Hitler würde „Half-Life“ spielen

Von Lukas Heinser, 14. März 2009 13:52

Ich habe länger überlegt, ob ich das Folgende aufschreiben soll. Schließlich ist „Don Alphonso“ der „Edel-Troll“ der deutschsprachigen Blogosphäre. Ein Mann, dessen Texte ich in der Regel aus Sorge um meine Gesundheit ignoriere.

Andererseits ist dies hier das Fachblog für Nazi-Vergleiche, also muss ich wohl ran:

Dieser „Don Alphonso“ hat, nachdem ihm die vielen, vielen, teils (mutmaßlich) unflätigen Kommentare auf einen seiner Texte zu bunt wurden, Folgendes geschrieben:

Ich habe das freundlicher gesagt, als ich es meine, denn in meinen Augen sind diese explizit Suchtkranken argumentativ auf dem gleichen Niveau wie die Altnazis bei uns in den Käffern.

Mit den „explizit Suchtkranken“ meint er übrigens Menschen, die Computer spielen. Ob Altnazis jetzt auch suchtkrank seien müssen oder nur Computerspieler gleichzeitig krank und wie Nazis sind, lässt sich seinem Text nicht entnehmen. Wohl aber, dass der Vergleich kein einmaliger Ausrutscher war, denn ein paar Zeilen später wütet er:

Nun sind diese Art Gamer eine ganz besondere Gruppe Mensch, die, ähnlich wie die Gefolgschaft von Neoconaziseiten und extremistische Islamisten, keine Haftung in der Realität mehr haben.

Faszinierend, wie man eine ohnehin schon emotionale Debatte (in der ich Computerspiele weder für „schuldig“ noch für komplett „unschuldig“ halte) mit ein bisschen Arroganz, Dummheit und Schaum vor dem Mund noch ein wenig unsachlicher gestalten kann.

Dabei ist die ursprüngliche Kernfrage, warum Menschen, die anspruchsvolle Literatur lesen, so selten Amok laufen, gar nicht mal unspannend. Ich hätte sogar einen Erklärungsversuch: Aus den selben Gründen, warum so wenige Klassik- und Schlager-Hörer Amok laufen — sie sind schlichtweg älter.

Die wenigsten Jugendlichen haben ein Interesse daran, sich mit jahrhundertealter Literatur, Kunst und Musik zu beschäftigen. Zum einen, weil ihnen das alles in der Schule madig gemacht wurde, zum anderen, weil diese Dinge wenig mit ihrer Lebenssituation zu tun haben. Wenn man älter und ruhiger wird, beschäftigt man sich vielleicht irgendwann auch mit der sogenannten Hochkultur. Aber dann ist man (in der Regel) über die gefährliche Phase im Leben hinaus. Der Zusammenhang besteht also weniger zwischen Medienkonsum und Verhalten, sondern zwischen Alter (welches den Medienkonsum bedingt) und Verhalten. Überspitzt gesagt: Wenn wir etwas verbieten müssten, dann die Pubertät.

Davon ab könnte man auch noch das Fass mit den „Leiden des jungen Werthers“ und den angeblichen Nachahmungstätern aufmachen, aber ein Goethe-Spezialist hat mir glaubhaft versichert, dass es keinen einzigen belegten Fall eines Werther-Selbstmords gibt.

[via Nerdcore]

27 Kommentare

  1. diaet
    14. März 2009, 14:45

    Ich finde, seine Zeile

    […]dass alles und jeder, Schule, Eltern, Freunde, Gott, die CSU und die UNO an irgendso einem Stück Scheisse schuld sind, das Menschen umbringt[…]

    zeigt deutlich genug, dass der Altnazi-Kommunkationsvergleich für ihn wohl tatsächlich noch „harmlos“ formuliert war.

    Ich empfinde das nicht nur als „noch ein wenig unsachlicher“, bei allem Mitgefühl für die Hinterbliebenen und Trauer über die Opfer.

