Schwarz-Weiß-Bäckerei

Von Lukas Heinser, 13. Februar 2015 23:08

Das hätte so eine schöne Geschichte werden können. Über Nostalgie und Political Correctness, über kulturelle Identitäten und Gebäck. Vielleicht hätte Harald Martenstein die Meldung aufgegriffen und falsch verstanden, vielleicht hätte ich irgendeinen Reporterpreis bekommen. Aber: nee!

Anders gesagt: Weil ich nicht jeden Morgen vor der Arbeit in der gleichen Bäckerei ein Mettbrötchen und eine Rosinenschnecke kaufen will (die Verkäuferinnen kennen mich inzwischen, bald schon werden sie mich beim Namen nennen), war ich letzte Woche bei einem Mitbewerber und kaufte ein Mettbrötchen und — einen Amerikaner.

Ich mag dieses Gebäck mit dem merkwürdigen Namen (bitte unbedingt auch den Wikipedia-Eintrag dazu lesen!) und ich mag es seit meiner Kindheit. Nur: Damals waren die Amerikaner schwarz. Ich bin ein Fan von kakaohaltiger Fettglasur, Zuckerguss ist eher nicht so mein Ding. Aber die meisten Amerikaner, die man heute kaufen kann, sind weiß. Der, den ich kaufte, war immerhin halb-halb. Aber: Warum ist das so?

Zunächst einmal stellte ich fest, dass ich mit „damals“ womöglich auf dem Holzweg war: Umfragen im Kollegenkreis ergaben, dass Amerikaner andernorts schon früher eher weiß oder halb-halb gewesen waren, gänzlich schwarze waren teilweise unbekannt. Handelte es sich dabei also um eine Dinslakener Spezialität, gar eine der inzwischen geschlossenen Bäckerei Hallen?

Amerikaner (Gebäck)

Bei den Begriffen „Amerikaner“, „schwarz“ und „weiß“ fällt es schwer, nicht an etwas anderes zu denken als an so ein banales Teilchen. Und deswegen war ich auch neugierig, was eine mögliche Evolution des Amerikaners anging: War ich hier größeren Political-Correctness-Zusammenhängen auf der Spur? Aber wie hätten die ausgesehen? Wäre die Bezeichnung „Amerikaner“ für ein schwarzes Backwerk rassistisch gewesen oder für ein weißes? Schon bevor es losging, hatte ich mich hoffnungslos in der Semantik verheddert.

Egal: Ich wollte Fakten und schickte eine Presseanfrage an den Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

– Täuscht mich mein Eindruck und war die Dominanz der „schwarzen Amerikaner” in meiner Kindheit womöglich regional bedingt? (Ich bin am Niederrhein aufgewachsen.)
– Hat es tatsächlich eine Art Evolution bei der Glasur der Amerikaner gegeben? Falls ja: Welche Gründe gab es dafür?
– Gibt es irgendwelche Statistiken darüber, wie die prozentuale (womöglich gar: regionale) Verteilung der verschiedenen Glasuren aussieht?

Dort konnte man mir nicht weiterhelfen und verwies mich an den Deutschen Konditorenbund. (Ich denke mir diese Verbände und Bünde übrigens nicht aus. Ich bin mir sehr sicher, dass sie bereits seit dem Mittelalter existieren und auch noch da sein werden, wenn die letzten Zeitungen, TV-Sender und Multichannel Networks dicht gemacht haben werden.)

Die Antwort auf meine (zugegebenermaßen reichlich bekloppten) Fragen fiel durchaus rührend, aber auch etwas unbefriedigend aus:

Sehr geehrter Herr Heinser,
über Ihr Interesse an dem Backerzeugnis „Amerikaner“ freuen wir uns.
Die Glasur eines „Amerikaners“ hat viele / zahlreiche Spielarten. Allerdings gibt es bis heute keine statistische Angaben über die Häufigkeit der verschiedenen Erscheinungsformen. Ohne entsprechende Erhebungen fehlt es daher an der Tatsachenbasis, um Ihre Fragen zuverlässig beantworten zu können.

Ich bin jetzt so schlau wie vorher — tatsächlich bin ich sogar neugierig, wie die weiteren der zahlreichen Glasur-Spielarten wohl aussehen könnten.

Aber ich dachte mir: Wenn ich schon erfolglos im Dienste der Leserschaft recherchiert habe, kriegen wir das ja vielleicht umgekehrt hin.

Also: Welche Glasur hatten/haben die Amerikaner denn so bei Ihnen in der Region? Und: Wollen Sie die Zuckergusshälfte von meinem?

