Timbalandsmannschaften

Von Lukas Heinser, 26. Mai 2008 1:17

Der Grand Prix ist vorbei und schon wird wieder diskutiert, dass das ja alles wieder eine „Ostblock-Verschwörung“ gewesen sei, denn immerhin hat mit Russland schon das fünfte Land seit dem Jahr 2000 gewonnen, das früher hinter dem „eisernen Vorhang“ lag. Auch bei Stefan geht es in den Kommentaren wieder rund.

Meine Theorie ist ja: Dima Bilan aus Russland hat gewonnen, weil sein „Believe“ von Jim Beanz produziert wurde, einem Mitarbeiter von Timbaland.

Denn so beliebt waren die letzten von Timbaland produzierten Songs in Europa:

Nelly Furtado – Maneater
#1 in Bulgarien, Kroatien, Estland, Ungarn, Israel, Portugal, Polen, UK und der Schweiz
#2 in Dänemark, Lettland und Litauen
#3 in Österreich und Tschechien
#7 in Finnland
#9 in Belgien
#10 in den Niederlanden

Justin Timberlake feat. Timbaland – SexyBack
#1 in Deutschland, Irland, Norwegen und UK
#2 in der Schweiz
#3 in Belgien, Finnland und Italien
#4 in Portugal und Schweden
#5 in Österreich und den Niederlanden
#8 in Frankreich
#12 in Dänemark

Nelly Furtado feat. Timbaland – Promiscuous
#1 in Bulgarien, Kroatien, Estland, Ungarn, Israel, Rumänien und der Türkei
#2 in Dänemark, Litauen, Lettland, Polen und Portugal
#3 in Norwegen und UK
#4 in Finnland
#5 in Irland
#6 in Belgien, Deutschland und der Schweiz
#9 in den Niederlanden
#12 in Österreich

Justin Timberlake feat. T.I. – My Love
#1 in Bulgarien
#2 in Schweden, der Schweiz, UK, Deutschland und Irland
#5 in Finnland und den Niederlanden
#6 in Österreich
#7 in Portugal
#10 in Frankreich
#12 in Italien
#19 in Belgien

Nelly Furtado – Say It Right
#1 in Tschechien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Litauen, Lettland, Israel, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, der Slowakei, der Schweiz und der Türkei
#2 in Österreich und Norwegen
#6 in Russland
#10 in UK
#11 in Schweden
#12 in Irland
#13 in Griechenland

Justin Timberlake – What Goes Around… Comes Around
#2 in Portugal
#3 in Bulgarien und Finnland
#4 in UK
#5 in Österreich, Frankreich, Deutschland, Schweden und der Schweiz
#6 in Irland und den Niederlanden
#7 in Norwegen
#8 in Belgien
#15 in Dänemark
#19 in Italien

Nelly Furtado – All Good Things (Come To An End)
#1 in Österreich, Belgien, Tschechien, Kroatien, Deutschland, Ungarn, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Slowenien, Spanien, der Schweiz
#2 in Estland
#3 in der Türkei
#4 in UK
#5 in Schweden
#6 in Frankreich
#8 in Irland

Timbaland feat. Nelly Furtado and Justin Timberlake – Give It To Me
#1 in Bulgarien, Lettland und UK
#2 in Dänemark, Israel und Irland
#3 in Österreich, Deutschland, Portugal und der Türkei
#4 in Belgien und Norwegen
#5 in Russland
#6 in Tschechien, Finnland und der Schweiz
#7 in Frankreich und den Niederlanden
#8 in Italien
#21 in Schweden

Timbaland feat. Keri Hilson & D.O.E. – The Way I Are
#1 in Bulgarien, Dänemark, Irland, Israel, Norwegen, UK, Polen und der Türkei
#2 in Belgien, Frankreich und Schweden
#3 in den Niederlanden und der Schweiz
#4 in Österreich, Finnland
#5 in Deutschland, Russland

OneRepublic – Apologize
#1 in Österreich, Bulgarien, den Niederlanden, Deutschland, Italien, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz, der Türkei und der Ukraine
#2 in Irland, Israel, Belgien, Tschechien, Dänemark, Rumänien und Russland
#3 in UK
#4 in Finnland
#7 in Frankreich

