Besuch an der Ostküste

Von Annika Krüger, 16. März 2009 13:36

„Better late than never“, sagt der Nostalgiker. Oder der Bücherjunkie, der Bücher im Regal stehen hat, von deren Existenz er bis dato gar nicht mehr wusste.

So geschehen bei Ricky Moodys „Garden State“.

Sein Romandebüt, das er Anfang der 90er schrieb, spielt in New Jersey, dem typischen Heile-Welt-Vorortstaat mit all seinen Gärten, den Häusern mit den weißen Zäunen und den brach liegenden Industriegebäuden. Mit alten Lagerhallenruinen und alten Bars, die verraucht und vor allem verbraucht sind. Irgendwie zwischen New Economy und etwas anderem, was einen unterschwellig ein bisschen aufrüttelt, man aber nicht konkret benennen kann.

Es ist kein typisches „Coming of Age“-Romandebüt, die die Läuterung des tragischen Losers zum Held beschreibt. Es ist eine eigenwillige Milieustudie, die das Leben von Mitzwanzigern so erzählt, wie es ist. Alice, Dennis und Lane leben das Vorortleben, sind ständig unzufrieden und träumen davon, eine Band zu haben. Musik als Kontrast zum Leben in einem Vorort, der urbanen Warteschleife.

Der Blick hinter die Fassade von Garden State ist ungemütlich und real beschrieben. Moody beschönigt nichts und gerade deshalb lohnt sich diese kleine Buch so.

Wie lebt man zwischen dem Traum, eine Band zu gründen, und der Realität, sich im Alltag zurechtfinden? Was passiert, wenn Parties nicht so ganz laufen wie sie sollen? Was passiert, wenn keine Perspektive so richtig passt?

Direkt und unverkitscht erschafft Moody Wortlandschaften wie Polaroids, deren ganz Moody-typische Lakonie die Geschichte einer Generation erzählt, die man bisher übersehen hat, denn wer kann sich schon wirklich an die Neunziger erinnern?

Erschienen im Piper Verlag ( € 8.90), bei jedem Bücherdealer erhältlich. Mit dem Film von Zach Braff hat das Buch nur den Titel gemein.

Wenn man dann ein klein wenig aus der Vorstadt draußen ist, landet man unweigerlich auch in New York und damit am nächsten Schauplatz der „Tender Bar“ von J.R. Moehringer.

Es handelt sich hierbei nicht um die Autobiographie von Dallas oder J.R. und wer sein Mörder war (Wer eigentlich?), sondern um eine sehr sphärische, witzigen und schönen Geschichte über das Erwachsenwerden eines Jungen auf Long Island in den 60ern Amerikas.

Was bleibt einem Jungen anders übrig, wenn man eine Mutter hat, die mit Lügen die Moral aufrecht erhält, als sich in einer Bar voller liebenswürdiger Gestalten das Erwachsenwerden beibringen zu lassen?

J.R., der Protagonist, nimmt uns mit zu seinem ersten Baseballspiel, zum Strand mit den Männern aus dem „Dickens“, zeigt uns seinen ersten Job, seinen ersten Kuss und die ersten Träume. Erzählt uns von seinem Vater, der für ihn nur „die Stimme“ aus dem Radio ist.

Man geht mit ihm zum ersten Mal in den Big Apple und erlebt die große Hektik der Stadt und wie es ist, für einen großen Traum alles zu versuchen. Und vor allem, dass Tapferkeit und Träumen doch hilft.

Erschienen im Fischer Verlag (9,95 €)

6 Kommentare

  1. dan
    16. März 2009, 14:25

    Danke. Jetzt weiß ich endlich wofür ich meinen herumliegenden Gutschein von der Buchhandlung einlöse. :)

  2. Annika
    16. März 2009, 21:24

    na dan kann ich nur hoffen, dass du so viel spaß daran hast wie ich ;)

  3. Michael
    18. März 2009, 0:40

    „Mit dem Film von Zach Braff hat das Buch nur den Titel gemein.“

    Naja, den Schauplatz New Jersey schon auch. Und dass das Leben von Mittzwanzigern erzählt wird.

    Das ist eigentlich noch eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass schon der Titel, also die wichtigste Werksbeschreibung, vollständig gleich lautet.

  4. Annika
    18. März 2009, 8:46

    vielleicht wurde Braff auch von Moody inspiriert, denn das Buch war ja vor dem Film da ;)

  5. Coffee And TV: » Literaturtipps zum Welttag des Buches
    23. April 2009, 0:03

    […] sind hier ja eher die Sache von Annika, aber ich dachte mir, zum Welttag des Buches kann ich auch mal ein bisschen was über […]

  6. Thor
    23. April 2009, 12:59

    Danke für den Tender Bar Tipp! Habe das Buch gestern ausgelesen und bin total begeistert. Gut geschrieben, viel Ironie, und da ich fast gleichalt wie JR bin, wunderbare Parallelen. Wenn auch meine Kindheit/Jugend in Nürnberg und nicht New York stattfand und ich daher eher den 1. FC Nürnberg lieben lernte und nicht die NY Mets.
    Einzige Ergänzung daher noch: Das Erwachsenwerden von JR fand eher so in den 80er-Jahren statt. Wenn ich die Daten richtig interpretiere ist JR Mitte der 60er geboren, seine Erzählung setzt in den 70er ein und Studium sowie alkoholhaltige Publicans-Abende waren dann in den 80ern.