39 Kommentare

  1. wolframcgn
    13. Februar 2015, 23:30

    53819 Neunkirchen-Seelscheid: Zuckerguss Kindheit, kann heute anders sein)
    53804 Much: Zuckerguss (hier könnte ich auch während meiner Schulzeit einen schwarz-weissen gegessen haben)
    51103 Köln: Zuckerguss

    Irgendwann hab ich aber mal so einen Svhwarz-weißen gegessen. Weiß nicht mehr wann/wo – aber ich mochte Schokolade lieber + es war nicht so eklig klebrig.

  2. Maik
    13. Februar 2015, 23:30

    Der Standardamerikaner in Minden war definitiv weiß. Halb und halb gab es noch öfter als Option. An komplett dunkle erinnere ich mich kaum. Höchstens mal als Aktionsware.

  3. Michael
    14. Februar 2015, 1:37

    München: Zucker
    Lässt sich übrigens auch gut auf Homepages von Grossbäckereien rausfinden. Allerdings weiß ich über die Geschichte dazu nichts.

  4. Christian
    14. Februar 2015, 2:14

    In Neuss (also nicht soweit weg von Dinslaken) sind schwarze Amerikaner praktisch unbekannt. Kannte immer nur die weiße Variante. Wo kriegt man denn diese Schwarze, bin jetzt neugierig…

  5. Beno
    14. Februar 2015, 2:58

    Dortmund ’80er/’90er Jahre: Überwiegend halb-halb, nur selten ohne Schoko. Wobei unter der Schokohälfte ja auch Zuckerguss ist. War bei Ihren schwarzen Amerikanern kein Zuckerguss unter der Schokoglasur?

  6. Jan
    14. Februar 2015, 3:17

    In Bremen waren und sind die grundsätzlich mit Zuckerguss, manchmal auch ein leicht zitruslastiger Zuckerguss, auf jeden Fall aber weiß. Gelegentlich taucht in einer Bäckerei mal ein halb-halb Amerikaner auf, aber das wirkt eher wie verwirrender Schnickschnack.

  7. Blavont
    14. Februar 2015, 5:16

    weiß in Ostfriesland, 80er Jahre

  8. Thomas Kuban
    14. Februar 2015, 6:47

    Bin jetzt 45.
    Es gab sie auf Kindergeburtstagen von meiner Mutter gebacken, immer weiß. Sie stammt aus Schlesien. ;)
    Wo auch immer ich gewohnt habe: Hamburg, Nähe Köln, Würzburg. Bis in die 0er Jahre waren es weiße Amerikaner, die ich sah. Schokolade ist mir erst vor einigen Jahren aufgefallen. Vielleicht vor 7-10 Jahren, wohne jetzt Östlich von Nürnberg.

  9. Steffi
    14. Februar 2015, 7:59

    38889, in den 90er Jahren. Weiße Glasur. Und manchmal auch weiß und rosa…

  10. Dirk
    14. Februar 2015, 9:07

    53859 Niederkassel in meiner Kindheit/Jugend: Weiß. Alles weiß mit Zuckerguß. Vielleicht gab es auch mal halb/halb, aber die Regel war weiß. Ist auch jetzt in Köln noch so der Fall, wenn ich mal welche sehe.

  11. Guido
    14. Februar 2015, 9:12

    Duisburg, 70er/80er/90er Jahre: immer weiß! Die schwarze Variante ist mir noch nie aufgefallen.

  12. Steffen
    14. Februar 2015, 9:31

    Hm. Ich bin irritiert. Bei mir (32) in der Gegend südlich von Stuttgart waren Amerikaner eigentlich immer halb und halb. Schon seit frühester Kindheit. War mir bis eben nicht im Klaren darüber dass es auch noch andere Varianten gibt.

  13. Ella
    14. Februar 2015, 9:44

    In den 70ern Zuckerguss, später auch halb und halb, nie ganz schwarz im Landkreis Friesland.

  14. André
    14. Februar 2015, 9:58

    14532, wenn ich mich recht erinnere, gab’s bei uns Amerikaner erst nach der Wende ;) Glasur war stets weiß.

  15. @froileinmueller
    14. Februar 2015, 10:08

    in Unterfranken, Landkreis Schweinfurt, grob um die PLZ 97421, waren und sind die süßen Teilchen seit meiner Kindheit Ende der 1980er schwarz-weiß. die weiße Zuckergußhälfte stößt bei mir allerdings auch auf keine große Gegenliebe. insofern lehne ich Deine Hälfte dankend ab.

