Autorenarchiv

Everybody comes to Schmollywood

Von Kathrin Grannemann, 14. August 2008 15:42

Ingo und Paul

Lukas und ich waren beileibe nicht die einzigen, die während des Haldern Pop Festivals live gebloggt haben. Unter anderem auch mit von der Partie: Ingo Schmoll. Einigen hauptsächlich bekannt als Moderator bei Einslive macht er nicht nur seit März 2006 mit Radio Brennt einen schicken eigenen Podcast, sondern verarbeitet Alltägliches seit Kurzem auch in seinem privaten Blog.

Zu gibt es nicht nur Einblicke in seinen Job bei Einslive, sondern aktuell auch Fotos der gerade zuende gegangenen Dreharbeiten eines Kurzfilms mit einem Team des Hessischen Rundfunks, in dem er die Hauptrolle spielt.

Allzu lang gibt es das Blog übrigens noch nicht: Am 1. August ging es los mit dem Foto eines Gagennachweises: In der kommenden, vierten Staffel von Dr. House ist Ingo Synchronsprecher für Fred Durst. Bin jetzt schon gespannt, wie das klingen soll.

Mraz ab!

Von Kathrin Grannemann, 24. Juni 2008 13:43

Jedes Jahr stellt sich die Musikindustrie kurz vor der Sommersaison hin und knobelt aus, welche Band das Zeug dazu hat, den Sommerhit des Jahres abzuliefern. Und jedes Jahr wieder schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen, dass es unbedingt wieder eine Band wie Marquess sein muss, mit der man in den Sommermonaten berieselt wird. Wo es doch so viele andere wunderbare Künstler gäbe, die das sommerliche Radioprogramm besser machen könnten.

Auch dieses Jahr gibt es mal wieder so einen Künstler, der mit dem, was er macht, verdient hätte, die Sommersaison zu beschallen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an „The Remedy“, mit dem Jason Mraz vor rund 4 Jahren einen veritablen Radioerfolg hatte. Danach wurde es aber vergleichsweise still um ihn, sein zweites Album erschien gar nicht in Deutschland (wurde allerdings dieses Frühjahr, 3 Jahre nach Erscheinungsdatum, doch noch auf den deutschen Markt geworfen).

Mit „We Sing. We Dance. We Steal Things.“ könnte alles anders werden. Es ist tanzbar, funky, und zaubert gute Laune überall dort, wo es gehört wird. Stiltechnisch schwankt das Album irgendwo zwischen Mainstream-Jack-Johnson-Sound, Funk und opulenten, aufwändig arrangierten Popsongs. Und Mraz singt in so verschiedenen Stimmen, dass man sich manchmal fragt, ob das wirklich alles er singt. Stellenweise fühle ich mich an Größen wie Michael Bublé, James Dean Bradfield oder auch den bereits genannten Jack Johnson erinnert. Was auf den Leser wie ein krudes Wirrwarr aus nicht zusammenpassenden Musikstilen wirkt, klingt für die Ohren überraschenderweise wie aus einem Guss. Es klingt so, als könne dieses Album nur so und nicht anders funktionieren. Und es ist die Mischung, die dieses Album so wunderbar und einzigartig macht.

Auch wenn es bei so einem Gesamtwerk an sich unsinnig ist, lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, einzelne Songs zu empfehlen. Der eine oder andere kennt schon die Single „I’m Yours“, die mich im Geiste direkt an den Strand versetzt. Sehr hübsch auch „Butterfly“, das trotz zum Einsatz kommenden Orchester an keiner Stelle übertrieben wirkt. Von Anfang an einer meiner Lieblinge des Albums war übrigens „The Dynamo Of Volition“, vielleicht gerade aus dem Grund, weil mit seinen Raps so heraussticht aus dem Gesamtbild. Zwei prominente Gäste hat Mraz auch an Land ziehen können: So singen James Morrison und Colbie Caillat bei jeweils einem Song mit.

