Klickbefehl (20)

Von Lukas Heinser, 18. Mai 2009 18:05

Anatol Stefanowitsch wollte für seine Töchter Legofiguren kaufen und stellte dabei fest, dass die fast alle Männchen sind. Das stimmt ihn nachdenklich:

Ich bin ein großer Lego-Fan, aber als Vater von zwei Mädchen, die im Leben alles erreichen können sollen, was sie sich vornehmen, hat mich das schockiert. Es hat mich an die unzähligen Kinderbücher erinnert, deren Sexismus ich beim Vorlesen stillschweigend herauseditiert habe: die Geschichte vom mutigen kleinen Fuchsjungen, der interessiert die Welt erkundet, während seine Schwestern lieber bei der Mutter bleiben (er wurde bei mir ein mutiges kleines Fuchsmädchen), die Geschichte von den Kindern aus der Krachmacherstraße, die mit der Bahn in den Urlaub fahren, weil „Mama natürlich nicht autofahren kann“ (sie wurde bei mir zur umweltbewussten BahnCard-Besitzerin), […] .

Der ganze großartige Artikel, nach dessen Lektüre man sich fragt, in was für einem veralteten Weltbild Mädchen eigentlich heutzutage immer noch aufwachsen sollen, steht im Bremer Sprachblog.

25 Kommentare

  1. tux.
    18. Mai 2009, 20:29

    Jedes Männekieken zu einem Mädelkieken ;-) zu machen zeugt aber auch von Sexismus. Nur andersherum.

  2. Blacky
    18. Mai 2009, 20:38

    „die im Leben alles erreichen können sollen“

    Arghhh, tut mir leid, das musste ich jetzt kommentieren. ;-)

  3. Ortwin
    18. Mai 2009, 23:24

    Bei meinen Legofiguren musste ich damals nur die Frisur umstecken, um das Geschlecht zu wechseln, und ich hatte ungefähr gleich viele männliche, weibliche und undefinierbare Frisuren…

  4. Lukas
    18. Mai 2009, 23:26

    @Ortwin: Ich fürchte, heutzutage sind die Figuren sehr viel vorgefertigter als damals. Da reicht Frisuren tauschen nicht mehr aus.

  5. Kunar
    19. Mai 2009, 0:12

    Das hieße dann doch, bezogen auf Lego, dass Mädchen nicht „immer noch“, sondern schon wieder mit einem veralteten Weltbild aufwachsen sollen. Komisch übrigens, ich habe meine Legosteine auch so in Erinnerung, dass ich mühelos das Geschlecht einer Figur tauschen konnte.

  6. henker
    19. Mai 2009, 10:27

    ich hab ihm empfohlen nach Hamburg in den LEGO Store zu fahren, da kannste dir alles selbst zusammenstellen

  7. Legosexismus « medium – wenn schon n3rd, dann richtig!
    19. Mai 2009, 12:03

    […] via Coffee And TV […]

  8. Philip S.
    19. Mai 2009, 13:17

    @Lukas inwiefern sind die Figuren heute vorgefertigter als damals?

    Grade die ganz alten konntest du die Frisuren zum Beispiel nicht austauschen und diese Wesen waren tendenziell eher männlich, wobei ich es schwachsinnig finde kleinen Plastikfigürchen Geschlechter zuordnen zu müssen, beim Lego gehts ja hauptsächlich ums bauen und rumprobieren und mein Ritter Kuhnibert, konnte mit einem Handgriff eine Lady Isolde sein, weil Legofiguren einfach keine Barbiepuppen mit besonders hervortretenden Geschlechtsmerkmalen sind.

  9. tux.
    19. Mai 2009, 13:22

    Warum will der Mensch überhaupt LegoMÄNNCHEN kaufen? Sexist.

  10. Lukas
    19. Mai 2009, 13:38

    @Philip S.: Etwa, weil die Gesichter heutzutage sehr viel detaillierter sind und viel stärker in Richtung Männchen oder Weibchen zeigen als die neutralen :-)-Gesichter von früher. Auch haben viele Figuren jetzt aufgedruckte Kleidung.

    Natürlich hat Lego immer noch sehr viel mehr Spielraum als Playmobil.

