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Totgesagte sollen leben!

Von Kathrin Grannemann, 25. Juli 2007 13:13

Trackback am Ende, so betitelte Marius einen Eintrag bei Maingold am Sonntag. Eine Abrechnung mit einem Sendeformat, das in Deutschland wohl nach wie vor seinesgleichen sucht (für alle, die nicht wissen, was Trackback ist: Es ist eine Radiosendung beim RBB, die sich mit Netz- und Blogthemen beschäftigt).

Seit einigen Wochen läuft die Sendung eher unrund. Mir fallen da vor allem diese Dinge ein: Wenig Themen, schlechte Vorbereitung und unstete Moderatorenauswahl. Erst am Sonntag wurde das so deutlich wie nie: Nachdem eine Woche vorher erst Holger Klein seinen Ausstand gegeben hat, musste Ole Stührmann ran. Was er da machte, wirkte eher mitleiderregend. Was, wie er selber im Trackback-Chat mitteilte, daran lag, dass er nur Ersatzmann vom eigentlichen Ersatzmoderator und außerdem ausgepowert gewesen sei. Bleibt abzuwarten, was in den nächsten Wochen so passiert mit der Sendung. Und wer der endgültige Nachfolger für Holgi wird.

Johnny Häusler von Spreeblick, mutmaßlicher Erfinder der Sendung, hat sich heute Nacht zu all dem geäußert, was mit Trackback aktuell so passiert. Erklärt die Umstände, unter denen die Sendung und der entsprechende Podcast im Herbst 2007 startete. Bevor ich jetzt alles konkret zitiere, was er zu erzählen hatte, verlinke ich den Beitrag lieber.

Sicher ist es schwer, im Medium Radio eine Sendung über Netzthemen zu machen. Blogs sind nunmal primär dazu da, um gelesen zu werden, und nicht um über sie zu reden. Entsprechend angenehm fand ich vor allem die Folgen, die sich mit dem aktuellen Netz-Zeitgeschehen beschäftigen. Die flickr-Zensur. Abmahnungen. Datenschutz. Alles relevante Themen, die auch mich als aktive Bloggerin interessieren. Es gab Hochs und Tiefs, und die Sendung letzten Sonntag war definitiv einer dieser Tiefpunkte. Der Meinung von Marius mag ich mich allerdings nicht anschließen.

Trackback ist aus meiner Sicht zu 100% gescheitert. Woran das liegt habe ich oben für mich erklärt, warum dies so ist kann ich nicht sagen. FRITZ sollte sich den Gefallen tun diese Sendung so schnell wie möglich komplett abzusetzen, bevor die ganze Angelegenheit noch trauriger wird als sie ohnehin schon ist.

Anstatt dessen zitiere ich dann doch mal Johnny:

Neue Ideen, Projekte und Medienexperimente brauchen den Wunsch nach Gelingen, nicht den Wunsch nach Scheitern. Und wer Angst vor dem Scheitern hat, kann immer nur auf Bewährtes zurückgreifen, allein der Versuch der Innovation wird dadurch unmöglich.

TRACKBACK wird weiter senden und weiter ausprobieren und weiter spielen, bestimmt nicht für immer, aber für jetzt. Ob mit oder ohne Spreeblick ist dabei noch ungeklärt, aber im Grunde irrelevant, denn die grundsätzliche Idee funktioniert auch ohne uns. Aber nicht ohne euch.

Das Potential hat die Sendung auf jeden Fall. Und diverse wirklich gute und interessante Sendungen lassen mich an das Gute am Thema glauben.

Totgeglaubte leben länger

Von Kathrin Grannemann, 25. Juni 2007 19:21

Erinnert sich eigentlich noch einer an My Vitriol? Mit „Always: Your Way“ hatten sie 2001 einen der Hits in der Indieszene, es folgte ein etwas weniger erfolgreiches „Grounded“ und das war es dann irgendwie. Verschwunden, einfach so. Als einzige Erinnerung das Album „Finelines“, das öfter mal wieder auf dem Regal gezogen und gehört wurde. Schöne, zeitlose Gitarrenmusik, die sich auch heute noch hören lassen kann.

Damals habe ich mich immer fleißig in Bandnewsletter eingetragen, und endlich hat es sich doch mal ausgezahlt, dass ich das so gewissenhaft betrieben habe. Denn genau wie Vega4 vor einigen Monaten melden sich My Vitriol nun zurück. Mit einer neuen EP kurz vor der Veröffentlichung. Heute dann der Startschuss:

The strictly limited edition EP ‚A Pyrrhic Victory‘ is out NOW via Xtra Mile Recordings. Only 1500 CDs will be available, so be quick!

Was mir bei iTunes entgegenschallt, ist gar nicht mal übel. Mein Gefühl sagt mir, sie sind etwas opulenter geworden. Vertrackter. Ausgefeilter. Was mir irgendwie etwas fehlt, ist die Melodiösität, die ich an „Finelines“ so liebe. Aber vielleicht braucht wahre Liebe manchmal ein wenig Zeit. Ich werde berichten.

Redaktionsscrabble

Von Kathrin Grannemann, 16. Juni 2007 14:31

Entweder hatte man bei der Schweriner Volkszeitung keine Muße, sich eine treffende Bildunterzeile auszudenken, oder die Redaktionskatze hatte mal wieder Auslauf:

kerhtuerghiutaghiuwer

Lindenstraße…eeeeh, Douglasienboulevard…ach Quatsch: Ahornallee!

