnüglich! Vielen Dank!

  39. Klaus Marx
    12. Oktober 2007, 21:35

    man sollte aus einer Nachrichtensprecherin nicht gleich eine Intellektuelle machen, die mit Worten und Begriffen umzugehen weiß. Schließlich hat Frau Hermann früher nur Texte vorgelesen, die andere gemacht haben. Mehr kann Sie heute auch nicht. Bei dem Versuch eigene Sätze zu bilden, hat sie sich halt ein bischen in der Symbolik verheddert. Ich kenne mehr solcher Menschen, im Unterschied zu frau Herrmann bringen die ihren Blödsinn nicht ins Fernsehen.

  40. Erich von Halacz
    12. Oktober 2007, 21:57

    @Lukas:
    Entschuldigung, ich meinte nicht damit explizit genau „diesen“ (ihren) Blog, sondern bezog das im Besonderen aufs deutsche Feuilleton (die diese Art von Diskussion, wie obig beschrieben, fast jedes Jahrs aufs Neue führt). Dass die deutsche Bloglandschaft diese Themen auch aufgreift war also nicht der Vorwurf (ich weiß, mag anders geklungen haben/klingen, aber nach einigem Überlegen würde ich mich rein aufs deutsche Feuilleton beschränken wollen.)

    Der von Ihnen zitierte Satz sollte (nach einigem Überlegen) eigentlich folgendermaßen lauten:
    „Wenn ich Feuilletonist (oder allgemeiner: Teil der etablierten/klassischen Medien wäre) würde ich mich gänzlich weigern, über solche Ereignisse zu schreiben, nicht auch nur eine Zeile dafür verschwenden.“
    (Ich hoffe, wir streiten uns jetzt nicht, ob „Blogs“ auch zu den etablierten/klassischen Medien gehören.)
    In solchen Momenten wünscht man sich, dass es im Leben eine „Edit/Korrektur“-Funktion gäbe.

  41. Lukas
    13. Oktober 2007, 21:41

    Dann lassen Sie uns die Diskussion um missverständliche Äußerungen doch mit Ihrer jetzt nicht mehr missverständlichen Äußerung abschließen.

  42. egal-ok
    14. Oktober 2007, 12:46

    Der Blog spiegelt ja malwieder perfekt wieder was in Deutschland alles falsch läuft.
    Da wird sich an Begriffen aufgehangen weil die Intelligenz mittlerweile fehlt um zu wissen welche Mechanismen zu der braunen Suppe damals geführt haben.
    Ironischer Weise arbeiten Sie dann mit genau den Mechanismen was sie eigentlich brauner macht als alles andere.

    Die etwas intelligenteren regen sich dann darüber auf das E.H. ihre Worte nicht geschickter formuliert.
    Scheinbar fehlt aber die sozialle Intelligenz um erkennen zu können das einer der gelernt hat die Worte geschickt zu formulieren auch oft einer ist der gelernt hat sein Gegenüber zu manipulieren und auch zu belügen (Politiker zb).
    E.H. hat sich in ihrem Leben genau darauf scheinbar nicht so konzentriert, spricht dafür aber auch in Ihren Büchern und Reden ganz klar offen und ehrlich als einzigste in der Öffentlichkeit ihre Meinung aus (die ich mittlerweile gelesen/gehört habe und sehr gut finde).

    Keiner der intellektuellen Politiker hätte den Mut gehabt sich in die Kerner Show zu begeben und ihren Mann zu stehen, zu ihren Aussagen und zu ihrem anliegen.
    Damit war Sie diejenige gewesen die Deutschland mal direkt mit der heutigen Diskrepanz zw. schein und sein konfrontiert hat.

    Für mich ist es ehr ein Konflikt zw. ehrlich, direkt, problemorientiert, konstruktiv (E.H.) und verlogen, heuchelei, egoismus und destruktiv (Gutmenschentum)

    Jedes Volk hat die Politiker die es verdient, darüber sollte viele hier mal nachdenken.

    P.S: übrigens euer Blog escaped scheinbar keine html Tags, damit kann jeder mit html Zeichen in Komments hier ggf. schindluder treiben.

  43. nathilion
    15. Oktober 2007, 0:10

    „… dass ich mir dagegen wie ein neoliberaler Atheist vorkomme – und so will ich mich nie wieder fühlen.“

    Dieses Gefühl kann ich sehr gut nachvollziehen, mir gings genauso..