    Aber eigentlich ging es mir um die Kinderbücher, gar nicht so sehr um die Lego-Figuren …

  11. Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Legomännchen, Legofräuchen
    19. Mai 2009, 13:39

    […] Lukas verlinkt dies: Ich wollte heute für meine Töchter Legomännchen kaufen, und musste die erschreckende Feststellung machen, dass diese mit überwältigender Mehrheit genau das sind: Männchen. Es gab überhaupt nur drei weibliche Legofiguren: eine junge Dame in einem spießigen geblümten Oberteil, die auf einer Bank sitzt und Musik aus einem Ghettoblaster hört (Erde an Lego: Bitte einmal „iPod“ googeln), eine Tochter aus gutem Hause, die auf einem Pferd neben einem landroverartigen Auto mit Pferdeanhänger sitzt, und eine Milchmagd mit einer Kuh auf einem Bauernhof. Letztere ist im Lego-Universum — oder dem Teil, der gerade beim nächsten Karstadt herumsteht — die einzige Frau, die einer Beschäftigung nachgeht. Alle anderen Berufstätigen sind Männer: von Sachbearbeitern mit Aktenkoffer über Piloten, Ingenieure, Polizisten, Feuerwehrmänner, Bauarbeiter und Müllmänner bis zu Piraten und futuristischen „Power Miners“. […]

  12. prisac
    19. Mai 2009, 15:14

    hallo
    lukas,

    also das mit den männlein,
    das ist schon fast wahr.
    köpfe mit roten mündern
    habe ich weniger als schwarze …,
    dafür kann man beim steinelieferanten
    frauenfrisuren günstiger bestellen,
    als das für den herrn der fall ist,
    also genau anders rum wie im leben…
    und kinder sind eine absolute seltenheit,
    jedenfalls kinderbeine.

    es gibt aber auch beim steinelieferanten
    eine produktpalette speziell für die jüngeren damen …
    das hat man wohl nicht tief genug
    im spielzeugregal geschaut.

    fahrräder stellt der steinelieferant
    im übrigen wesentlich weniger her,
    autos sind wohl wesentlich gefragter,
    kein wunder das nachher im leben
    alle nur ein auto brauchen,
    man lernt das ja schon im kinderzimmer.

    so und nun werbung:
    in bälde gibts die http://www.steinerei.de
    das lohnt sich,
    auch wenn ich leider nicht da bin.

    fun and sun

    pri and sac

  13. OliverDing
    19. Mai 2009, 20:35

    Bei Playmobil gab’s IIRC entsprechend gewölbte Körper für die Damen, die ein Kleid bzw. mind. einen Rock andeuteten. In heutigen Gender-Zeiten wäre dies natürlich kein eindeutiges Zeichen mehr für die Weiblichkeit einer Person.

  14. OliverDing
    19. Mai 2009, 20:55

    Ach ja: http://lasnark.com/wp-content/.....-dress.jpg

  15. SvenR
    19. Mai 2009, 23:04

    Wobei noch keiner die wirklich wesentliche Frage gestellt hat: Lego oder Lego Duplo?

  16. Nils B.
    20. Mai 2009, 15:36

    Ich lese das Sprachblog sehr gerne aber den zweiten Teil des Postings finde ich sehr befremdlich. Oder bin ich der Einzige, der niemals auf die Idee kommen würde, Kinderbücher für seine Kinder politisch korrekt anzupassen? Das kann man doch bei Gelegenheit mit den Kindern bereden, davon abgesehen sollten aufgeklärt erzogene Kinder wohl auch mit ein paar dicken Negerlippen umgehen können. Kinder sind doch nicht doof.

  17. Julia
    21. Mai 2009, 2:22

    @ Nils B.

    Ich hab mir ähnliches gedacht. Einerseits irgendwie eine süße Idee, aber andererseits hab ich auch Pippi Langstrumpf gelesen oder vorgelesen bekommen ohne jetzt in totaler Angst vor Schwarzen zu leben. In Österreich gibts ein relativ bekanntes Kinderbuch (Hatschibratschis Luftballon), da fliegt ein osmanischer Mann in einem Heißluftballon durch die Gegend und entführt Kinder. Auch das hab ich gelesen; ohne Auswirkungen auf mein jetziges Verhältnis zu Türken.

    Worauf ich hinaus will: Kinder vertragen mehr politische Inkorrektheit als Erwachsene. Vor allem mehr als erwachsene Blogger. Wie das bei bloggenden Kindern ist, weiß ich nicht.

  18. A.S.
    21. Mai 2009, 16:03

    Oh, eine ruhige, rationale Diskussion zu dem Thema, mit Meinungen, die durch Argumente gestützt werden. Das hat auf meinem Blog leider nicht geklappt…

    Nils B., Julia, ich habe in einem Nachfolgebeitrag versucht, die von mir angedeuteten Eingriffe genauer zu umreißen und besser zu rechtfertigen.

    Ich akzeptiere selbstverständlich, dass man die Sache auch anders sehen kann, aber ich möchte davor warnen, einfach davon auszugehen, dass Kinder schon irgendwie merken, was da an mehr oder weniger subtilen Rassismus und Sexismus in den Texten steckt. Natürlich „vertragen“ Kinder das, aber ich halte es für naiv zu glauben, dass es keine Auswirkungen auf ihr Weltbild hat.

