Vergleichsweise originell

Von Lukas Heinser, 16. September 2008 12:35

Der Nazi-Vergleich der Woche kommt von Helmut Schmidt, auch wenn es genau genommen keiner ist.

Der Altkanzler hatte der „Bild am Sonntag“ gesagt:

Aber wir sehen jetzt in Amerika, wie ein junger Mann, Barack Obama, allein mit Charisma zu einer nationalen Figur wird. Dabei darf man nicht vergessen, dass Charisma für sich genommen noch keinen guten Politiker ausmacht. Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.

Zu sagen, dass drei verschiedene charismatische Redner „charismatische Redner“ sind, macht den Absatz nicht zu einem Vergleich. Wenn Schmidt gesagt hätte: „Ich mag meine Frau. Auch Zigaretten mag ich. Die ‚Fünfte‘ von Beethoven auch.“, hätte er ja auch nicht Loki mit einer klassischen Symphonie verglichen.

Allerdings gibt es da natürlich noch einen qualitativen Unterschied zwischen Hitler und Beethovens „Fünfter“ — letztere ist nicht dafür bekannt, die Tötung von Millionen von Menschen geplant und fremde Länder überfallen zu haben. Zigaretten wiederum dürften, was die Opferzahlen angeht, sogar schlimmer als HitlerTM sein.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Hitlervergleiche sind nicht das schlimmste rhetorische Mittel, aber das langweiligste. Man kann alles und jeden mit Hitler vergleichen (schrieb der Mann, dessen Name mit „H“ anfängt und mit „er“ aufhört).

Das Dienstleistungsblog Coffee And TV präsentiert stattdessen eine Liste von Leuten, mit denen Schmidt Lafontaine hätte vergleichen können, wenn er ein bisschen origineller hätte sein wollen:

  • Erich Honecker Ebenfalls Saarländer mit Größenwahn und vorgeblich „sozialistischer“ Partei.
  • Lyndon Larouche Neben dem frankophonen Namen eint die beiden, dass sie erfolglose Kandidaten für ihre jeweiligen Parteien (SPD und US-Demokraten) waren, dann beleidigt von dannen zogen und sich eine auf sie zugeschnittene Organisation mit merkwürdigsten Zielen aufbauten.
  • Kurt Beck Hätte sich auch besser nie in der Bundespolitik versucht.
  • Rudolf Scharping War auch mal Kanzlerkandidat der SPD, bevor er sich bei einem anderen Verein (Bund Deutscher Radfahrer) vollends lächerlich machte.
  • Wolfgang Schäuble Auch ein Berufspoltiker, der Opfer eines Attentates wurde und sich seitdem merkwürdig benimmt.
  • Kurt Georg Kiesinger War auch mal für dreieinhalb Jahre Vorsitzender einer großen Volkspartei.
  • Hiltrud Hensen Hat sich auch mal besser mit Gerhard Schröder verstanden.
  • Marcel Reich-Ranicki Ist auch kein Freund von Günter Grass.
  • Otto Lilienthal Hat die gleichen Initialen und wollte auch immer hoch hinaus.
  • Karl-Heinz Riedle Hat am gleichen Tag (nämlich heute) Geburtstag, nur in einem anderen Jahr. Riedle passt allerdings nicht so ganz, weil der auch Erfolge hatte (Weltmeister 1990).
  • Brunner & Brunner Haben auch einen Namen mit Wasserbezug.

9 Kommentare

  1. Patrick
    16. September 2008, 12:56

    Wenn Riedle nicht passt, dann passt Kiesinger aber streng genommen auch nicht, oder?
    Vielen Dank für einige Schmunzler am frühen Morgen.

  2. Corny
    16. September 2008, 17:57

    sehr schön!

  3. Johannes
    16. September 2008, 21:21

    Kannte von den genannten Leuten bisher nur acht, insofern bildet CoffeeandTV ja zusätzlich zum Unterhaltungsfaktor auch noch. Klasse! :-)

  4. niels
    16. September 2008, 21:45

    Laut Thierse war das nur eine Retourkutsche für einen Nazi-Vergleich Lafontaines in Richtung Schmidt von vor zwanzig Jahren.

    Glaub ich allerdings weniger, der gute Helmut wirkt in den letzten Monaten nicht mehr so wach, dass ich ihm noch zutraue, sich an irgendwelche Lafo-Äußerungen aus den 1980iger Jahren zu erinnern.

  5. meistermochi
    17. September 2008, 19:49

    helmut ist voll da!

    jedenfalls hätte auch ein vergleich mit jules verne charme gehabt.

    die sozialpolitische reise zum mond und so…

  6. Manuel
    17. September 2008, 21:05

    Ey sach ma, Du vergleichst Zigaretten mit Hitler? Boah! ;-)

  7. ilikestretching
    17. September 2008, 21:31

    “HITLER-VERGLEICH”-VERGLEICH…

    adolf war unzufrieden: das geheime doppel-leben als pizzabäcker hatte ihm elvis weggeschnappt.
    für uns hier im alten europa ist es schon lange offensichtlich: die neue welt drüben in amerika kann so ziemlich alles besser was irgendwie toll ist. sie …

  8. Matthias Sch.
    18. September 2008, 20:41

    meinst du wirklich „Adolf Nazi“ oder ist das in freud’scher Vertipper?

  9. Coffee And TV: » Auf jeden Sieger zehn Verlierer
    30. September 2008, 1:30

    […] Andererseits reichen Ronald Pofalla, Guido Westerwelle und Oskar Lafontaine für den Anfang völlig aus. […]