Dieser Text soll wütend machen

Von Lukas Heinser, 11. August 2014 14:44

Ich habe angefangen, einen Text zu verfassen. Unglaublich, was dann passierte.

Man weiß ja eigentlich, dass eine Sache popkulturell durch ist, wenn die Parodien darauf anfangen, einem massiv auf den Sack zu gehen.1 Die Nummer mit dem „Heftigstyle“ ist also eigentlich durch.

Der „Heftigstyle“ ist benannt nach dem „stilistischen“ Vorbild heftig.co, einer Internetseite, die es sich zum Ziel gesetzt hat, bunte Meldungen von anderen, internationalen Trash-Portalen zusammenzuklauben, diese grob ins Deutsche zu übersetzen und mit plumpen Anreißertexten in Sozialen Netzwerken zu streuen. Ungefähr alles, was man über diese Website wissen muss, die vom guten Anstand über die Prinzipien des Kapitalismus bis hin zum geringsten sprachlichen Empfinden einfach alles beleidigt, hat der Herm schon vor drei Monaten aufgeschrieben. In meinen eigenen Social-Network-Feeds tauchen Meldungen von „Heftig“ auffallend selten auf, was ich sehr gut finde, aber die Seuche greift um sich — immer mehr (meist ebenfalls unseriöse) Internetportale beteasern ihre Artikel in „Heftig“-Manier. Einen groben Überblick über diese Hölle liefert der inzwischen schon wieder etwas verwaist erscheinende tumblr „heftigstyle“.

Formulierungen wie „Dieser Elfmeterschütze möchte besonders angeben. Doch was dann folgt, ist einfach zum Lachen.“ machen mich so unfassbar aggressiv wie sonst nur tropfende Wasserhähne über Edelstahlspülen. Ich brauchte ein paar Wochen mit mir und meinen Gefühlen um zu begreifen, warum das so ist. Dann wurde mir klar: Es ist die völlige Bevormundung des Lesers. Er soll schon vor der Lektüre des ganzen (meist lächerlich kurzen) Artikels wissen, wie er zu reagieren hat — im konkreten Fall Lachen. Mal davon ab, dass die wenigsten als besonders lustig angepriesenen Geschichten die entstandene Erwartungshaltung erfüllen können, ist das für mich auf eine Art ausgeprägte Menschenverachtung. Es ist irgendwie noch schlimmer als Fast-Food-Verpackung, auf die groß „Lecker!“ gedruckt ist, es ist die maximale Unterforderung des Rezipienten.

Das Law-and-Order-Format „Achtung Kontrolle“ auf Kabel Eins arbeitet mit den gleichen rhetorischen Mitteln, wenn die laienschauspielernden Polizisten oder Steuerfahnder ebenso leb- wie lieblos Satzkonstruktionen ablesen, die ungefähr so gehen: „Ich habe den Mann dann noch mal aufgesucht und was ich dann sah, hat mich wirklich überrascht.“ Darauf folgt die nachgestellte Szene, in der der Ordnungshüter den Mann noch einmal aufsucht und dann etwas sieht, was ihn wirklich überrascht. Normal entwickelte Fünfjährige würden diesen Ablauf korrekt verstehen und einordnen, aber für die angeblich erwachsenen Zuschauer, die die Macher dieser Sendung offenbar für lernbehinderte Matschkartoffeln auf dem heimischen Sofa halten, wird das schön erklärt — und nach der Werbepause noch mal vom Off-Sprecher wiederholt.

Klar, wir Akademiker könnten uns jetzt schön zurücklehnen und sagen: „Das ist halt Trash-TV fürs Trash-Volk. Bildungsferne Schichten, Hartz IV, Dosenbier — die sind halt doof.“ Also genau das, was sich die Produzenten solcher TV-Sendungen in all ihrer Überheblichkeit – und der daraus folgenden Menschenverachtung – auch denken. Aber ich weigere mich, das zu glauben. Billy Wilder hat mal gesagt,2 man dürfe den Zuschauer nicht unterschätzen bzw. unterfordern, er sei schlau genug, eins und eins selbständig zusammenzuzählen.

