Null-Blog-Generation (3)

Von Lukas Heinser, 10. Mai 2007 13:00

Maik Söhler bespricht in der Netzeitung das Buch „Pop seit 1964“ von Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher und versteigt sich dabei in die Behauptung, Blogs seien doch heutzutage Popliteratur im eigentlichen Sinne:

«Lieber geil angreifen, kühn totalitär roh kämpferisch und lustig, so muss geschrieben werden», meint Rainald Goetz in seinem Text «Subito». Ja! Genauso schreibt doch Don Alphonso in seinen besten Einträgen in der Blogbar. Und nochmal Goetz: «Gehe weg, du blöder Sausinn, ich will von dir Dummem Langweiligen nie nichts wissen.» Das trifft auf viele Blogs zu – ob sie wie «Melancholie Modeste» oder «Vigilien» nun explizit literarisch sind oder wie Bov Bjergs oder Felix Schwenzels Blog einfach nur hübsch verstrahlt.

Kennzeichnet Diedrich Diederichsens aus den achtziger Jahren stammender Satz, Pop sei die «letzte Instanz der Wahrheit» nicht exakt das Bildblog? Trifft Andreas Neumeisters Bestimmung der «Gegenwart als Alles» nicht das Grundverständnis tausender Newsblogs? Spiegelt Benjamin von Stuckrad-Barres Äußerung, «man ist schon woanders, wenn die noch die Messer wetzen», nicht genau das Verhältnis von Bloggern zu den etablierten Medien, wenn diese sich mal wieder verständnislos das Phänomen des Bloggens vornehmen?

Supergedanke, eigentlich. Steht nicht auch der Umstand, dass sich die Blogosphäre eher über technische denn über inhaltliche Gemeinsamkeiten definiert, in der Tradition eines Marshall McLuhan mit seiner These „The medium is the message“? Okay, so ganz neu ist der Gedanke nicht, aber schon in gewisser Weise nachvollziehbar.

Allein: Wenn man im Internet (noch dazu in Deutschlands einziger Internettageszeitung) in einem Artikel über Blogs und Blogger schreibt, von denen man auch noch sechs namentlich erwähnt, warum in Dreiteufelsnamen ist dann auch hier KEIN EINZIGES Blog verlinkt? Und warum führt der einzige Link im Fließtext ausgerechnet zu den „etablierten Medien“, nämlich zu diesem Artikel in der FAS?

3 Kommentare

  1. maik söhler
    10. Mai 2007, 16:43

    danke für den hinweis darauf, dass die debatte schonmal in blogs diskutiert wurde. kannte ich noch nicht und zeigt, wie naheliegend die these ist.

    links zu den meisten der genannten blogs stehen in den beiden kästen neben dem text. alle passten leider nicht rein.

  2. Lukas
    10. Mai 2007, 17:42

    Texte von bedingungsloser Subjektivität oder Zitat- und Collagetechniken lassen sich halt im Internet auch wesentlich einfacher, preiswerter und weitreichender publizieren als als handkopierte Untergrundmagazine. Das ist auch (unter anderem) das, was ich am Internet generell und auch an Blogs so spannend finde.

    Der eine Linkkasten ist beim Ausdruck eine ganze Din-A-4-Seite von seinem Kontext entfernt, der andere immerhin halbwegs in dessen Nähe. Das liegt vermutlich am Layout und irgendwelchen Formatbestimmungen, wäre aber auch weit weniger merkwürdig, wenn dann nicht doch noch überraschend ein Link im Fließtext auftauchte …

  3. David
    11. Mai 2007, 2:18

    …und seien wir mal ehrlich: Links im Fließtext, DAS ist doch das Internet!