  16. Christine
    14. Februar 2015, 10:20

    Bin im östlichen Münsterland aufgewachsen und bei uns waren die Amerikaner in den 70ern und 80ern immer nur weiss.

  17. Ana
    14. Februar 2015, 11:16

    Rheingau, Hessen: Ich habe noch nie etwas anderes als weiße Glasur gesehen, bin gerade ein bisschen verwirrt.

  18. Andi
    14. Februar 2015, 15:48

    Bin in Krefeld aufgewachsen und habe sie nie anders als in weiß gesehen.

    Okay, einmal in hellgrün, aber das war ein Kindergeburtstag. ;) Und gefärbter Zuckerguss zählt im Sinne der Frage hier wohl ebenfalls als weiß.

  19. jj preston
    14. Februar 2015, 17:13

    Ich kenne sie nur entweder komplett weiß (und im Geschmack zitrusartig) oder rosa-weiß. Die schwarze Variante habe ich hier in Hamburg und Umland noch nie gesehen. Was ich in der Symbolik etwas rassistisch finde… -.-

  20. Tom
    14. Februar 2015, 19:08

    südöstliches Münsterland, 70er-80er:
    Standard war die Zuckergussversion. Hin und wieder wurde in unserer Bäckerei die komplett schwarze bzw. braune Glasur angeboten, dieses Backwerk wurde dann als „Afrikaner“ angeboten (kein Witz).
    Die Hybridvariante hatten wir mE gar nicht.

  21. Kiki
    14. Februar 2015, 19:26

    Kindheit in den 70ern in Hessen, Raum Dreieich: Nur die zuckergusshaltige Variante (mit Zitrone drin? Keine Ahnung, ich mochte die Dinger noch nie). Sehr gelegentlich sah ich dann ab den 80ern in Hamburg und Schleswig-Hlstein mal ein Exemplar mit rosa Zuckerguss, oder auch halb weiss, halb rosa. Ich hab‘ noch nie die Schokovariante gesehen.

  22. Gerd
    14. Februar 2015, 20:06

    1955 Berlin: kann mich nur an Amerikaner mit weissem Boden erinnern, die waren mir damals schon zu süß.

  23. SvenR
    14. Februar 2015, 20:33

    Als ich, Jg. 1968, Kind war, waren sie in Hessen, Raum Mühlheim :-) weiß und schwarz, wobei die weissen etwas in der Überzahl waren. Heute sind sie bei uns fast ausschließlich weiß, vielleicht 10 % weiß/schwarz und ganz ganz selten ganz schwarz.

  24. JanM
    14. Februar 2015, 21:12

    Seit 34 Jahren sehe ich bewusst immer nur weiße in der norddeutschen Tiefebene. Aber früher waren sie fruchtiger und zitroniger und eh besser.

  25. Thomas Kuban
    14. Februar 2015, 21:22

    Meines Wissens nch wird der Zuckerguss im legendären Dr. Oetker Backbuch mit Zitronensaft angerührt.

  26. Lukas Heinser
    14. Februar 2015, 22:22

    @Beno:

    Wobei unter der Schokohälfte ja auch Zuckerguss ist.

    Also, unter dem oben abgebildeten Teilchen nicht (oder ich habe es nicht bemerkt).

    War bei Ihren schwarzen Amerikanern kein Zuckerguss unter der Schokoglasur?

    Um Himmels Willen, nein! Das war reine Schokoglasur.

    @All: Wow, vielen Dank! Ich hätte nie gedacht, dass meine Kindheit derart exotisch war!

  27. chrispop
    15. Februar 2015, 4:02

    kindheit & jugend (80er-90er jahre) im tiefsten ostwestfalen/lippe: eigentlich immer halb & halb.
    mittlerweile in düsseldorf: weiss (wenn man bei den ketten überhaupt mal welche bekommt).
    fällt mir aber jetzt auch grad erst auf, dass die früher anders aussahen…

  28. JMK
    15. Februar 2015, 16:18

    Heidelberg in den 80ern: nur schwarz, irgendwann kam halb/halb und weiß dazu

  29. strawberry
    15. Februar 2015, 16:27

    Das mit der Schokoglasur sehe ich einfach als einen Versuch an, das Teil zu veredeln, um es teurer und an ein breiteres Publikum verkaufen zu können. Es gibt ja beispielsweise auch Schoko-Croissants und Schoko-Krapfen (-Berliner).

