Von der Außenwelt abgeschnitten

Von Lukas Heinser, 24. Februar 2011 20:14

Zugegeben: In der Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums möchte man dieser Tage auch nicht arbeiten.

Heute stand der Start der Bundeswehrreform auf dem Programm, in den letzten Tagen gab es die eine oder andere unschöne Meldung über die wissenschaftliche Reputation des Ministers und dann berichtete die „Financial Times Deutschland“ auch noch, dass die Bundeswehr eine „große Werbekampagne“ bei „Bild“, „Bild am Sonntag“ und Bild.de schalten wolle.

Wegen dieser „FTD“-Meldung hatte ich einige BILDblog-Fragen an das Ministerium. Aus der Erfahrung weiß ich, dass ich bei Versuchen, den richtigen Ansprechpartner zu treffen, immer zunächst den falschen anrufe und es auch nie möglich ist, mich zu verbinden.

Doch so weit kam ich heute nicht. Als ich die Liste der Pressesprecher durchklickte, bot sich mir folgendes Bild:

Weil ich gerne den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe, fragte ich Freunde und Kollegen, ob sie die Kontaktdaten der Sprecher irgendwo sähen. Nein, taten sie nicht.

Die Seiten mit den Ansprechpartnern sind alle auf dem Stand vom heutigen 24. Februar 2011. Im Google-Cache finden sich noch die Versionen von letzter Woche und die sahen beispielsweise so aus:

Die Übersichtsseite, auf der sonst immer die „Zentrale Servicenummer für Presseanfragen und Medienvertreter nach Dienst und am Wochenende“ angegeben war, wurde offenbar schon am Dienstag überarbeitet.

Alt:

Neu:

Ich habe jetzt mal nicht beim Ministerium nachgefragt, was das zu bedeuten hat.

25 Kommentare

  1. Hannah
    24. Februar 2011, 20:59

    Ganz klar: Die Sparmaßnahmen im Zuge der Bundeswehrreform fangen im eigenen Haus an – mit der Abschaffung der Telefonanlage.

  2. Intermezzo (232) « Blue Archive
    24. Februar 2011, 21:07

    […] Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums […]

  3. schokopirat
    24. Februar 2011, 23:19

    Auch sehr witzig die Aussage auf der Unterseite „Presse“: „Außerdem bekommen Sie alle Kontaktdaten zu den Pressesprechern des Verteidigungsministeriums.“

    Wenn man die Kontaktdaten schon schnell und unauffällig entfernen will (oder die Seite „überarbeitet“ oder was auch immer) sollte man doch zumindest die Aussage vorübergehend auch entfernen. Sonst macht man sich ein wenig lächerlich…

  4. Howie Munson
    24. Februar 2011, 23:56

    @schokopirat: ach komm, sei nicht so streng, wenn der temporäre Chef schon vorgefertigte Texte nicht passend umschreiben kann….

    ausserdem hat doch niemand die absicht bewußt zu täuschen, also MUSS der Satz da stehenbleiben. *duck*

  5. Happe
    25. Februar 2011, 0:11

    Die Nummern waren alle ohne Quellenangabe aus dem Telefonbuch plagiiert.

  6. Manfred
    25. Februar 2011, 0:18

    Wahrscheinlich waren die Kontaktdaten einfach aus dem gedruckten Telefonverzeichnis des Verteidigungsministeriums *abgeschrieben* worden und man will jetzt all die Plagiate durch Originalformulierungen ersetzen…

  7. Lukas Heinser
    25. Februar 2011, 0:31

    Ab dem nächsten Plagiats-Witz kostet’s einen Euro!

  8. Heinz Koch
    25. Februar 2011, 1:06

    @Lukas: Schöne Recherche, gut dokumentiert. Danke!

  9. Largos
    25. Februar 2011, 2:54

    Interessante Entdeckung und gut recherchiert.
    Ich muss zugeben, ein wenig bemitleide und verstehe ich die Herren schon.
    Ich will nicht wissen wie viele Anfragen wegen unseres allseits geschätzten Selbstverteidigungsministers bei denen eingegangen sind.
    Die hätten vermutlich so bereits mehr als genug zu tun.

  10. Arno Nüm
    25. Februar 2011, 6:26

    Grundsätzlich sollten auch die eMailadressen im Format vorname.nachname@bmvg.bund.de funktionieren. Auch für andere Behörden, einfach das Kürzel ersetzen…

  11. Tinitus
    25. Februar 2011, 9:32

    Schöner Artikel.

    Wo wir gerade bei Plagiaten sind:

    Weiß Max Goldt von der Verwendung seines „Popkultur – Allein das Wort schon“-Slogans? Nicht dass ich was unterstellen möchte…..