Bei „Tagesschaum“ hatten wir spaßeshalber mal das Mission Statement „Wir wollen den Zuschauer auf mehreren Ebenen überfordern“ formuliert — und dieses Versprechen sicherlich auch oft genug eingelöst.3 Ich habe erst mit der Zeit begriffen, dass es beim Fernsehen wirklich außergewöhnlich ist, gewisse Fakten als bekannt vorauszusetzen und den Zuschauer vor allem mal eigene Schlüsse ziehen zu lassen. Man kann ja heute kaum noch eine Nachrichtensendung schauen, in denen Aufnahmen von hungernden Kindern, vertriebenen Menschen oder den Auswirkungen von Naturkatastrophen nicht als „schlimme Bilder“ anmoderiert werden — ganz so, als wäre das Publikum nicht selbst in der Lage, das Gezeigte als schlimm einzuordnen.

Womöglich bin ich da alleine, aber ich fühle mich von solchen Erklärungen immer bevormundet — genauso übrigens wie von den meisten Auflösungen in Krimis. Da haben die Autoren im ersten und zweiten Akt schön ihre Fährten gelegt und Hinweise gegeben,4 und dann wird im dritten Akt noch mal eine Rückblende abgefeuert, damit auch der größte Depp (aus Sicht der Macher: der Zuschauer an sich) begreift, was ambach ist.

Ich möchte hier noch mal in Betracht ziehen, dass ich der einzige Mensch auf der Welt bin, dem es so geht, aber ich denke bei Filmen oder Romanen lieber „Das habe ich jetzt nicht verstanden, da hätte ich besser aufpassen müssen, mein Fehler!“ als „Ja-haaa! Ich hab’s verstanden!“. Ich weiß noch, wie wütend ich beim Sehen von Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ an einer Stelle wurde: In einer Gaststätte hatte sich ein Brite als Deutscher ausgegeben, tadelloses Deutsch gesprochen und war doch aufgeflogen. Er hatte beim Bestellen von drei Gläsern Scotch den Zeige-, Mittel- und Ringfinger hochgehalten — ein echter Deutscher würde die Zahl Drei aber mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger anzeigen. Man sieht in der Szene, wie August Diehl Michael Fassbenders Finger anstarrt und sein Gehirn rattert. Selbst wenn man nicht mit den kulturellen Unterschieden des finger-countings vertraut ist, gehen an dieser Stelle quasi alle Sirenen an und der Satz „Hier stimmt etwas nicht, Ihr seid aufgeflogen!“ läuft in Laufschrift über Diehls Stirn.5 Und trotzdem hielt Tarantino (womöglich: hielten die Produzenten) es für notwendig, die Sache mit den Fingern später noch einmal im Dialog aufzulösen. Damit auch der Letzte begreift, warum die Tarnung aufgeflogen ist.

Man hört ja immer wieder davon, dass viele Menschen, allen voran natürlich Schulkinder, nicht mehr in der Lage seien, einfache Texte sinnentnehmend zu lesen. Klar: Wenn ich daran gewöhnt bin bzw. werde, dass eine überraschende Wendung als solche gekennzeichnet wird oder dass traurige Musik anschwillt, wenn etwas trauriges passiert, dann wird es schwierig, wenn sich plötzlich der Asphalt vor mir auftut und der Tagebruch nicht „Überraschung!“ schreit und die Musik ausbleibt, wenn der Hamster stirbt. Da bedarf es schon ein bisschen Vorwissen und Transferleistung, um das von selber auf die Kette zu kriegen.

Verschwörungstheoretiker würden jetzt erklären, dass es Wunsch und Auftrag von Regierung und/oder Werbekunden sei, das Volk dumm zu halten, aber ich fürchte, die Erklärung ist wie so oft viel einfacher, also schlimmer: Irgendwelche Controller haben in irgendwelchen Umfragen herausgefunden, wie man mit noch weniger eigenem Aufwand noch mehr Leute erreichen kann, die sich schon so sehr daran gewöhnt haben, für Toastbrot gehalten zu werden, dass es sie gar nicht mehr aufregt.

  1. Das ist in der Regel der Moment, in dem Radiosender anfangen, die betreffende Sache in ihr „Comedy“-Repertoire aufzunehmen. []
  2. Sinngemäß, ich finde das Zitat leider auf die Schnelle nicht mehr wieder, es ist aber irgendwo im Wilder-Buch von Hellmuth Karasek zu finden. []
  3. Und, klar: Unsere Quoten konnten nicht mit denen von „Achtung Kontrolle“ mithalten. []
  4. Inzwischen muss man ja schon froh sein, wenn das noch halbwegs natürlich geschieht und nicht irgendwelche Einblendungen aufpoppen, auf denen „Achtung! Diese Information wird gleich noch wichtig!“ steht. []
  5. Damit wir uns nicht falsch verstehen: August Diehl macht in diesem Film einen phantastischen Job. Ich fand ihn fast noch besser als Christoph Waltz. []

