Hinter all diesen Türen

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 11. März 2010 19:43

Bei Recherchen stößt man manchmal auf Dinge, die nichts mit dem aktuellen Thema zu tun haben, aber so außergewöhnlich, kurios oder toll sind, dass man sie trotzdem gern mit der Welt teilen möchte.

So wie diese Pressemitteilung der Bremer Polizei:

Unglaublich aber wahr

(9. März 2010) Die Geschichte fing damit an, dass gestern Mittag eine ältere Dame im Buntentorsteinweg ihren Abfall aus dem Haus bringen wollte. Nach Erledigung musste sie aber feststellen, dass ihre Haustür zugefallen und sie keinen Haustürschlüssel mitgenommen hatte. Die Frau wandte sich daraufhin hilfesuchend an ihren Nachbarn, der seine Schutzmannskollegen informierte. Die sehr aufgeregte 88 Jahre alte Frau konnte den uniformierten Helfern lediglich mitteilen, dass ihre Tochter im Besitz eines Ersatzschlüssels sei. Deren Adresse und Telefonnummer fielen ihr in der Aufregung nicht mehr ein. Nachdem diese Lücke schnell durch die Polizeibeamten geschlossen werden konnte, wurde ein Einsatzfahrzeug zur Adresse der Tochter entsandt. Die 55-Jährige wurde auch angetroffen und um Hilfe gebeten. Nach einigen Minuten mussten die Beamten allerdings über Funk ihren Kollegen bei der Mutter mitteilen, dass es mit der Hilfe noch dauern wird, weil der Tochter bei dem Gespräch mit ihnen die Haustür zugefallen sei. Einen Ersatzschlüssel hätte nur die Mutter! Daraufhin orderten die Beamten einen Schlüsseldienst zum Buntentorsteinweg. Als die Tochter sich jetzt auf den Weg machen wollte, um ihren Ersatzschlüssel bei der Mutter abzuholen, fiel ihr siedendheiß ein, dass sie das Mittagessen auf dem Herd hatte. Logische Konsequenz – ihre Haustür wurde jetzt von der eilig informierten Feuerwehr geöffnet. Außer einem leichten Brandgeruch wurden keine weiteren Schäden festgestellt. Nachdem der Schlüsseldienst die Haustür der Mutter geöffnet hatte, wurde auch hier leichter Brandgeruch wahrgenommen. Auch die Mutter hatte ihr Essen auf dem Herd gehabt. Die Mittagessen bei Mutter und Tochter waren nach Angaben der Einsatzkräfte gut durchgekocht.

Eine Verfilmung mit Inge Meysel in der Hauptrolle ist angeblich bereits in Planung.

28 Kommentare

  1. Sebastian
    11. März 2010, 20:30

    Lachen im Hintergrund

  2. Blavont
    11. März 2010, 20:35

    Inge Meysel geht ja nicht, vielleicht Mutter Beimer und Veronica Verres als verlorengegangener Schlüssel

  3. danny
    11. März 2010, 20:51

    ich mag das beinahe-tomte-zitat in der überschrift ;-)

  4. Seb
    11. März 2010, 21:42

    grandios. Passt zu der Meldung von vor ein paar Tagen, nach der eine Frau in Bochum die Polizei gerufen hatte, weil sie laute Klopfgeräusche in ihrer Wohnung vernahm. Die Polizisten durchsuchten dann die Wohnung mit “angemessenem Selbstschutz” und fanden schließlich in einer Schublade im Schlafzimmer ein “Spielzeug für die Dame”, dass sich selbstständig eingeschaltet hatte…

  5. malefue
    11. März 2010, 21:43

    sehr hübsch, wie diese geschichte neulich bei udo vetter.

    btw, schutzmannskollegen? nostalgie zwecks anekdotenhaftigkeit?

  6. OttoKrüja
    11. März 2010, 21:50

    Ha, zur Zeit scheint die Polizeiarbeit wirklich sehr amüsant zu sein.

  7. SvenR
    11. März 2010, 22:30

    Ich konnte mir auch echt nicht vorstellen, dass Du keine Hunde magst.

  8. Und sonst? – 11.03.1010 | krueps.de
    11. März 2010, 22:52

    […] Hinter all diesen Türen – Coffee & TV […]

  9. Fritz Goergen
    12. März 2010, 7:07

    Gegen das wirkliche Leben ist unsere Phantasie ein Nichts.

  10. Federkissen
    12. März 2010, 7:07

    Eine Episode aus: Wie das Leben so spielt ;)

  11. Link des Tages – Fabian zurück in Gießen
    12. März 2010, 9:17

    […] einen Polizeibericht, heute ein Polizeibericht… Diese Geschichte ist aber einfach nur super: Hinter all diesen Türen (www.coffeeandtv.de) related […]

  12. Ein Schlüsselerlebnis « Schreibzeug
    12. März 2010, 11:05

    […] Diese Geschichte stammt nicht von mir. Ich habe sie von Lukas Heinser geklaut, der in Deutschland den Blog coffeeandtv.de betreibt. Sie ist viel zu schön und herzig und kurzweilig und überhaupt bemerkenswert, um nicht sofort weitererzählt zu werden. […]

  13. Lorenz Meyer
    12. März 2010, 11:37

    @ Lukas: Danke, dass Du dieses herrliche Fundstück über unsere Helden des Alltags so generös mit der Internet-Gemeinde teilst!