Madonna feat. Justin Timberlake and Timbaland – 4 Minutes
#1 in Belgien, Bulgarien, Dänemark, den Niederlanden, Finnland, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irland, Israel, Italien, Norwegen, Polen, Spanien, der Schweiz, der Türkei, der Ukraine und UK
#2 in Österreich, Frankreich und Schweden
#3 in Rumänien und der Slowakei

Wer (wie die meisten Zuschauer) 25 Songs erstmalig hört, wird sich vermutlich am ehesten an diejenigen Beiträge erinnern (und für sie abstimmen), die ihm diffus bekannt vorkommen. Dafür spricht auch, dass der griechische Beitrag, dessen Beats ebenfalls nach Timbaland klangen (auch wenn der daran nicht beteiligt war), immerhin Dritter geworden ist.

[Quellen: Wikipedia und αcharts.us]

17 Kommentare

  1. Charon
    26. Mai 2008, 1:34

    Ich würde nicht sagen, dass der griechische Beitrag nach Timbaland klingt. Bin zwar genausowenig vom Fach wie du (schätze ich), aber zwischen Timbaland und dem Dance/Urban Pop der Griechin liegen Welten.

    Die These, dass man am ehesten für den Beitrag abstimmt, an den man sich am ehesten erinnert (wohlgemerkt bei mehreren Wiederholungsläufen parallel zur Abstimmung!) finde ich auch zu gewagt. Nett aber, dass du dir die Mühe gemacht hast.

  2. Thomas
    26. Mai 2008, 8:40

    Zu diesem Thema verweise ich auch auf meinen Kommentar bei SN:

    http://www.stefan-niggemeier.d.....ent-138866

    Keiner der von Dir gelisteten Songs hat etwas mit dem Grand-Prix-Gewinner gemeinsam, was den Sound betrifft. Ich halte das für einen reinen Zufall. Bzw. es steckt eine gewisse Professionalität dahinter hinsichtlich dem was die Ostblockstaaten mgl gerne hören wollen und dies dann auch zu produzieren.

    Die von Dir aufgeführte Liste ist beeindruckend aber eben auch logisch. Wie ich bei SN schrieb, es ist die konsequente Evolution der Popmusik. Und jeder dieser Songs ist wirklich gut.
    Aber Dima Bilan passt gar nicht in dieses Schema irgendwie.

  3. Alberto Green
    26. Mai 2008, 9:39

    Vermutlich liegt es daran, daß ich zu alt für Kram bin. Aber gerade die Timberlandstücke waren die, die ich noch während sie liefen, vergessen hatte…

  4. ckwon
    26. Mai 2008, 10:17

    Ich finde schon, dass „Believe“ gewisse Ähnlichkeiten mit „Apologize“ hat, ohne ihn direkt zu kopieren.

    Ich finde es so oder so viel sinnvoller, den Grund des SIeges von Russland über die Qualität des Beitrages zu führen, als über igrendwelche Verschwörungstheorien.

  5. Lukas
    26. Mai 2008, 12:41

    @Thomas: Bei Stefan fragst Du

    Huhu Lukas, ich weiß nicht was Dein Problem mit Timbaland ist

    Ich habe überhaupt kein Problem mit Timbaland, mal davon ab, dass seine Art, Tracks zu bauen, langsam aber sicher langweilig wird.

    Er ist ein sehr guter Produzent, dessen Aufgabe überwiegend darin besteht, bereits fertigen Songs Beats unterzumischen. OneRepublic, deren „Apologize“ ja schon in einer anderen Version existierte, hätten ohne Timbalands Schützenhilfe vermitlich nie einen solchen Erfolg gehabt (der Erfolg sei ihnen wegen des guten Albums durchaus gegönnt, Timbalands Version von „Apologize“ nervt trotzdem).

    Dima Bilan passt insofern recht gut in das Schema, als auch dort ein Song mit Beats dieser Bauart aufpoliert wurde. Und wie ich schrieb: sowas kennen die Leute, sowas mögen die Leute.