  44. midnightblue
    15. Oktober 2007, 9:52

    [gelöscht]

  45. wielfried
    15. Oktober 2007, 14:17

    Danke für Deinenn klasse Blog! Habe mir soeben den Mitschnitt angehört, ja das ist ja ungeheuerlich, was da die Eva Herman wieder für einen Schrott raus lässt!

    Ich glaube die hat sich wirklich ins falsche Jahrhundert, resp. Jahrtausend verirrt! Ihre ganzen angeblich soooooooooooooo neue Thesen sind alter Kaffee und das Deutschland austerben wird, ist wohl wirklich lustig! Kann die nicht rechnen? Oder hat sie vergessen, dass Deutschland das Bevölkerungs Grösste Land Europas ist? Mehr als 80 Mio. Einwohner lassen sich nicht so schnell aussterben! Gerade Momentan würde es Deutschland gut tun, wenn das Land Bevölkerungmässig schrumpfen würde, denn weniger Leute machen auch weniger Probleme!

    Weiter ist es Lustig, dass Eva Hermann gelebte Realitäten einfach niviliert! Wenn ihre Thesen stimmen würden, dann wären Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, ja auch Frankreich alles Länder, wo die Frauen spinnen und Skalaven sind und deren Kinder höchstgradig gestöhrt! Und das Gegenteil ist der Fall! Gerade in Skandinavien ist der Bildungsstand sehr Hoch und das eben Danke den Krippenplätzen, der vielen Frauen die arbeiten und den Männer, die ihre Vaterrollen mit Vaterschaftsurlaub wahrnehmen und das nicht nur zur Elchjagd!

    Ja anscheinend will die Eva, dass Rad neu erfinden, nun da ist sie wohl in den 50-er Jahre des letzten Jahrhundert/Jahrtausend stecken geblieben! Ist sie nicht auch 1958 geboren? Ja da erklärt sich dann schon manches!

  46. mt
    16. Oktober 2007, 4:17

    Ihr Nazikeulenschwinger solltet Euch einmal überlegen, wie sehr Ihr die Ereignisse 33-45 verharmlost, wenn Ihr Hinz und Kunz nach Gutdünken als „Nazi“ bezeichnet.

  47. Heiko
    16. Oktober 2007, 9:41

    Was genau soll hier kritisiert werden? Die Wortwahl von Frau Herman? Für mich wird durch diese Wortwahl jedenfalls sehr klar, was sie sagen will. Ich kann gut nachvollziehen, was sie fühlt, wenn sie davon spricht, bombadiert zu werden. Und wird man jetzt echt schon deswegen in den Dreck gezogen, weil man Kriegsvokabular verwendet?

    Wie geht das weiter? Darf man dann demnächst auch nicht mehr Worte benutzen, wie „Front“, „Kampf“ oder gar ein ganz böses Wort wie „Sieg“?
    Ursachenforschung muss also ganz bestimmte 12 Jahre der Geschichte auf jeden Fall ausklammern, weil man darüber nicht spricht?

    Die von Dir zitierte liebe Frau Schwarzer bezieht sich in ihren Texten jedenfalls sehr gerne auf die Nazizeit und benutzt noch lieber „Kampfvokabular“ wie Du es bei Frau Herman kritisierst. Aber ihr Ziel ist ja ein höheres als das von Eva Herman. Jemand der für die absolute Selbstverwirklichung der Frau kämpft ist ja auf der richtigen Seite. Aber jemand, der sich für die Werte einsetzt, die dabei leider nicht selten auf der Strecke bleiben, der gehört an die Wand gestellt. (Huh, das ist jetzt wieder eine Methapher, die man hier wohl besser nicht benutzt…)

    Ob einem Eva Hermans Thesen zusagen ist ein ganz anderes Thema. Darüber kann man sachlich und mit Argumenten diskutieren. Jemanden nur alleine deswegen zu diskreditieren, weil einem seine Wortwahl nicht passt, zeugt jedenfalls nicht von Streitkultur sondern eher davon, dass einem echte Argumente einfach fehlen.

    Und noch Mal für alle, die es immer noch nicht mitbekommen haben: Eva Herman hat bei der Buchpräsentation NICHT gesagt, dass in der Nazizeit auch vieles gut war. Das steht nur im falschen Zitat aus dem Hamburger Abendblatt.
    Eva Herman hat im Gegenteil gesagt, dass gute Familienwerte „MIT dem Nationalsozialismus UND der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde“. Wenn sie im folgenden Satz also über gute Werte spricht, die abgeschafft wurden, dann kann das nur solche Werte betreffen, die es vor BEIDEN Epochen gegeben hat.

