Kampagnenjournalismus

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 27. Februar 2011 21:39

Warum musst du springen wie der Springer dich schuf
Mädchen, hattest du nicht eigentlich einen anderen Beruf

(Wir Sind Helden – Zieh Dir was an)

Wenn man Besucherzahlen und Verlinkungen als Parameter für Erfolg ansieht, war es eine sehr erfolgreiche Woche fürs BILDblog. Was uns allerdings verwundert hat: Nicht einer der vielen Artikel über die Sonderbehandlung, die “Bild” Karl-Theodor zu Guttenberg angedeihen ließ, hat letztlich unseren Server zum Knirschen gebracht, sondern der wütende, leicht hilflose Brief einer Popsängerin.

Die Werbeagentur Jung von Matt hatte bei Judith Holofernes und ihrer Band Wir Sind Helden angefragt, ob diese nicht im Rahmen einer Werbekampagne “ihre of­fe­ne, ehr­li­che und un­ge­schön­te Mei­nung zur BILD” äußern wollten. Das war angesichts der Tatsache, dass Holofernes mit ihrer Meinung zu “Bild” nie hinterm Berg gehalten hatte, eine steile Anfrage — nach Maßstäben von Werbern also womöglich eine brillante Idee.

Aber Sängerin und Band wollten nicht auf ein Plakat, sie teilten ihre Ansichten der Menschheit lieber unentgeltlich mit: auf der eigenen Website, bei uns und später, als beide Server am Boden waren oder in den Seilen hingen, auch noch anderswo.

Die Reaktionen haben alles getoppt, was wir (und wohl auch die Band selbst) erwartet hätten. Mehr als 50.000 Menschen haben inzwischen den Facebook-”Gefällt mir”-Button unter dem BILDblog-Eintrag geklickt, was für uns eine so unvorstellbar hohe Zahl ist, dass ich sie nur noch mit der Einwohnerzahl meiner alten Heimatstadt vergleichen kann. So gesehen geht da also noch was.

Die Reaktionen waren überwiegend, aber nicht ausschließlich positiv. Und sie warfen auch Fragen auf, die ein Facebook-Freund von mir so auf den Punkt brachte:

Warum ist das so ne Sensation, das “Wir sind Helden” nicht für BILD werben? Das ist doch wohl das Mindeste, das man von jemandem mit Anstand erwarten kann.

Ja, das stimmt natürlich. Dennoch werben Leute wie Hans-Dietrich Genscher, Gregor Gysi, Jonathan Meese, David Garrett, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, aber natürlich auch Til Schweiger für das Blatt. Die dürfen dann zwar auch ein bisschen Kritik äußern, aber sie machen natürlich trotzdem für bundesweite Plakatierung und 10.000 Euro für einen guten Zweck gemeinsame Sache mit “Bild”. (Bemerkenswert übrigens, dass der am ehesten “kritisch” zu nennende Beitrag ausgerechnet der Radiospot des Komikers Atze Schröder ist.) Die damalige Frauenrechtlerin und heutige “Bild”-Gerichtsreporterin Alice Schwarzer war übrigens schon bei einer früheren “Bild”-Kampagne dabei.

Offenbar ist der (an vielen Stellen rührend ungelenke) Brief von Judith Holofernes ein bisschen wie das Kind aus “Des Kaisers neue Kleider”, das “Aber der ist doch nackt!” ruft. “Endlich sagt’s mal jemand”, lautete an vielen Stellen der Tenor, was einen natürlich schon ein bisschen betrübt zurück lässt, wenn man seit Jahren zu belegen versucht, was Holofernes jetzt noch mal aufschreibt:

Die BILD -​Zei­tung ist kein au­gen­zwin­kernd zu be­trach­ten­des Trash-​Kul­tur­gut und kein harm­lo­ses “Guilty Plea­su­re” für wohl­fri­sier­te Auf­stre­ber, keine wit­zi­ge so­zia­le Re­fe­renz und kein Li­fes­tyle-​Zi­tat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zei­tung das, als was ihr sie ver­kau­fen wollt: Hass­ge­lieb­tes, aber wei­test­ge­hend harm­lo­ses In­ven­tar eines ei­gent­lich viel schlaue­ren Deutsch­lands.