Ich habe lange kein Album mehr gehabt, das von Anfang bis Ende so gut ist. Das von Anfang an begeistert, und auch nach zahlreichen Durchläufen immer noch nichts von seinem Charme und seiner Wirkung verliert. Was jetzt schon bei mir einen Platz in den Toplisten diesen Jahres sicher hat. Was den flächendeckenderen Erfolg angeht, wird „We Sing. We Dance. We Steal Things.“ vermutlich keine Marquess-eske Verbreitung zuteil. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass möglichst viele von der Qualität dieses Machwerks erfahren. Jason Mraz hätte es verdient.

Jason Mraz - We Sing. We Dance. We Steal Things. (Albumcover)
Jason Mraz – We Sing. We Dance. We Steal Things.

VÖ: 20.06.2008
Label: Atlantic
Vertrieb: Warner

Adventures In Stereo

Von Kathrin Grannemann, 20. Juni 2008 12:31

Beim Ausräumen meines alten Jugendzimmers bin ich auf diverse Kuriositäten gestoßen. Dabei unter anderem auch eine 3D-Brille mit dazugehörigem „Micky Maus“-Heft, das man sich dann in 3D durchschauen konnte.

Erinnert sich noch jemand an diese Phase, wo alles ver-3D-t wurde? Selbst im Fernsehen gab es entsprechende Angebote, und überall wurden einem die rot-grünen Brillen hinterhergeworfen.

Vor 100 Jahren fanden die Menschen optische Effekte auch schon super, nur war das mit den Illusionen etwas komplizierter. Die Fotografie steckte noch so halb in der Pubertät, aber es gab doch so gewisse Tricks, um Illusionen zu schaffen.

Unter anderem das Konzept der Stereofotografie. Konzept: Zwei Fotos werden aus zwei fast gleichen Winkeln gemacht, ähnlich wie beim menschlichen Blick, eins für das linke und eins für das rechte Auge. Eine spezielle Linsenkombination fügt dann die beiden Fotos zu einem räumlich wirkenden Ganzen. Ja, so war das früher.

Joshua Heinemann hat einen einfachen und doch überraschenden Weg gefunden, die Bilder mit der heutigen Technik zu präsentieren- und macht aus den Stereobildern einfach ein Wackel-GIF, das schnell zwischen den beiden Bilden hin- und herschaltet. Ein Beispiel aus Joshuas Archiv:

Original:

Kantensitzer, Originalfotos

Nachbearbeitet:

Kantensitzer

Weitere hübsche Beispiele (diesmal ohne Vorher-Nachher-Show):

Büffel

Alter Mann

Zwischen 1850 und 1930 wurden Unmengen dieser Stereofotos hergestellt, weite Teile davon lassen sich heute noch in der , dem digitalen Bildarchiv der New York Public Library, finden.

[via Gizmodo]

PS: Kleiner Tipp am Rande: Sollten die Bilder hier im Eintrag ins Stocken geraten, klickt auf sie und guckt sie euch ohne den Eintrag drumrum an.

Der Schatz im Silberwald

Von Kathrin Grannemann, 24. April 2008 11:26

Köln-Bocklemünd an einem Dienstagmittag. Vor einer Halle auf dem Studiogelände des WDR steht Wolfgang Völz umringt von einigen Damen, unterhält sich angeregt und in seiner gewohnt gemütlichen Art. Ihn scheint die Situation fast schon etwas zu langweilen, ich harre der Dinge, die da kommen werden.

Kurzfristig war der Vor-Ort-Termin angekündigt, und trotzdem sind die Journalisten in ansehnlicher Zahl gekommen. Alle waren sie heiß darauf, über ein neues Musical zu erfahren, das Walter Moers dem WDR angeboten hat. „Die drei Bärchen und der blöde Wolf“ soll es heißen. Wie das ganze aussehen soll, davon können sich die Pressevertreter heute ein eigenes Bild machen.

Vor dem offiziellen Beginn des Termins hole ich mir noch schnell einen Kaffee. Komme ins Gespräch mit einem Redakteur von „Neues Deutschland“ und seiner Tochter. Kurze Zeit später stößt Wolfgang Völz dazu. „Kind, spielst du ein Instrument? Ich habe ja Mandoline gespielt. Weißt du, was eine Mandoline ist?“ Nein, weiß das Kind nicht, und Völz legt an, zu erklären, was für Geräusche eine Mandoline von sich gibt. Kurze Zeit später verschwindet er, um sich ein Bier zu genehmigen. Und um diese Tatsache hinterher mit dem Satz „Ich saufe mich zum Blaubär“ zu vervollständigen.

Wolfgang Völz

Das Kernziel des Termins: Kulissen begucken und über das Musical sprechen. Erste Feststellung: es ist ein typischer Moers. Aber nicht nur in Sachen Story, sondern auch was die Figuren und die Musik angeht. So hat Moers zusammen mit Thomas Pigor (federführend bei „Der Bonker“) die vier Musical-Songs erarbeitet, und regelmäßig bekam Moers Fotos der Puppen und der Kulissen übermittelt, um sie abzusegnen.

Die Kulisse selbst wurde extra für das 45-Minuten-Stück entworfen. Nichts ist zu sehen vom Blaubärschen Kutter oder dem Zimmer der Bärchen. Anstatt dessen füllen eine Waldhütte, ein umfangreiches Wohnzimmer und ein großer Märchenwald (im Stück „Silberwald“ betitelt) die Produktionshalle.

Zur Storyline: Im ruhigen Silberwald stören drei Bärchen im Tokio Hotel-Style die Idylle. Besonders der im Wald ansässige blöde Wolf (Hein Blöd) fühlt sich vom Lärm gestört, versagt aber an seiner eigenen Doofheit. Da kommt die gute blaue Fee (in Form von Käpt’n Blaubär) in einem himmelblauen Straßenkreuzer um die Ecke, um ihm gute Ratschläge zu geben und drei Wünsche zu erfüllen.

Wie die Story weitergeht, erfahren wie an dieser Stelle nicht, aber in echter Blaubär-Manier dürfte es eine anständige Geschichte werden. Aber auch in Moers-Manier. Wer seine Zamonien- Romane kennt, der weiß von den Fähigkeiten des Autors, wenn es um die dezidierte Beschreibung seiner Phantasiewelten geht. In den Kulissen wird besonders deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Produktion und Autor geklappt hat: Moers‘ Szenenbeschreibungen werden in Holz und Pappmaché lebendig. Es fühlt sich sehr beeindruckend an, als ich mit einer kleinen Gruppe einen Abstecher in die Silberwald- Kulisse machen. Sogar das Gras des Waldfußbodens ist echt, inklusive Waldgeruch. „Wir hoffen, dass diese tolle Waldkulisse nach den Aufnahmen nicht verschrottet wird. Es wäre schade darum.“

Die drei Bärchen als Tokio Hotel

Der WDR sieht das Musical als „Stück für die ganze Familie“. Die Story für Kinder, kleine Details wie Wortspiele als Bonbon für die Erwachsenen.

Während des Ortstermins ist natürlich auch Völz wieder mit von der Partie und setzt sich mit in die Kulisse. „Dieses Schwein ist übrigens meinem Bruder nachempfunden“, witzelt er. Natürlich wissen alle, dass er das nicht so meint.

Wolfgang Völz mit der guten Fee

Ausgestrahlt werden soll das nach wie vor in der Produktion befindliche Musical übrigens im Oktober in der ARD und dem KiKa. Der kurze Vorgeschmack, der der Pressemeute vor Ort gezeigt wurde, macht Lust auf mehr.

