Still wird das Echo sein

Von Lukas Heinser, 9. März 2010 0:38

In meinem direkten Umfeld gibt es einige Menschen, die seit längerem glaubhaft vorgeben, mich zu mögen. Sie haben mich unabhängig voneinander aufgefordert, mit der Lektüre von Texten aus der Sparte „Erotik“ auf Bild.de aufzuhören. Irgendwas werde davon sicher in Mitleidenschaft gezogen: Augen, Hirn, Rückenmark — man kenne das ja.

Andererseits ist es auch immer wieder ein Quell der Freude, sich diese Texte vorzunehmen — und sie sind häufig auf der Startseite verlinkt.

Zum Beispiele dieser hier über „15 seltsame Liebeskrankheiten“. Dass in dem Artikel irgendwelche gänzlich unkomischen Zitate abgefeuert werden, die einen nicht gerade dazu bringen, das Buch zu kaufen, dem sie entstammen, soll uns hier mal nicht interessieren.

Entscheidend ist der Einstieg:

Paare benehmen sich manchmal schon seltsam: Da kontrolliert SIE ihren Partner, ob er die Spülmaschine in ihrem Sinne einräumt. Da wird ER misstrauisch, wenn ihr Orgasmus nicht multipel ist. Manchmal antworten ER und SIE freimütig vor Freunden auf nicht gestellte Fragen zu ihrem Sexleben. Und dann

Ich unterbreche da gerade mal und frage Sie, wie es wohl weitergeht mit jenem Satz, der da mit „Und dann“ durchaus spannungstauglich anmoderiert wird.

Naa, haben Sie eine Idee?

Tadaaa:

Und dann wieder starren beide schweigend in einen kargen Mischwald.

Ich fürchte, ich werde heute die ganze Nacht wach liegen und mich fragen, was das nun wieder soll …

8 Kommentare

  1. a.reader
    9. März 2010, 8:24

    Ein Satz für jede Gelegenheit. So schön plastisch, bedeutungsschwanger, interpretierbar. Ein Kunstwerk. Ich hab keine Ahnung, was uns der Autor damit sagen will…

    (Erster.)

  2. Benjamin
    9. März 2010, 8:57

    Es sollte der zweite Satz nicht vernachlässigt werden. ER wird misstrauisch, wenn ihr Orgasmus nicht multipel ist? Misstrauisch?

  3. Axel
    9. März 2010, 11:54

    Ist wahrscheinlich eine cineastische Ehrbezeugung:

    Männer Menschen, die auf Ziegen in Mischwälder starren.

  4. Dr. Borstel
    10. März 2010, 14:13

    Ich bin mir fast sicher, dass der karge Mischwald eine Metapher für irgendeine Art von Körperbehaarung ist …

  5. Thor
    10. März 2010, 14:52

    Wer sich der Klickstrecke verweigert wird zwar nicht unwissend sterben, aber immerhin nachts wach liegen.

    Seite 27 von 29 Seiten mit „Liebeskrankheiten“:

    Totenstille (lat.: Das Schweigen der Lämmer)

    Beschreibung: Mann und Frau haben sich nichts mehr zu sagen.
    Symptome:
    • Das eisige Schweigen im Restaurant wird nur durch ein genuscheltes „Gibst du mal das Brot?“ gebrochen.
    • Die zehnstündige Autobahnfahrt durch die verschneite Landschaft wird nur durch ein „Kannst du mal bei dir wischen?“ gestört.
    • Der Schweigemarsch durch den Mischwald wird nach drei Stunden durch ein „Ein Sperber!“ gestoppt.
    Sprechstunde: Nur nach Vereinbarung

  6. almi
    10. März 2010, 20:20

    ich dachte nicht, dass mich die bild nochmal überraschen wird können. aber es ist tatsächlich passiert. sagenhaft.

  7. Fremdgelesen I « Schneeweisschen 2.0
    11. März 2010, 12:23

    […] Ich lese fürchterlich gern andere Blogs. Da stolpert man dann über Beiträge wie diesen hier und hat etwas worüber man den Rest des Tages grübeln […]

  8. Alberto Green
    11. März 2010, 14:16

    Mir fällt gerade ein: Was zum Henker ist ein „karger“ Mischwald. Im Gegensatz zu Fichtenmonokultur steht doch gerade der Mischwald für ein halbwegs intaktes Ökosystem. Oder ist mein Erdkunde/Biologie-Unterricht zu lange her?