30 Kommentare

  1. herrpunkt
    11. August 2014, 15:24

    Übrigens sind ironisch gemeinte heftig-Style-Überschriften seit 7. Juni von mir offiziell für unlustig erklärt worden.

    https://twitter.com/herrpunkt/status/474532583574093824

  2. Uli
    11. August 2014, 15:55

    Beim Thema Fernsehen kommt für mich noch ganz entscheidend der „Second Screen“ hinzu. Wer neben der Glotze noch in sein Smartphone/Tablet/Laptop kuckt um auf Twitter über den aktuellen „Tatort“ abzulästern, bekommt halt auch nur die Hälfte des laufenden Krimis mit. Also braucht man alberne Rückblenden, damit auch alle mitkommen.

    Ich habe mir das inzwischen abgewöhnt, wenn ich einen Film oder eine Serie kucke, die ich wirklich gut finde, bleibt das Smartphone auf dem Couchtisch.

  3. Eule
    11. August 2014, 17:25

    Bei den Nachrichten wird glaube ich eher aus Selbstschutz vorgewarnt, um sich nicht später mit albernen Beschwerdebriefen befassen zu müssen.

    Die beschriebene Szene aus „Basterds“ kenne ich ganz ähnlich aus einem deutlich älteren Kriegsfilm; meiner Erinnerung nach ist dort der Spion aufgefallen weil er den militärischen Gruß aus Gewohnheit auf die britische Art (Handfläche nach vorne) statt auf die deutsche (Handkante nach vorne) ausführt. Oder umgekehrt. Ist ne Weile her; müßte einer dieser 70er-Jahre-Schinken gewesen sein. Jedenfalls wurde der Fehler auch ausdrücklich erklärt.

  4. pepsodent
    11. August 2014, 17:47

    Geht mir exakt genauso ähnlich! ;)
    Auch bei mehrteiligen Trilogie-Büchern finde ich es immer un-er-träglich, wenn mir immer wieder etwas in vorigen Bänden Passiertes nochmal und nochmal und gerne auch ein viertes Mal hinterhergekaut wird. Ich hab’s gelesen, verdammt. Und wer’s nicht gelesen hat, der soll’s verdammt nochmal lesen.

  5. madcynic
    11. August 2014, 19:25

    Im Prinzip gehe ich mit bei dem beschriebenen Phänomen, aber gerade das Basterds-Beispiel finde ich gerade noch entschuldbar. Mir ging es zwar auch sofort so wie dir, aber Umfragen im Freundeskreis (die, wie wir alle wissen, die einzig wirklich repräsentativen Umfragen sind) haben bei mir halt ergeben, dass das längst nicht allen so klar wurde, wie es mir und dir war. Davon ab soll es da ja noch den amerikanischen Kinozuschauer geben, von dem wir als europäische Kulturchauvinisten natürlich wissen, dass er keine Ahnung hat, wie in Deutschland bis drei gezählt wird… ;)

  6. A. K.
    11. August 2014, 20:03

    Danke, dass du dafür die richtigen Worte gefunden hast. So geht mir das in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wo ich zwangsläufig die Überschriften der Boulevardzeitungen zur Kenntnis nehmen muss. Nach der Lektüre der Überschrift steht praktisch schon fest, welche Meinung man zu dem nachfolgenden Text zu haben hat, und das macht mich aggressiv, weil ich mich da – selbst als zufälliger Leser – verarscht und nicht ernst genommen fühle.

  7. bob-jerome
    12. August 2014, 3:49

    Sehr schön.
    Nur zwei Anmerkungen:
    – Bei Basterds bin ich bei madcynic. Der Film war für ein weltweites Publikum angelegt und die verschiedenen Ausprägungen des finger-counting sind wohl wirklich nicht überall und jedem präsent. Auch die Wikipedia bietet dazu ja nur sieben Sprachen an.
    – Ich hatte beruflich schon mit relativ vielen TV-Sendungsmachern zu tun und bei einigen davon war ich überrascht, wie intellektuell nah die bei ihren vermuteten Zuschauern sind. Ich fürchte fast, die halten redundante Erklärungen auch für sich selbst für ein notwendiges Mittel.