Von Kathrin Grannemann, 16. April 2007 18:07

Seite heute 17 Uhr gibt es auf RTL eine neue Serie: Ahornallee.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Witwer zieht wegen Arbeitslosigkeit von der Ostwestfalenmetropole Herford nach Düsseldorf (genauer: in die Ahornallee), um dort einen neuen Job als Hausmeister anzutreten. Dort soll er sich um eine Schickimicki- Villa kümmern. Erwartungsgemäß findet er dort als bodenständiger Mensch keinen Anschluss. Oder, um mal die Wikipedia zu zitieren:

Die Serie zeigt vor allem gesellschaftliche Differenzen auf, der Kleinkrieg der armen Familie mit den anderen, höherstehenden Bewohnern der Ahornallee.

Es wohnen im Haus:

  • Der neue Hausmeister Willi Schlosser nebst Tochter Petra und Sohn Jan, die Mutter ist ein Jahr zuvor gestorben
  • „Gönner“ Karsten Winterberg, der den Hausmeister eingestellt hat, seine Frau Erika, seine Schickimicki- Tochter Julia und der verkommene Sohn Stefan, der das Internat geschmissen hat
  • Ilona und Stefan Keller, er Schönheitschirurg, haben ne Tochter namens Jasmin, die sich in den Hausmeistersohn verguckt
  • Das Porno- Pärchen Isabelle Ferenczy und Udo Meister, beide relativ schleimig und unsympathisch
  • Lehrerin Silvia Eichhoff mit Sohn Lukas mit HIM-Shirt, Buttons und Jeansjacke

Kleine Fakten am Rande:

  • Der Umzugs-LKW der Hausmeisterfamilie ist liebevoll mit Müll drapiert
  • Ehepaar Keller besteht aus Claudia Neidig und Hans Holzbecher, die bereits vor einiger Zeit bei Unter Uns einen Auftritt fanden.
  • Wilde Schnittführung, fiese Kameraführung
  • Klassischer Konflikt: Arm vs. Reich
  • Flippige Soundtrack- Musik (von Billy Talent bis Gwen Stefani)
  • Schlecht gemachte Fake- Wunden
  • Gedreht wird in einer echten Villa in München

Hinter den Kulissen der „Ahornallee“ arbeiten bei Tresor TV rund 70 Personen an der Herstellung der Serie. Im Haus wird mit drei Kameras gedreht, im Außendreh kommt eine vierte Kamera zum Einsatz. Innovativ ist der so genannte „tapeless workflow“. Erstmals werden im Rahmen einer RTL-Serienproduktion alle Szenen auf Festplatte aufgezeichnet und weiterverarbeitet. Bänder werden nur noch zur Archivierung und für Backups verwendet. (Quelle)

Fazit: Eine weitere Soap, die eigentlich keiner braucht.

Müssen wir alles mitmachen?

Von Kathrin Grannemann, 24. Februar 2007 18:58

Bei Technorati könnte es vermutlich helfen. Willkommen in der Welt des durchsuchbaren Internets! Und weil wir ja die Weltherrschaft anstreben, können die Herrschaften uns da doch nur zuträglich sein.

Technorati Profile

Unendliche Weiten: Imogen Heap verändert meine Welt

Von Kathrin Grannemann, 16. Februar 2007 0:59

Es ist inzwischen schon mindestens drei Wochen her, da erreichte mich die Platte einer Musikerin, die mich bisher hauptsächlich mit ihrem Projekt Frou Frou beglückt hatte. Erste Begegnung mit der Stimmgewalt der Frau Heap: Der Film Garden State, in dem der Song „Let Go“ die Endszene untermalte.
In den USA hat sie schon seit langem einen guten Status innerhalb der Musikszene, und das hier gerade erst auf den Markt geschmissene Album „Speak For Yourself“ ist dort bereits seit 2005 eine gern benutzte Quelle für die Musikverantwortlichen der großen TV-Serien. Aber nun genug des Gefasels, es geht ja schließlich um Musik.

Erster Eindruck: Och ja. Ganz nett, aber vom Hocker reißen? Nee. Zweiter Eindruck: Huch, sind das teilweise detailverliebte Songs. Danach nur noch Begeisterung. Aber eine Begeisterung, die man mit Worten nicht umschreiben kann. Zeitweilige Schublade: Elektropop. Aber das trifft es manchmal dann doch eben nicht.
Episch, aber doch minimalistisch, detailverliebt, aber doch schlicht, und dazu ein gehöriger Schuss Atmosphäre. Eine gefährliche Mischung, der ich mich mit großer Begeisterung ein komplettes Wochenende hingebe. Tanze, seufze, über das gehörte nachdenke. Eine lange nicht da gewesene Intensität, die sich durch das Album zieht. Komplett instrumentenlos in andere Sphären zieht wie bei „Hide And Seek“. Dahinwabert wie in „Clear The Area“. Und dann wiederum auch kraftvoll zuhaut in „Daylight Robbery“. Für vielseitige Alben die richtigen Worte finden ist schwierig. Bei Imogen Heap fällt es mir noch viel schwerer als normalerweise. Der Zufall leite mich auf ein Zitat aus „Goodnight And Go“.

Skipping beats, blushing cheeks I am struggling
Daydreaming, bed scenes in the corner cafe
And then i’m left in bits recovering tectonic tremblings
You get me every time

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Nur noch eins:
Say goodnight and go.

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