Desperate Housewife

Von Lukas Heinser, 11. September 2007 13:50

Kaum ist Eva Herman beim NDR rausgeflogen, macht sich die mediale Häme überall breit. Obwohl verbale Entgleisungen der Auslöser der ganzen Geschichte waren, scheuen sich diverse Kommentarwichsmaschinen nicht, den anrufenden Pressevertretern noch weiteren Schmonz in ihre Blöcke zu diktieren, wo ein einfaches „Ich habe den Rauswurf von Frau Herman mit Erleichterung/Wohlwollen/stiller Freude zur Kenntnis genommen und möchte die weitere Analyse gern den beteiligten Parteien und Arbeitsrechtlern überlassen“, auch getan hätte.

Gemeiner sind nur noch die Bildredaktionen der Online-Medien:

Eva Herman (links) und Britney Spears (rechts) bei “Spiegel Online”
Screenshot: „Spiegel Online“

Ich hatte schon beinahe einen Herzstillstand erlitten, als ich feststellte, dass die halbnackte blonde Frau bei „Spiegel Online“ nicht Eva Herman war, sondern Britney Spears. Allerdings dürfte inzwischen für beide Damen das große Billy-Wilder-Zitat gelten, wonach eine Karriere am Besten in einem Wort zusammengefasst werden könne: „Vorbei!“

Es geht aber noch besser/böser, denn es gibt ja noch „Bild.de“. Oder glauben Sie wirklich, diese äußerst unglückliche Kombination von Foto und Bildunterschrift, die pubertäres Gekicher anzieht wie sonst nur Jahrestage TV-Dokumentationen, sei ein Produkt des Zufalls?

Eva Herman bereut ihren Fehltritt bei “Bild.de”
Screenshot: „Bild.de“

Nachtrag 20:09 Uhr: Okay, ich bin offenbar der Einzige, der das „Bild“-Foto irgendwie lustig oder zweideutig fand. Vielleicht sollte ich doch mal darüber nachdenken, erwachsen zu werden.

Das Ende der Herman-Schlacht

Von Lukas Heinser, 9. September 2007 15:17

Manchmal bin ich doch überrascht von der Schnelligkeit eines öffentlich-rechtlichen Senders.

Da schreibt das „Hamburger Abendblatt“ am Freitag als einzige anwesende Zeitung darüber, dass Eva Herman bei der Präsentation ihres neuen Buches „Das Prinzip Arche Noah“ die „Wertschätzung der Mutter“ im Nationalsozialismus als „sehr gut“ bezeichnet habe (mehr zur „relativ eingeschränkten“ Wertschätzung der Mutter bei den Nazis gibt’s bei wirres.net) und schon am Sonntag vermeldet „Welt Online“ Vollzug:

Volker Herres, NDR-Programmdirektor Fernsehen, sagte: „Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin. Dies ist nach ihren Äußerungen anlässlich einer Buchpräsentation in der vergangenen Woche deutlich geworden.“

Im Gegensatz zu 3,7 Millionen anderen Arbeitslosen in Deutschland wird Frau Herman auch ohne ihren Posten als freie NDR-Mitarbeiterin gut verdienen, denn vermutlich wird gerade diese Geschichte den Erfolg ihres Buches noch weiter vorantreiben.1 Trotzdem finde ich es beruhigend, dass Personen, die derart unreflektiert über die Zeit des Nationalsozialismus sprechen, nicht weiter durch Fernsehgebühren finanziert werden.

[via Pottblog]

1 Auch wenn ich glaube, dass ihre Bücher mehr gekauft und weniger gelesen werden.

Seite: << 1 2