Haldern Pop 2010 – A place to come home to

Von Kathrin Grannemann, 18. August 2010 20:32

„That will literally blow your mind“ sagte Fyfe Dangerfield während seines Auftritts im Spiegelzelt am Donnerstag, als er sich an sein Keyboard setzte. Wie viel Wahrheit in diesem Satz vor allem im Bezug auf die Erlebnisse des Festivalwochenendes stecken würde, konnte ich noch gar nicht ahnen.

Seit 2001 in regelmäßigen Abständen beim Haldern Pop Festival gewesen gab es in jedem Lineup mindestens vier Bands, die ich unbedingt sehen wollte, doch in diesem Jahr war es anders: Ich kannte vielleicht 50% der gebuchten Acts, lediglich zwei standen auf meiner „unbedingt angucken!“-Liste. Trotzdem kein Grund, nicht hinzufahren – in Haldern stimmt eben das Gesamtpaket, selbst wenn das Wetter schlecht ist. Und am Ende hat man einige neue Bands auf seiner Favoritenliste, die da vorher nicht gestanden haben. Dies war auch in diesem Jahr so.

Freitag:

Fyfe Dangerfield

Fyfe Dangerfield
Erster Act für mich beim Haldern Pop, nachdem man sich abends gegen den Besuch im völlig überfüllten Spiegelzelt entschied: Fyfe Dangerfield, seines Zeichens Frontmann der Guillemots. Nicht ganz so verschroben wie seine eigentliche Band, teilweise etwas kitschig. Neben ihm auf der Bühne waren lediglich zwei Streicherinnen, die ihn, sein Effektgerät sowie die Gitarre unterstützten. Und am Ende blieb ein großes Seufzen.

Laura Marling

Laura Marling
Während auf der Hauptbühne der Überraschungact Philipp Poisel mit seiner Band auftrat, ging das Programm im Spiegelzelt mit Laura Marling weiter, die vor dem Beginn des Konzerts noch einen Liebeskreis mit ihren Mitmusikern initiierte. Geholfen hat das Einschwören auf jeden Fall: Was da an wundervoller Folkmusik aus den Lautsprechern kam, verzauberte die anwesenden Zuschauer – und auch mich.

Delphic

Delphic
Nächstes Konzert für mich an diesem Tag: Delphic. Sehr elektronisch, etwas verschroben, nicht so ganz mein Ding. Ein gewisser Herr Heinser sah das übrigens anders und erzählte noch das komplette Restwochenende davon, wie geflasht er von dem Auftritt war.

Mumford and Sons

Mumford and Sons
Next on: Mumford and Sons. Noch vor einem Jahr ließen sie sich im Spiegelzelt feiern, dieses Mal strömten die Massen zur Hauptbühne, das erste Mal, dass der Platz an diesem Wochenende so voll werden würde. Ich wusste nur bedingt, auf was ich mich einlasse, aber es war wunderbar. Und nicht nur ich verließ hinterher ein wenig glücklicher den Platz.

Beirut

Beirut
Mein Abschluss des Tages, zumindest auf der Hauptbühne. Ein wenig Balkan, ein wenig Kaizers Orchestra, irgendwie nicht mein Fall – viele anwesende Fans sahen das aber offenbar anders und tanzten in die Nacht. Von den nachfolgenden Serena Maneesh hörte ich am Folgetag nur, dass der Sänger irgendwann mitten im Set von der Bühne geholt wurde.

Junip

Schon fast schlafen gelegt kam die Idee, die sich am Ende als unheimlich gut herausstellte: Jose Gonzales spielte mit seiner Band Junip um 2:40 als letzte Band im Spiegelzelt, fast schlafwandelnd zog ich dorthin los, die Kamera leider im Zelt zurückgelassen, deshalb fehlt an dieser Stelle die Impression. Neben einigen Songs der alten EP „Rope & Summit“ gab es einige neue Songs vom im September kommenden Album „Fields“. Der Sound ist schwer zu beschreiben, etwas düster und dezent akustisch passte er aber perfekt zu diesem ausklingenden Abend.

Samstag

Portugal. The Man

Portugal. The Man
Tag zwei sollte für mich mit Portugal. The Man beginnen. Irgendwo zwischen Soul und improvisierten Gitarrensequenzen liegend bildete die Band den perfekten Einstieg in den Tag, wenn ich auch geistig schon bei der dann folgenden Band, Fanfarlo, war.

Fanfarlo

Fanfarlo
Fanfarlo erfüllten meine Erwartungen vollkommen, besonders beeindruckend war die vielseitige Benutzung verschiedenster Instrumente. Leider wirkten sie an diesem sommerlichen Tag am Nachmittag auf der Hauptbühne dezent deplatziert – im Spiegelzelt wären sie bei weitem besser aufgehoben gewesen.

Frightened Rabbit

Frightened Rabbit
Ein weiterer großer Unbekannter war die Band Frightened Rabbit. Bekannte hatten sie mir wärmstens ans Herz gelegt, ich solle sie mir unbedingt anschauen. Und es hat sich gelohnt, hinzugehen: Der Indiepop passte vom Gefühl her perfekt in diesen großartigen Sommertag.

