… as every year

Von Lukas Heinser, 31. Dezember 2008 13:38

Stellen Sie sich vor, Sie sind Redakteur bei einem Boulevardmagazin, einer Tageszeitung oder einem beliebigen Formatradiosender.

Ja, das ist schon schlimm, aber jetzt kommt’s: Stellen Sie sich bitte weiter vor, Sie haben sich wieder mal zu spät um die Urlaubsplanung gekümmert und wissen jetzt schon, dass Sie im kommenden Jahr „zwischen den Jahren“ arbeiten müssen – also in der extrem langweiligen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, in der außer riesigen Naturkatastrophen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen eigentlich nie was passiert.

Damit Sie das Programm irgendwie gefüllt kriegen, gibt Ihnen das Dienstleistungsblog Coffee And TV schon jetzt eine kleine Liste mit Themen an die Hand, die Sie während der nächsten 361 Tage abarbeiten können:

  • Geschenke umtauschen: Schicken Sie einen Reporter in ein beliebiges Kaufhaus und lassen Sie ihn von Gutscheinen und Umtauschaktionen faseln. Wichtig: Klischeegemäß Socken, Krawatten, o.ä. erwähnen!
  • Abnehmen: Alle Menschen werden über Weihnachten dick. Warum weiß kein Mensch. Glauben einem aber eh alle unbesehen. Experten (Arzt, Ernährungswissenschaftlerin, Harry Wijnford) vor die Kamera zerren. Evtl. während einer der diversen Preisverleihungen schon mal Prominente nach Abspecktipps fragen (dabei dringend auf mögliche Schleichwerbung achten!!!!1).
  • Feuerwerk: Ist urst gefährlich. Schaufensterpuppen in die Luft sprengen, Feuerwehr oder Pyrotechniker interviewen. Wichtig: Vor osteuropäischen Produkten warnen (haben kein Prüfzeichen).
  • Vorsätze fürs neue Jahr: Prominente (Preisverleihung, s.o.) oder Straßenumfrage. Obskure Statistiken einbringen. Experte: Schwierig. Vielleicht Pete Doherty o.ä.
  • Das wird anders: Neue Münzen, Steuersätze, Gesetze, Verordnungen. Kann man einen Tag von leben. Straßenumfragen bei benachteiligten Minderheiten (Steuerzahler, Raucher, etc.) nicht vergessen!
  • Silvesterfeier: So feiert Promi XY oder Ihre Nachbarin. Zwecks Abwechslung auch an Exoten denken (s. Blanco, Roberto; Cordalis, Costa; Farrag, Nadja Abd El; Baffoe, Liz). Gut kombinierbar mit:
  • Rezepte: Kochen geht immer, besonders zu Silvester. Opener: Schnittbilder von Raclette, Fondue, Karpfen blau (s. Archiv).
  • Hausmittel gegen Kater: Prominente (s.o.), Straßenumfrage, Arzt, Apothekerin, etc. Wichtig: In der Anmoderation den Moderator von „meiner Oma“ erzählen lassen.
  • Dinner For One: Läuft zum xy. Mal. Prominente erzählen oder nachspielen lassen, gut mit Quiz (Sitzordnung!!!1) kombinierbar. Auf alle Fälle darauf hinweisen, dass der Sketch in England „völlig unbekannt“ ist (geht auch als Aufhänger, dann GB-Korrespondenten frühzeitig um eine alberne Straßenumfrage bitten).

Alternativ könnten Sie natürlich auch den Krempel von diesem Jahr wiederholen. Oder den vom letzten Jahr. Oder vom vorletzten …

6 Kommentare

  1. Henry
    31. Dezember 2008, 18:38

    Es wird einfach nicht langweilig.

  2. Dja Ngo
    24. Dezember 2009, 9:39

    Oh – that’s so very nice.

    (vor allem der abschließende Link ;-) )

  3. Viele Spektren einer Zeitschleife « NobodyGamesAShit
    24. Dezember 2009, 12:28

    […] Wie traurig ist es doch zu sehen, dass sich einige Dinge nie ändern. Das hat Lukas bisher auch jedes Jahr sehr gut […]

  4. Beobachter
    24. Dezember 2009, 19:16

    Jaaa, meine Rede seit Jahren.
    Gern auch einen Beitrag über Silvester-Rituale wie Bleigießen und anschließender pchylogischer Betrachtung der dabei entstandenen Gebilde.

    Mir gehen diese Beiträge so auf die Nerven.

  5. i live in my own little world, but it’s ok… they know me here» Blog Archive » links 20091225
    25. Dezember 2009, 23:00

    […] medien: die vorhersage, was in den naechsten tagen im fernsehen zu sehen ist. […]

  6. paul
    28. Dezember 2009, 1:52

    Mein Favorit war zwischen den Feiertagen vor einigen Jahren der Text in einer Bremer Tageszeitung, in der ein Mittelmaß-Redakteur der Frage nachging, wofür das Kürzel „TCM“ auf seinen Tchibo-Unterhosen stehen könnte. (Leider kein Witz.) Er benannte pflichtbewusst „Traditionelle chinesische Medizin“ und anderes – ob „Texas Chainsaw Massacre“ auch dabei war, erinnere ich nicht mehr. Die Worte „Tchibo Certified Merchandise“ standen allerdings nicht in dem Zweispalter.

Diesen Beitrag kommentieren: