Der Preis des Internets

Von Lukas Heinser, 13. Mai 2009 16:14

Sie werden es vermutlich noch nicht mitbekommen haben, aber gestern wurden in Düsseldorf die Nominierungen für den Grimme Online Award 2009 bekannt gegeben.

Unter den 24 Nominierten befindet sich – das wird die Kritiker verwirren – kein einziger Vertreter einer wie auch immer gearteten Berliner Blogger-Szene (allerdings wieder jemand mit Wurzeln in Dinslaken, wie mir meine Mutter sogleich telefonisch berichtete), und ob die vier Nominierungen für öffentlich-rechtliche Projekte wirklich noch jemanden aufregen, wird sich auch zeigen.

Bekanntgabe der Nominierten für den Grimme Online Award 2009

Besonders erfreut bin ich über die Nominierung von freitag.de — an dem neuen Portal der Wochenzeitung „Der Freitag“, das die Grenzen zwischen Journalisten und Bloggern aufheben soll, war ich ja anfangs auch als „Netzwerker“ beteiligt. Ich halte die Idee nach wie vor für einzigartig in Deutschland und hoffe, dass die Nominierung (und die anstehenden Wahlen) dem Projekt weiter Auftrieb geben.

Ebenfalls spontan erfreut (ich kannte den Großteil der Nominierten nicht und möchte mich da erst mal einlesen) war ich über die Nominierung des Sportjournalisten Jens Weinreich und des Amateurfußball-Portals Hartplatzhelden. Obwohl beide Angebote sicher schon von ganz alleine die Nominierungen rechtfertigen, kann man ihre Auswahl auch als Signal in Richtung des Deutschen Fußballbunds deuten, mit dessen Vertretern sowohl Weinreich als auch die Hartplatzhelden schon so ihre Probleme hatten bzw. immer noch haben.

Um Machtfragen ging es Uwe Kammann, dem Direktor des Adolf-Grimme-Instituts, dessen kindliche Begeisterung für das Internet mich immer wieder rührt, dann auch in seinem Schlusswort: Das Internet sei ein Medium der Freiheit und der Aufklärung und die alten Machthaber, die meinten, ihre Flaschenhälse weiter bewachen zu können, würden ihre Kontrolle bald abgeben müssen. Übrigens war in diesem Jahr kein Vertreter der Politik zur Bekanntgabe der Nominierten erschienen.

Die Veranstaltung erinnerte wieder ein wenig an die Bilanzpressekonferenz des Sparkassenverbands Westmünsterland, aber der anschließende Versuch des gemütlichen Herumstehens im etwas ungastlichen Flur der Landesanstalt für Medien taugt vermutlich besser als Sinnbild des Internets, als es tausend Szenetreffen könnten: Da standen dann die bloggenden Journalisten, die Vertreter von Seiten wie dbna, einem Magazin für schwule Jugendliche, dem Brettspiele-Report oder dem digitalen Historischen Archiv Köln, aßen Suppe und tauschten sich aus. Sie sie kommen aus völlig unterschiedlichen Bereichen, haben ganz unterschiedliche Motivationen, aber sie eint, dass sie alle etwas im Internet machen. Manchmal hatte man sich auch nichts zu sagen, aber das ist dann eben so — das Internet ist ja nur ein Werkzeug und sagt noch nichts über die sonstige Gesinnung aus.

Uwe Kammann bezeichnete das Web als Erweiterung der Öffentlichkeit, von dem ein große Öffentlichkeit nur noch nichts wisse. Das zu ändern ist eine Aufgabe des Grimme Online Awards, der schon deshalb mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Die acht Preise plus Publikumspreis werden am 24. Juni in den Kölner Vulkanhallen verliehen — die Preisträger entnehmen Sie bitte wie immer kurz vorher dem Internet.

17 Kommentare

  1. jw
    13. Mai 2009, 20:33

    Tach, ich bin neu hier. Ich wollte gern einige Worte mit dem Autor sprechen, vielleicht hätte man sich sogar was zu sagen gehabt, doch außer einem Blick konnte ich leider nichts erhaschen, und dann war der Autor auch schon weg. Schade.

  2. Lukas
    13. Mai 2009, 20:49

    Ach, Mist. Genauso ging’s mir auch (nur, dass Du eher weg warst – glaub ich).

  3. jw
    13. Mai 2009, 20:50

    Nö, erst nach 16 Uhr.

  4. Lukas
    13. Mai 2009, 21:41

    Oh.

