My name is Adam, I’m your biggest fan

Von Lukas Heinser, 31. August 2010 17:56

Man kennt das ja aus den einschlägigen Büchern und den Schilderungen von Vätern, Onkels oder anderen alten Leuten: Wie die Menschen früher vor dem elterlichen Radio gesessen haben, das Mikrofon des Kassettenrekorders vor den Boxen und dann hoffen, dass einer dieser damals vermutlich „hip“ oder „fetzig“ genannten Songs läuft. Schnell auf „Aufnehmen“ drücken und dann beten, dass der Moderator seine verdammte Klappe hält. Ach, ich hab es doch selbst noch so gemacht!

Später kam dann das Musikfernsehen und man konnte den ganzen Quatsch mit Videorecordern wiederholen, die natürlich immer dann von Aufnahmebereitschaft auf Stop wechselten, wenn der erhoffte Clip endlich kam. Ob man sich das Band mit den gesammelten Videos jemals ansehen würde, war zweitrangig.

Und dann: Das Internet. Mit dem Aufkommen von Tauschbörsen waren obskure B-Seiten und Liveversionen der Lieblingsbands plötzlich in Reichweite. Zwar tropften sie anfangs nur in Modem-Geschwindigkeit durch die Leitung, aber hinterher hatte man (wenn die Leitung nicht unterbrochen wurde) einen Song, den man rauf und runter hören konnte. Manche stellte eine Band oder ein Künstler einen neuen Song in schlechter Audioqualität im sogenannten Realplayer ins Internet und man konnte die Wiedergabe an der Soundkarte mitschneiden — vorausgesetzt, die Bandbreite reichte für eine ruckelfreie Wiedergabe.

Damals habe ich auch noch physische Singles gekauft: Zehn, elf D-Mark (später sechs, sieben Euro) für drei, vier Songs. Aber man hatte den ersten Track des neuen Travis-, Coldplay- oder Oasis-Albums, bevor das endlich auf den Markt kam, und man hatte B-Seiten. Manche B-Seiten aus dieser Zeit habe ich öfter gehört als manche Albumtracks aus der jüngeren Schaffensphase dieser Bands.

Dann wurde alles anders: Irgendwann gab es kein Musikfernsehen mehr und nach meiner Arbeit beim Campusradio hatte ich auch den Überblick über Singles verloren. Alben erschienen einfach irgendwann und man hatte sie nicht mehr schon seit Wochen (weil: bemustert), sondern bekam davon teilweise gar nichts mehr mit. Die letzten Jahre waren schwach, was meine eigene Hingabe und mein Fandom angeht. Dafür kauft man dann immer öfter die teure Special Edition, deren zweite CD oder DVD dann ungehört und unbesehen im Regal verstaubt, nachdem man das eigentliche Album ein einziges Mal in den Computer geschoben hat, um es zu rippen. Oder es gibt gleich gar keinen physischen Tonträger mehr, sondern nur noch die nackte, digitale Musik.

In der letzten Zeit habe ich nicht viel neue Musik gehört: Seit dem Haldern vor allem abwechselnd The National und Delphic, die das Rennen um das Album des Jahres bisher unter sich ausmachen. Die neue Single von Wir Sind Helden habe ich zum ersten Mal gehört, als ich mir am Freitag das Album gekauft habe — von dem ich dann so enttäuscht war, dass ich ihm bisher noch keine zweite Chance gegeben habe.

Dafür habe ich das Wiedererwachen meines Fandoms beobachten können: Ständig trieb ich mich auf der Website der Manic Street Preachers rum, bis dort endlich das Video zur (ganz okayen) neuen Single veröffentlicht wurde. In der Zwischenzeit war ich dort aber immerhin über die Originaldemo von „The Girl From Tiger Bay“ gestolpert, das die Band für Shirley Basseys letztes Album geschrieben hatte.

