Fundversuch

Von Oliver Ding, 18. August 2007 0:01

Ich will gar nicht groß darüber schreiben, um welche Band es geht. Nachher würde man Coffee And TV wegen eher gelegentlicher Erwähnung noch einen Hype nachsagen. Es ist aber auch nur Zufall, daß es ausgerechnet um besagte Jungspunde ging. Halt also endlich das Maul, Ding, und komm zur Sache!

Mir wurde jedenfalls Anfang der Woche von einer netten Medienpartnerin ein heißerwartetes (nicht heiß erwartet, ich erwarte Tonträger eher in Raumtemperatur) Album angekündigt. Ich durfte also am nächsten Tag voller Erwartung in die Leere meines Briefkastens greifen. Und dieses freudige Erlebnis am Tag drauf noch einmal wiederholt, weil’s ja so schön war. Tag drei brachte dann gleich zwei Erkenntnisse: a) das erwartete Album, über welches von noch berufenerem Mund hier demnächst zu lesen sein wird, und b) eine Ahnung, warum ich gleich zwei Mal ins Leere greifen durfte.

Auf dem von der Medienpartnerin handschriftlich festgehaltenen Adresse auf dem Umschlag klebte so ein lustiger Computerausdruck. „Adressangabe unvollständig oder unzutreffend“, stand da und „Ermittelte Anschrift“. Die Post hatte dabei durchaus profund recherchiert und meine Adresse herausgefunden. Daumen hoch, dafür. Mein vorlauter Investigationstrieb sorgte dann recht schnell dafür, daß der hübsche Adressaufkleber entfernt war. Und überraschenderweise stand dort, wo eben noch der Aufkleber prangte, in hübsch lesbarer Damenhandschrift – na, was wohl? – meine Adresse.

Spontan verwarf ich die beiden Optionen „unvollständig“ und „unzutreffend“ und dachte lieber an ein Erlebnis aus derart grauer Vorzeit, daß es in einem ganz anderem Medium dokumentiert wurde. Ja, ja, die Post – wie wäre es damit, passenderweise einfach mal z.B. aus Obst hergestellte Getränke zu verticken statt überteuerter Transportdienstleistungen?

This Ain’t A Scene It’s A Bike Race

Von Lukas Heinser, 23. Juli 2007 17:45

Nachdem die lustigen Dilettanten von DHL auch nach einer Woche noch nicht reagiert hatten und ich wenig Lust hatte, mein Buch erstmal wieder zurückgehen zu lassen, hab ich mich dann heute doch mal dazu durchgerungen, es in der Postagentur abzuholen.

Angestachelt durch tagelanges Tour-de-France-Gucken schwang ich mich auf meinen Drahtesel und machte mich auf den 2,4 Kilometer langen Weg. Anders als sonst üblich fing es nicht an zu regnen, als ich aus der Haustür trat – das tat es nämlich schon länger. Nach 200 Metern und noch bevor ich mich den ersten Hang runtergestürzt hatte (ja: Bochum ist hier wirklich hügelig, mindestens Kategorie 3 oder so), stellte ich fest, dass irgendein sehr armer Studentenwohnheimsbewohner meine sechs Jahre alten und nur noch halbwegs funktionierenden Batterieleuchten abgeschraubt haben muss. War ich also zum zweiten Mal in diesem Jahr Opfer eines Diebstahls geworden.

Die Postagentur war gar nicht mehr, wie noch bei meinem letzten Besuch, ein Reisebüro, sondern eine Boutique für recht groteske Mode. Am Tresen (nennt man die Theke den Tisch in Beinahe-Postämtern auch Tresen?) stand ein Philatelist, der sich durch einen Stapel frischer Briefmarkenheftchen wühlte und zu seiner großen Freude wertvolle Fehldrucke gleich im Dutzend fand. Nicht ganz so schnell fand der Beinahe-Postbeamte mein Päckchen – es lag ja schon seit einer Woche im Lager, vermutlich ganz unten in einem riesigen Stapel. Er fand es, es war doppelt so groß wie das eigentliche Buch, aber ich hatte es immerhin.

