Einloggen, durchlesen, auskotzen

Von Lukas Heinser, 5. März 2012 16:29

„Eines Tages“, die bunte Resterampe für wiederaufbereitete Boulevardgeschichten bei „Spiegel Online“, nimmt den Tod von Schauspieler John Belushi heute vor 30 Jahren zum Anlass, das Thema „Tote Stars im Hotel“ in aller unappetitlicher Tiefe auszuleuchten.

Neben einem dahin geschluderten Artikel zu Belushis Drogenlaufbahn und deren Ende („Der Tod im Hotelzimmer, sonst wahlweise rebellischer Höhepunkt eines exzessiven Lebens oder aber tragischer Schlussakkord eines einsamen Karriere-Endes“) gibt es eine 24-teilige Bildergalerie zu all den berühmten Hoteltoten: Von Janis Joplin und Jimi Hendrix über Gustaf Gründgens und Oscar Wilde bis hin zur gerade erst verstorbenen Whitney Houston (dass Stephen Gately von Boyzone nicht in einem Hotelzimmer, sondern in seinem eigenen Apartment auf Mallorca gestorben ist, soll uns an dieser Stelle nicht weiter stören — das hat es die Klickstrecken-Macher von „Eines Tages“ ja auch nicht).

Das alles ließe sich ja noch gerade eben mit dem, der Popkultur innewohnenden Hang zum Morbiden rechtfertigen. Richtig schlimm wird es erst dort, wo dieser Zynismus auf den für „Spiegel Online“ typischen Hang zum Kalauer trifft:

Tote Stars im Hotel: Einchecken, ausrasten, ableben. Exzesse bis zum Exitus: Als John Belushi vor 30 Jahren im Hotel "Chateau Marmont" starb, war Amerika schockiert. Denn bald kam heraus, dass der Komiker sich selbst nur auf Koks und Heroin lustig fand. einestages über Stars, die in Hotelzimmern starben - und ihre einsamen letzten Nächte.

In der URL des Artikels taucht übrigens auch noch die Formulierung „Kalter Auszug“ auf.

[via Stefan]

6 Kommentare

  1. viewer
    5. März 2012, 17:00

    Und ein Artikel darüber eine Klickstrecke über die brutalsten Fouls. „Hier sind die fiesesten Attacken.“

  2. SvenR
    5. März 2012, 17:17

    Ich verstehe, dass Dich das aufregt. Aber ist denn der Link zu Spiegel Online in Deinem Artikel unbedingt nötig? Ich habe draufgeklickt, den ganzen Scheiß gelesen und rege mich ganz furchtbar darüber auf. Das ist nicht gut für mich.

  3. Sebastian
    5. März 2012, 21:48

    Ich hab’s nicht gelesen, aber ich fühle mich bei dem Titel an den Drogenschlachtruf „Turn on, tune in, drop out“ erinnert, der außerdem der Name des langweiligsten Songs allerallerzeiten ist.

  4. Sebastian
    5. März 2012, 21:50

    Damit meine ich natürlich den Song von Cracker.

  5. franziS
    7. März 2012, 18:18

    morbide wie immer….

    ( in deiner aufregung ist im letzten satz ein s an die stelle des f grutscht wuerd ich meinen)

  6. Lukas Heinser
    7. März 2012, 18:23

    Danke. (Das hatte ich vom „Auszug“ mitgenommen.)