Mal schauen, was so kommt

Von Kathrin Grannemann, 17. April 2008 14:22

Die Musikindustrie ist aktuell höchstproduktiv, was neue Releases angeht. Alte Helden melden sich zurück, von denen man entweder lange nichts, oder stellenweise nichts Gutes gehört hat. Und dazu kommen Platten von Musikern, die ich vorher nicht kannte. Und die trotzdem taugen. Diese Platten habe ich schonmal probegehört.

dEUS – Vantage Point (VÖ: 18.4.)
Wenn ich ganz ehrlich bin: Das Vorgängeralbum „Pocket Revolution“ ist dezent an mir vorbeigegangen, es hat mich geradezu gelangweilt. „Vantage Point“ ist da anders. Schon die Single „The Architect“ hat mich wegen der Tanzbarkeit gepackt, weil sie eben nicht so typisch dEUS war. Ansonsten sind sie sich halbwegs treu geblieben. Von „Eternal Woman“, das ein wenig an „Nothing Really Ends“ erinnert, und dem leicht vertrackten „When She Comes Down“ schließt einiges an alte Traditionen an. Und endet mit „Popular Culture“ in einem herrlichen Popsong inklusive Kinderchor.

Kettcar – Sylt (VÖ: 18.4.)
„Sylt“ ist ein Album, an dem ich scheitere. Es hat seine kleinen Höhepunkte im kraftvollen „Kein Aussen mehr“ und dem eher ruhigen, an „Nacht“ erinnerden „Verraten“, während „Graceland“ war die denkbar schlechteste erste Single war. Es fehlt der rote Faden, die zum Beispiel ihr Erstling hatte, es ist vielmehr eine Ansammlung verschiedener Songs, die für sich alleine stehend sicher schick sind, aber zusammengestellt kein stimmiges Ganzes ergeben. Vielleicht missverstehe ich die Jungs auch. Wenn das so ist, tut es mir Leid.

Calvin Harris – I Created Disco (VÖ: 18.4.)
Heureka, endlich mal wieder ein Ministry Of Sound-Release, der mich wirklich begeistert. Einigen wird der gute Mann vielleicht aus dem Pro7-Tagesprogramm bekannt sein, dank einer gewissen Modelsendung läuft der Song in jeder Werbepause. Er hat aber mehr als nur „Acceptable In The 80s“. Sehr funky ist „Merrymaking At My Place“, allgemein ist der Sound irgendwie in Richtung 80s-Disco zu verorten. Es ist sicher kein Über-Album, aber taugt für die Momente des Tages, wo man ein wenig schwungvolle Musik und gute Laune brauchen kann.

Edit: Habe der besseren Lesbarkeit wegen einen Haufen „irgendwie“s rausgenommen. Auch Joseph zuliebe.

Kalter Entzug

Von Kathrin Grannemann, 8. Oktober 2007 9:56

Erinnert sich noch einer an „Wie Bitte?!“, die „Verbrauchershow“, die in den Neunzigern auf RTL über fiese Praktiken halsabschneiderischer Firmen und unfähiger Behörden aufgeklärt haben? Ich hab’s immer gern gesehen, wenn Geert Müller-Gerbes und sein Team sich den Fällen in leicht überspitzter Darstellung angenommen haben. Fester Bestandteil einer jeden Sendung waren die „Drei mit den Mützen“, womit stets die Telekom gemeint war, die schon Mitte der Neunziger viele Gründe für Beschwerden lieferte. Und obwohl sich Fernsehprogramme und Kopfbedeckungen ändern: Eine neue Episode hätte auch ich beizusteuern.

Ich habe seit knapp vier Jahren einen schlichten Analog-Standardanschluss beim Rosa Riesen. Gehabt. Denn selbst wenn man den geringsten monatlichen Grundpreis auf drei Leute aufteilt, ist es doch irgendwann praktischer, sich einen neuen Handyvertrag zu erlauben. Folglich habe ich den Anschluss im Einverständnis aller Beteiligten gekündigt.

