No Meat Today

Von Lukas Heinser, 29. August 2013 16:55

Ich weiß, das Thema ist alt und eigentlich längst … gegessen, aber gerade poppte in meinem Gehirn dann doch noch eine Frage zum sogenannten „Veggie Day“ auf:

Warum wäre es eigentlich empörend, wenn der Staat uns vorschriebe, was wir (oder: Menschen, die in einer Kantine essen müssen) an einem Wochentag nicht essen sollen, aber es ist überhaupt nicht empörend, wenn eine Firma, die bei der Ausschreibung des Kantinenbetriebs am billigsten war, uns vorschreibt, was wir an allen Tagen essen sollen?

11 Kommentare

  1. Michael
    29. August 2013, 17:13

    Wäre es möglich, dass beides empörend ist?

  2. Ste
    29. August 2013, 17:33

    Weil in einer zynischen und neoliberalen Welt der Staat verpönt ist und Privatunternehmen die Helden darstellen.

  3. SvenR
    29. August 2013, 17:43

    Ich halte die Idee für absurd.

    In meiner Kantine Betriebsrestaurant, Kantine war gestern™ gibt es fast jeden Tag vegetarische Gerichte. Ganz oft auch ganz gute. Manchmal auch so sinnlose, wo man versucht ein Fleischgericht ohne Fleisch nachzubauen (das habe ich noch nie verstanden).

    Es gibt keine veganen Gerichte, oder offiziell koschere oder halal. Nie. Könnte man ja auch fordern.

    Die katholische Kirche hat meiner Oma auch vorgeschrieben, dass Sie Freitags kein Fleisch (wie lustig, sie hatten eh kaum welches) und in der Fastenzeit am besten gar nichts essen sollte. Und trinken. Das ging soweit, dass sie in der Kirche vor lauter Hunger und Dehydrierung in Ohnmacht fiel, während sie mit meiner Mutter schwanger war.

    Das finde ich auch blöd.

  4. Alex
    30. August 2013, 0:12

    Weil das billigste Unternehmen, das dann eventuell schlechtes Essen bietet, sang- und klanglos verliert und getauscht wird. Nennt sich Marktwirtschaft, in dem eben nicht nur billig regiert. Wenn die billigen Anbieter aber gutes und vor allem leckeres Essen anbieten, werden sie in der Tat bestimmen können, was der Kunde ist. Wenn es nicht schmeckt, können sie gar nichts bestimmen.

    Aber das eine Partei eine willkürliche Einschränkung fordert, weil sie ihre moralische Vorstellung durchsetzen will (die grundsätzlich nicht mal gesund ist), das lässt mich zweifeln.

    Da gibt es einen Aufschrei wegen Prism, aber solche Einschränkungen sollen halb so schlimm sein?

  5. strawberry
    30. August 2013, 0:35

    Weil Kantinenessen billig (weil subventioniert) ist und man sich vom Gesparten was Schönes kaufen kann (z.B. einen Urlaub in der Südsee). Da nimmt man doch gerne die limitierte Auswahl und Qualität in Kauf.

    Ein Fleischverzicht ist hingegen ein Verzicht, der Nix bringt. Naja, der Umwelt, den Viechern, der Dritten Welt etc. vielleicht schon, aber man selber wird mit moralischem Schulterklopfen abgespeist. Das schmeckt nach Eintopfsonntag und Brot statt Böller, also schal.

    Wenn die Kantine nicht subventioniert wäre und stattdessen nur auf die dolle gemeinschaftsstiftende Wirkung eines gemeinsamen Essens gepocht würde, dann würde kein Mensch dort essen.

    Kurz: Opfer-Eintopf ist out, wer opfert ist ein Opfer. Das Schnäppchen-Häppchen dagegen ist eine gefühlte Belohnung für das Zurückschrauben der eigenen individuellen Ansprüche.

  6. Bernie
    30. August 2013, 15:09

    Weil „Staat“ und „Gesellschaft“ zwei verschiedene Dinge sind. Wer findet, dass der Staat vertrauenswürdiger (verantwortungsvoller, klüger) ist als die Gesellschaft, der kann auch mit einem verordneten Veggie-Day einverstanden sein.

