Lukas und die Lokomotivführer: Liveblog

Von Lukas Heinser am Freitag, 12. Oktober 2007 16:16
Kategorie: Auf Achse

Extreme Situationen erfordern extreme Mittel: Ich muss heute Abend in Dinslaken auf einer Hochzeit tanzen sein. Im Moment bin ich aber noch in Bochum. Zwischen mir und meinem Ziel steht also der Lokführerstreik der Gewerkschaft von dem Mann mit der Bata-Illic-Maske.

Und weil ich nun mal Bahnfahren muss, dachte ich mir, ich mache mir den Spaß und blogge drüber – live und … äh: live halt. Da ich kein blogfähiges Mobiltelefon habe, wird meine reizende Assistentin Kathrin meine (vermutlich irgendwann verzweifelten) Anrufe, SMSen und Rauchzeichen hier für mich niederschreiben.

Und jetzt geht’s los …

16:29: Bochum Hauptbahnhof: Es ist nicht sonderlich voll und die Anzeigentafel sieht auch normal aus. Die werden doch nicht etwa ohne mich streiken?

16:35: Sitze im fahrenden Regionalexpress nach Düsseldorf. Entweder kam der zu früh oder 59 Minuten zu spät.

16:46: Stehen seit einigen Minuten in Wattenscheid, weil uns “schon wieder” ein ICE überholt. Auf dem Gegengleis: Der Regionalexpress nach Minden. Entweder pünktlich oder eine volle Stunde zu spät.

16:55: Essen Hauptbahnhof: So sieht kein Freitagnachmittag-Feierabendverkehr aus, es sind kaum Leute unterwegs. Und wir fahren weiter.

17:11: Duisburg Hauptbahnhof: Hier fällt mehr aus, die wenigen Reisenden wirken lethargisch. Mein Regionalexpress nach Dinslaken ist mit 5 Minuten Verspätung angeschlagen. Seit wann gibts hier eigentlich Starbucks?

17:25: Mein neuer Freund bei Starbucks meinte eben, heute morgen sei der Laden voll mit Gestrandeten gewesen. Hoffentlich haben die da nicht auch schon ihren neuen Kollegen eingearbeitet… Mein Regionalexpress ist da und und auch nur 5 Minuten zu spät.

17:40: Schon in Oberhausen-Holten. Letzte Chance, mich aufzuhalten, liebe GDL!

17:46: Dinslaken Bahnhof. Da brauch ich ja länger für den Fußweg zu meinen Eltern als von Bochum hierhin. Was für eine Liveblog-Blamage!

18:16: Honey, I’m home! Ich, der ich bei jeder zweiten Bahnfahrt einen cholerischen Anfall kriege, dessen Züge grundsätzlich Verspätung haben, bin selten ruhiger und entspannter Zug gefahren. Wenn ein Streik der Lokführer so aussieht, können die meinetwegen jetzt jeden Tag streiken …

4 Kommentare

  1. 1

    Livebloggen, vielleicht der Weg zu einem erfüllten Leben? Denk mal über einen Stand bei den Esoteriktagen nach!

  2. 2

    Apropro “Die Schönheit des Scheiterns”. :-)

  3. 3

    Könnte bitte jemand die GDL-Leute, die herumjammern, 1500 EUR netto wären ein “Hungerlohn” und daher ihr Streikgrund, einen Realitycheck verpassen und dann mit der Peitsche in die Lok treiben?

  4. 4

    Es geht aber auch anders (rekonstruiert):

    11:56 Uhr – Ins Taxi steigen und hoffen, dass der um 12:02 Uhr in Heide (Holstein) abfahrende NOB nach Hamburg-Altona über Elmshorn Verspätung hat.

    12:05 Uhr – In den NOB hechten.

    12:49 Uhr – Kurz vor Elmshorn angesagt bekommen, dass der RE zum Hamburger Hauptbahnhof ausfällt und entscheiden, dass man bis Altona weiter im NOB mitfährt.

    13:31 Uhr – Ankunft in Altona.

    13:49 Uhr – Mit einem ICE mit Endstation in München von Altona über Dammtor zum Hauptbahnhof fahren.

    14:08 Uhr – Ankunft am Hauptbahnhof

    14:15 Uhr – Mit der Metronom nach Bremen (Hbf)

    15:29 Uhr – Ankunft in Bremen (Hbf)

    15:55 Uhr – Warten am Bremer Hauptbahnhof. Der Anschlusszug nach Oldenburg hat 10 Minuten Verspätung.

    16:05 Uhr – Abfahrt Richtung Oldenburg.

    16:12 Uhr – Man solle sich keine Sorgen machen, dass der RE Richtung Emden über Leer nicht erreicht werde. Die Verbindung falle aus.

    16:39 Uhr – Ankunft in Oldenburg. Der nächste RE Richtung Leer trifft in 50 Minuten ein. Warten.

    17:21 Uhr – Der RE Richtung Norddeich über Leer und Emden fällt aus.

    17:27 Uhr – Man werde versuchen einen Schienenersatzverkehr zu organisieren.

    17:31 Uhr – Die Busse (Schienenersatzverkehr) sollen um 17:50 Uhr eintreffen.

    17:55 Uhr – Der erste Bus trifft ein, fährt aber ohne Halt direkt nach Emden.

    18:02 Uhr – Der Bus nach Leer über Bad Zwischenahn, Westerstede und Augustfehn trifft ein und ist bei der Abfahrt bis auf den letzten Platz besetzt.

    19:33 Uhr – Ankunft in Leer. Der eigene Pkw steht unbeschädigt im Parkhaus.

    20:04 Uhr – Mit nur 200 Minuten Verspätung am Ziel.

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