    Julia, besonders gefährlich ist es in diesem Fall, von sich selbst auf andere zu schließen. Ich glaube Ihnen, dass Hatschi Bratschi IHR Türkenbild nicht beeinflusst hat, aber ich vermute einfach mal, dass nicht alle Österreicher sind, wie sie — oder wer hat sonst 1986 Kurt Waldheim zum Präsidenten gewählt und der FPÖ bei der letzten Nationalratswahl 17,5 Prozent beschert?

    Es geht mir nicht darum, Geschichten zu säubern oder zu verbieten, in denen „Rasse“ oder Geschlecht unverzichtbarer Teil des Plots sind, sondern darum, rassistische und sexistische Sprache dort zu modernisieren, wo sie nichts zur Geschichte beiträgt und deshalb völlig unbemerkt und fast unkommentierbar in das Weltverständnis der Leser eingehen.

  19. Julia
    21. Mai 2009, 17:16

    Ich kenne jetzt keine aktuelle Studie zu dem Thema, aber ich denke nicht, dass der Großteil der FPÖ-Wähler erwähntes Buch gelesen hat. Ich denke eher, dass der durchschnittliche FPÖ-Wähler generell eher weniger liest; und ich kenne leider ziemlich viele persönlich. Jedenfalls ist das österreichische Wahlverhalten ein bisschen komplexer als die Botschaften in solchen Büchern.

    Ich verstehe allerdings Ihre Gedankengänge und überlege jetzt schon einige Zeit hin und her, ob ich diese Maßnahmen als Vorlesende auch treffen soll. Ich weiß es nicht.

  20. christoph kratistos
    21. Mai 2009, 23:41

    @AS: Auf ihrem Blog ist nicht meiner Meinung nach nicht zuletzt deswegen keine ordentliche Diskussion entstanden, weil sie „die Gegenseite“ mit unerträglicher Überheblichkeit behandeln.

    Bücher sind eher Symptom als Ursache einer bestimmten Art zu denken.

  21. christoph kratistos
    21. Mai 2009, 23:45

    Zusatz:
    @Julia, bitte nicht. Sprich mit den Kindern, erkläre deinen eigenen Standpunkt, bla. Aber das Unangenehme einfach streichen? Das Meiste fällt den Kleinen eh erst später auf, wenn sie tatsächlich fähig sind, darüber zu reflektieren. Als 7-jährigem fiel mir zB der ganze tumbe Kulturchauvinismus, die Juden- und Frankreichfeindlichkeit bei Karl May gar nicht auf, erst später wurde mir klar, wie bescheuert das teils ist.

  22. A.S.
    22. Mai 2009, 0:39

    christoph kraistos, ich bin am Rätseln: meinen Sie mit „unerträglicher Überheblichkeit“ die Tatsache, dass ich Menschen, die vorbeikommen, um mal eben die ganze Debatte als „das Dümmste“ bezeichnen, das sie „je im Internet gelesten haben“, nicht mit Samthandschuhen anfasse? Nein, Sie müssen die Tatsache meinen, dass ich auf Ihren mal eben flapsig hingeworfenen Kommentar mit Fakten reagiert habe. Das tut mir natürlich sehr leid, Fakten sind gemein. Aber diese „Überheblichkeit“ kann nicht der Grund gewesen sein, dass keine Diskussion zustande gekommen ist, denn zu dem Zeitpunkt, als Sie Ihren Kommentar beigesteuert haben, war die Diskussion schon ganz ohne Überheblichkeit von irgendeiner Seite in eine Sackgasse geraten.

  23. christoph kratistos
    22. Mai 2009, 9:38

    Entgegen ihrer (verständlichen) Annahme bin ich nicht der Kommentator „ck“ – von mir stammt tatsächlich nur der Link zu den politisch korrekten Märchen.
    Markus mit seiner „dümmsten Diskussion“ gehörte – wie bei einem Troll üblich – ignoriert, aber Nörgler und ck brachten durchaus Argumente und wurden dennoch (schlicht für ihre Abweichende Meinung) recht eklig behandelt. Ich bin so frei und vermute, dass keiner der beiden gegen Frauwahlrecht gewesen wäre. Und die Aussage cks, dass das Fehlen der „Piloten, Ingenieure, Polizisten, Feuerwehrmänner, Bauarbeiter und Müllmänner“ im Legosegment doch irgendwie die echte Welt wiederspiegeln würde mit dem (anscheinend ernstgemeinten – wenn mein Ironiedetektor hier versagte, mea culpa -) Argument zu „kontern“, dass ja in den erwähnten Berufsgruppen zwischen 2,5 und 10% Frauen seien ist ziemlich albern.
    Seine überspitzte Aussage war: Frauen sind in diesen Berufen nicht der Normalfall. Und die haben sie im Grunde unterstützt. Was wünschen sie eigentlich? Eine weibliche Lufthansapilotin in jedem 40ten Legoflugzeug? Oder doch 50% Frauen, was ihren Kindern mehr Hoffnung geben mag, aber eine grobe Verschönerung der Realität wäre?