    Der staatliche Regelungsprozess ist auch einfacher. Der Staat macht ein Veggie-Day-Gesetz, und alle müssen sich dran halten.

    Die gesellschaftliche Entscheidungsfindung ist vertrackter, schränkt die Betroffenen aber weniger ein. Die Qualität des Essens hängt davon ab, wie der Unternehmer die Faktoren Preis, Mitarbeiterzufriedenheit, Nachfrage und Rentabilität gewichtet. Was am Ende dabei herauskommt, kann der einzelne Kantinengänger zwar nicht unmittelbar beeinflussen. Es spricht aber einiges dafür, dass es seinen Wünschen näher kommt als die einseitig verordnete Regelung. Und wenn ihm das Angebot nicht gefällt, geht er einfach woanders essen. Wenn überall staatlicher Veggie-Day ist, geht das nicht.

  7. Julian
    31. August 2013, 11:33

    @SvenR: Mich würde mal interessieren, was an einem Sellerieschnitzel oder einer vegetarischen Bolognese (zumal die in Kantinen angebotene Bolognese im Normalfall mit einer echten Bolognese nur sehr entfernt verwandt ist…) „sinnlos“ ist?

    Auch der Vergleich mit der katholischen Kirche hängt natürlich sehr. Für einen Fleischverzicht bzw. eine Einschränkung des Fleischkonsums existieren ja wohl zahlreiche sehr gute Gründe (siehe strawberry).

  8. SvenR
    31. August 2013, 22:12

    @Jukian #7: Panierten Schafkäse würde niemand „Schafkäseschnitzel“ nennen, warum sollte man das dann bei Sellerie tun, zumal es weder wie ein Schnitzel aussieht, noch danach schmeckt? Und vegetarische Bolognese würde ich einfach Tomatensauce nennen.

    Vergleiche hinken gewöhnlich, aber der mit der Kirche kein bisschen. „Die Obrigkeit“ sagt dem dummen Bürger, wie er sich zu verhalten hat, weil das besser sein soll?

    Es gibt viele gute Gründe für Fleischverzicht. Das Wort Verzicht impliziert ja gerade, dass es um einen freiwilligen Akt geht, und um kein Verbot.

    Es gibt auch viele gute Gründe auf Schokolade, Chips, Zucker, Alkohol, Hülsenfrüchte, Tomaten, Kaffee und viele andere Dinge zu verzichten. Und wenn der Staat mir sagen würde, alle sollten an einem Tag in der Woche keinen Kaffee trinken, wäre das genauso unsinnig.

  9. Julian
    1. September 2013, 18:11

    Naja, nun stört dich ja nur noch die Bezeichnung. Davor klang es zumindest so, dass dich stört, dass man Fleich in „typischen“ Fleischgerichten durch Gemüse etc. ersetzt.

    Zum Vergleich mit der Kirche: es stehen halt tatsächlich „objektive“ Gründe hinter einem Fleischverzicht, keine die auf einem 2000 Jahre alten Fantasyroman basieren.

    Schließlich schreibst du:

    „Das Wort Verzicht impliziert ja gerade, dass es um einen freiwilligen Akt geht, und um kein Verbot.“

    Genau das ist ja der Punkt hinter der Debatte. Im Wahlprogramm der Grünen steht lediglich: „Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein »Veggie Day« sollen zum Standard werden.“ Von einem Verbot ist da nicht die Rede.

  10. OJ
    5. September 2013, 20:01

    Wer denkt, Firmen würden uns „vorschreiben“, was wir in Kantinen zu essen hätten, hat das Prinzip von Angebot und Nachfrage scheinbar nicht mal im Ansatz verstanden. Selten so einen Blödsinn gelesen.

  11. René
    12. September 2013, 17:54

    Genau, das regelt alles der Markt. Zu irgendwas muss der Kapitalismus ja gut sein.
    Gibt ja auch nirgends eine Kantine, deren Essen nicht schmeckt. Sowas würde ja der Markt regeln.