  8. Thomas
    12. August 2014, 8:10

    Danke, ich sehe das genauso. Ich merke immer mehr, dass ich solche Artikel/Sendungen einfach nur noch meide. Dieses „Achtung, das musst du gesehen haben“ geht mir genauso auf den Sack wie die spätere opokulturelle Verballhornung davon.

  9. Christine
    12. August 2014, 8:15

    Mich nervt bei den Teasern von Heftig&Co besonders, dass ein riesengroooßer Luftballon aufgeblasen wird und dann die Luft einfach wieder rausgelassen wird. Da wird ein großer Tornado angekündigt und hinterher ist es doch nur ein Pups. Ich erwarte da gar nichts mehr.

  10. Juliane Hoover
    12. August 2014, 9:50

    Schöner Rant. Ganz kurze Ergänzungen:
    1. Das Schlimme an der klickzahloptimierten Schreibe ist, dass sie funktioniert (langfristig natürlich verheerende Auswirkungen hat).
    2. Sie funktioniert nach meiner Erfahrung nicht, weil sie Leser anlockt bzw. zum Klicken verleitet, die irgendwie zu doof wären, andere Formulierungen zu verstehen, sondern, weil sie gerade praktisch keine Aufmerksamkeit erfordern. Die Second-Screen-Problematik beim Fernsehen wurde bereits angesprochen. Facebook-Timelines etc. werden so nebenher gelesen und ein konventionell geschriebener Teaser (und die sind schon sehr fadenscheinig aufgebaut) geht da unter, weil die Leser alles nur überfliegen. Ich betone das, weil die Debatte an der Stelle immer zum Bashing à la „Unterschichtenfernsehen“ wird und die Gründe für die inhaltliche Verflachung in einer anderen Mediennutzung liegen, als viele Diskutanten sie annehmen.

  11. Carsten
    12. August 2014, 9:53

    In ähnlicher Weise rege ich mich über die ständigen Verweise auf ihre Webpräsenzen auf, die in Tagesschau und Heute offenbar regelmäßig erwähnt werden müssen. Mittlerweile dürfte doch ein Großteil auch der älteren Zuschauer gemerkt haben, dass es jetzt ein Internet gibt (und wer es noch nicht weiß, da kann ja dort auch gar nicht nachsehen). Klar, man kann auch einen Sport daraus machen und Wetten abschließen, nach welchem Nachrichtenbeitrag der unvermeidliche WWW-Hinweis kommt, aber im Grunde fühle ich mich jedes Mal wie in der Internet-Vorschule.

  12. TJ
    12. August 2014, 9:59

    Auch ganz schlimm: Kinotrailer für Komödien: Musik setrzt aus (oft mit scratch-Geräusch) = Hinweis, dass gerade ein richtig toller Witz gemacht wurde und alle schallend lachen sollen. Das Publikum ist dabei schon hochgradig konditioniert, denn verzichtet der Trailer darauf, dann wird auch nicht gelacht.

  13. Juliane Hoover
    12. August 2014, 10:03

    @Christian: In der Tat nervig, aber bei allem – ich meine ALLEM – was die Öffentlich-Rechtlichen machen, schwingt immer der Legitimationszwang für sich selbst mit. Die WWW-Hinweise sind vielleicht nur in zweiter Linie überhaupt für Zuschauer gedacht und in erster Linie für die Politik, um zu demonstrieren: Wir müssen Webangebote betreiben, weil wir nur so unseren „Auftrag“ erfüllen können.

  14. Jan
    12. August 2014, 10:08

    Auf – den – Punkt!!!
    Sehr geil geschrieben, dieses permanente Gefühl der Bevormundung ist es, was auch mich wirklich kirre macht. Allerdings habe ich es bis jetzt nicht geschafft, es so deutlich in Worte zu fassen, weswegen ich dir sehr dankbar bin.

  15. meykosoft
    12. August 2014, 10:58

    Jo. Passt. Danke. Mir reichten schon die ständigen Wiederholungen meines NAVI und ein Kommentar vom Nebensitz…

    http://bit.ly/1rlnQCb

  16. Diderot
    12. August 2014, 11:17

    Moment, du regst dich darüber auf, dass Medien oft bevormunden und dem Konsumenten genau erklären müssen, was gerade passiert ist oder was er/sie zu denken hat. Ich glaube aber, dass die Menschen die heftig-Masche aber sehr wohl verstehen und nicht von dir darüber belehrt werden müssen.

