Taking Oslo back
Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 27. Juli 2011 20:47
Als ich am Freitag Nachmittag die ersten Bilder aus Oslo sah, fühlte ich mich auch persönlich betroffen. Immerhin war zum ersten Mal eine Bombe in einer Stadt explodiert, in der ich vorher schon mal gewesen war. Es ist eine merkwürdige Formulierung, weil es natürlich kein Volk dieser Erde verdient hätte, aber die friedlichen, liebenswürdigen Norweger hatten es irgendwie ganz besonders wenig verdient.
Die Norweger reagieren jetzt mit dem Aufruf zur Versöhnung, zum Frieden und zur Liebe, was mir einerseits gleich noch mal das Herz bricht, dieses aber andererseits auch wärmt. Stimmen wie die der instinkt- und würdelosen CSU-Falken, die härtere Sicherheitsgesetze forderten, noch ehe die Leichen kalt waren, habe ich aus Norwegen keine vernommen.
In zwei Wochen findet in Oslo das Øya-Festival statt, das Menschen, die schon mal dort waren, als eines der schönsten Festivals überhaupt bezeichnen. Die Organisatoren haben mit sich gerungen, ob sie es absagen sollten — und sich dann dagegen entschieden.
Stattdessen schreiben sie:
The last few days have been heavy and unreal. Our thoughts go out to everyone who has lost someone or in some other way has been affected by the tragedy in the centre of Oslo and at Utøya. We send our condolences and compassion to the people who are struggling right now. These are times for mourning and reflection, and we know that many will now have to use all their time and energy on working through what has happened. In the midst of all this, we find it important that our city and its citizens shall not be broken by what happened this weekend. Organisers of concerts and events in Oslo have jointly agreed that this shall not stop us. The Police, the Government and the general audience have expressed a strong wish that Oslo resumes some kind of normality as soon as possible. Together with the population of Oslo and visitors from abroad we wish to take our city back. Festivals, concerts and other cultural or sports events are meant to be arenas for common experiences, unity and positive impressions during hard times. We hope that our events can help ease the sadness and also be good meeting places in the days and weeks to come. We wish to take Oslo back by once again filling it with the great variety of cultural activities this city is known for and also by spreading a clear message that our population wants to take care of each other.
Ich möchte gleich ein ganzes Land in den Arm nehmen.

27. Juli 2011, 21:11
Könnte man dem norwegischen Volk nicht einfach den Friedensnobelpreis verleihen?
27. Juli 2011, 21:27
“Ich möchte gleich ein ganzes Land in den Arm nehmen.”
So ähnlich gehts mir auch.
27. Juli 2011, 21:32
najaa… ein bisschen sehr pathetisch formuliert… immerhin hat nicht das ganze land entschieden, dass das festival weiterhin stattfinden wird…
27. Juli 2011, 21:59
[...] Heinser von Coffee and tv schreibt dazu in einem Artikel: Ich möchte gleich ein ganzes Land in den Arm [...]
27. Juli 2011, 22:02
Ein wunderschöner Abschlusssatz, den ich gleich in meinem Artikel zitiert habe. Ich hab mich allerdings mehr auf die Trauerrede Stoltenbergs bezogen, in der er “mehr Demokratie” ankündigt: “Warum wir uns vor den Norwegern verneigen sollten” – http://www.achtungmeinung.de/?p=834
27. Juli 2011, 22:57
Die Norweger zeigen uns gerade den Unterschied zwischen gelebter Demokratie und das was bei uns mittlerweile als Wertevorstellung etabliert worden zu sein scheint …
Danke für den Beitrag!
Und Danke für den letzten Satz!
28. Juli 2011, 0:30
Die deutsche Reaktion begrenzt sich nicht nur auf CSU-Falken, sondern auch Frau Roth meldet sich zu Wort, die gleich die Rechtsradikalen-Keule schwingt.
Die Reaktion der meisten Medien und sämtlicher (!) politischer Richtungen geht gleich in die Betrachtung, was die Vorfälle in Norwegen für Deutschland bedeuten. Sarrazin wird dem Attentäter gleichgesetzt, jede mehr oder weniger rechtspopulitische (wer immer auch festlegt, wann eine Partei diesem Kriterium entspricht) Partei in Europa wird genauso als Attentäter- (oder gleich als Terroristen-) Schmiede angesehen wie vorher entsprechend vermutete afghanische Ausbildungslager.
In der Tat sollte sich Deutschland, wie übrigens auch in der Betrachtung des Japanischen Tsunamies, einfach mal die Zeit nehmen, den Betroffenen zur Seite zu stehen.
Jedem Menschen, der Briefe, Artikel oder Blogs in Wut schreibt, wird angeraten, dass er erst einmal eine Nacht darüber schläft. Vielleicht sollte man diesem Land verordnen, dass es zumindest in der Öffentlichkeit erst einmal einen Monat inne hält, bis es innenpolitische Reaktionen auf solche aussenpolitische Katastrophen bekannt gibt.
Im Übrigen ist Norwegen mit Deutschland in vielerlei Hinsicht nicht zu vergleichen. Es bleibt abzuwarten, ob und inwiefern Norwegen durch die Ereignisse seine Unschuld verliert.
28. Juli 2011, 7:38
[...] er nicht nur im eigenen Land großen Respekt und Dankbarkeit erfährt. (boston.com/bigpicture + coffeandtv.de + faz.net + taz.de + [...]
28. Juli 2011, 11:15
Ich war auch schon mal in Norwegen. Die Menschen dort fand ich unsympathisch. Das mag mein ganz eigener Eindruck sein, aber er was sehr stark.
Vielleicht bin ich auch deshalb nicht gewillt, irgendetwas besonders Liebenswertes darin zu entdecken, wenn ein Konzertveranstalter ein Konzert durchführt und diese Entscheidungen mit etwas Pathos untermauert.
28. Juli 2011, 22:04
[...] Publiziert am 28. Juli 2011 von axel taking oslo back… [...]
29. Juli 2011, 16:32
[...] Taking Oslo back (27. Juli 2011, Coffee And TV): Ein weiteres Beispiel dafür, dass uns die Norweger in einigen Dingen weit voraus ist… [...]