Genau das war ja die Motivation von Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis, als sie vor fast sieben Jahren BILDblog gegründet haben: zu zeigen, dass “Bild” eben “kein lustiges Quatschblatt” ist, wie Stefan es immer wieder ausgedrückt hat.

Das scheint plötzlich auch der “Spiegel” erkannt zu haben, der morgen – ein Zufall, tatsächlich – mit dieser Geschichte aufmacht:

Bild — Die Brandstifter

Ich habe das Heft noch nicht gelesen, die Vorabbesprechungen fallen ziemlich enttäuscht aus und doch ist es bemerkenswert, dass sich ein großes deutsches Medium so explizit mit “Bild” befasst.

Den etwa 40.000 BILDblog-Lesern an einem durchschnittlichen Tag (diese Woche waren es meist mehr oder sehr viel mehr) und den 50.000 Facebook-Likes des Helden-Aufsatzes steht eine “Bild”-Auflage gegenüber, die zwar kontinuierlich sinkt, aber immer noch bei 2,9 Millionen liegt. Die Reichweite (eine Zahl, die durch das Werfen von Hühnerknochen bei Vollmond ermittelt wird) liegt sogar bei über elf Millionen. Dagegen nehmen sich selbst die Auflage und die Reichweite des “Spiegel” (knapp eine Million und 5,9 Millionen) eher bescheiden aus, aber es ist eben ein Vielfaches dessen, was wir oder ein Medienmagazin wie “Zapp” erreicht. (Zumal der Anteil der Leute, die “Bild” bisher “irgendwie ganz okay” fanden, unter den “Spiegel”-Lesern deutlich größer sein dürfte, als unter denen des BILDblog.)

* * *

Ein Vorwurf, der immer mal wieder aufkam, lautete, mit ihrer Antwort hätten Wir Sind Helden “Bild” nur noch mehr Aufmerksamkeit verschafft. Mit der gleichen Logik könnte man Greenpeace vorwerfen, indirekte PR für BP zu machen. Das alte Mantra “Any PR is good PR” steht im Raum, das ich für ziemlichen Unfug halte. Fragen Sie mal Jörg Kachelmann, welche Auswirkungen die ständige Erwähnung seines Namens in den Medien während der letzten elf Monate auf dessen Karriere und Leben gehabt haben! Zudem braucht die “Marke” “Bild” ungefähr so dringend weitere Aufmerksamkeit von jungen, kritischen Menschen, wie die “Marke” “Apple” von Microsoft-Verehren und Linux-Fans.

Der andere Haupt-Kritikpunkt war, die Band wolle doch nur auf sich aufmerksam machen. Stefan Winterbauer, der Blinde unter den Einäugigen bei “Meedia”, schrieb:

Es ist bezeichnend, dass “Wir sind Helden” einen solchen Popularitätsschub mit einer eher oberflächlichen und wirren Bild-Schelte erreicht und nicht mit ihrer Musik. Das jüngst erschienene Best-of-Album “Tausend wirre Worte” schaffte es nicht mehr in die Top-Ten der Album Charts und rangiert auch bei Download-Plattformen wie iTunes weit hinten.

Die Kommentare bei “Meedia” fielen überwiegend vernichtend aus, einige zeigten sich gar “enttäuscht” von dem Mediendienst, was insofern erstaunlich ist, als das ja immerhin eine vage positive Erwartungshaltung voraussetzen würde.

Natürlich kann man der Band diesen Vorwurf machen. Ich glaube nur, dass er in diesem speziellen Fall ins Leere läuft: Es ist ja nicht das erste Mal, dass Judith Holofernes öffentlich zu gesellschaftlichen Themen Stellung bezieht, und auch nicht das erste Mal, dass sie “Bild” schilt. Wenn eine Frau, die sonst für ihre durchdachten Texte gelobt wird, sich regelrecht auskotzt und dabei ein Brief entsteht, den man unter ästhetischen Gesichtspunkten eher so als “mittel” bezeichnen würde, nehme ich ihr die Empörung wirklich ab.

