Von der GEMA entstellt

Von Lukas Heinser, 12. Januar 2011 12:15

Weil wir gerade überlegen, wie wir inhaltlich wieder mehr Musik in dieses Blog kriegen, ohne Monate nach einer Veröffentlichung hilflose Kurzrezensionen in die Tasten zu hauen (bzw. wieder das Wichtigste zu vergessen), habe ich mich mal über die Podcast-Konditionen bei der GEMA informiert.

Die Lizenz sieht unter anderem vor, dass einzelne Episoden des Podcasts nicht länger als 30 Minuten sein dürfen und die Musik pro Podcast nicht mehr als 75% der Gesamtlänge der einzelnen Episode einnehmen darf.

Außerdem gilt:

Als Song wird jedes verwendete Musikwerk gezählt, das weder Intro noch Outro ist. Dabei darf jedes Lied nur zur Hälfte ausgespielt werden, und es muss am Anfang und am Ende in das laufende Lied hineinmoderiert werden (sog. „talk over“).

Das ist lustig, weil die GEMA gleichzeitig auf folgenden Sachverhalt hinweist:

Nicht umfasst ist zudem das Urheberpersönlichkeitsrecht (§ 14 UrhG). Es muss unabhängig von einer Podcasting-Lizenz beachtet werden. Das bedeutet, dass die genutzten Musikwerke ohne gesonderte Einwilligung der Berechtigten nicht bearbeitet bzw. umgestaltet werden dürfen (§ 23 UrhG). Eine Verletzung des Urheberpersönlichkeitsrechtes kann insbesondere vorliegen bei Entstellung eines Musikwerkes, eine unerlaubte Bearbeitung kann vorliegen bei Neutextierung oder sonstigen Veränderung eines Musikwerkes.

Was, bitte, soll ein halber und zugequatschter Song sein, wenn keine „Entstellung“?!

15 Kommentare

  1. Markus
    12. Januar 2011, 13:08

    Ausweg:

    Intro- und Outro- Podcasts.

  2. Alex
    12. Januar 2011, 15:48

    Was ist mit Songs, die „Intro“ heißen? (Gibt’s ja gelegentlich)

  3. Bernhard
    12. Januar 2011, 20:00

    Ja, diesen GEMA-Text kenne ich. Gleich als der herauskam, habe ich ihn mir gegriffen – in der Hoffnung das sie die Lizenzpolitik und die Preispolitik etwas an den Bedarf im Web angepasst haben. Aber kann man vergessen. Das drüber-moderieren lasse ich mir ja noch gefallen, aber den Song nur zur Hälfte spielen? Habe also ein drei Minuten Song, spiele nur 1:30 davon und moderiere davon 10 Sekunden? :(
    — Und was macht man eigentlich bei einem Video-Podcast?

    Mach ein Online-Radio! Da sind die Bedingungen glaube ich besser gewesen.

  4. Ali
    13. Januar 2011, 15:28

    Als Song wird jedes verwendete Musikwerk gezählt, das weder Intro noch Outro ist.

    Wie genau habe ich das denn zu verstehen? Heißt das jetzt, dass ich ein Liedstück nehen und als Intro resp. Outro verwenden darf? Oder ist damit gemeint, dass ich Intro und Outro eines Stückes verwenden darf? Oder ist das ganz was anderes?

    Und ich frage mich sowieso, wozu man den Saftladen Gema braucht, wenn solche elementaren Fragen wie die nach der Erlaubnis zur Bearbeitung des Songs nicht gleich geklärt werden.

  5. Lukas Heinser
    13. Januar 2011, 15:42

    Die GEMA erklärt dazu:

    Ein Musikwerk wird als Intro genutzt, wenn es am Anfang einer Episode gespielt wird und als Einleitung dient. Ein Outro ist ein entsprechender Abspann. Intro und Outro dürfen jeweils nicht länger als 20 Sekunden dauern.

  6. Ali
    13. Januar 2011, 17:26

    IC. Jetzt müssen wir nur noch rausfunden, warum man sich für eine Bearbeitung separat an den Urheber wenden muss. ^^

  7. Lukas Heinser
    13. Januar 2011, 17:37

    Weil wegen Urheberrecht.

