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Der Vulkan in meinem Pappbecher

Als das Konzept des coffee to go in Deutschland ganz neu war, mag der eine oder andere tatsächlich davon ausgegangen sein, dass das beworbene Produkt “Coffee Togo” hieße. Wer heute vorsätzlich vom “Coffee Togo” spricht, muss sich vorwerfen lassen, über den gleichen Humor zu verfügen, wie Menschen, die “zum Bleistift” sagen. Der Kaffee für zum Gehen ist mittlerweile bekannt und gesellschaftlich voll akzeptiert.

Sie sind aber auch zu praktisch, diese Heißgetränke zum Mitnehmen. Gestern ging ich zum Beispiel zu dem hippen Café im Eingangsbereich der Bochumer Uni-Bibliothek und bestellte mir eine hot chocolate. Dort verwendet man nämlich Kakao von Ghirardelli, den ich im vergangenen Jahr nach langwieriger Recherche zum weltbesten Kakao ernannt habe. Ob ich noch Sahne drauf wollte, fragte die Bedienung. Hell yeah, ich wollte. Und stellte erst nach Empfang des Pappbechers fest, dass der Berg Sahne auf meinem Becher die Montage des Schnabeltassenplastikdeckels unmöglich machen würde.

Da musste ich jetzt durch, also versuchte ich, einen ersten Schluck zu nehmen, während ich Richtung Institutsgebäude ging. Ich nahm einen Mund voll Sahne, tunkte meine Nasenspitze in Schokoladensirup1 und hatte den Becher schließlich so weit geneigt, dass mir einige Schlücke kochenden Stahls Kakao in den Mund schossen. Zunge und Gaumen waren sofort taub und fühlen sich seitdem an, als würde man einen vollgeaschten Teppichboden ablecken.2 Diese ersten Schlücke hatten nun eine Schneise in den bisher undurchdringlichen Sahneberg geschlagen und der Kapillareffekt ermöglichte es meiner glühend heißen Schokolade nun, wie Lava nach oben zu brodeln. Mit diesem Vulkan in meinem Pappbecher ging ich in den Hörsaal.

Dort stand ich vor dem nächsten Problem: Auf den leicht geneigten Schreibflächen war an ein Abstellen des immer noch beinahe randvollen Bechers nicht zu denken. Also hielt ich das Gefäß, um das ich klugerweise noch eine Hitzeschild-Banderole gezogen hatte, mit der einen Hand fest, während ich versuchte, mich mit der anderen Hand aus meiner Jacke zu schälen, ohne dabei den laufenden MP3-Player (Rihanna) fallen zu lassen. Schließlich schaffte ich es auch noch, mich irgendwie auf den Klappsitz zu setzen und der Vorlesung über die Literatur und Politik von 1965 bis 1975 zu folgen.

1 Ein Umstand, den ich natürlich erst Stunden später vor dem heimischen Spiegel bemerkte.
2 Sprachliches Bild, kein Erfahrungswert.