* * *

Nun kam am Freitag auch die neue Single der Helden auf den Markt, weswegen man der Aktion ein “Geschmäckle” attestieren kann. Allerdings lag uns das Angebot der Band, den Text zu veröffentlichen, schon neun Tage vorher vor. Dass es letztlich so lange dauerte, lag an der Verpeiltheit auf beiden Seiten.

Und so richtig berechnend wirkt Judith Holofernes auch nicht, wenn sie im Interview mit jetzt.de schon gegen die nächsten stichelt:

Also, wenn diese E -Mail uns fünf schlaue, nette Leute in die Arme treibt, die uns bis jetzt scheiße fanden, und wir die dann vielleicht gegen die fünf Leute eintauschen können, die uns in ihrem Plattenregal neben den “Grafen” gestellt ahaben [sic!], weil sie “halt irgendwie so deutsche Texte mögen”, dann ist das doch ein guter Deal.

* * *

Und während ich diesen Eintrag schrieb, erreichte mich die Nachricht, dass der Brief von Judith Holofernes morgen in einer ganzseitigen Werbeanzeige von “Bild” in der “taz” erscheinen wird. Damit setze ich dann gerne auch darauf, wer aus diesem Scharmützel als Verlierer hervorgehen wird: die “taz”, wenn morgen wieder ein paar hundert Abo-Kündigungen eingehen.

Disclosure: Ich kann mit dem aktuellen Album von Wir Sind Helden nichts anfangen.

36 Kommentare

  1. Miro
    27. Februar 2011, 22:31

    Super.
    Gute Zusammenfassung, allein ein Link auf den Beitrag von Atze Schröder hätte ich mir noch gewünscht, verstehe aber auch wenn man da nicht hinlinken will.

    Danke.

  2. Andi
    27. Februar 2011, 22:57

    Was mich an dem, äh, Heldenepos besonders ratlos macht, ist, dass man die tatsächliche Bild-Kritik darin mit der Lupe suchen muss. Mehr als vier mager-nebulöse Zeilen (“gefährlich”, “bösartig”, “Mit einer Agenda”) stehen da nicht drin. So bestätigt der Brief alle, die Bild verabscheuen, weil er auf die gemeinsame Überzeugung anspielt; aber für alle anderen hält er kein einziges wirkliches Argument bereit, warum sie ihre Meinung zu Bild überdenken sollten. Fazit: Mehr als ein aufstampfendes “weil die doof sind” von einem Kleinkind bleibt da bei Licht betrachtet nicht übrig. Eine vertane Chance.

    (Disclaimer: Mit dem aktuellen Helden-Album kann ich auch nicht viel anfangen, aber das erste war prima.)

  3. Jan
    27. Februar 2011, 23:44

    @Andi: Ich verstehe, was du meinst, nur war die Antwort ja an JvM gerichtet. Und denen jetzt bei Adam und Eva angefangen klarzumachen, warum Bild scheiße ist, wäre ja noch viel mehr vergebene Liebesmüh gewesen.

    Insofern bleibt eher ein “Weil wir schon oft ausgeführt haben, warum Bild doof ist (und es Euch deshalb nicht mehr groß erklären müssen), und weil wir auf Eure Methoden, für die zu werben, erst recht keinen Bock haben” übrig.
    Und das finde ich berechtigt und ne ganze Menge.

  4. Bedingt Angriffsbereit « Interrobang!?
    27. Februar 2011, 23:53

    [...] in dem sie zur Bild sagt: Ich glaub, es hackt… Der Brief wurde bei Bild-Blog inzwischen über 50.000 Mal geliked und hat die Server der Wir sind Helden-Homepage zwischendurch in die Knie [...]

  5. Julius
    28. Februar 2011, 0:51

    rezipientenzahlen bildblog vs. heldenbrief: da ist zum einen die helden-fanbase, zu denen ich jetzt auch mal leute zähle, die die helden irgendwie sympathisch finden, egal, wie die letzte platte jetzt war. ok, das sind dann hier und da auch mal studenten, die auch bildblog lesen, aber im bildblog werden neben scharfer kritik auch stets (journalistische/faktische etc.) fehler aufgezeigt – das ist bestimmt zäh und ein gegen windmühlen, aber ein ‘leckt uns am arsch’ auf eine werbeanfrage ist da prägnanter. und wo wir dabei wären: es zählt m.E. auch, daß viele kopfschüttelnd zusehen, welche (b)-promis alle in der bildwerbung auftauchen. da wurde es längst zeit, daß jmd mal öffentlich ‘fickt euch’ sagt. übrigens auch in richtung JvM und die ganze kampagne. dann verpinnwandet sich das halt auf FB und fertig sind die 50t. finde ich so weit nicht absonderlich. manchmal braucht man halt keinen schimpfenden journalisten sondern einfach eine sängerin/band, die das richtige macht.