  8. Ali
    13. Januar 2011, 17:45

    Ja, schon. Ich frag mich halt nur, warum das alles separat geschehen muss, wenn man die Gema wegen der Lizenzierung eh an der Backe hat.

    Wenn ich das richtig verstehe, dann erwerbe ich mit dem Kauf der Lizenz das Recht, Stücke mit den von dir genannten Einschränkungen (reinplappern, nicht mehr als die Hälfte des Songs) zu verwenden. Wenn ich aber aufgefordert werden, reinzuplappern, um die Bedingung zu erfüllen, dann so meine Auffassung, findet eine Bearbeitung statt. Die geht aber nur, wenn der Urheber zustimmt.

    Hä?

    (Ich lasse mich natürlich gern korrigieren.)

  9. Vorgeschriebene Song-Entstellungen von der GEMA bei Podcasts
    13. Januar 2011, 18:42

    […] Lukas Heinser (u.a. BILDblog) hat sich für Musik in eigenen Podcasts die Podcast-Regeln der GEMA angeschaut und vergleicht zwei Regelungen: […]

  10. Bernhard
    13. Januar 2011, 20:51

    @Ali: Die GEMA verkauft Dir das Recht eine Musik in der Öffentlichkeit wiederzugeben, wenn auch in diesem Fall mit erheblichen Auflagen. Die GEMA kann Dir aber nicht das Recht verkaufen, die Werke zu verändern. Das kann nur der Urheber. Und Urheber können viele Personen sein. Die Band die singt, der Autor (die Autoren) des Song-Textes etc…

  11. Ali
    14. Januar 2011, 14:49

    Finde ich aber trotzdem absurd. Wenn ich aufgefordert werde, den Song derart zu, äh, verstümmeln, dann erwarte ich eigtl., dass die Gema dies mit den Rechteinhabern abgesprochen hat. Daher meine Verwunderung. ^^

  12. Mathias
    15. Januar 2011, 16:20

    Die Lösung heißt Musik unter der Creative Commons Lizenz. Dann kann einem die GEMA egal sein.

  13. Bernhard
    19. Januar 2011, 12:47

    @Ali + @alle: Ich hab mal recherchiert.

    Es gibt tatsächlich einen zentralen Ansprechpartner für die Rechte die Leistungsschutzrechte: GVL – Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (www.gvl.de)

    Insofern der Künstler / das Label durch die GVL vertreten wird, kann man den Webcasting-Tarif (Nummer 15) für diesen Zweck nutzen. Ist aber trotz extra Preisen für den privaten Einsatz alles andere als lohnenswert. Was nicht daran liegt, dass man pro genutzen Song und je Hörer bezahlen muss (0,000333 € je Song und Hörer), sondern viel mehr an den Mindestpreisen. Mindestens 500 € möchte die GVL für einen Webcast. Je mehr Webcasts man anmeldet, desto niedriger der Mindestpreis (mindestens 50€ je Webcast bei 36 Webcasts). Wenn man in einem Webcast weniger als 80% bzw. 60% Musikanteil hat, dann verringert sich der Mindestpreis um 25% bzw. 50%. Pro Jahr müssen aber in jedem Fall 250€ Mindespreis gezahlt werden.

    Hier noch der Link zur Tarif-Seite der GVL (siehe Nummer 15): https://www.gvl.de/gvl-tarife-download.htm

  14. Bernhard
    23. Januar 2011, 0:16

    Was wir hier noch gar nicht zur Sprache kam: Durch das öffentliche bereitstellen von Musik (eingepackt in einem Podcast) erstellt man auch eine Kopie! Es wird auch also auch noch eine Erlaubnis zum Kopieren der Musik benötigt. Das Recht der Privatkopie greift hier ja nicht, weil das ganze im öffentlichen Raum / Internet statt findet. Also muss man noch tiefer in die Taschen greifen.

  15. tom dooley
    30. März 2014, 21:18

    da ihr hier von feinheiten ausgeht bin ich mir schon fast nicht mehr sicher, hier richtig zu sein: wo zum teufel kann man sich mal so richtig gegen die gema auskotzen? ich hab die schnauze von diesem verein gestrichen voll!!!
    ziehe mir videos über schwerste baumaschinen rein, weil ich es beruflich brauche-fazit: von der gema gesperrt weil wegen hintergrundmusik-kann doch wohl langsam nicht mehr wahr sein???

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