Blood Red Shoes

Blood Red Shoes
Blood Red Shoes hätten mir egaler nicht sein können, auch wenn sie ganz okay dahinrockten. Besonders kurios war übrigens der Einsatz der Ventilatoren, der die Haare der durchaus gutaussehenden Sängerin Laura zum fliegen brachten. Einige Männerherzen dürften dahingeschmolzen sein.

Efterklang

Efterklang
Die Dänen waren mein persönliches Highlight des Festivals, und das mit großem Abstand. Man hat es der Band angesehen, dass sie unheimlichen Spaß an dem hatten, was sie da auf der Bühne so taten. Der Sound: Teils experimentell, teils orchestral, teils poppig, aber immer irgendwie verschroben. Es war die Athmosphäre, die den Auftritt so besonders machte. Plötzlich wirkte die große Hauptbühne ganz klein und alle um einen herum stehenden Zuschauer wie eine große Familie. So sollte es immer sein.,

The National

The National

Am liebsten hätte ich den Abend nach diesem fulminanten Auftritt von Efterklang beendet, einen Zwangstermin gab es aber dann doch noch, nachdem mir alle anderen Mitreisenden von ihnen vorschwärmten. The National reisten mit einer Bühne voll Instrumenten an, das Licht war hell und beeindruckend, die Musik in einer umfangreichen Bandbreite, von leise-akustisch bis laut-stampfend. Und obwohl mir die Musik nur so mittel zusagte, war der Auftritt von The National ein großartiger Abschluss eines noch großartigeren Festivalwochenendes.

Lecker Essen

Wie immer hat das Haldern bewiesen, wie wichtig das Gesamtpaket eines Festivals ist. Nicht nur die Musik stimmte an diesem Wochenende zu weiten Teilen ziemlich gut mit dem überein, was man sich erhofft hat, auch das ganze Drumherum sorgte für gute Stimmung, die sich nicht zuletzt auch auf dem Zeltplatz niederschlug. Wie in jedem Jahr war die Fahrt nach Haldern auch 2010 ein wenig wie der Besuch bei sehr guten, langjährigen Freunden, die sich um einen kümmern und einem eine schöne Zeit bereiten. Ich bedanke mich bei allen, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dieses Wochenende zu einem der wenigen unvergesslichen zu machen. Bis nächstes Jahr in Haldern.

Zeltplatz

Kleiner Zusatz am Rande: Mehr Fotos neben den hier abgebildeten gibt es hier.

8 Kommentare

  1. Miss James
    18. August 2010, 21:12

    Ich hatte das Gefühl, dass während und nach dem Konzert von Mumford & Sons alle im Publikum ein bisschen glücklicher waren.

    Young Rebel Set waren meine Haldern-Entdeckung. Läuft jetzt hoch und runter. Haldern, mehr als ein Festival. Ein Gefühl.

  2. Katja
    18. August 2010, 22:11

    vielleicht nicht das einzige Festival mit Herz, aber ganz bestimmt eines der ganz großen Kleinen in dieser Kategorie. Der Kommerz stellt sich bescheiden in die Ecke, die Einwohner schallen einem fröhlich einen guten Morgen entgegen, wenn man schluffig die Frühstücksbrötchen holt – und am Ende liegen sich alle in den Armen. Wiederholungstäter ich bin ;-) Wir sehen uns im nächsten Jahr!

  3. Tobias
    19. August 2010, 8:42

    Ich frage einfach mal .. was meinst du denn mit „verschroben“ … nicht, dass wir von zwei unterschiedlichen „verschrobens“ ausgehen ..

    ;o)

  4. Alex
    19. August 2010, 9:15

    Ich wäre ja schon nur nach Haldern gefahren, um Everything Everything zu sehen – und ihr erwähnt sie nicht mal. :(

  5. Der Ruhrpilot | Ruhrbarone
    20. August 2010, 8:11

    […] Kultur: Haldern Pop 2010 – A place to come home to…Coffee and TV […]

  6. Kathrin Grannemann
    20. August 2010, 11:05

    @Tobias Verschroben=etwas krude :P
    @Alex wenn es danach ginge, wären da noch einige andere Bands gewesen, über die ich nicht berichtet habe. Konnte leider nicht alles angucken, was so angeboten wurde – everything everything kollidierten extrem mit Fanfarlo…

  7. 1ng0
    14. September 2010, 10:47

    die jeans geröhrt, am kinn wächst bart
    so schlurft man auf den acker
    gitarre ja, doch nicht zu hart
    nick drake = obermacker

    gram parsons’ werk komplett im stall
    die shins? moderne helden!
    hier stehn die leute auf the fall
    limp bizkit? eher selten

    statt dosenbier gibts roten wein
    der wunsch: in würde altern
    wär indierock ein sportverein
    das heim, es stünd in haldern

    http://www.zwoelfzeilen.com/20.....2-haldern/

  8. Coffee And TV: » Wenn es passiert
    15. August 2011, 3:20

    […] Auftritt im Spiegelzelt im vergangenen Jahr zählt zu den großartigsten und schönsten Konzerterlebnissen meines Lebens. Und auch da klopfte […]