    Ganz nebenbei hat sie mehrfach gesagt, dass die Familienpolitik unter dem Naziregime schrecklich und schlecht war. Wer also diesen (zugebenermaßen etwas verwirrenden) Satz aus dem Zusammenhang reißt, anders als gemeint auslegt und Eva Herman braune Gesinnung nachsagt, der will damit die Diskussion vom eingentlichen Thema ablenken und auf anderem Terrain austragen.

  48. Lukas
    16. Oktober 2007, 11:08

    @mt: Soweit ich das überblicken kann, hat hier immer noch niemand behauptet, dass Eva Herman ein Nazi sei.

    @Heiko:

    Und wird man jetzt echt schon deswegen in den Dreck gezogen, weil man Kriegsvokabular verwendet?

    Nein. Zum allerletzten Mal mein Anliegen: Wer wie Frau Herman schon einmal die Erfahrung gemacht hat, Nazivorwürfen ausgesetzt zu sein, sollte möglicherweise doch noch ein zweites Mal überlegen, was für Metaphern er verwendet, wenn er nicht falsch zitiert oder in ein falsches Licht gestellt werden will. Noch dazu, wenn er über zwanzig Jahre Medienerfahrung hat.

    Eva Herman hat bei der Buchpräsentation NICHT gesagt, dass in der Nazizeit auch vieles gut war.

    Möglicherweise wollte sie es nicht sagen. Den inzwischen vielzitierten Satz kann man aber auf vielerlei Weise verstehen (so wie Eva Herman selbst, aber auch wie in „Eva Herman aus linguistischer Perspektive“ bei Spreeblick). Genau diesen Umstand, dass der Satz nämlich längst nicht so klar ist, wie Eva Herman ihn gerne sähe (sie weiß ja, was sie sagen wollte), den hat Kerner in seiner Sendung immer wieder angesprochen. Für meinen Geschmack etwas zu häufig.

    Also, den ganzen Nazischeiß und Familienquatsch mal beiseite: Eva Herman muss sich in meinen Augen vorwerfen lassen, dass sie ihre eigenen rhetorischen Fähigkeiten falsch einschätzt. Um nichts anderes geht es in diesem Artikel hier.

  49. mein-parteibuch.com
    16. Oktober 2007, 23:05

    Eva Herman als Propagandacoup rechter Kirchenkreise?…

    Mein Parteibuch hat bereits einmal Eva Herman thematisiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass Eva Herman eigentlich ganz gut zum Rest des NDR passe. Nun wurde Eva Herman in der Talkshow von Johannes B. Kerner auf eine sehr hässliche Tour nieder…

  50. mt
    19. Oktober 2007, 2:49

    > Also, den ganzen Nazischeiß und Familienquatsch > mal beiseite: Eva Herman muss sich in meinen
    > Augen vorwerfen lassen, dass sie ihre eigenen
    > rhetorischen Fähigkeiten falsch einschätzt. Um
    > nichts anderes geht es in diesem Artikel hier.

    Ach ’ne, wer hätte bei Satzkonstruktionen wie dieser:

    QUOTE=Lukas
    > Muss sich eine Frau, der die braune Kacke nur > so am Schuh klebt,
    >

    auch jemals auf andere Gedanken kommen können!

    Flach. Sehr flach! Die Lektüre von §186 StGB sei angeraten.

  51. Coffee And TV
    31. Oktober 2007, 15:44

    Don’t party like it’s 1999…

    Kürzlich blätterte ich mal wieder in “Tristesse Royale”, dem Reader der deutschsprachigen Popliteratur der 1990er Jahre, dem Zeitdokument der ersten Tage der Berliner Republik. Und mir wurde klar: Wer verstehen will, wie sehr sich unsere …

  52. Coffee And TV: » Braungebrannt
    7. November 2008, 13:03

    […] auch immer es braucht, um in den braunen Fettnapf zu treten: es liegt dieser Zeit eine Menge davon in der […]

  53. Was dieser Wagner (Bild) sich so erlaubt
    29. Januar 2013, 16:08

    […] man solche Äußerungen auch abmahnen kann? Bestimmt! Nun ja, es gibt auch genügend andere, die sich für meinen Geschmack verbal vergaloppieren. Nicht alles, was sich gefällig liest, muss […]

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