Jeden Tag ein bisschen besser

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 18. Januar 2012 16:11

Im vergangenen Jahr habe ich für BILDblog über Monate die Nennung des Produktnamens Aperol in deutschsprachigen Medien dokumentiert. Ungefähr ab September wurde ich nachts wach, weil ich dachte, jemand hätte “Aperol” gesagt. Die Antworten der Kollegen auf meine Bitte, sie mögen mir doch sagen, wenn sie das Gefühl hätten, ich würde mich da in etwas verrennen, wurden immer ausweichender. Am 24. Dezember erschien dann endlich der Artikel und ich konnte den Google Alert auf “Aperol” endlich abstellen.

Doch das vielleicht bizarrste Product Placement der Journalismusgeschichte habe ich erst jetzt entdeckt. Der Frankfurter “Bild”-Gerichtsreporter Kolja Gärtner hat es im vergangenen Oktober in seinem Artikel “150-Kilo-Metzger-Sohn erstickt Nachbarn” untergebracht:

Verteidigerin Daniela Palmer: “Der Getötete stand vor meinem Mandanten, schrie und fuchtelte mit den Armen. Mein Mandant verpasste ihm einen Faustschlag, zog ihm eine Rewe-Plastiktüte über den Kopf. Er wollte ihn nicht töten, sondern ihm eine Lektion erteilen. (…)”

7 Kommentare

  1. Alberto Green
    18. Januar 2012, 16:23

    Nein, das ist für den Fall relevant: Rewe-Tüten sind – im Vergleich zu den flipschigen Kaufland-Dingern – so stabil und reißfest, darin kann man ganze osteuropäische Ethnien nach Deutschland schleusen. Oder den Nachbarn ersticken.

  2. PabloD
    18. Januar 2012, 17:05

    Ach, das Product Placement von REWE wird angeprangert, aber die “METZGER HOLDING GmbH & Co. KG” kommt ungeschoren davon? Das ist ja ganz feiner Journalismus Herr Heinser…

  3. Herbinger
    19. Januar 2012, 7:47

    Der Bild-Reporter stand vor einem Dilemma: Entweder an prominenter Stelle für REWE (ein übrigens ganz ausgezeichneter Supermarkt, der viel günstiger ist als man denkt!) werben, oder den O-Ton der Verteidigerin verstümmeln.

    Er hat sich für die journalistisch sauberere Variante entschieden. :)

  4. DW
    19. Januar 2012, 13:49

    Ich finde das Gewicht des Angeklagten und den Beruf seiner Eltern noch nebensächlicher als den Aufdruck der Tüte.

    Vielleicht hat ihn das Rewe-Rot austicken lassen? Alles andere wäre zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation…

  5. Daniela
    19. Januar 2012, 18:10

    Also falls das mit dem Aperol noch irgendwie aufgearbeitet werden möchte, könnte man sich den Frust von der Seele kochen: http://peho.typepad.com/chili_.....sauce.html

  6. Ole
    23. Januar 2012, 21:50

    Wäre es eine Schlecker-Tüte gewesen: Wer weiß, ob Kollege Gärtner a posteriori nicht noch in den Kontext des Planinsolvenz-Dilemmas gerückt worden wäre?

  7. Scoiattolo e olio – Coffee And TV
    7. August 2012, 15:17

    [...] für den ersten Platz reicht es nicht, aber als zweitbizarrstes Product Placement der Journalismusgeschichte könnte es [...]

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