    Und zur eigentlichen Frage: dass der Reflex „Amokläufer – hat bestimmt diese pöhsen Killerspiele gespielt und war im pöhsen Internet“ mittlerweile einen ähnlich heftigen Gegenreflex der Vorwärtsverteidigung auslöst, finde ich nicht weiter verwunderlich. Und ich spiele die Dinger noch nicht mal (mehr).

  2. Michael
    14. März 2009, 14:52

    Ich hab aufgehört, mir die Ergüsse des Don an zu tun. Das ist so, als würde ich BILD lesen: Am Ende rege ich mich doch nur auf.

    Übrigens kann Medienkonsum durchaus zu Nachahmungstaten führen – das ist sogar relativ gut belegt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Häufung von Selbstmorden nach der Berichterstattung über selbige. Dumm nur, dass beispielsweisediese Studie nicht den Computerspielen, sondern dem Fernsehen die Schuld gibt.

  3. Niels
    14. März 2009, 15:12

    Ich finde die ganze Gamer-Diskussion nur mäßig interessant, aber ich werde gerade wieder zum Alphonso-Fan: Wer eine pathetische Hynme auf die sozialstaatsfördernde Wirkung dekadenten Verhaltens des Großbürgertums schreiben kann und oben drüber noch ein Erich-Mühsam-Zitat setzt, ohne dass es verstörend wirkt, der kann kein schlechter Mensch sein. :)

  4. aisopis’ blog – Verlinkt: Der Amoklauf und die Medien
    14. März 2009, 18:50

    […] (Ursprung der dortigen Debatte: Dieser Artikel von ihm in D.A.’s F.A.Z.-Blog.) (via Nerdcore, Coffee and TV und Malte […]

  5. Mario H.
    14. März 2009, 20:12

    Hat Don schon mal was wirklich sinnvolles geschrieben? Ich lese ihn nicht, habe mal kurz rein geschaut und nichts lohnenswertes entdeckt und frage mich, warum er so bekannt ist. Naja, sind BILD, Bohlen und Co. ja auch…

  6. westernworld
    14. März 2009, 20:43

    also beim thema amok ist der fonsi experte, da kann ihm keiner was vormachen.

    er muß vom seinem krawallsepplkonzept her eine sau durchs dorf treiben und all zu sehr aus establishment einprügelen darf er bei der faz halt nicht, so ein skandälchen ist durchaus in seinem sinne und er hat ja im zweifel geld und anwälte galore wenn einer wider den stachellöcken sollte.

  7. heb
    14. März 2009, 22:43

    die reaktionen waren abzusehen. sind sie doch reflexhaft nach jedem amoklauf genau so wiederzufinden.
    obs nun prof. pfeiffer ist, der gute herr bosbach oder ein fazfuzzi, es spielt keine rolle.
    zweifelsohne ist eine solche herangehensweise ja auch die bequemste. man muss sich nicht mit gesamtgesellschaftlichen problemen wie mobbing, ausgrenzung, psychischer verwahrlosung usf. aueinandersetzen. da macht es viel mehr sinn, wenn ein „experte“ seine nase in einer kamera hält und erklärt, dass dieser amoklauf natürlich nur zustande kam, weil der täter beim counterstrike-spielen derart abgestumpft ist, dass er zu solch einer tat überhaupt erst fähig wurde.
    wenn wie immer gesagt wird, dass ein 17. oder 15. oder 14jähriger amokläufer solche spiele gespielt hat, dann wird wie immer vergessen, dass der allergrößte teil der jungen dieser altersgruppe diese spiele spielt – und es im gegensatz dazu schwierig wäre, jungen in dem alter zu finden, die nicht computerspielen.

    aber hey, es ist wahljahr. und herr bosbach war sich noch für nichts zu schade. diese herangehensweise ist ja auch sicherlich erfolgreich – die omi, die das internet nur aus erzählungen ihrer enkel kennt, glaubt aussage von selbsternannten experten, dass computerspiele gewalttätig machen – auch wenn es dazu bis heute noch keine aussagekräftige studie gibt.

    egal. es ist ekelhaft und ein hohn, die diskussion jedesmal auf eine solche ebene zu manövrieren um bewusst die auseinandersetzung mit den wirklichen ursachen einer solchen tat zu vermeiden.