  24. Kunar
    26. Mai 2009, 22:44

    Was nun die Bücher betrifft: Ich tue mich sehr schwer damit, die Situation ganz klar einzuordnen und scharf umrissene Handlungsanweisungen daraus abzuleiten, die jeder mit gesundem Menschenverstand mitmachen wird. Ein paar grobe Punkte, denen ich zustimmen kann:

    *Viele Bücher, die man als Kind gelesen hat oder die einem vorgelesen wurden, kann man nicht guten Gewissens selbst vorlesen bzw. zu lesen geben. Wenn man heute als Erwachsener sieht, welche Sprache und welche Wertvorstellungen in den alten Geschichten stecken, wundert man sich, dass man sie z.T. so gut in Erinnerung hatte.

    *Andererseits finde ich es in Ordnung, dass man die Bücher der eigenen Kindheit nicht 1:1 wiederverwerten kann. Hier geht ausnahmsweise nicht, was sonst in Mode ist – dass man nämlich bequem all seine Kindheitserinnerungen als Erwachsener mit den Dingen von einst noch einmal nacherlebt und dafür eigene Kinder als Alibi nimmt. Unsere Gesellschaft hat sich in den 30-40 Jahren immer noch enorm weiterentwickelt. Vieles, was damals ok oder fortschrittlich war, ist heute falsch oder zumindest rückständig. Ist doch gut, dass wir nicht stehengeblieben sind!

    *Eine freie, pluralistische Gesellschaft wird nie in allen ihren Werken völlig gleiche Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen. Stattdessen ist doch zu erwarten, dass es ein breites Spektrum von „sehr konservativ“ bis „ziemlich flippig“ gibt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Bücher erscheinen, deren Weltbild man ablehnt.

    *Pädagogik ist ein Fach, dass so stark von Mode beeinflusst wird und bei dem gleichzeitig „absolute Wahrheiten“ verkündet werden wie sonst nur in der Ernährung und der Informatik. Es ist sehr schwer, zu entscheiden, welche Welt ein „gutes“ Kinderbuch zeigen soll. Sollen Männer und Frauen gleichberechtigt sein, obwohl sie es in der Realität noch nicht sind, damit die Kinder lernen, wie die Welt sein soll? Das kann zu Enttäuschungen führen. Oder soll man die Realität zeigen, damit die Kinder lernen, wie die Welt ist, damit sie Ansporn bekommen, sie zu verändern? Das kann bestehende Verhältnisse unnötig lange erhalten. Wenn man starke Mädchen/Frauen zeigt, muss man dann nicht auch zeigen, dass Jungs/Männer neben diesen Frauen ebenfalls stark sein können? Muss man gleichzeitig „schwache“ Jungs/Männer darstellen und zeigen, dass sie ebenfalls ok sind?

    *Es ist dementsprechend schwer, geeignete Bücher für Kinder aufzutreiben. Man kann daher jedem nur beipflichten, der den Aufwand trotzdem immer wieder auf sich nimmt. Gute Bücher lehren Kinder nicht nur etwas (egal, ob direkt oder indirekt, ob Sachwissen oder Verhalten). Sie bereiten eine Menge Freude und spenden Kindheitserinnerungen, auf die man nie verzichten will.

    Warum kommentiere ich bei „Coffee and TV“? Es ist dieser sympathische Restzweifel, den Lukas Heinser immer wieder durchschimmern läßt. Wir würden uns in Diskussionen über einige Themen hoffnungslos in die Wolle bekommen – aber es ist ein gutes Kennzeichen, wenn jemand trotz geballten Wissens nicht den Eindruck erweckt, er habe die Wahrheit für sich gepachtet. Ich mag mich mit dieser Einschätzung ebenfalls irren, ich beurteile hier nur die Wirkung auf mich – es ist nur der Grund, warum es mir oft leicht fällt, hier etwas anzumerken.

  25. Sandra
    26. Mai 2009, 23:16

    Na ja, als Frau kann ich sagen, es wird einem mittlerweile übermittelt, dass frau die gleichen Berufs- und Ausbildungschancen hat wie Männer. Sogar als Weltraumpilotin. Klar muss man(und frau) sich seinen Platz in der Gesellschaft erkämpfen. Aber so geht es beiden Seiten. Warscheinlich hat Lego nur nicht genug Marktforschung betrieben und kennt den genauen Mädchenanteil ihrer Zielgruppe nicht. Einfach mal einen Brief an die Firma schreiben. Das Produkt wird schließlich von der Nachfrage bestimmt und nicht vom Geschlecht.