    Was mich aber zum Staunen gebracht hat, ist die nebenbei gemachte Bemerkung, dass dort die Bäckereien alle Mettbrötchen verkaufen. Was ist denn das für eine Gegend? Heißen denn dort die Bäckereien überhaupt noch so, oder nennt man sie inzwischen der Einfachheit halber „Mettbrötchenladen“?

  30. Tina
    15. Februar 2015, 20:58

    Hier in Frankfurt in meiner Kindheit (60er Jahre) bis heute gab es immer schokoladige (lecker) und weisse (bäh), aber keine halb und halb. Und selbstverständlich kein Zuckeguss unter der Schokolade – igitt.

  31. Lupus
    16. Februar 2015, 20:21

    @JMK: mein Bäcker in Heidelberg (70er/80er) hatte m.E. schon immer halb/halb!
    Wobei mir der weiße Belag immer besser schmeckte …

  32. moritz
    16. Februar 2015, 23:14

    Das reißt alte Wunden auf, so sehr dass ich jetzt sogar mit der miserablen Tastatur meines Handys kommentieren muss:

    Bis zu meinem 11. Lebensjahr wuchs ich im Rheinland, namentlich dem Siebengebirge, auf. Jeden Sonntag gingen wir als gute rheinische Katholiken in die Messe, danach kamen wir beim Konditor des Dorfes vorbei. Wir durften uns ein Teilchen oder ein Stück Kuchen aussuchen, ich nahm fast immer den Amerikaner, auf dessen Zuckerguss auch noch drei bis vier Smarties fest geklebt waren. Bekam ich einen mit vier, war es ein besonders guter Sonntag (zumal die Messe vorbei war).

    Mit 11 zogen wir, um einen Vater erleichtert, nach Wesel. Und da war das Geld etwas knapper, weswegen es nicht mehr jeden Sonntag Teilchen gab. Und vor allem: es gab nirgendwo weiße Amerikaner, und auf der Schokolade waren auch nie Smarties.

    Long story short: gut möglich, dass das eine regionale Eigenheit am Niederrhein ist. Und danke, dass diese Erinnerung wieder aufleben dürfe.

  33. ally1971
    17. Februar 2015, 14:51

    Weißer Zuckerguss! So hat ihn meine Mama immer gemacht, damals in Osthessen.

  34. haenschenklein
    17. Februar 2015, 16:36

    in Kiel in den 80ern (= Kindheit): weiß. Meine, mich aber auch an halb weiß, halb rosa erinnern zu können, also mit gefärbtem Zuckerguss.
    Habe kürzlich selbst welche gebacken und, weil es im Rezept stand, schwarz-weiß glasiert. Und muss sagen: Sieht zwar besser aus, aber mir ist (zitroniger) Zuckerguss lieber, könnte mich also zum Teilen anbieten :-)

  35. strawberry
    17. Februar 2015, 18:05

    Wenn man den oben angesprochenen Wikipedia-Artikel liest und auch einmal auf die englische Version klickt, erfährt man, dass der Black & White Cookie ein typischer New Yorker Snack ist. Er hatte einmal auch einen Auftritt in einer Seinfeld-Episode. Look to the cookie!
    https://www.youtube.com/watch?v=IlLPAIrmqvE

    (Ich selbst hab die trockenen Dinger als Kind immer gemieden, Schokorolle und Bienenstich waren mir lieber. Daher weiß ich auch nicht mehr, wie sie aussahen).

  36. strawberry
    17. Februar 2015, 18:23

    Hier noch der Text eines Amerikaners, der ein wenig gereizt ist über die „unsensible“ deutsche Bezeichnung (kann ich nicht nachvollziehen). Der Text ist auch in der englischen Wikipedia verlinkt, allerdings ist der Link dort veraltet.
    http://archive.today/MnseZ

  37. hape
    25. Februar 2015, 16:22

    Oberbergischer Kreis, 90er und 00er, Amerikaner nur mit weißem Zuckerguss
    Aachen, 00er, ebenso.
    Hab in Berlin noch keine Amerikaner in den Bäckereien wahrgenommen.

  38. Lukas Heinser
    4. März 2015, 10:49

    @Beno: Ich habe das oben abgebildete Produkt noch mal gekauft (also: ein baugleiches) und musste doch feststellen, dass auch unter der Schokoglasur Zuckerguss ist. Anders wäre vermutlich technisch auch schwierig.

  39. Mathias
    6. März 2015, 9:38

    In meiner Kindheit (80er) in Nordbaden gab es schwarze und weiße. An halb und halb kann ich mich nicht erinnern. Die kamen erst später.