  6. Andi
    28. Februar 2011, 3:07

    @Jan: Wenn’s nur für JvM gedacht wäre, hätten sie’s nicht veröffentlicht. Aussenwirkung war eingeplant, also hätte man es auch berücksichtigen können.

  7. Links anne Ruhr (27.02.2011) » Pottblog
    28. Februar 2011, 6:25

    [...] Kampagnenjournalismus (Coffee And TV) – Lukas Heinser berichtet über die Ereignisse der letzten Tage in Sachen Karl-Theodor zu Guttenberg, die BILD-Schelte von "Wir sind Helden" und die Werbung der BILD in der taz mit den kritischen Worten von Judith Holofernes. [...]

  8. jack.s
    28. Februar 2011, 9:16

    “Damit setze ich dann gerne auch darauf, wer aus diesem Scharmützel als Verlierer hervorgehen wird: die “taz”, wenn morgen wieder ein paar hundert Abo-Kündigungen eingehen.”

    Ne, so humorlos sind wir Taz-Abonnenten auch wieder nicht. Die freuen sich eher, dass Frau Holofernes dem Blatt ein wenig Geld eingespielt hat, das jetzt vom Verteidigungsministerium über den Umweg der Springer-Kasse reinkommt.

  9. Lutz
    28. Februar 2011, 9:17

    ausgerechnet jetzt ist der stefan im urlaub….ob er sich ärgert?

    bezüglich spiegel: nun ja, es liest sich nicht sehr spannend, was die hausmitteilung so bietet; man sollte aber immer bedenken, dass man davon ausgehen kann, dass nicht alle spiegel-leser auch bildblog-leser sein dürften.

    von daher ist es zwar aus bildblog-leser-sicht schon ein wenig enttäuschend, erreicht aber auch eine große anzahl “fremd”leser.

  10. sa7yr
    28. Februar 2011, 9:35

    “Stefan Winterbauer, der Blinde unter den Einäugigen bei Meedia”

    In der Tat, obwohl ich da nicht oft lese, ist mir Winterbauer auch schon als äußerst kompetent aufgefallen :)

  11. Su
    28. Februar 2011, 9:55

    Eigentlich sollte man ja meinen, dass Frau Holfelder so viel schlauer ist als die ganzen anderen, die Werbung für BILD gemacht haben, weil sie ja so wahnsinnig schlaue Texte für ihre Kapelle schreibt. Aber die an Torheit nicht zu überbietende Reaktion eines offenen Erklärbärbriefes an die Spezialisten von JvM lässt sie nun dastehen wie eine Einbeinige bei einem Wettbewerb für Arschtreten. Zuspruch von allen Seiten, aber BILD macht nun trotzdem Werbung mit ihr. Wirklich schlau war das nicht.

    Disclosure: Ich konnte noch nie was mit irgendeinem Album von Wir sind Helden anfangen.

  12. Alex
    28. Februar 2011, 10:20

    Das mag eine totale Spitzfindigkeit sein (meine Meinung zum Gesamtkomplex finde ich eher langweilig, sie deckt sich mit der der meisten anderen), aber wenn das, was in der Anzeige steht, der Original-Brief von Judith Holofernes ist, gehört sie auch zu den Menschen, die einen Accent(´) und ein Apostroph (‘) auf der Tastatur nicht unterscheiden können. ;)

  13. Fiete Stegers
    28. Februar 2011, 10:43

    @ Alex

    Erschütternd.