  12. SvenR
    25. Februar 2011, 10:24

    Selbstzensur

    (Ich hab‘ gerade keinen Euro.)

  13. Dr. Name (erforderlich)
    25. Februar 2011, 10:54

    Ab dem nächsten Plagiats-Witz kostet’s einen Euro!

  14. amo
    25. Februar 2011, 11:03

    ich verstehe gar nichts mehr!

    die ministerien sind vom volk für das volk und die haben gefälligst ihre telefonnummern da anzugeben, dass man direkt kontakt aufnehmen kann, ganz gleich was ist!

    und ich akzeptiere das nicht mehr, ich akzeptiere diese selbstgerechten [justiziable Beleidigung entfernt] nicht mehr!

  15. Alberto Green
    25. Februar 2011, 12:37

    Ab dem nächsten „Ab dem nächsten Plagiats-Witz kostet’s einen Euro!“ kostet’s einen Euro!

  16. Don
    25. Februar 2011, 12:46

    Der Mann muss endlich aus dem Amt entfernt werden. Wenn die 300 verzockten Milliarden bei der Bundesbank nicht wären, hätte man ihn längst mit einem Tritt verabschiedet. Deshalb muss er nun sich lächerlich machen.

    Die Leute, die verstehen was hier passiert, sind ausser sich. Warum tut Frau Merkel unserem Staate das an? Wo bleibt da die Verteidigung des Rechts und der Ehre des deutschen Volkes wie man so schön als Soldat zu geloben hat.

    Den Pressesprechern wird nun wohl mehr zu „Hohenlychen oder Lynchen“ zumute sein. Es würde mich nicht wundern, wenn sich da mancher von den Presseleuten im Sanatorium wiederfindet und man gar nicht mehr angerufen werden will. Es wird die ganze Würde dieses Ministeriums unterminiert.

  17. Alex
    25. Februar 2011, 12:47

    Es ließe sich so schön regieren in Deutschland, wenn nicht ständig irgendjemand aus dem dummen Volk dazwischenpfuschen wollen würde. Immer das gleiche. Erst denn Herrn Dr. zu Guttenberg bloßstellen, und jetzt auch noch dem Ministerium peinliche Fragen stellen wollen? Die sind grad mit ganz anderen Dingen beschäftigt…

    Vielleicht gibt es schon nächste Woche viel größere Meldungen, viel größere Nachrichten aus dem Kriegsministerium, mit einer großen Chance für Gutti sich zu rehabilitieren?

  18. Doktorvater
    25. Februar 2011, 15:14

    Und das Beste ist (aber das darf niemand jemals rauskriegen): Auch die Typen auf den Bildern sind nur Fake. Da gibt’s im Verteidigungsministerium einen pfiffigen Programmierer, der den ganzen Tag nur solche Avatare entwirft.

    Deshalb ist ja auch die Diskussion um den Umfang der Bundeswehr Quatsch. 20.000 Soldaten mehr oder weniger – alles ne Frage der Rechenleistung und der Kreativität des Fachreferats „Homunculus“ im Keller des Bendlerblocks.

  19. Lazy Peach
    25. Februar 2011, 15:55

    Zumindest Tautges hat jetzt wieder eine Telefonnummer.

  20. Guttenberg | sixumbrellas
    25. Februar 2011, 16:12

    […] dann die Rolle der Bild. Falls jemand von Euch die Bild liest, klickt Euch bitte mal durch die Links hier durch und […]

  21. Maike
    25. Februar 2011, 22:48

    Die Nummer der Zentrale ist auch wieder da :)
    Jetzt stelle sich doch mal jemand vor, die Presse könnte sich einfach so an einen Pressesprecher wenden… Nachher stellen die noch Fragen!

  22. Too much information » Lesezeichen
    25. Februar 2011, 23:30

    […] Coffee And TV: » Verteidigungsministerium nimmt Kontaktdaten aus dem Netz – […]

  23. Ring frei zur zweiten Runde der Plagiats-Affäre | Erbloggtes
    25. Februar 2011, 23:53

    […] die Pressestelle des Verteidigungsministeriums möchte angsichts einer solchen Vielfalt von Themen nicht mehr mit Journalisten sprechen. Doch das ist noch nicht alles. Das Zustandekommen von Guttenbergs skurrilen Umfragewerten ist ein […]

  24. Stefan W.
    26. Februar 2011, 0:24

    Vorab: Ich stimme den AGB zu Plagiatswitzen ausdrücklich nicht zu.

    So – und jetzt fällt mir keiner ein – vielleicht hat der Ex-Dr. noch einen, den ich abschreiben könnte?

  25. Too much information - Papierkorb - Lesezeichen
    27. Juni 2014, 23:07

    […] Coffee And TV: » Verteidigungsministerium nimmt Kontaktdaten aus dem Netz – […]

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