    In meinen Augen ist es auch völlig legitim, mit Schützenhilfe eines Weltproduzenten einen Song zu machen, den die Leute mögen, denn genau darum geht es ja beim Grand Prix. Dima Bilan war bisher nur im „Osten“ ein Star, jetzt kann er es vielleicht in ganz Europa werden (Timbaland selbst hat ja an seinem Album mitgearbeitet).

    Mir ging es nur darum: Was, wenn die Leute „Believe“ gewählt haben, weil er einfach einem momentanen Konsens von Musikgeschmack entspricht – und nicht aus irgendwelchen nachbarschaftlichen oder Migrationsgeschichtlichen Gründen?

  6. Oliver Ding
    26. Mai 2008, 16:41

    @Charon: zwischen Timbaland und dem Dance/Urban Pop der Griechin liegen Welten.

    Wenn man nicht den etwas flauen Refrain, sondern die Beats der Strophe heranzieht, paßt das durchaus. Das orientalisch angehauchte Gezwirbel am Anfang und im „Solo“-Teil war ja sogar deutlich an „What goes around…comes around“ von Justin Timberlake angelehnt. Dürfte hierzulande ein Hit werden, eher jedenfalls als der schlimme Siegertitel.

    @Lukas: Was, wenn die Leute “Believe” gewählt haben, weil er einfach einem momentanen Konsens von Musikgeschmack entspricht – und nicht aus irgendwelchen nachbarschaftlichen oder Migrationsgeschichtlichen Gründen?

    Das war ja das Nervigste an der Veranstaltung: Peter Urban mit seinen Halluzinationen von großen Exilgemeinden in irgendwelchen Ländern, die zufällig gerade mal nicht gemeinsame Grenzen mit den Top Drei der Stimmabgabe hatten. Beim Televoting ist es das Publikum, das abstimmt. Und wenn die Song-Contest-Fans aus Ländern, die im Halbfinale gescheitert sind, Songs aus Armenien, der Ukraine oder Aserbaidschan gut fanden, war das eben so.

  7. vib
    26. Mai 2008, 16:50

    Ich glaube beides ist richtig: Klar werden viele Stimmen aufgrund von Nachbarschaft und nicht wegen einem Song vergeben – ein für mich ziemlich eindeutiges Indiz sind die 12 Punkte für Lucy aus Bulgarien, wobei der deutsche Beitrag wirklich mau und auch noch schlecht vorgetragen war. Auf der anderen Seite würde ein furzender Melkschemel aus Russland oder Serbien auch nix gewinnen. Vielleicht sollten die Organisatoren einfach mal versuchen, die Punktevergabe nach Größe der Länder zu gewichten – wäre mal interessant, was dann bei der ganzen Geschichte rauskommen würde… Letztlich geht es aber ja gar nicht darum WER gewinnt, sondern um die Show an sich.

  8. arahf
    26. Mai 2008, 19:46

    wo ist bitte 50 cent? :p

    ansonsten ist das doch etwas sehr gewagt denn der russische beitrag hörte sich net so dolle nach timbo an.

    Und Apologize ist auch so ein komisches Beispiel…

  9. SvenR
    26. Mai 2008, 19:51

    Mir gefallen von Timberlake Timbaland Timberland die lustigen karrierten Hemden immer noch am Besten.

    SCNR

  10. Lukas
    26. Mai 2008, 20:13

    Und Apologize ist auch so ein komisches Beispiel…

    Ich finde eigentlich, es ist ein tolles Beispiel: wenn ich das richtig verstanden habe, hielt sich die Originalversion im Frühjahr 2007 nämlich gerade zwei Wochen in den Neunziger-Rängen der Billboard Hot 100. Als der Timbaland-Remix rauskam, ging das Lied in allen wichtigen Charts auf der Welt in die Top 10. Das dürfte Timbalands Verdienst gewesen sein, immerhin war der Song auf seinem Album „Shock Value“ enthalten und firmierte unter „Timbaland presents OneRepublic“.

    Oder sollte der Erfolg daran gelegen haben, dass Til Schweiger in der europäischen Version des Videos zu sehen ist?