  14. Rjonathan
    28. Februar 2011, 11:28

    EIn insgesamt super Beitrag. Aber ich denke der “any PR is…”-Einwand muss ernster genommen werden. Schließlich baut die ganze Kampagne auf diesem Prinzip auf. Und die schlauen Füchse von JvM gehen tatsächlich als die großen Soeger aus der Nummer indem sie die Anzeige bei taz schalten. Bald sprechen alle über die Anzeige – alle die bislang über den Brief gesprochen haben plus nochmal mindestens genauso viele, die sich für schlaue Werbekampagnen, den fortdauernden Medien-Krieg zwischen taz und bild, für die zu erwartende Berichterstattung in den Feuilletons usw… interessieren.

  15. JMK
    28. Februar 2011, 11:59

    Vielen Dank auch, dass ich nun den Meedia-Artikel/Pamphlet lesen durfte, wieder 3 Minuten meiner kostbaren Zeit vergeudet:-)
    ISt Meedia eigentlich wirklich noch ernst zu nehmen, die bewegen sich pfeilschnell Richtung Quotenmeter.

    Die Kritik an WSH kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, die Alternative wäre wohl gewesen, nicht zu reagieren oder einfach eine kurze Absage zu verfassen. Angesicht der Resonanz stellt sich die Frage kaum noch.
    Seltsamerweise wird auch immer behauptet, dass die Band auf sich aufmerksam machen wollte, weil sie genau diese sonst nicht bekommen, angesicht der Tatsache, dass die Band wohl die erfolgreichste der letzten 10 Jahre läuft diese Behauptung ebenso komplett in die Leere.

  16. butterchicken
    28. Februar 2011, 11:59

    Bekommt man für 10000 Euro wirklich schon Stars in der Kategorie für eine bundesweite Werbekampagne? War echt überrascht, wie billig das doch ist.

  17. zu-schauer-lich
    28. Februar 2011, 12:00

    die taz hat nicht nur die einseitige anzeige, sondern ein ebenso langes interview mit der sängerin. schlechtes karma / gutes karma: für die taz ist damit wohl alles im gleichgewicht (übrigens ist der diekmann ja mit etwa einem 10.000senstel an der taz beteiligt….)

  18. Tigerle
    28. Februar 2011, 12:49

    Es ist wahr: JvM wollte eine Reaktion von “Wir sind Helden” und hat mit dem Brief von Judith Holofernes genau eine solche Reaktion erhalten, die sogar besser(!) ist als alle anderen Reaktionen der anderen Promis. Denn diese Reaktion ist offensichtlich nicht gekauft! Insofern hat Judith Holofernes der JvM (und somit auch der BILD) eine Steilvorlage gegeben, die nun auch mittels der taz ausgeschlachtet wird.

    Aber was wäre die Alternative?
    Es gibt keine Möglichkeit, darauf zu reagieren, so dass sowohl die Öffentlichkeit sensibilisiert wird, wie diese von JvM manipuliert wird und in die Hände der Bild getrieben wird, ohne dass JvM dieses ausschlachten könne. Durch Schweigen tut ändert sich nichts! Wenn sich was ändern soll, dürfen die Proteste gegen die Werbeaktion der JvM (und gegen die BILD) nicht abbrechen. Und da hat Judith Holofernes einen Anfang getan. Wenn die Proteste wieder bei ihr enden, haben JvM und BILD gewonnen. Wenn diese aber weitergehen, könnte irgendwann zumindest die JvM ins abseits geraten. Bei der BILD habe ich da leider meine Zweifel.

    Insofern hat Judith Holofernes alles richtig gemacht!

  19. Stefan W.
    28. Februar 2011, 14:45

    Verwertungsrechte?

    Ein offener Brief darf womöglich ohne Nachfrage auch komplett abgedruckt werden – IANAL – aber darf man einen offenen Brief ungefragt zweckentfremden, und als Werbemittel missbrauchen – wird hier nicht das Urheberrecht mit Füßen getreten?

    Ich dachte man brauche noch mindestens Springerstiefel, Adelstitel und einen Mitgliedsausweis einer C-Partei, um ungestraft Texte zu missbrauchen.

    Wenn nicht die ganze Kampagne ein abgekartetes Spiel ist, wovon ich nicht ausgehe, dann war das bestimmt noch nicht das letzte Wort, sondern es folgt ein juristisches Nachspiel.