Die erste Reaktion auf meine Kündigung kam überraschend schnell: Bereits ein paar Tage später wies mich die Telekom in einem Schreiben darauf hin, dass die Kündigung eingegangen sei und alles weitere sowohl schriftlich als auch telefonisch geregelt werden solle, und zwar schon in der darauffolgenden Woche. Doch weder klingelte das Telefon noch der Postbote zweimal und so dachte ich mir auch nicht viel dabei, als ich am 1.10., also vor einer Woche, wie gewohnt das Telefon abhob und plötzlich nicht mehr telefonieren konnte. Ebenso bekam jeder, der uns erreichen wollte, nur eine Stimme vom Band zu hören, dass dieser Anschluss nicht mehr vergeben sei. Danke, liebe Telekom. Am Donnerstag hatte ich es dann auch schriftlich: Ein Schreiben datiert vom 2. Oktober teilte mir mit, dass mein Vertrag zum 26.9. beendet werde. Vielen Dank für diese zeitnahe Benachrichtigung.

Weil es „Wie Bitte?!“ nicht mehr gibt, werfe ich mich jetzt mal in das Theo-West-Kostüm und verleihe der Telekom feierlich einen goldenen Pannenmann für ihre aufopferungsvolle Kundenbetreuung.

Von wegen sparsame Schotten

Von Kathrin Grannemann, 27. September 2007 15:31

Auslandssemester sind nicht immer nur gut, um sich fachlich etwas weiterzubilden, auch kulturell bringen ein paar Monate in einem anderen Land viele schöne Dinge mit sich. Man lernt andere Menschen kennen, andere Lebensweisen, und manchmal auch neue Musik von Bands, die ganz am Anfang stehen und noch alles vor sich haben.

Es geschah an einem Abend, an dem ich zusammen mit meinen schottischen Mitbewohnerinnen den Fernseher anmachte und die schottische Newcomer-Musiksendung schaute (auch durch längerfristiges googeln habe ich nicht mehr rausfinden können, wie die Sendung hieß und wo sie lief, aber ich nehme an, es war bei der BBC). Es folgte eine Vorschau auf alles, was in der Sendung kommen sollte. Und ein Kommentar meiner Mitbewohnerin Ashley: „Ooooh, The Dykeenies! I know that one guy who’s playing in that band, he used to be one of my classmates!“

Ob sie die Jungs nun kannte oder nicht, ich war auf jeden Fall auf Anhieb hin und weg von dem, was ich da hörte. Um mal ein wenig klassisches Namedropping zu betreiben: Der Sound liegt irgendwo zwischen den Killers, Snow Patrol, Vega 4 und den Kaiser Chiefs. Kraftvoll, überwältigend, melodiös.

Ihr bisher größter Auftritt ein Gig auf der Break Stage beim T in the Park-Festival im schottischen Kinross. Neben ihnen auf der Bühne: The View und Paolo Nutini. Um mal die ungefähren Dimensionen klarzustellen.

Ihr neues Album, „Nothing Means Everything“, ist vor rund einer Woche in Großbritannien auf den Markt geworfen worden. Bei Amazon konnte ich es bisher nicht entdecken, daher werde ich es wohl oder übel importieren müssen. Und mich bis dahin mit dem begnügen, das die Band auf ihrer MySpace-Seite präsentiert. Besonders ans Herz legen kann ich dort „Stitches“, einen Song, der sich auch auf dem eben genannten Album befindet. Und nun los: Anhören! Damit ihr hinterher nicht ankommt und behauptet, ich hätte euch nicht gewarnt…

The Dykeenies

Bandfoto von Laura McNeice, All Rights Reserved

Brust oder Keule?

Von Kathrin Grannemann, 11. September 2007 16:14

Im Juni wurde die Netzgemeinde dieses Jahr nett durchgeschüttelt. Grund: flickr sperrte für einige Länder Fotos mit angeblich schlüpfrigem Inhalt, unter diesen Ländern auch das sonst doch so weltoffene und aufgeklärte Deutschland. Was folgte war großes Buhei, frustrierte User, Proteste. Wirklich gelernt haben die großen Konzerne wohl nicht daraus, zumindest Internetanbieter Arcor könnte man das vorwerfen.