  11. arahf
    27. Mai 2008, 22:56

    nein gerade da ist der punkt

    das lied klang nicht nach timbaland, es war höchstens sein name der das lied so nach oben geschossen hat, denn sein „remix“ ist mehr als minimalistisch und amateurhaft. Den unterschied zwichen „danach klingen“ und „wegen dem namen“ sollte man da betonen.

    Und ich will endlich 50 Cent in der Liste ;)

    PS: ich will damit NICHT Timbaland unterstützen, er ist absolut ok nur sollte man ihn auch nicht verteufelen ob seiner Mega-Erfolgswelle

  12. Lukas
    28. Mai 2008, 0:47

    WO WIRD DENN HIER TIMBALAND VERTEUFELT??????ß *seufz*

  13. Alberto Green
    28. Mai 2008, 14:14

    Hier: Timbaland ist der Teufel.

  14. arahf
    28. Mai 2008, 18:52

    gut, wenn du verteufeln zu schlimm findest…

    Richtig positiv redest du zumindest nicht über ihn, und du hättest du mal inhaltlich auf meine Argumente eingehen können.

  15. Lukas
    28. Mai 2008, 19:18

    Selbst, wenn „Apologize“ nicht nach Timbaland geklungen haben sollte: der Erfolg kam mit ihm.

    Und was ich schon mehrfach zu erklären versucht habe: Wenn man 25 Songs zum ersten Mal so hintereinander weg hört, gefällt einem vermutlich am ehesten der Song, der gewissen Trends entspricht – einfach, weil er leichter ins Ohr geht.

    Ich betone aber gerne noch mal, dass ich nichts gegen Timbaland habe und z.B. die letzten Alben von Nelly Furtado und Justin Timberlake auch heute noch sehr gerne höre.

  16. arahf
    28. Mai 2008, 22:46

    gut gut gut, wenn man es so einfach betrachtet sicher, dennoch versteh ich nicht wo der russische beitrag nach timbaland klang. Das war ein allerweltspopsong in meinen augen, dann schon eher der griechische beitrag. Ich tippe eher darauf dass die Russen dieses Jahr einfach nur gewinnen konnten, der Typ war einfach zu bekannt in alles Ländern (besonders um Russland herum)

    Nun gut ich will dich nicht weiter mit solch unwichtigem Kram belästigen. Einigen wir uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ;)

  17. Philipp
    2. Juni 2008, 20:57

    Also, hier muss doch einfach mal ein Missverständinis aufgeklärt werden. Der Sieger-Song des diesjährigen ESC stammt nicht aus der Feder von Timbaland. Und wie Ihr in der Autorenliste sicher gelesen habt, taucht sein Name auch nicht auf. Die Komposition ist von Jim Beanz und der Text von Dima Bilan. Jim Beanz ist bekanntlich Co-Produzent bei mehreren Timbaland-Produktionen gewesen.Der Song mit dem Russland nun gewonnen hat, ist nicht eigens für den ESC komponiert worden, sondern in den internationalen Autorenpool geflossen, aus dem sich Dima Bilan bzw. seine Plattenfirma bedient hat. Und dafür ist auch wie in der Branche üblich Urheber-Honorar geflossen. Genauso stammt auch der deutsche Beitrag von den No Angels und ebenfalls der grieschiche Beitrag von Kalomira aus dem Autorenpool! Zweitverwertungen von Outtakes ( nicht verwendete Aufnahmen aus anderen Produktionen), hier durch einstellen in schon erwähnten Autorenpool, ist gängige Praxis in der Musik-Industrie. Kalomira’s „Secret Combination“ hört sich also nicht zufällig nach TIMBALAND’S „Give it 2 Me“ an, das im letzten Jahr duch Nelly Furtado und JT bekannt wurde. Möglicherweise ist es eine nicht bentzte Vorversion des Titel, die in den Autorenpool gegeben wurde und nun mit neuem Text beim ESC für Grieschenland startete. Um die Austauschbarkeit des Texte noch mal zu verdeutlichen: Es gibt eine sehr gute Mash-up Version von „4 Minutes“ mit der Melodie des Glieschland-Beitrags, den Beats von „Give it 2 me“ und dem Refrain von Kalomira. Frappirend ist, dass man an keiner Stelle merkt, das diese Track ein soggenannter „Fusion-Track“ ist.