Zwei Männer, die reden
Von Lukas Heinser am Montag, 9. Februar 2009 19:16
Kategorie: Digital Ist Besser, Political Science
Zu meinen liebsten journalistischen Formen gehört das Gespräch, wie es beispielsweise von Roger Willemsen in “Willemsens Woche” geführt wurde, oder wie man es manchmal noch im talk radio hört.
Die interessantesten Gespräche der letzten Monate im deutschen Fernsehen wurden am offenen Lagerfeuer von “Ich bin ein Star, holt mich hier raus!” geführt. Sonst gibt es O-Töne, die knackig klingen sollen und deshalb völlig übersteuert sind (inhaltlich, nicht akustisch), lauwarme Beichtstunden bei Reinhold Beckmann und Johannes B. Kerner, sowie die Volkstheater-Aufführungen bei Maybrit Illner und Anne Will. Aber dafür gibt es ja jetzt das Internet.
Peter Müller, der Ministerpräsident des Saarlandes, über den ich außer seiner Parteizugehörigkeit (CDU) nun wirklich gar nichts wusste, war zu Gast in den Büros von spreeblick.com und Johnny Haeusler hat mit ihm … ja: gesprochen.
Es ist kein durchrecherchiertes, auf knallharten Journalismus getrimmtes Interview — was durchaus gut ist, denn es wäre albern anzunehmen, dass Politiker nicht auf knallharte Fragen vorbereitet wären. Stattdessen kommen Fragen, die für Polit-Kommunikatoren eher schwer vorhersehbar gewesen sein dürften, und auf die Müller deshalb auch sehr offen antwortet.
Es geht weniger um konkrete Sachlagen (dafür gibt es ja die Zwanzig-Sekunden-O-Töne in der “Tagesschau”), als vielmehr um ein größeres Ganzes. Ich hätte bei vielen Fragen gleich miterklärt, was social networks sind, aber Müller macht den Eindruck, als wisse er durchaus Bescheid, ohne gleich berufsjugendlich-ranschmeißerisch zu wirken. Er hält es für “völlig unmöglich”, technische Entwicklungen aufzuhalten, und spricht sich “im Zweifel für die Freiheit” aus. Müller erklärt, welche Bedeutung das “C” in “CDU” hat, und schafft es sogar, seinen (meiner Meinung nach unnötigen) Vorstoß, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern, schlüssig zu begründen.
Ich habe mir die Naivität bewahrt zu glauben, dass Politiker auch Menschen sind. Zyniker werden wieder losbrüllen, das sei alles Pose und Spreeblick habe sich vor den Wahlkampfkarren spannen lassen. Aber da ich auch glaube, dass die, die nichts zu sagen haben, immer am lautesten brüllen, empfiehlt es sich vielleicht einfach, mal einem leisen Gespräch mit einem Politiker aus der zweiten Reihe zuzuhören. Einem bodenständigen, sympathischen Mann, bei dem man nicht Angst haben muss, er werde als nächstes “Yes we can!” brüllen. Jemandem wie Peter Müller eben.
Montag, 9. Februar 2009 19:51
Und Star Trek-Fan ist er auch.
Montag, 9. Februar 2009 20:02
Müller war mir schon in “normalen” Politikerinterviews positiv aufgefallen. Jetzt kommt er wirklich sehr sympathisch, geerdet und klug rüber.
Montag, 9. Februar 2009 20:36
@Marc:
Das heißt nix. Das ist Andrea Nahles auch.
Dienstag, 10. Februar 2009 0:22
Sehr interessantes Gespräch, auch wenn ich nicht glaube, dass Herr Müller wusste, was ein “Fake” ist. :)
Dienstag, 10. Februar 2009 1:34
trotzdem hat er die leute-verarsche im bundestag damals blitzsauber mitinszeniert und mitgetragen.
Dienstag, 10. Februar 2009 2:06
Ja, das war das einzige, was mir außer seiner Parteizugehörigkeit noch zu Peter Müller eingefallen wäre.
Dienstag, 10. Februar 2009 6:36
klar sind Politiker auch bloß Menschen.
Gut bezahlt zwar, aber dafür müssen sie auch was abkönnen.
Abgesehen davon- jeder Psychologe weiß: wer am lautesten schreit, hat die größte Angst!
Dienstag, 10. Februar 2009 11:23
Irgendwie wird aber auch dieses Interview nicht dafür sorgen, dass Peter Müller nicht mehr die Innenseite unseres Klodeckels schmückt.