Wie im Forum von gulli.com und dann heute auch bei golem zu lesen war, hat Arcor nämlich heimlich, still und leise Seiten wie sex.com, youporn.com und privatamateure.com für die Nutzer gesperrt. Eine schöne Begründung hatte man da dann auch direkt parat: Auf den Seiten werden pornografische Inhalte angeboten, die ohne vorherige Altersprüfung offen zugänglich sind. Keine gerichtliche Anordnung hat zur Sperrung geführt, aber natürlich wurden die Angebote gerichtlich geprüft. Wie die Sperrung rein technisch machbar ist? Das will Arcor natürlich nicht verraten.

Mutmaßen könnte man wohl eher, dass Arcor Wind bekommen hat von dem Brief, den der Verband der Videothekare an die Landesmedienanstalt in Bayern, genauer gesagt die dort ansässige Komission für Jugendmedienschutz, geschickt hat. Die Forderung: Internetprovidern solle untersagt werden, YouPorn zugänglich für alle zu machen. Die Seite selbst stehe seit März auf dem Index eben jener Prüfstelle, und trotzdem könnten Minderjährige auf sie zugreifen. Allerdings dürfte die Sorge um den Jugendschutz angesichts der immensen Umsatzeinbußen, die den Videotheken durch kostenlose Porno-Angebote im Internet drohen, eher ein vorgeschobenes Argument sein.

Durchsichtiger ist da schon, wie Facebook und MySpace bei ihrer ganz eigenen Art der Inhaltskontrolle vorgehen. Wie einige sogenannte „Laktivistinnen“ in ihren Blogs berichten, haben die beiden Social-Network-Portale nämlich Fotos von Frauen gesperrt, die sich beim Stillen ihres Nachwuchses haben ablichten lassen. Dass bei dieser natürlichsten aller Fütterungsmethoden ein gewisses weibliches Körperteil nunmal beteiligt ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem war den Betreibern der Seite dieser Inhalt etwas so zweifelhaft.

Facebook-Sprecherin Meredith Chin erklärte dem „Sydney Morning Herald“ ganz genau, warum diese Bilder entfernt wurden: „Fotos, die eine entblößte Brust beinhalten, verletzen unsere Nutzungsbedingungen und werden entfernt.“ Stellt sich für mich die Frage: Wo fängt prekärer Inhalt an und wo hört er auf? Oder, wie es eine Laktivistin ausdrückt: „Wo hört das Stillen auf und wo fängt die Brust an? Bei dem kleinsten Anzeichen von Nippel?“

Bei MySpace liegt ein vergleichbarer Fall schon etwas länger zurück. Nichtsdestotrotz passt er sich schön in die Reihe hier ein.

Breast is best

Dieses Foto zeigt Mel aus Tacoma (oder zumindest eines ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale) beim Einsatz am Kind. Sie selbst hatte das Bild nichtsahnend auf ihren MySpace-Account gestellt, und es wurde seitens MySpace dreimal entfernt, zuletzt mit der Drohnung, ihren Account zu sperren. Mit der Begründung, dieses Foto verletze die MySpace-Grundsatz gegen „Nackheit“ und „sexuell anregende“ Bilder. Wie viel da überhaupt noch zu sehen ist, muss jeder selbst entscheiden. Ich seh da jedenfalls nicht mehr Obszönität als bei einem Partyfoto von halbnackten Mädels. Und die sind nach wie vor im Überfluss bei MySpace zu finden.In beiden Fällen, sowohl bei Facebook als auch bei MySpace, stand für die Frauen übrigens eines im Vordergrund: Der Aktivismus für das Stillen. Für mehr Akzeptanz auch in der Öffentlichkeit.

Die schönsten Fotostrecken Deutschlands (1)

Von Kathrin Grannemann, 4. September 2007 15:40

Der Stern ist mittlerweile fast schon berühmt-berüchtigt für seine Fotostrecken. In diesem Fall ist es eine Fotostrecke, offensichtlich mit einem wunderbaren Produkt der Firma Puma.

