Nischenkultur

Von Annika Krüger, 14. Juli 2008 19:00

Nischen. Klingen so nach Ecksitzbank im Reihenhaus, oder?

In Nischen finden sich jedoch allerhand Sachen wieder, vergessene Cent Stücke, wichtige Zettel auf denen noch wichtigere Dinge notiert sind, Keks-Krümel oder die letzten Panini-einklebe-Bilder der WM. Doch Nischen können auch wahre Fundgruben sein.

Nun, genau für diese Fundgruben wurde ich gefragt, zu schreiben. Ich soll was über Kunst, Kultur und Literatur schreiben, die man so im Netz oder auf der Strasse oder beim stöbern im Regal findet.

Also sowas wie ein Fundgrubenspürhund oder so?

Nun, mit der Kunst und der Kultur ist das ja so eine Sache. Was der eine mag, findet der andere daneben, und umgekehrt. In der Kunst ist das meiste nämlich alles Interpretationssache.

Well, um es dem Leser und auch mir ein wenig einfacher zu machen, fangen wir einfach am Anfang an – und am Anfang der Kunst war der Gedanke – die Inspiration. Das ist sozusagen das wichtigste für kreative Prozesse im Allgemeinen und das entstehen von Kunst überhaupt!

Inspiration lässt sich „Künstler-sei-Dank“ in vielen Bereichen finden, eigentlich unter jedem Stein wenn man so will. Sei es das Graffiti an der Hauswand gegenüber, alte Kindheitshelden oder eben doch Künstler über die man irgendwo gestolpert ist.

Eine Künstlerin über die ich dieses Jahr gestolpert bin, hat ihre ganze eigene Art Inspiration zu wecken. In mehreren, wirklich bezaubernden Bücher, auf ihrere Website oder auch dem Bildportal Flickr hält sie ihre Kunst fest. Sie heißt – Keri Smith.

Die kanadische Künstlerin hat ihre Anfänge als Illustratorin gesammelt und arbeitet heute für viele renommierte Verlage und Agenturen. Vor allem aber arbeitet Sie als aktive Künstlerin. Sie selbst, bezeichnet sich als Guerilla Artist.

Was Keri Smith so besonders macht, ist ihr Verständnis von Kunst und die Art und Weise mit der sie nicht nur ihre Kunstwerke herstellt, sondern auch Kunst zugänglich für andere macht und anregt selbst kreativ zu sein! Do Art!

Deshalb ist ihr Buch/Journal „Wreck This Journal“ ein kleines Geschenk an jeden, der mit Büchern alles das anstellen möchte, was es möglichst kreativ kaputt macht. Es ist gar nicht so einfach die Aufgaben zu erfüllen, weil das Buch fast zu schade ist um es zu zerstören – aber genau das ist der Punkt!

So schön wie jetzt sieht es bald nicht mehr aus. Nach dem man Löcher durch die Seiten gebohrt hat, eine Seite beerdigt, die Sticker von Früchten darin gesammelt, mit Essensresten drin rumgesaut und mit dem Buch geduscht hat – wird es wohl doppelt so groß sein und nicht mehr so schön im Regal aussehen.

Ist nicht schlimm, ist ja alles für die Kunst und für die Inspiration selber noch mehr solche Sachen zu erfinden.

Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger) Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger)

Soviel zur ersten erkundeten Nische. Auf Wiederlesen, Ihr Fundgrubenspürhund!!!

Keri Smith – Wreck This Journal
Penguin Books
12,95 $ (ca. 7 €)

www.wreckthisjournal.com

7 Kommentare

  1. Johanna
    14. Juli 2008, 19:40

    Ich weiß nicht genau wieso, aber das will ich haben! Vielleicht liegts daran, dass mutwillige Zerstörung immer Spass macht.

  2. Annika
    14. Juli 2008, 19:46

    Ich habs bei Amazon für 4 € gekriegt ;)
    Und ich kann sagen es macht jede Menge Spaß !!!

  3. Matze
    14. Juli 2008, 19:47

    ahhhhhh, DANKE! wollte das buch aus new york mitbringen für ’ne freundin, kam aber nicht mehr zum kauf und dann wollte mir dummerweise der – eigentlich doch recht prägnante – titel nicht mehr einfallen. direkt bestellen :)

  4. bastian
    14. Juli 2008, 19:55

    Was für ein wundervoller Tipp! Danke.

  5. emblog
    14. Juli 2008, 20:06

    ihr wollt…

    … mal bücher kaputt machen statt zu lesen? und das möglichst kreativ?
    dann schaut mal bei coffee and tv vorbei, da wird was chices vorgestellt.

    bildquelle: screenshot von “coffee and tv”
    ……

  6. Daniel
    18. Juli 2008, 11:30

    Tausend Dank für den Tipp! So ein wunderbares Buch.

  7. Coffee And TV: » Literaturtipps zum Welttag des Buches
    23. April 2009, 14:30

    […] sind hier ja eher die Sache von Annika, aber ich dachte mir, zum Welttag des Buches kann ich auch mal ein bisschen was über Literatur […]