    Da der Inhalt des Briefes ausdrücklich eine Kooperation verweigert, auch unter dem Gesichtspunkt der kontroversen Darstellung, ist die Kampagne wohl clever, aber am Ende vielleicht zu clever. Oder hat die Agentur den Text abgedruckt ohne ihn zu lesen? Unbewusst?

    Ich hoffe auf eine empfindliche Strafe.

  20. Stefan W.
    28. Februar 2011, 14:56

    Oh, ich sehe, ich klappere die Bildblog-Links falsch rum ab – bei der Taz steht schon, dass Frau Holofernes nicht klagen will. Schade.

  21. Lukas Heinser
    28. Februar 2011, 16:37

    @Rjonathan: Und wenn alle die nächsten Tage über “Bild” sprechen: Das ist eine Marke, bekannter als die CDU oder Borussia Dortmund — und noch polarisierender.

    Die Leute, die “Bild” bisher gut fanden, werden sich wohl kaum spontan bekehren lassen, und die Leute, die “Bild” ablehnen, nützen der Zeitung auch nichts, weil sie das Blatt nicht kaufen würden. Und letztlich geht es am Ende genau darum: um verkaufte Exemplare.

  22. Lutz
    28. Februar 2011, 17:04

    man verliert ja geradezu den überblick in den letzten tagen:

    -zu guttenberg plagiat
    -zu guttenbergs und die bild
    -schweiger über guttenberg und die bild
    -wir sind helden und die bild
    -taz und die bild
    -spiegel, bildblog und die bild

    wo führt das bloß noch hin :D

    ach ja: jetzt auch noch:
    bildblog gegen spiegel (siehe bildblog)

    ich sach ja; der stefan hätte seinen spaß!
    gruß lutz

  23. janar
    28. Februar 2011, 17:14

    Die “taz” macht mit dem Abdruck des Helden-Briefes bedauerlicherweise genau das, was die Helden eben nicht wollten: sich für eine Werbekampagne zugunsten der “BILD” einspannen lassen.

    Denn die entscheidende Frage ist doch, warum JvM die Anzeige gerade in der “taz” schalten möchte? Warum werben sie mit dem Antwortbrief nicht in der “BILD”? Genau!

    Disclaimer: Ich mag die Musik der Helden, schon immer.

  24. Entenschubser
    28. Februar 2011, 18:03

    Denn die entscheidende Frage ist doch, warum JvM die Anzeige gerade in der “taz” schalten möchte? Warum werben sie mit dem Antwortbrief nicht in der “BILD”?

    Warum wohl? Ist für die Bild zu viel Text. *gnihi*

  25. SvenR
    28. Februar 2011, 18:04

    Ich finde das neue Helden-Album phantastisch.

    Und ich bin fürchterlich neidisch, dass Judith Holofernes sich die Freiheuit nimmt, JvM und der Bild den Stinkefinger zu zeigen.

    Ich wäre zu feige.

  26. SvenR
    28. Februar 2011, 18:15

    Und: Im BildBlog steht »jetzt kommt’s«, im PDF dass Katharina bei FaceBook verlinkt hat »jetzt kommt´s«. Weißt Du, wie Judith H. das wirklich getippt hat?

  27. Lukas Heinser
    28. Februar 2011, 18:19

    @SvenR: “kommt´s”. Wir haben den Text an der Stelle bearbeitet.

  28. Rjonathan
    28. Februar 2011, 19:30

    Es sei dem Einzelnen überlassen, ob er die Aktion von Holofernes “gut”, “egal” oder “schlecht” findet. Ich persönlich finde sie “dumm”, bzw. “naiv”, aber es ist die Naivität, die ich von ihren Äußerungen auch schon an anderer Stelle kenne. Ich mache ihr keinen Vorwurf, sie ist eine gute Musikerin und Texteschreiberin, aber sie ist keine Politikerin.