  8. Wenn Kommentare zur Last werden « AdClicks-Agent.de
    15. März 2009, 10:02

    […] Doch wenn diese in zu großer Anzahl eintreffen und dann auch noch negativ behaftet sind und sich gegen den Autor richten, kann dies schnell zur Last werden. Da ist es dann manchmal besser, die Kommentarfunktion […]

  9. Niels
    15. März 2009, 14:05

    heb:
    „zweifelsohne ist eine solche herangehensweise ja auch die bequemste. man muss sich nicht mit gesamtgesellschaftlichen problemen wie mobbing, ausgrenzung, psychischer verwahrlosung usf. aueinandersetzen. da macht es viel mehr sinn, wenn ein “experte” seine nase in einer kamera hält und erklärt, dass dieser amoklauf natürlich nur zustande kam, weil der täter beim counterstrike-spielen derart abgestumpft ist, dass er zu solch einer tat überhaupt erst fähig wurde.“

    Weder der „FAZ-Fuzzi“ noch Bosbach oder Pfeiffer haben gesagt, es seien ausschließlich PC-Spiele, die sowas verursachen. Wirklich einfach macht es sich jedenfalls auch derjenige, der zwar mit großer Lautstärke aber wenig argumentativer Kraft postuliert, Egoshooter könnten auf keinen Fall etwas mit realer Gewalt zu tun haben.

  10. Anna Nym
    15. März 2009, 14:07

    jünger – älter, das ist sowieso ein leichter trugschluss.
    nur weil eine(r) die pubertät hinter sich gelassen hat, sinkt deswegen nicht die möglichkeit, amok zu laufen. amok hat da zwar eine andere altersstruktur als andere tötungsdelikte, aber die ansicht, die medial so rüberkommt, dass nur jugendliche an ihren schulen amok liefen, ist mal grundfalsch.
    und grad das mit dem älter und ruhiger ist auch nicht ganz ungefährlich. amokläufer, von school shootern mal abgesehen, sind im schnitt etwa 10 jahre älter als sonstige gewaltverbrecher. die gängige annahme ist, dass depressionen und/oder paranoia eine gewisse zeit brauchen, um sich zu entwickeln, bis sie „amokreif“ sind.

  11. Lukas
    15. März 2009, 14:29

    @Niels: Ganz klar: Wer sagt, Egoshooter hätten nie und unter gar keinen Umständen was mit realer Gewalt zu tun, liegt sicher genauso daneben wie diejenigen, die darin gleich eine alleinige Erklärung sehen. (Trotzdem kein Grund für die Nazi-Keule, wie ich meine.)

    @Anna Nym: Ich spreche ja auch nur von einem Erklärungsversuch. Rilke-Leser (warum eigentlich ausgerechnet der?) verzichten ja auch nicht deshalb auf Amokläufe, weil sie Rilke lesen. Man sollte eben Korrelation nicht mit Kausalität verwechseln.

    Davon ab ist aber doch auch unbestreitbar, dass Amokläufe in Deutschland (im Gegensatz zu den USA, Japan oder Finnland) bisher hauptsächlich von Menschen (präziser: Männern) um die Zwanzig verübt wurden. (Wenn die Täter älter sind, nennt man das dann eben „Familiendrama“.)

  12. Anna Nym
    15. März 2009, 15:10

    @Lukas:
    die genaue bezeichnung ist überhaupt noch in der schwebe. von amok über massenmord bis civil massacre ist da ungefähr noch alles im raum (1). und dass sich die medien unpräzise ausdrücken, liegt ja letztlich auf der hand, amok „zieht“ halt grade.
    familiendrama sollte und wird meiner auffassung nach auch eher nur dann gebraucht, wenn es sich um eine „familieninterne“ tötung handelt; amok an sich bezieht sich ja grade nicht darauf, sondern auf die auch (scheinbar) zufällige opferwahl, zumindest muss es opfer außerhalb der eigenen familie _auch_ geben.