  14. Hofnarr.Florian
    12. März 2010, 12:44

    Für die Rolle der Tochter in der Verfilmung würde ich Veronika Ferres vorschlagen. Dann könnte man das ganze als Zweiteiler in Sat1 bringen.

  15. Thomweb
    12. März 2010, 13:09

    Mahlzeit zusammen,
    Eine Steigerung hätte es jetzt noch gegeben: Wenn sich die Besatzung des Streifenwagens auch noch aus dem Wagen ausgeschlossen hätte. Dann wäre es die perfekte Meldung.

  16. Retho
    12. März 2010, 15:05

    “Die Geschichte von zwei Frauen, die sich im Kampf mit den Tücken des Lebens bewähren müssen – und letztlich sich selbst finden…

    Corinna Harfouch und Veronika Ferres in
    DIE ZWEI SCHLÜSSEL

    Sonntag und Montag in SAT 1″

    …’tschuldigung, ich konnte nicht anders. Schöne Geschichte.

  17. Lachen im Hintergrund » 24 – Zwanzigundvier
    12. März 2010, 15:16

    […] man ich haben köstlich gelacht, erst las ich die Geschichte mit den Türen hier und dann über den Dachhund […]

  18. Linkwurst #09 | mortek.de
    12. März 2010, 16:42

    […] der Woche: diese unterhaltsam geschriebene Pressemitteilung der Polizei Bremen und dieses meisterhaft abgefahrene […]

  19. jensen
    12. März 2010, 17:24

    Die Bremer Polizei haut öfter mal witzige Mitteilungen raus. Mit Freundin arbeitet in einer Redaktion in Bremen und bekommt die meisten dieser Werke zu Gesicht. Bei meinVZ gibt’s glaube ich sogar ne Gruppe, in der die besten Texte gesammelt werden. Namen kenne ich aber grad nicht, da selbst kein Nutzer.

  20. Große, weite Welt vom 12. März 2010 | heunihome - the long road
    12. März 2010, 18:24

    […] Geschichte aus dem Leben bei Lukas […]

  21. Thomas L
    12. März 2010, 19:37

    ..mit Jopi Heesters als hilfsbereiter Nachbar

  22. Max
    13. März 2010, 15:52

    @jensen: Die hier zum Beispiel

  23. die ist auch spannend
    14. März 2010, 16:44

    von der selben seite:

    Gefahrguttransporter Weiterfahrt untersagt

    (9. März 2010) Nachdem Beamte der Gefahrgutüberwachung gestern Vormittag einen deutschen Sattelzug auf der A1 in Fahrtrichtung Osnabrück angehalten und kontrolliert hatten, untersagten die Spezialisten dem 58 Jahre alten Fahrer des mit radioaktiven Stoffen beladenen Transporters wegen gravierender Mängel die Weiterfahrt. Der Gefahrguttransport wurde aus dem Verkehr gezogen und muss vorerst in Bremen verbleiben.

    Am Einsatzort stellten die Gefahrgutüberwacher fest, dass das Gefahrgut unzulässig befördert wurde. Das Behältnis mit dem radioaktiven Stoff Uranhexafluorid, der zur Herstellung von Kernbrennstoff benötigt wird, befand sich auf einem offenen Container (sog. Flat). An diesem Flat wurden extrem starke Durchrostungen an tragenden Bauteilen festgestellt, sodass ein sicherer Transport, der von Hamburg nach Gronau erfolgen sollte, nicht gewährleistet war. Daraufhin untersagten die Polizisten vorerst die Weiterfahrt und begleiteten den Sattelzug mit der 15 Tonnen schweren gefährlichen Ladung bis zum ortsansässigen Firmensitz, um dort eine zulässige Gefahrgutbeförderung zu veranlassen. Das Behältnis mit dem radioaktiven Material muss in einen intakten Container umgeladen werden, ehe die Fahrt fortgesetzt werden darf. Der marode Container war mit dem Schiff aus den USA gekommen und im Hamburger Hafen auf den Sattelzug verladen worden. Die Verantwortlichen erwartet nun eine Ordnungswidrigkeitenanzeige.

  24. Sachen gibt’s… « Publique
    15. März 2010, 11:21

    […] 15, 2010 Das Folgende hat Lukas aus einer Pressemitteilung der Bremer […]

  25. Thomas K
    15. März 2010, 12:22

    und in der hauptrolle: das skelett von inge meysel

  26. Joe
    17. März 2010, 7:32

    der abschlusssatz mit der verfilmung ist n hammer :D
    sehr lustig, daumen hoch

  27. uncooler
    17. März 2010, 12:49

    Merkwürdige Kommentatoren hier, die beständig makabre Tabubrüche mit Humor gleichsetzen.

    Die Schlusspointe hätte auch ein Oliver Pocher nicht dümmer hinbekommen.

  28. The Mocking Bird (1) | The Human Muppet
    6. Juli 2010, 14:17

    […] “Hinter all diesen Türen” […]

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