Die Zeitungskrise erreicht den Westen

Von Lukas Heinser, 23. Oktober 2008 23:47

So ein bisschen hatte der WDR Pech mit seinem Timing. Da hat man mit „Dramatische Entwicklungen bei der WAZ-Gruppe: Zeitungen erscheinen nur noch in reduziertem Umfang“ eine Top-Meldung, die nicht nur für Medienkreise, sondern weit darüber hinaus interessant ist, aber leider war es schon 19:00 Uhr, als die Pressemitteilung dazu rausging. Die Mediendienste und -blogs (mit Ausnahme von Medienrauschen) waren schon im Feierabend und bei der „WAZ“ war niemand mehr (also: noch niemander), der für Rückfragen zur Verfügung hätte stehen können. Auch bei den Pressemitteilungen der WAZ-Mediengruppe findet sich noch nichts zu den aktuellen Entwicklungen.

Das Branchenblatt „Werben & Verkaufen“ hatte das zwar schon am Nachmittag angedeutet, aber dass die Zeitungen des Konzerns („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung“,“Westfälische Rundschau“ und „Westfalenpost“) schon ab morgen in deutlich geringerem Umfang erscheinen sollen (32 statt 48 Seiten), das ist schon ein ziemlicher Hammer. Darüber hinaus könnten bis zu einem Drittel der Stellen abgebaut werden.

Die Zeitungskrise, die schon etliche amerikanische Traditionsblätter zerlegt oder ins Internet gedrängt hat, ist damit mitten im Kerngeschäft von Deutschlands drittgrößtem Verlagshaus angekommen. Das Fernsehen hatte die Krise ja schon gestern erwischt.

5 Kommentare

  1. Richard
    24. Oktober 2008, 10:07

    Wird jetzt auch derwesten.de um ein Drittel gekürzt?

  2. millo
    24. Oktober 2008, 11:17

    Wenn es sich wenigstens um die Downloadzeit handeln würde, bis die Startseite von westen.de komplett geladen ist, hätte ich nichts dagegen. ;o)

    Was mich interessieren würde, welche Rubriken bzw. Redaktionen von dieser Kürzung betroffen sind. Seit der Einstampfung der Lokalredaktionen im Kreis Recklinghausen bzw. deren Zusammenlegung zu einer Vestredaktion lese ich die WAZ überhaupt nicht mehr. Was aber aufgrund deren Qualität der Lokalberichterstattung (rein subjektiv betrachet) schon vorher eher selten der Fall war.

  3. Pottblog
    24. Oktober 2008, 12:24

    WAZ dementiert Reduzierung des Zeitungsumfang – und so sieht es am Beispiel Bochum aus…

    Im Beitrag Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe werden konkreter erwähnte ich auch kurz, dass der WDR von einer Reduzierung des Zeitungsumfangs berichtete:
    Wie der WDR erfahren hat, werden die Zeitungen der Gruppe in Nordrhein-Westfalen ab Fr…

  4. Kunar
    25. Oktober 2008, 3:18

    Mein Bedauern hält sich in Grenzen. Mag ja sein, dass Demokratie Journalismus braucht. Aber wer will schon eine gedruckte Tageszeitung lesen, wenn die zugehörigen Internetableger nachhaltig überzeugende Werbung dagegen machen? Man fühlt sich doch als intelligenter Mensch beleidigt und als Kunde nicht ernst genommen.

    Gehässige Naturen weisen darauf hin, dass Journalisten selbst jahrelang die ständigen Reformen zulasten von Arbeitnehmern unterstützt hätten und nun nur ihre selbst gepredigte Medizin schmecken würden. Wenn also ein Drittel der Zeitungsmitarbeiter entlassen wird, wen soll das noch kümmern?

    Im Moment ist es nicht sehr populär, in die Kräfte des Marktes zu vertrauen. Der Markt für Tageszeitungen mag ohnehin wenig mit vollständiger Konkurrenz denn mit Oligopolen zu tun haben. Ich habe noch die Illusion, dass dieser ganze Mist hinweggefegt wird und Platz macht für ein Angebot, das seriöse Berichterstattung liefert ( = das, was man als Bürger gerne hätte).

  5. Kunar
    25. Oktober 2008, 3:28

    P.S.: Es gibt noch einen anderen Artikel mit einer Grafik über die Reichweite von Tageszeitungen. Da wird explizit auf die Krise des Journalismus eingegangen.

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