OK, das war geschmacklos, aber ich fühle mich irgendwie der Wahrheit verpflichtet :)
Mittwoch, 11. Februar 2009 10:23
Politiker aus der zweiten Reihe? Der ist Ministerpräsident :)
Aber es ist Wahlkampf im Saarland und er wollte auch mal auf die Internetsache aufspringen. Wenn seine Konkurrenz schon bei Facebook Unterstützerseiten einrichtet usw.
Klar sind Politiker nur Menschen. Mit fast allen kann man ein Bier trinken gehen. Selbst wenn man eine ganze andere Politik vertritt!
Übrigens: So viel verdienen Politiker mit Blick auf ihr Stundenpensum gar nicht. Es ist angemessen.
Mittwoch, 11. Februar 2009 10:38
Im Saarland!
Mittwoch, 11. Februar 2009 12:06
Ich darf das da mal nicht unkommentiert lassen.
Er mag zwar bodenständig rüberkommen (evtl. ist er es auch), aber in seiner Amtszeit wurde unheimlich viel Murks gemacht bzw. in Beriechen nix gemacht, die er als Wahlkampfthema auserkoren hatte oder die dringend nötig für das Saarland gewesen wären.
Vielleicht mal zwei Themen exemplarisch:
- Bildungspolitik
Ein vermurkstes G8 (Abi nach 8 Jahren Gymnasium), wo sich inziwchen all die Probleme bewahrheitet haben, die Kritiker damals vorgebracht haben. Die Hochschulpolitik war auch unterste Schublade.
-Bergbau
Peter Müller hat 1999 einen Ausstieg aus dem Bergbau versporchen. Aber selbst als es heftige Beben gab, ist die Staatskanzlei lieber abgetaucht.
Und leider findet auch seit zehn Jahren keine Umweltpolitik mehr statt.
Aber um einen Bogen zu “Yes we can” zu schlagen: Einer der großen Wahlkampfslogans 1999 war: “Die Zukunft hat einen Namen: Peter Müller”
Warum nicht gleich “Max Mustermann”…?
Mittwoch, 11. Februar 2009 13:57
Ist bodenständig nicht auch nur ein Euphemismus für Leute, die glauben, Strom käme aus der Steckdose?
Donnerstag, 12. Februar 2009 8:49
Exakt.
Disclaimer: Ich bin Saarländer und war mit Herrn M. noch nie einverstanden.
Freitag, 13. Februar 2009 7:47
@ckwon
Mein Eindruck (als Exilsaarländer) ist, dass Peter Müller dem Saarland eher gut getan hat – jedenfalls besser als der verfilzte Klüngel, der das Land vorher ruiniert hat. Alleine die Skandale der SPD (besonders die von OL) aufzuzählen, würde hier den Rahmen sprengen.
Da eine Parteien-Diskussion aber zu nichts führen wird, kann man ja einfach mal ein paar Zahlen heranziehen. Hier gibt es Rankings für Wirtschaft, Bildung etc.:
- http://www.insm-bildungsmonitor.de/
- http://www.insm-bundeslaenderranking.de/
- http://www.insm-staedteranking.de/
Da schneidet das Saarland eher gut ab. Ich find Peter Müller gut!
Sonntag, 15. Februar 2009 3:07
Jubb, denn wer könnte als Quelle glaubwürdiger und objektiver sein als die vulgärliberalen Wirtschaftrabulisten der ‘Initiative Neue Soziale Markwirtschaft’…
Müller selbst mag ja ein sympathischer, umgänglicher Mensch sein, selbst Angela Merkel soll angeblich privat ganz vernünftig sein – G.W. Bush war ein guter Gastgeber und hat m.M.n. sogar Talent als Alleinunterhalter, ABER:
Bush ist ein Kriegsverbrecher der tausende Menschen auf dem Gewissen hat um die wirtschaftlichen Interessen seiner Kumpels durchzusetzen, Merkel ist eine Freundin der Hochfinanz, die diese putzigen Zweckgesellschaften und Kreditderivate gar nicht schnell genug in Deutschland einführen konnte und Müller fand es offenbar nicht besonders wichtig weder die kriminellen Machenschaften von Bush noch von Merkel zu kritisieren.
Und wenn er aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage ist ein Land verantwortlich zum Wohle aller zu regieren und zu gestalten, dann sollte er doch besser zurücktreten und Leute an die Macht lassen die keine Probleme damit haben sich Feinde bei Big Business und Big Money zu machen…
Sonntag, 15. Februar 2009 13:31
Äh, ja.