Klickbefehl (13)

Von Lukas Heinser, 18. August 2008 15:26

Hierzu führt das Landgericht aus: “‘Gefickt’, d. h. überführt fühlt sich nur ein Täter, nicht aber ein Unschuldiger” (UA S. 52). Auch dieser Satz trifft selbst in der vom Landgericht angenommenen Deutung in dieser Allgemeinheit kaum zu; unzutreffend ist aber schon die zugrunde liegende Auslegung, denn der zitierte Begriff dürfte im vorliegenden Zusammenhang in den betroffenen sozialen Kreisen in der Regel im Sinne von “Hereinlegen”, “Betrügen”, “Aufs-Glatteis-Führen”, nicht aber im Sinne von “Überführen” gebraucht werden.

Dass viele Richter nicht unbedingt eine Zweitkarriere als Linguisten starten könnten, ist schon länger bekannt. Udo Vetter fügt im lawblog einen weiteren Fall hinzu.

* * *

Auch habe Krüger „um eine Zusammenstellung von Theater- und Konzertveranstaltungen und von Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere der Schuhgeschäfte“ gebeten. Staatsdiener Krüger, der die Gruppe begleitete, verteidigt seine Planung: „Die Leute wollen sich doch vor Ort was ansehen.“

Wie sich deutsche Politiker, als Volksvertreter immerhin unsere (Ihre, meine) Repräsentanten, im Ausland aufführen, steht im aktuellen „Spiegel“.

[via Thomas Koch]

* * *

Neulich habe ich bei Ebay meinen gelben Stern bekommen. (…) Ein gelber Stern!

Franz Josef Wagner muss befürchten, den Titel als Deutschlands wahnsinnigster Journalist zu verlieren. Das, was Matthias Heine da gestern in der „Berliner Morgenpost“ geschrieben hat, ist schlicht unfassbarer Unfug. Sowas hätte mal ein Blogger schreiben sollen …

[via Stefan Niggemeier]

10 Kommentare

  1. SvenR
    18. August 2008, 19:27

    Ah, Du ließt den selben Unsinn wie ich. Hast Du auch so Nackenschmerzen vom Kopfschütteln, wie ich?

    Das mit den Politikern wundert mich nicht. Nicht weil es Politiker sind, sondern weil das m. E. nach normales menschliches Verhalten ist.

    Wenn unsere Großkopferten sich in [eine europäische Hauptstadt Deiner Wahl oder Hongkong oder New York einsetzen] treffen, dann ist das An- und Abreisen das drittwichtigste, das Rahmenprogramm das zweitwichtigste und das Essen das wichtigste. Die Menüfolge steht immer lange vor der Tagesordnung fest…

  2. Stefan
    18. August 2008, 20:25

    Der Teil mit dem Krüger… Warum hast du nicht das mit dem N Wort geschrieben? Unfassbar sowas.

  3. Lukas
    19. August 2008, 1:01

    Was mich als ehemals an einer Karriere im diplomatischen Dienst Interessierter besonders fasziniert hat, war der Beschwerdebrief, den der Generalkonsul ans Auswärtige Amt geschrieben hat.

    Super finde ich auch das Zitat „Wir legen schon Wert auf Augenhöhe“ (in Bezug auf ein Treffen mit Abgeordneten, das die deutsche Delegation abgesagt hat). Um mit dieser Truppe auf Augenhöhe zu sein, müssten viele vermutlich arg weit in die Hocke gehen.

  4. Christian
    19. August 2008, 15:04

    mir gefiel vor allem die Vermutung der Abgeordneten, das Konsulat wäre ansonsten wohl hauptsächlich damit beschäftigt, betrunkene Touristen aus Gefängniszellen zu holen und könne deshalb sich nicht darauf einstellen, wie man Abgeordnete zu behandeln habe.

  5. nilsn
    20. August 2008, 2:24

    Ich würde gerne etwas zu dem Herrn Heine sagen, aber „unfassbarer Unfug“ reicht völlig aus.

    Ich geh mal ins Bett, vielleicht habe ich das ja auch nur geträumt, hoffentlich!

  6. Lukas
    22. August 2008, 1:58

    Einige der im „Spiegel“ erwähnten Abgeordneten haben sich inzwischen zu dem Artikel geäußert und zeigen eine etwas andere Sicht der Dinge: Hubert Hüppe und Annette Widmann-Mauz.

  7. SvenR
    22. August 2008, 8:40

    Ich würde den Abgeordneten gerne glauben, die Frage, die sich stellt, ist, warum das Konsulat so etwas schreibt und es sogar öffentlich wird…parteipolitische Spirenzchen können es nicht sein, weil ja mehrere Parteien betroffen sind.

  8. Thomas
    22. August 2008, 8:56

    Herr Hüppe schreibt, dass sein Flugmeilenkonto beweise, dass er Business Class geflogen sei. Niemand hat wirklich etwas anderes behauptet. Im Spiegel-Artikel wird erwähnt, dass Hüppe am Flughafen in perfektem Englisch, nach einem Upgrade in die erste Klasse gefragt hatte. Bei diesen sogenannten Upgrades handelt es sich um ein kostenloses Aufwerten des Tickets, wie es einige Fluggesellschaften bei Vakanzen in der ersten Klasse quasi aus Kulanz anderen Reisenden zur Verfügung stellen. Manchmal hilft ein dreistes Fragen (was Hüppe wohl versucht hat), manchmal wird das Vielfliegern bereits beim Einchecken von der Fluggesellschaft angeboten. Dabei sei nochmals zu erwähnen, dass ein solches Upgrade i.d.R. kostenlos ist. Selbst wenn Hüppe dieses Upgrade erhalten hätte und er tatsächlich erster Klasse geflogen wäre, so könnte er mit seinem Flugmeilenkonto immer noch nachweisen, dass er ja eigentlich nur Business Class gebucht hatte.

  9. Christian
    22. August 2008, 8:56

    Das ist doch beruhigend: „Von den vielen Anfragen, die mich seit Montag erreichen, richten sich die meisten darauf, ob ich denn nun Erster Klasse geflogen sei oder nicht. Ich bin Business Class geflogen, und mein „Flugmeilenkonto“ belegt das. Ich habe der SPIEGEL-Redakteurin in unserem Telefonat letzte Woche angeboten, ihr diese Unterlagen rauszusuchen und zukommen zu lassen. Das interessierte sie aber nicht.“

    Bitte nicht auf UNSERE Kosten erste Klasse fliegen und den Bsirske machen! Nen Neger bestellen dagegen? Ja, warum nicht.

  10. SvenR
    22. August 2008, 9:29

    @ Christian #9:

    Das mit dem Neger wird Herrn Hüppe doch gar nicht unterstellt. Bitte die Kirche im Dorf lassen…