Eine Liebe zur Musik, eine Liebe zu den Tönen

Von Lukas Heinser, 3. Februar 2016 14:10

Ich hab’s verpasst: Am Sonntag jährte sich zum zehnten Mal das Tomte-Konzert im Düsseldorfer Zakk, wenige Tage vor Veröffentlichung der „Buchstaben über der Stadt“. Ich war zum Interview mit Thees Uhlmann verabredet und entsprechend früh da, war aber trotzdem etwas erstaunt, als mich der Künstler dann höchstselbst auf dem Handy anrief und zum Gespräch bat.

Als er die Tür zum Backstageraum öffnete, trug er einen Blink-182-Kapuzenpullover, hatte ein Rotweinglas in der Hand und grinste mich an. Es war unser zweites Interview, wovon er aber vermutlich nichts wusste. Ich hatte das Album schon seit Anfang des Jahres und war schwer begeistert, musste aber erst noch was anderes loswerden:
„Hi, ist Simon nicht da? Ich hätte hier ein Demo für ihn. Sind Bekannte von mir, die machen so Strokes-mäßigen Indierock.“

Und Thees sagte so was wie: „Zeig mal hier“, guckte auf die Tracklist und sagte triumphierend: „Gott sei Dank, sie singen Englisch!“ Dann legte er die CD in seinen Laptop und drückte auf Play. Zu den ersten Takten von „At All“ sang er „Ein Volk steht wieder auf …“, weil der Beat was von kettcars „Deiche“ hat. Er skippte sich durch die sechs Songs und sagte die goldenen Worte: „Wenn ich die morgen noch geil finde, wenn ich wieder nüchtern bin, dann sign ich die!“ Dann erst konnte ich mein Interview beginnen.

Als Gerne Poets, der Manager, während des Interviews kurz vorbeischaute, erklärte ihm Thees im Überschwung, er habe gerade ein Demo gehört und werde eine neue Band beim Grand Hotel van Cleef unter Vertrag nehmen. Gerne dachte vermutlich das gleiche wie ich: „Ja, klar. Laberlaber!“ Acht Wochen später stand ich im E-Werk in Erlangen und sah die Kilians im Vorprogramm von Tomte spielen.

Seitdem ist viel passiert: Die Bands gibt es nicht mehr, einige von uns sind Väter geworden, die meisten Leute habe ich seit Jahren nicht gesehen. Aber diese vier Tage, die ich mit Tomte und den Kilians auf Tour war, als wir in Stuttgart im Copy Shop hunderte von CD-Booklets nachdrucken lassen mussten und auf allen verfügbaren Laptops diese EP gebrannt haben (teilweise am Merchstand: „Hi, ich hätte gerne die CD von der Vorgruppe!“ — „Ja, kleinen Moment, gleich ist wieder eine fertig!“), als ich die Songs von Tomte Abend für Abend gehört habe, als sich mein Leben wie „Almost Famous“ anfühlte und wir für eine kurze Zeit überzeugt davon waren, dass es im Leben nichts wichtigeres, bedeutsameres und größeres geben könne als Rockmusik, das alles wird für immer bleiben. Auf einem Platz in meinem Herz steht Dein Name an der Wand und ich will, dass Du es erfährst.

2 Kommentare

  1. sven
    9. Februar 2016, 14:12

    Sozusagen die Gegenperspektive gab es vor kurzem in einem Thees-Interview:
    „Das waren immer lustige Zufälle. Ich hab auch noch keine Band aufgrund eines Demos gesignt. Die Kilians hat mir damals der Journalist Lukas Heinser beim Interview vorgespielt. Ich dachte, wenn der eine Idee hat, dann könnte das was sein. Und das war es dann auch.“
    http://www.laut.de/Thees-Uhlma.....-2016-1314

  2. loosy
    9. Februar 2016, 15:39

    Hach. Dieses Lied. Diese Zeit. Danke!