Der Rückweg führte mich wieder einen Berg hinab und einen hinauf und ich hatte noch ein bisschen mehr Respekt vor den Radfahrern, die gerade die Pyrenäen durchfahren. Ich hätte ja schon für die Straße hinter meinem Haus fast Jan Ullrichs Hausapotheke gebraucht.

Die ausführliche Besprechung zu „Chuck Klosterman IV“ (das Amazon nach meiner Bestellung noch mal um zwei Euro heruntergesetzt hat, wie ich gerade feststelle) gibt es dann, wenn ich das Buch durchhabe. Die Uhr läuft ab jetzt.

Greetings From Co

Von Lukas Heinser, 17. Juli 2007 15:31

Offenbar ist Inkompetenz kein Privileg der deutschen Post, auch die amerikanischen Kollegen wissen zu beeindrucken:

*** *******CO, California

Gut, dass ich weiß, woher die Postkarte kommt. Lesen würde ich es nämlich nicht können.

Die Bahn fuhr pünktlich …

Von Lukas Heinser, 16. Juli 2007 15:52

Leider werde ich auf mein Buch wohl noch ein wenig warten müssen. Die hochkompetenten Menschen von DHL haben nämlich irgendwie Mist gebaut, weswegen ich gerade gezwungen war, mit Schaum vor dem Mund und dem „Beschwerderatgeber für Behörden- und Leserbriefe“ auf meinen Knien folgendes in die Tasten zu zimmern:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich heute nach Hause kam, klebte an meiner Haustür eine Benachrichtigungskarte. Diese Karte war weder vollständig ausgefüllt, noch war sie in meinen Briefkasten eingeworfen – ich habe sie eher zufällig gefunden.
Geht es nach dieser Karte, soll ich ein Postpaket, auf das ich aus beruflichen Gründen warte, in einer entlegenen „Postagentur“ in Bochum-Altenbochum abholen, was bei dieser Hitze eine Zumutung ist.
Ich frage mich, wieso das Paket überhaupt wieder mitgenommen wurde: In unserem Haus gibt es immer genug Personen, die zuhause und bereit sind, ein solches Paket entgegenzunehmen und weiterzuleiten – ich selbst nehme pro Woche durchschnittlich ein Paket entgegen und sehe deshalb gleich doppelt nicht ein, wieso ich mein Paket in einem Laden abholen soll, der noch dazu ganz und gar unpraktische Öffnungszeiten hat.

Ich möchte Sie deshalb bitten, mir (oder einem meiner Nachbarn) das Paket entweder direkt zuzustellen, oder es wenigstens in einem Postamt zu lagern (Hauptpost am Hbf, Unicenter), das ich ohne Auto erreichen kann.

Mit freundlichen Grüßen und Dank im Voraus,

Immerhin bin ich so mal in den Genuss gekommen, das Wort „Zumutung“ zu verwenden, das man ja sonst hauptsächlich von selbstgemalten Zetteln in bundesdeutschen Treppenhäusern kennt. Natürlich hätte ich auch anrufen können, aber das kostet 14 Cent pro Minute, die man in der Warteschleife und beim Eintippen mehrstelliger Zahlencodes verbringt, und ich bin (fern)mündlich immer viel zu nett und nachgiebig.

Jetzt atme ich erstmal tief durch, setze mich mit einem Gin Tonic auf den Balkon und überlege, ob ich gerne mal in einem Verbrauchermagazin im dritten Programm auftreten möchte. Ich sehe mich schon vor dem Haus stehen und mit gespielt fassungslosem Blick einem davonbrausenden gelben Postauto hinterherschauen, unterlegt mit „lustiger“ Stummfilmmusik.

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