Und auch die Vorboten des gemeinsamen Albums von Ben Folds und Nick Hornby habe ich genau im Auge und verspüre dank des Trailers sogar echte Vorfreude:

Mit den … äh: Aktionskünstlern Pomplamoose haben Folds und Hornby noch einen weiteren Song aufgenommen (in dem Hornby sogar selbst zu hören ist), dessen Geschichte Ben Folds sehr schön auf seiner Website erklärt:

Das klingt alles toll. Nach dem letztlich dann doch eher mittelguten „Way To Normal“ freue ich mich tatsächlich auf das neue Album. Die Deluxe-Edition ist jedenfalls bestellt.

Die erste Hörprobe vom neuen Jimmy-Eat-World-Album klingt übrigens ganz schrecklich.

10 Kommentare

  1. roman
    31. August 2010, 18:37

    der tag ist dann wohl gelaufen. hatte eigentlich noch dinge vor, aber bis ich alle musik und links durch bin…
    das hornby/folds-projekt klingt ganz hervorragend.

  2. SvenR
    31. August 2010, 20:38

    Ich finde das neue Helden-Album sensationell gut. »Alles« habe ich vor gefühlt Monaten das erste Mal bei Facebook (kennste?) gehört. In der Zwischenzeit ein paar mal im Formatradio und im Internet. Am Freitag habe ich in der NDR-Talkshow erst den (wirklich) schlauen Sätzen von Judith Holofernes gelauscht und dann mich andächtig an dem Liveauftritt erfreut. Als ich dann kurz vor zwölf das Album schnell runterladen wollte habe ich noch schnell mein iTunes kaputtgemacht und dann zwei Stunden an wiederhergestellten XML-Dateien herumrepariert. Als iTunes wieder ging habe ich den Download gestartet und bin ins Bett gegangen. Am Samstag Morgen habe ich es dann das erste Mal komplett durchgehört. Zwischenzeitlich habe ich mich auch an Lied #2 gewöhnt und es 6 mal gehört.

    Ich bin ja aber auch so eine Art Spezialist, was Fanboytum angeht…

  3. alb
    1. September 2010, 13:15

    Mhm, Pomplamoose – die haben mir mit jedem neuen Youtubevideo wieder ein Grinsen beschert.

  4. Malte
    1. September 2010, 15:52

    Das neue Arcade Fire-Album ist so großartig, dem solltest du definitiv auch eine Chance geben :)

  5. curt
    1. September 2010, 20:35

    Bessere Hörprobe vom neuen JEW-Album:
    http://www.youtube.com/watch?v=NtQk_BtJFBU

  6. curt
    1. September 2010, 20:36

    Oh, man sollte nicht ohne Ton Links posten. Das ist der Richtige: http://www.youtube.com/watch?v=efuYrDzPTqg
    (vorherigen Post bitte entfernen…)

  7. Bernhard
    1. September 2010, 23:00

    Mit Nick Hornby und Ben Folds hat sich wirklich eine erstaunlich reizvolle Kombination ergeben. Ich warte gespannt und bin Dank der Preview-Videos ganz positiv draufvorbereitet.

  8. Markus Uhl
    2. September 2010, 11:54

    Ich hab das Gefühl, dass man das neue Helden-Album besser versteht oder annehmen kann wenn das eigene Leben sich in einer ähnlichen Phase befindet wie bei Judith, Pola und den anderen. Also mit Familie, Kind(ern) usw. Mir gehts zumindest so. ‚Bring mich nach Hause‘ und ‚Die Ballade von Wolfgang und Brigitte‘ haben mich auf Anhieb berührt. Vor ein paar Jahren noch hätte ich wahrscheinlich nicht viel damit anfangen können.

  9. SvenR
    2. September 2010, 14:13

    @Markus Uhl: Wahrscheinlich hast Du recht.

  10. Coffee And TV: » Gesammelte Platten August/September 2010
    16. Oktober 2010, 17:51

    […] Da ist es also endlich, das Album, auf dem Ben Folds Texte von Nick Hornby vertont hat. […]