  17. Cornelius
    12. August 2014, 11:25

    Interessant ist doch vor allem, das mal in einen längeren kulturgeschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Schelchte Kunst und schlechte Medien gehören seit jeher ebenso zur kulturellen Evolution wie das Geschimpfe darüber (sagt mein Kopf, während mein Herz dir zufliegt, Lukas). heftig.co steht in einer Linie mit den altrömischen Spectacula, die FAZ meinetwegen mit Seneca.

    Das Phänomen wird seinen Geist bald wieder aushauchen, und das befürchtete Netto-Verderben aller kritisierten Formate, nämlich die schleichende „Volksverdummung“, ist ja in den vergangenen Jahrhunderten auch ausgeblieben, im Gegenteil. Die intellektuelle Landschaft VERÄNDERT sich, aber das Niveau steigt und steigt, und das ist empirisch gesichert. (Siehe zur weiterführenden Lektüre auch die Figur des „re-entry“ einer Beobachtung ins beobachtende System.)

  18. user unknown
    12. August 2014, 12:05

    Die Teaser sagen nicht „zum Lachen“ damit ich weiß, dass ich lachen soll – das interessiert das Medium ja gar nicht.

    Ich soll hoffen, es sei wirklich zum Lachen, und fürchten ich würde was verpassen.

    Aber es ist frustrierend und daher letztlich schlecht gemacht, denn eine gute Überraschung muss letztlich offen lassen, ob es lustig ist, unglaublich, herzergreifend oder was immer. Man fühlt sich ausgerechnet.

    Ich gehe anderen Ködern auf den Leim und bin auch Maschen schon auf den Leim gegangen für lange Zeit – diese Heftigmasche hat mich zum Glück nicht erst groß ergriffen. 2, 3 Teaser, dann war mir klar, dass das nicht in mein Psychoprofil passt. So lustig ist es nicht, so überraschend ist es nicht, die geschürte Angst was zu verpassen ist unbegründet und kommt nicht mehr auf. Spürbar daran, dass ich nie das Bedürfnis hatte einen Link weiterzuposten. „Nie“ bei drei Malen klingt aber auch etwas dick.

  19. Hannes Akiff-Sarragen
    12. August 2014, 12:08

    Weil Lukas in zwei Kulturen bis drei zählen kann, muss es jeder können. Was für eine dumme Arroganz. Das ist heftig.

  20. nik
    12. August 2014, 13:24

    Bis zu dem Basterds Beispiel konnte ich den Standpunkt nachvollziehen, danach fand ich ihn einfach nur übertrieben.
    Ich war mir der lokalen Unterschiede beim Fingerzählen nicht bewusst (da bin ich auch sicher nicht der Einzige) und hätte es eher für arrogant gefunden, wenn der Film das nicht aufgeklärt hätte. Im Großen und Ganzen also wieder nur ein „ich bin schlauer als das gemeine Volk“ – Artikel.

  21. Links vom 12. August 2014 - Florian Heinz
    12. August 2014, 14:03

    […] coffeeandtv.de: Dieser Text soll wütend machen: Nein Lukas Heinser. Nicht nur dir geht es so – eine treffende Analyse zum #heftigstyle. […]

  22. Daniel
    12. August 2014, 16:49

    In diesem Fall, als Antwort auf Cornelius, geht aber was verloren: Qualität. Denn die Überschriften sind ja deswegen so „heftig“, weil nichts dahinter ist. Das ist wie beim „Goldenen Blatt“, wenn es im Hause von Promiberg kein Krebs-Drama gibt, muss auf der Titelseite halt das falsch gelesene Horoskop als Krebs-Drama herhalten. Innen kommt dann die Auflösung („Krebs Drama auf Schloss von Promiberg. Aus versehen las Witwerine (Schütze) das falsche Horoskop“). Das ist an der Grenze von übertrieben zu gelogen und bei den heftigen Überschriften nicht anders. Natürlich *muss* ich nicht lachen, vielleicht kann ich es nicht mal. Aber ich finde es nur raus, wenn ich den Klick mache, mit dem die Contentersteller ihre 0,00525 Cent verdienen.
    Ja, wir als Kultur werden das überleben, das Internet wird deswegen nicht gelöscht und überhaupt geht’s irgendwie weiter. Aber bis dahin bin ich genervt und eine Generation von jungen Journalisten wird drauf getrimmt, dass es nicht auf Information oder Exklusivität ankommt sondern der Wert eines Beitrags sich in CTR messen lässt.