Fotostrecke

Da kriegt Puma möglicherweise die Kurve, der Stern aber definitiv nicht. Und stellt ganz cool Blindtext, ganz ohne Foto, auf die Seite. Und verschicken und bookmarken kann man dieses Kleinod auch noch! Ein Traum.

Wo die Weser einen großen Bogen macht

Von Kathrin Grannemann, 2. September 2007 23:29

Der WDR präsentiert dem geneigten Zuschauer in seiner Sendung „Wunderschönes NRW“ in regelmäßigen Abständen sehenswertes des Landes. Zu diesem Zwecke fährt Moderator Bernd Müller mit einem Oldtimer gerne mal durch die Weltgeschichte und besucht Land, Leute und sonstiges.

Am heutigen Abend durfte ich einer Darstellung meiner Heimat beiwohnen, denn der gute Mann tuckerte ins sogenannte „Wesertal“. Gezeigt wurden wirklich bemerkenswerte Dinge: Eine Ölmühle in Bevern (das liegt am Solling), diverse Heilbäder (Oeynhausen, Driburg, Lippspringe…), eine Porzellanmanufaktur in Fürstenberg und ein Besuch im wunderschönen Minden (letzteren Kommentar darf man gerne darauf zurückführen, dass ich in Minden weite Teile meines Lebens verbracht habe, bzw. in der Nähe der Stadt).

In eben jener Stadt traf sich Müller mit Peter Hahne an der sogenannten Schiffmühle, redete mit ihm über seine Kindheit in der Weserstadt und Hahnes erste Freundin Doris. Außerdem kam die Tatsache zu Tage, dass einer seiner Lehrer ihn dazu gebracht hat, sich für Theologie und Journalismus zu interessieren. Geboren und aufgewachsen in Minden hat der bekannte Fernsehpfarrer nach wie vor eine besondere Beziehung zu seiner Heimat. Hahne hält nach wie vor am ersten Weihnachtstag einen Gottesdienst in Minden-Leteln. „Nah am Menschen“, wie er es selber nennt. Kann ich nicht beurteilen, war nie da.

Besser beurteilen kann ich da schon eher das Maß an Nähe, was die aktuell unglaublich erfolgreiche Band Marquess zumindest zu mir hat. Die Heimatstadt ihres Sängers Sascha Pierro ist nämlich auch Minden, er besuchte sogar die selbe Schule wie ich, allerdings einige Jahre vor mir. Und lebte die ersten Jahre seines Lebens ebenfalls in Hille, wie in der lokalen Presse sehr ausufernd zu lesen ist.

Freiheit, draußen toben, die Natur genießen, das war schon immer Saschas Welt. Zwänge dagegen engen ihn ein, ersticken seine Neugier und Kreativität. „Zum Glück habe ich coole Eltern, die mich herausfinden ließen, was mir lag“, sagt der gut aussehende Sänger. „Meine Devise lautet: einfach machen, nicht groß rumquatschen.“ Mit diesem Lebensmotto macht auch die Tochter des Hiller Dorfpastors eine überraschende Erfahrung. „Ich küsste sie mit sechs Jahren auf der Schultreppe“, erinnert sich der Popstar, der bis zum siebten Lebensjahr in Hille aufwuchs, lachend.

Insgesamt 14 Jahre hat der gute Sascha mit der Top-40-Coverband Steam verbracht, die auf ungefähr jeder Hochzeit, diversen Abibällen (unter anderem dem meiner Schwester) und Sportfesten auf der Bühne stand. Kaum eine größere Feier, auf der man nicht auf die Band gestoßen ist.
Umso kurioser, dass er nun mit seiner neuen Band Marquess mit „Vayamos Companeros“ einen der Sommerhits des Jahres geliefert hat. Und dann noch in Betracht zieht, dass Sascha mit einem spanischsprachigen Song Erfolg hat, wo er doch Halbitalieniener ist…

Auf jeden Fall: Da sag nochmal einer, aus der Provinz kommt nichts erfolgreiches. Ob man das dann auch noch gut finden muss, muss ja jeder selbst wissen.

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