    zum alter: in den jahren 1980-1989 gab es im schnitt alle 2,32 monate einen amoklauf in deutschland, in den jahren 1991-2000 alls 2,59 monate. in beiden dekaden gab es eine zweigifplige verteilung beim alter der täter, mit einem peak bei 22-25 jahren und einem bei 40-45 jahren. (2)

    mein persönlich recherchierter eindruck für die jahre nach 2000 deckt sich in etwa mit der beobachtung von einer verteilung mit zwei altersspitzen. selbst wenn man die school shooter einbezieht, ziehen die den schnitt nicht merklich nach unten. sind einfach noch weniger als amokläufer, von denen es ja auch schon nicht allzuviele gibt.

    quellen dazu:
    (1)Hoffmann, J. (2003). Amok – ein neuer Blick auf ein altes Phänomen.
    (2) Adler, L. et al. (2006). Zur Stabilität des
    „Amokläufer“-Syndroms.

  13. Christian
    15. März 2009, 15:19

    „Man sollte eben Korrelation nicht mit Kausalität verwechseln.“ – Diese Erkenntnis würde ich gerne vielen an der Diskussion beteiligten wünschen. Eine Korrelation dank Bauchgefühl zur Kausalität zu erheben hilft keinem weiter.

    Der Amokläufer hatte neben „Pornobildern“ und Counterstrike mit Sicherheit auch MicrosoftWord auf seinem PC. wie wohl alle Amokläufer (mir wäre zumindest nicht bekannt, dass Mac-User amoklaufgefährdeter wären) – dass Microsoftprodukte aber die Neigung zum Amoklauf unterstützen, kann man bestenfalls vermuten.

  14. Lukas
    15. März 2009, 15:39

    @Anna N.: Okay, das ist natürlich interessant. Mir persönlich wäre jetzt höchstens die Schießerei im Gericht von Euskirchen eingefallen, bei der der Täter älter als 20 war. (Plus halt die ganzen erweiterten Suizide, die uns als „Familiendrama“ präsentiert werden.)

    Ich wundere mich noch über die Zahl von 2,irgendwas Monaten, aber wer keine Boulevardmagazine guckt, bekommt vermutlich gar nicht alles mit.

    In jedem Fall ist es spannend. Danke, dass Du diesen kriminalistischen Aspekt hier reinbringst.

    (Dein erster Kommentar hing merkwürdigerweise im Spam-Verdacht fest, ich habe ihn mal freigegeben und den zweiten, wortgleichen dafür entfernt.)

  15. Anna Nym
    15. März 2009, 15:53

    danke fürs lösen des kommentarchaos …

    2,x monate kommen halt raus, wenn man nicht nur die medial breitgetretenen, insbesondere school shootings, heranzieht, sondern mit einer definition von amok herangeht, die zumindest versucht, systematisch zu sein (und eine forschung zu ermöglichen natürlich). aus den gleichen quellen wie schon genannt ergibt sich dann nämlich, dass es sich um zumindest den versuch handeln muss, innerhalb einer einzigen tat einen oder mehrere menschen zu töten, und der sich nicht nur in der familie abspielt. eine suizidale komponente sollte u.u. auch noch gegeben sein. das klingt zwar dann plötzlich ziemlich breit, implizit sind dabei aber z.b. mafiamorde auch nicht mit drin (fällt mir grad ein, weils auch eben in den medien war). das steht zwar explizit so nicht in den quellen, ergibt sich aber aus der literatur und der geschichte von amok. adler hat z.b. seine fallzahlen anhand von medienberichten zusammengestellt (steht auch in der quelle). es wird halt nur nicht alles gleich zu ausgebreitet wie ausgerechnet school shootings.

  16. Iris
    15. März 2009, 18:23

    Was ich ja immer wieder interessant (aber nicht sympathisch) finde ist, dass Leute, die von sich behaupten, Don A.s Blogs nicht zu lesen, weil sie seine Rhetorik nicht ausstehen können, sich dennoch nicht verkneifen können, sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit über seine Postings zu er(g)eifern. Bei Don-kritischen Blog-Artikeln könnt‘ ich mittlerweile Wetten abschließen (und gewinnen!), wer sich garantiert wie dazu äußern wird. Was ist das nur für ein seltsamer Zwang unter dem diese Typen stehen? Diese reflexartige Wadenbeißerei hat imo was von Besessenheit.