    Ich würde deswegen nicht so weit gehen wie Meedia – die ihr bösen Eigennutz unterstellen. Aber ich denke auch nicht, dass sie “alles richtig gemacht” hat (Comment von Tigerle). Ich denke auch nicht, dass es egal ist, dass in den nächsten Tagen alle über Bild reden. Denn – ja! – es ist eine der polarisierendsten Marken und eine der bekanntesten Marken Deutschlands. Und zwar in letzter Zeit auch sehr erfolgreich in Kreisen, in denen sie sonst nicht in der Art und Weise wahrgenommen wurde wie in letzter Zeit und wie hier von uns, die wir in unserer Meinung über den ‘Journalismus’ von Bild sicherlich alle einig sind. Und das ist neben der Internet-Offensive Dieckmanns vor allem Jung von Matt zu verdanken, die mit ihrer Kampagne schon seit Jahren dieses Image rückgekoppelt haben.

    Der Holofernes-Coup dürfte bei der Agentur als neuer Meilenstein dieser Selbstverstärkung eingehen. Wir polarisieren einfach immer mehr, den Rest erledigen die anderen.

    Die Agentur hat bei ihr doch nicht angefragt, weil sie gehofft hat, die würde was nettes zu Bild sagen. Sie hat bei ihr angefragt, weil sie die Zeitung im Gespräch halten will, auch mit schlechten Meinungen.

    Was wäre meiner Meinung nach die beste Reaktion? In meinem Privatleben ignoriere ich Idioten die mich ansprechen, anstatt ihnen ins Gesicht zu schreien, sie seien Idioten.
    “A wise man once told me don’t argue with fools
    cause people from a distance can’t tell who is who”

  29. SvenR
    28. Februar 2011, 19:38

    @Lukas: Schade!

  30. Wir sind Helden vs. Bild Zeitung
    28. Februar 2011, 23:30

    [...] [...]

  31. The mouse is mightier than Muammar Gaddafi » textfresser
    1. März 2011, 8:47

    [...] müssen nicht immer Böse sein. Diese Kampagne der Werbeagentur Ogilvy für die International Society for Human Rights [...]

  32. Sven
    2. März 2011, 2:01

    Hat auch irgendjemand hier einfach nur mal daran gedacht, dass Frau Holofernes und ihrer Band es ein Bedürfnis war, ein für alle Mal klarzustellen, dass sie mit der BILD nichts, aber auch rein gar nichts, für alle Ewigkeit zu tun haben wollen und mehr nicht … ?

    Genau so fasste ich den offenen Brief auf: Sie veröffentlichten es auf ihrer Homepage, um klar zu machen, dass sie Bild scheiße finden.
    Nicht mehr und nicht weniger.

    Dass man mit dieser Reaktion irgendwelche Leser “bekehren” könne, das glaubt doch niemand ernsthaft – ich bin auch davon überzeugt, dass auch Frau Holofernes dies nicht tut, denn dazu ist das Antwortschreiben sprachlich viel zu kompliziert verfasst worden.

    Ich sehe das Schreiben als das, was es ist: Ein “leckt mich” gegenüber der BILD, ein “netter Versuch, aber hier unser Stinkefinger”, etwas, das das Gesicht der Band wahren lässt, eine klare Stellungnahme, und mehr eben nicht.

    Dass Bildblog sich schadenfroh erfreut zeigte, war zu erwarten.
    Dass der Brief dermaßen große Wellen schlägt, dass sich selbst die TAZ da einmischt, indes nicht.
    Ich denke, dass auch wsH nicht wenig überrascht sind, dass die Antwort in den Printmedien gelandet ist.

  33. Lukas Heinser
    2. März 2011, 12:42

    Sven, haben Sie mal daran gedacht, den Artikel und die Kommentare, unter die Sie kommentieren, vorher auch zu lesen?

  34. Su
    3. März 2011, 8:07

    “Lesen” und “verstehen” sind ja zwei unterschiedliche Dinge …

  35. Ich glaub, es hackt « .:: Pamstiddn Kings ::.
    3. März 2011, 13:43

    [...] Einen ausführliche Zusammenfassung der Ereignisse findet ihr ebenfalls auf coffeeandtv.de. [...]

  36. Ulrich Blomann
    20. Oktober 2011, 14:02

    wer kann mir für eine Kunstaktion Scans von der Bild-Werbung folfender ‘Persönlichkeiten’ zur Verfügung stellen? Jonathan Meese, Kurt Masur, Richard von Weizsäcker, Udo Lindenberg.
    Vielen Dank
    UBlomann@aol.com

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