  5. Tessa
    13. Mai 2009, 21:55

    Wenn ich richtig hinschaue, sitzt vorne rechts unser Chefredakteur Philip Grassmann. Die Aufregung bei uns in der Redaktion war dann übrigens so groß, dass die CvDs in ihrer Euphorie dachten, der Grimme-Preis sei eine Wahl des „Publikums“ und packten gleich einen Link zur Publikumswahl auf die Seite. Die Leser wähhlen dann aber doch nur den Arcandor-Publikumspreis. Dort sind zudem lediglich die Teilnahmebedingungen, Werbespam von Tomorrowfocus zu akzeptieren. Wenn es weiter nichts ist. Die Beteiligung der Netznutzer dürfte diese Bedingung nicht unwesentich schmälern.
    Da ich sowohl mit dem Freitag als auch der Mädchenmannschaft verbandelt bin, spaltet sich meine Vorfreude auf mein Arbeiter- und mein feministisches Herz. Ich entnehme dann deinem Text, dass ich mich trotz meines roten Schopfes nicht zur „Berliner Blogger-Szene“ zählen darf. Das kränkt mich aber keinesfalls und ich Grüße in meine Heimat NRW ;)
    Unser Wahlkampffeature wird übrigens morgen gelauncht und steht in der Manier der Grimme-Preisträger schon jetzt im Netz: http://www.freitag.de/community/arena

    Beste Grüße,
    Tessa

  6. misscaro
    14. Mai 2009, 10:13

    ich hätte jetzt gerne eine verschwörungstheorie über die ‚dinslaken connection‘. immerhin hat die schon die nominierungskommission unterwandert.

    :)

    ich hätte auch gern mal hallo gesagt, übrigens.

  7. Lukas
    14. Mai 2009, 11:38

    @Tessa: Es spricht doch nichts dagegen, neben einem regulären Preis auch noch den Publikumspreis abzustauben, oder?

    Für eine Zugehörigkeit zur sogenannten Berliner Blogger-Szene bist Du zu jung und hast zu viele X-Chromosomen.

    @misscaro: Nicht Dein Ernst, oder? Auch Dinslaken?!

  8. SvenR
    14. Mai 2009, 12:18

    @ Tessa: Und Du bist bestimmt zu schlank.

    @ Lukas: Dinslaken gibt’s doch gar nicht.

  9. Tessa
    14. Mai 2009, 12:30

    @Lukas Ja, der Publikumspreis ist auch gut. Hier brach nur dezenter Aktionismus aus, und wenn ich nicht richtig gestellt hatte, dass die Redaktion da nicht den richtigen Award wählen kann, hätte hier niemand mehr gearbeitet und nur noch gevotet ;)

    @Lukas & SvenR ach, diese X-Chromosomen. Dabei machen doch eigentlich die fett;) auf die Dauer.
    Ich sehe schon den Focus-Titel in ein paar Monaten vor mir: Macht Bloggen dick? Wir haben die Diättipps der Alpha-Blogger getestet.

    Cheers!

  10. misscaro
    14. Mai 2009, 13:51

    @lukas yup! thg abi ’97. und meine mama hatte eine buchhandlung in der duisburger straße.

  11. misscaro
    14. Mai 2009, 13:52

    und: wer von den nominierten kommt denn aus dinslaken?

  12. L:stoffe « Angelegenheiten
    14. Mai 2009, 14:15

    […] gefällt diese äußerst einseitige Liste auch nicht, aber man muß sich eben vor Augen halten, wie coffeeandtv.de/ richtig bemerkt, daß der Preis nicht dazu da ist, damit das Netz eine von unzähligen weiteren […]

  13. Lukas
    14. Mai 2009, 15:10

    THG auch noch!

    Lars Schafft von krimi-couch.de.

  14. misscaro
    14. Mai 2009, 16:17

    auch thg? nee, oder?

  15. Lukas
    14. Mai 2009, 16:29

    THG-Abi 2002.

    (Willkommen im „Du bist Dinslaken“-Chatroom!)

  16. misscaro
    14. Mai 2009, 16:44

    omfg. ich hab diese seite noch NIE angeguckt.crazy.

  17. drikkes » Blog Archive » L:stoffe
    17. Januar 2011, 9:39

    […] gefällt diese äußerst einseitige Liste auch nicht, aber man muß sich eben vor Augen halten, wie coffeeandtv.de/ richtig bemerkt, daß der Preis nicht dazu da ist, damit das Netz eine von unzähligen weiteren […]

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