  23. Patrick Völcker
    12. August 2014, 17:45

    Bei „Inglorious Bastards“ würde ich die Szene (https://www.youtube.com/watch?v=d_lq2p7-p2Y) mal insofern in Schutz nehmen, dass Engländer und andere Nationen womöglich nicht wissen, dass wir Deutschen die 3 anders anzeigen. Für uns Deutsche ist die Stellung der Finger ungewöhnlich, deswegen fällt es deutschen Beobachtern bei der Szene womöglich eher auf, andere Kulturen vielleicht weniger. Und ich hasse nichts im Kino so sehr wie wenn ich ein Detail übersehe oder nicht verstehe und dann denke, dass der Film an dieser Stelle einen logischen Bruch hat.

  24. Yannick
    12. August 2014, 20:34

    Alles leider ziemlich richtig – bis auf die Einlassungen zu „Achtung Kontrolle“. Das ist nämlich tatsächlich ’ne harmlose Dokusoap. Was hier eigentlich gemeint ist, ist „Achtung Kontrolle Topstories“. Dass die beiden sich Titel und Sendeplatz teilen, mag perfide sein, das sollte aber bedacht werden, bevor man sie in einen Topf wirft.

  25. Petra
    13. August 2014, 9:15

    Witzigerweise ist dieser Beitrag seit Wochen der erste über „Heftig“. Glücklicherweise haben die meisten Leute erkannt wie billig diese Seite ist.
    Eine 3 mit den mittleren drei Fingern anzuzeigen ist übrigens nicht nur eine Sache des Landes, sondern eine Sache der Feinmotorik…
    Unser Kleiner fand es immer leichter den Daumen mit dem kleinen Finger unten zu halten. Beim Zeigen von Daumen bis Mittelfinger musste er immer Ring- und kleinen Finger mit der anderen Hand festhalten.Irgendwann hat es sich die ganze Familie so angewöhnt.
    Aber gut,dass es noch mal erklärt wurde, man will ja nicht als Spion erschossen werden ;o))

  26. Nerus Troll Mäeutik
    13. August 2014, 10:37

    Warum eigntlich nicht auch suggestiv arbeiten: Meine Kommentare sind so ungeschminkt und ehrlich, Sie werden nach der Lektüre anders denken.

  27. Sebastian
    13. August 2014, 10:54

    Hm, an dem Anreißer mit dem Elfmeterschützen würde mich eher die Häme aggressiv machen. Erinnert mich sehr an diese Sendungen, die Heimvideos von „lustigen“ Missgeschicken zeigen, oder Boulevardsendungen, wo es darum geht, dass eine Prominente ungeschminkt und verkatert gesehen wurde. Moderatoren, die gut damit verdienen, Spott über Leuten auszukübeln, die ihnen nichts getan haben und im Zweifel viel mehr können als sie selbst, und das vor einem anonymen, vor allen Blicken geschützten, passiven Publikum auf den Sofas. Dass dieser Humor und die Grundlage der Häme extrem flach und geistlos sind, trägt natürlich zur Unerträglichkeit bei.

    Hier übrigens ein Text von vor ein paar Jahren mit einer ganz ähnlichen Diagnose:

    http://community.zeit.de/user/.....svermutung

  28. Ali Schwarzer
    18. August 2014, 12:02

    Bei „Inglourious Basterds“ kann ich mich gar nicht mehr erinnern, ob mich das mit der Erklärung gestört hat.

    Aber so ein richtig typisches Beispiel mit den Erklärungen ist die Serie CSI, in der sich Ermittler jedes Mal gegenseitig haargenau Dinge erklären, die sie, wie es in der Serie dargestellt wird, selbst alle kennen. Das regt mich auf.

    Zu dieser Heftig-Scheiße: Mich machen solche Überschriften auch total aggressiv. Aber ich kann nicht genau erklären, warum.

  29. Highlights KW 34 | drikkes
    23. August 2014, 11:47

    […] Lukas Heinser über den Heftigstyle […]

  30. KatrinW
    26. August 2014, 17:56

    Schöner Artikel. Ich hoffe ja immer, dass mein Umfeld diese Heftig-Masche durchschaut und verachtenswert findet, aber leider sehe ich häufiger als mir lieb ist geteilte Heftig-Meldungen in meiner Timeline…

    Ein weiteres Phänomen dieser Liga sind für mich übrigens Bully-Filme und Sketche. Ich finde es unerträglich, wenn jeder doofe Witz nochmal und nochmal wiederholt und erklärt wird! Aber offenbar kommt das an…

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