  17. Raventhird
    15. März 2009, 18:46

    Die „Werther-Selbstmorde“ waren meines Wissens eine Erfindung dessen, was man mit den heutigen „Medien“ vergleichen könnnte. Insofern: Es ändert sich nix, wird es wohl leider auch nie.

  18. heb
    15. März 2009, 20:46

    @10:

    „Weder der “FAZ-Fuzzi” noch Bosbach oder Pfeiffer haben gesagt, es seien ausschließlich PC-Spiele, die sowas verursachen. Wirklich einfach macht es sich jedenfalls auch derjenige, der zwar mit großer Lautstärke aber wenig argumentativer Kraft postuliert, Egoshooter könnten auf keinen Fall etwas mit realer Gewalt zu tun haben.“

    Ich habe auch nirgends gesagt, dass diese leute behaupten, dass „killerspiele“ der alleinige grund seien. aber diese menschen – und das wird durch die aufmerksamkeit, die sie diesem thema schenken und der vehemenz, mit der sie ihre thesen vertreten – rücken die tatsache, dass viele der amokläufer diese spiele gespielt haben in den fokus und lassen dabei viele, viel nahe liegendere gründe unter den tisch fallen.
    dass computerspiele immer harmlos sind hat niemand behauptet, aber dass sie vielleicht (es gibt leider keine erkenntnisse) psychisch instabile menschen soweit stimulieren, dass sie den wunsch nach einer solchen tat verstärken, kann niemand mit sicherheit belegen.
    wenn es so wäre, dann hätten wir weit mehr amokläufe, da computerspiele und egoshooter im besonderen ein phänomen sind, dass auf breiter basis in der altersregion von 14 bis 17 stattfindet. wie ich schon sagte, sollte es schwierig werden, jungen in der altersregion zu finden, die noch nie egoshooter gespielt haben.
    es gibt bis heute keinen beweis, dass solche spiele (oder filme oder böse musik) die gewalttätigkeit bei jugendlichen steigert. aus meinem umfeld (und ich spiele seit 1984 an computern oder konsolen) ist eher das gegenteil der fall und computerspiele (auch gewalttätige) werden als agressionsmindernd empfunden. (wie auch zum beispiel der besuch eines deathmetal-konzerts).
    ich bleibe dabei: der autor des textes, wie auch die meisten politiker und selbsternannte experten wie prof. pfeiffer haben nicht den hauch einer ahnung, wie computerspiele funktionieren und wie sie wirken und benutzen die diskussion darüber als billigen populismus.

  19. heb
    15. März 2009, 20:47

    @9 meinte ich natürlich -_-

  20. Niels
    15. März 2009, 22:23

    heb:

    „ich bleibe dabei: der autor des textes, wie auch die meisten politiker und selbsternannte experten wie prof. pfeiffer haben nicht den hauch einer ahnung, wie computerspiele funktionieren und wie sie wirken und benutzen die diskussion darüber als billigen populismus.“

    Das geht jetzt aber schon ein bißchen in die Richtung „Nur Gamer wissen, wie Games wirken“. Auf dieser Diskussionsebene macht man sich eher lächerlich, wenn man Wissenschaftler mit einiger Reputation als „selbsternannte Experten“ abzustempeln sucht.

    Ich selbst stehe Egoshootern reichlich gleichgültig gegenüber. Es ist erst zehn Jahre her, dass ich zur Kernzielgruppe gehörte und trotzdem habe ich sie nie gespielt. Ich bin auch heute nicht davon überzeugt, dass das Spielen von Egoshootern einen signifikant gewaltfördernden Einfluss auf Jugendliche hat.

    Aber ich halte es für legitim, einen solchen Zusammenhang für möglich zu halten. Und ich halte es für legitim, einen öffentlichen Diskurs darüber zu führen, ob Spiele, die darin bestehen, das Töten von anderen Menschen als sportliche Herausforderung realitätsnah zu inszenieren, besonders schützenswert sind.

  21. Games und Gewalt
    15. März 2009, 22:40

    […] Interessante Diskussion im natürlich auch sonst lesenswerten Blog des Herrn Heinser. […]

  22. heb
    15. März 2009, 22:42

    ich halte die aussage durchaus für richtig, dass nur gamer wissen, wie spiele wirken, zumindest wenn es um eine art langzeitwirkung von spielen geht. (allein schon aufgrund des fehlens von studien)
    dabei rede ich jetzt nichtmal von suchtverhalten, verschlechterung der noten in der schule oder ähnlicher dinge, die doch relativ einfach zu erkennen sind, sondern von langfristigen folgen, wie zum beispiel der abstumpfung in hinblick auf gewaltdarstellung.

    und noch etwas zu den selbsternannten experten. hast du dich mal etwas mit der geschichte von einem prof. pfeiffer auseinandergesetzt? genug möglichkeiten dazu gab es ja, da der gute reflexhaft nach jeder gewalttat jungendlicher vor die kamera gezerrt wurde. dieser mann befindet sich auf einem kreuzzug. das schlimme ist, dass seine vielen, durchaus angebrauchten argumente immer wieder ins fahrwasser seiner abstrusen killerspielargumente geraten und dadurch leider viel an wert verlieren. dem zusammenhang, den er zieht (und den du für legitim hälst), fehlt leider jegliche grundlage, es gibt keine studien die soetwas belegen, sondern nur mutmaßungen. und wenn wir soweit sind, dann können wir auch den zusammenhang zwischen amokläufern und milchtrinkern für legitim halten.

  23. Niels
    15. März 2009, 22:47

    heb,

    mag ja sein, dass Herrn Pfeiffers Untersuchungen und Thesen nicht hinreichend valide belegt sind. Aber die inhaltliche Qualität seiner Argumente ist doch noch um ein vielfaches höher als Deine gedankenspielerische Gleichsetzung von Milchtrinken und dem Spielen von Egoshootern.

  24. heb
    15. März 2009, 23:05

    du hast mich wieder nicht verstanden. herzlichen glückwunsch dazu.

  25. Lukas
    15. März 2009, 23:09

    Leute, ruhig!

    Ich fände es äußerst unschön, ausgerechnet unterhalb eines Artikels über Nazi-Vergleiche wegen Kommentar-Moderationen irgendwann zu Kommentar-Moderationen übergehen zu müssen.

  26. Simon
    16. März 2009, 14:14

    @Niels:
    Dieser Pfeiffer hat sich schon mehrfach selbst bloß gestellt, in dem er einfachste Sachverhalte verdreht hat oder einfach nicht wusste. Dieser Mann verdient sein Geld mit dieser Art von Medienauftritt und ich glaube du überschätzt ihn. Der Typ ist ein Heuchler und ein Angstmacher und alles andere als ein Experte mit differenzierten Ansichten.
    Denn wenn er den Teufel Videospiele nicht immer wieder schüren würde dann gäbe es keinen Grund ihn immer wieder ins Fernsehen zu lassen.

    Generell fällt doch auf, dass viele ältere „Experten“ selbst garkeine Erfahrungen mit Computerspielen gemacht haben. Dennoch lassen sie sich gehen und beteiligen sich (der Einfachheit halber) an dieser Hexenjagd. Diese Gruppendynamik war selbst gestern im Presseclub sehr schön zu sehen. Die einzige differenzierte und damit ernstzunehmende Meinung kam vom – mit Abstand – jüngsten Diskussionsteilnehmer. Und er war wohl auch der einzige, der sich tatsächlich angesehen hat worum es eigentlich geht.

    Wer nicht kennt worüber er urteilt IST ein selbsternannter Experte und disqualifiziert sich für eine ernsthafte Diskussion. Das helfen auch Professoren-Titel nicht.

  27. Christian
    18. März 2009, 13:23

    via hajo:

    “Man sollte eben Korrelation nicht mit Kausalität verwechseln.”

    http://imgs.xkcd.com/comics/correlation.png

Diesen Beitrag kommentieren: