Suchergebnisse

Es ist nicht immer Delmenhorst

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 10. Juli 2009 20:40

Und Sie hatten schon gedacht, ich hätte es vergessen:

Heute ist die neue Single der Kilians erschienen. Es handelt sich dabei um den Song „Hometown“, den ich hier schon einmal gepriesen hatte, und der laut Simon den Hartog trotz allem nicht von Dinslaken handelt.

Trotzdem hätte ich es natürlich irgendwie funky gefunden, das Video in Dinslaken zu drehen, aber es ist auch so ganz hübsch geworden:

[Direktlink]

Vielleicht erklärt Chris Martin dem Simon ja bei den Coldplay-Konzerten ja noch, wie man das mit dem Rückwärtssingen noch besser hinkriegt …

Eine B-Seite gibt’s übrigens auch bei der Single: Einen „Hometown“-Remix der Salazar Brothers (die wo die neue Mando Diao gemacht haben), den man sich auch ohne Kaufen bei last.fm anhören kann.

Die Single gibt’s in allen bekannten Downloadstores. Die Kilians, viele andere Bands und die Überschrift-inspirierenden Element Of Crime gibt es noch morgen und übermorgen beim Fest van Cleef.

Zirkelschluss-Episode zum Abschluss: Vorgestern saß ich mit Simon den Hartog in einem Kölner Bus, als eine Frau im Michael-Wendler-T-Shirt einstieg. Ich bin ja immer noch der Meinung, man müsste Michael Wendler feat. Kilians zum Grand Prix nach Tromsø schicken.

Bochum Total 2009

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 6. Juli 2009 14:22

In den letzten Tagen war Bochum mal wieder der Mittelpunkt irgendeiner Welt — mutmaßlich der Musikwelt Nordrhein-Westfalens. Jedenfalls war Bochum Total und aus mir selbst nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wollte ich möglichst viel davon mitkriegen.

Ort der Gegensätze: Bochum Total

Vier Tage, 60 Bands, hunderttausende Liter Bier und noch ein bisschen mehr Regenwasser — eine persönliche Dokumentation:

Donnerstag, 2. Juli

Man kann nicht behaupten, ich sei schlecht vorbereitet gewesen: Centimeterdick hatte ich Sonnencreme aufgetragen, um eine zerfetzte Nase wie nach meinem Nordsee-Urlaub zu vermeiden. Ich hatte eine Sonnenbrille auf, die nicht nur ungefährdetes fassungsloses Anstarren bizarr gekleideter Menschen ermöglichte, sondern auch derbste Gewittertierchen-Schwärme davon abhielt, mir in die Augen zu fliegen. Warum das alles nur halbgut vorbereitet war, lesen Sie gleich …

Hier geht es weiter.

Stadt, Land, Flucht

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 17. Juni 2009 22:54

Michael Wendler will umziehen — raus aus der durchs „perfekte Promidinner“ berühmt gewordenen weißen Villa in Oberlohberg.

Das erklärte der König des Popschlagers und bekannteste Dinslakener der „Rheinischen Post“:

Ein neues Domizil braucht er, weil „die Wendler-Villa in Hiesfeld zur Pilgerstätte geworden ist“. Nachts führen Fans vor, hupten und riefen: „Wendler – komm raus!“ Nicht dass ihn das störte, sturmerprobt durch Festzelte und Mallorca, aber er will Adeline schützen, seine siebenjährige Tochter. Die Nachbarn auch.

Und die schützt er vermutlich am Besten, indem er in der Zeitung verkündet, einen stadtbekannten Reiterhof („das 2003 abgebrannte Gestüt an der Franzosenstraße“) aufkaufen und sich während der Renovierungsarbeiten vom Kamerateam einer Sat.1-Dokusoap filmen lassen zu wollen …

Der Preis des Internets

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 13. Mai 2009 16:14

Sie werden es vermutlich noch nicht mitbekommen haben, aber gestern wurden in Düsseldorf die Nominierungen für den Grimme Online Award 2009 bekannt gegeben.

Unter den 24 Nominierten befindet sich – das wird die Kritiker verwirren – kein einziger Vertreter einer wie auch immer gearteten Berliner Blogger-Szene (allerdings wieder jemand mit Wurzeln in Dinslaken, wie mir meine Mutter sogleich telefonisch berichtete), und ob die vier Nominierungen für öffentlich-rechtliche Projekte wirklich noch jemanden aufregen, wird sich auch zeigen.

Bekanntgabe der Nominierten für den Grimme Online Award 2009

Besonders erfreut bin ich über die Nominierung von freitag.de — an dem neuen Portal der Wochenzeitung „Der Freitag“, das die Grenzen zwischen Journalisten und Bloggern aufheben soll, war ich ja anfangs auch als „Netzwerker“ beteiligt. Ich halte die Idee nach wie vor für einzigartig in Deutschland und hoffe, dass die Nominierung (und die anstehenden Wahlen) dem Projekt weiter Auftrieb geben.

Ebenfalls spontan erfreut (ich kannte den Großteil der Nominierten nicht und möchte mich da erst mal einlesen) war ich über die Nominierung des Sportjournalisten Jens Weinreich und des Amateurfußball-Portals Hartplatzhelden. Obwohl beide Angebote sicher schon von ganz alleine die Nominierungen rechtfertigen, kann man ihre Auswahl auch als Signal in Richtung des Deutschen Fußballbunds deuten, mit dessen Vertretern sowohl Weinreich als auch die Hartplatzhelden schon so ihre Probleme hatten bzw. immer noch haben.

Um Machtfragen ging es Uwe Kammann, dem Direktor des Adolf-Grimme-Instituts, dessen kindliche Begeisterung für das Internet mich immer wieder rührt, dann auch in seinem Schlusswort: Das Internet sei ein Medium der Freiheit und der Aufklärung und die alten Machthaber, die meinten, ihre Flaschenhälse weiter bewachen zu können, würden ihre Kontrolle bald abgeben müssen. Übrigens war in diesem Jahr kein Vertreter der Politik zur Bekanntgabe der Nominierten erschienen.

Die Veranstaltung erinnerte wieder ein wenig an die Bilanzpressekonferenz des Sparkassenverbands Westmünsterland, aber der anschließende Versuch des gemütlichen Herumstehens im etwas ungastlichen Flur der Landesanstalt für Medien taugt vermutlich besser als Sinnbild des Internets, als es tausend Szenetreffen könnten: Da standen dann die bloggenden Journalisten, die Vertreter von Seiten wie dbna, einem Magazin für schwule Jugendliche, dem Brettspiele-Report oder dem digitalen Historischen Archiv Köln, aßen Suppe und tauschten sich aus. Sie sie kommen aus völlig unterschiedlichen Bereichen, haben ganz unterschiedliche Motivationen, aber sie eint, dass sie alle etwas im Internet machen. Manchmal hatte man sich auch nichts zu sagen, aber das ist dann eben so — das Internet ist ja nur ein Werkzeug und sagt noch nichts über die sonstige Gesinnung aus.

Uwe Kammann bezeichnete das Web als Erweiterung der Öffentlichkeit, von dem ein große Öffentlichkeit nur noch nichts wisse. Das zu ändern ist eine Aufgabe des Grimme Online Awards, der schon deshalb mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Die acht Preise plus Publikumspreis werden am 24. Juni in den Kölner Vulkanhallen verliehen — die Preisträger entnehmen Sie bitte wie immer kurz vorher dem Internet.

Der Klammeraffenbumerang

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 13. Mai 2009 0:57

Über die Internetkompetenz von Politikern ist gerade in den letzten Tagen viel gespottet worden und tatsächlich habe ich manchmal den Eindruck, dass meine 76-jährige Großmutter besser mit dem Computer umzugehen weiß als so mancher Bundesminister. (Vermutlich auch besser als einige 25-Jährige, aber darum soll es nicht gehen.)

Manchmal allerdings ist es um die Internetkompetenz von Politikern (oder ihren Mitarbeitern) dann vielleicht doch nicht so schlecht bestellt, wie mancher Beobachter das gerne hätte. Das sieht dann zum Beispiel so aus wie in der Kolumne „Unsere Woche“ in der Jörg Werner, der Dinslakener Lokalchef der „Rheinischen Post“, am vergangenen Samstag schrieb:

Und zum Schluss noch dies: Dinslakens SPD-Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Heidinger hat das Wahlvolk in dieser Woche mit seinem Internet-Auftritt beglückt. Nun wollen wir gar nicht darüber rechten, wie altbacken das von ihm vorgestellte Wahllogo ist. Das ist schließlich Geschmackssache. Eines allerdings gibt uns zu denken. Wer dem Kandidaten eine Mail mailen möchte, sollte dies, so stand es jedenfalls noch gestern nachmittag im Impressum der Seite, unter buergermeister-fuer-dinslaken(ät)arcor.de tun. Mensch, lieber Dr. Heidinger, groß herausposaunen, dass man jetzt einen tollen Internet-Auftritt hat und dann das @-Zeichen nicht finden ... Ist das professionell? Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ich schrieb meinem früheren Chef am Sonntagabend, dass Heidinger diese obskure Schreibweise vermutlich gewählt habe, damit die E-Mail-Adresse nicht so leicht von Spambots gefunden werde, die das Internet durchforsten. (Das dürfte zwar heutzutage kaum noch wirkungsvoll sein, aber die Website sieht ja auch nicht gerade aus, als stamme sie aus dem Jahr 2009.)

Jörg Werner reagierte prompt und vorbildlich, indem er am Dienstag auf der ersten Seite des Lokalteils schrieb:

Professionelles (ät): Auf ein Wort in eigener Sache: Redaktionsleiter, wer hätte das gedacht, sind nicht unfehlbar. Sie sind, ich habe kein Problem, das zuzugeben, nicht allwissend. Aber sie lernen täglich dazu. Warum ich das erzähle? Na ganz einfach, ich hab was dazu gelernt. Da hab ich doch am Samstag die Frage gestellt, ob der Internetauftritt des SPD-Bürgermeisterkandidaten Dr. Michael Heidinger tatsächlich professionell ist, weil das gewohnte @-Zeichen dort durch ein (ät) ersetzt worden ist. Die Antwort auf diese Frage ist: Ja. Denn dieses (ät) gilt, wie ich mich inzwischen habe belehren lassen, als Mittel, sich vor automatischen Programmen auf der Suche nach Adressen für Spam-Mails zu schützen. Nun gut, das kannte ich bislang nur in der Version (at), ob's tatsächlich effektiv hilft, ist auch nicht unumstritten und über die Frage, ob der Trick nicht eher dazu dient, die Erreichbarkeit des Kandidaten für Otto-Normalcomputerbenutzer zu behindern, ließe sich auch philosophieren Aber hier ist nicht der Platz zum Haare spalten. Also, Asche auf mein Haupt, Herr Dr. Heidinger. Die nächste kritische Anmerkung, ich versprech's, trifft aber wieder mitten ins Schwarze. Jörg Werner.

Listenpanik 04/09

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 7. Mai 2009 18:46

Normalerweise könnte ich im Laufe des Monats einen Stapel mit allen CDs bilden und ihn am Ende abarbeiten. Dagegen spricht aber zum einen mein Zwang, neue Tonträger direkt ins Regal einsortieren zu müssen, und zum anderen die Tatsache, dass ich immer mehr Musik als Download kaufe.

Ich bin aber der Ansicht, dass sie dadurch nicht schlechter wird, und entsprechend gut sind dann auch die Sachen, die ich im April gehört und für erwähnenswert befunden habe:

Alben
Great Lake Swimmers – Lost Channels
Beginnen wir mit einem Nachtrag aus dem März, weil mir niemand Bescheid gesagt hatte: Die Great Lake Swimmers aus Kanada machen Folk Rock, was sich als Genre schlimmer anhört denn als Musik. Sie spielen zerbrechliche Balladen, die nur aus der Stimme von Sänger Tony Dekker und Gitarrenklängen bestehen, die vermutlich entstehen, wenn man die Saiten anhaucht oder zu streng anguckt, und etwas schwungvollere Country-Klänge, zu denen man gleich sich gleich auf den Appalachian Trail begeben möchte. Das alles ist ihnen auf dem Vorgängeralbum „Ongiara“ zwar noch etwas stimmungsvoller geraten, aber das war vor zwei Jahren auch ein Überalbum.

Death Cab For Cutie – The Open Door EP
Nochmal März, aber diesmal nur kurz: Death Cab (wie man als aufmerksamer „O.C., California“-Zuschauer ja sagt) haben eine EP mit vier neuen Songs und einer Demo aus den „Narrow Stairs“-Sessions zusammengestellt. Wie immer auf hohem Niveau und auch etwas poppiger als die Songs, die es aufs Album geschafft hatten.

Kilians – They Are Calling Your Name
Überraschung! Ich bilde mir aber auch diesmal wieder ein, dass ich das Album auch dann noch sehr gut fände, wenn ich nicht mit den Musikern befreundet wäre. Musikalisch ist das Album anspruchsvoller und noch etwas abwechlungsreicher als das Debüt (richtig abwechslungsreich wird’s, wenn man sich die Special Edition mit Elektro- und Cha-Cha-Cha-Einlagen anhört) und man hört auch genauer auf die Texte. Das führt etwa bei „Used To Pretend“ dazu, dass man sich hinterher sicher ist, ein unglaublich kluges, aufrichtiges und eindringliches Trennungslied gehört zu haben — und den vielleicht besten Kilians-Song bisher.

Bob Dylan – Together Through Life
Und noch jemand, den man nicht ernsthaft bewerten kann. Auch, wenn ich mich nicht als großen Dylan-Fan (oder gar -Kenner) bezeichnen würde, schätze ich seine Musik und seine Person doch sehr und bin gerade von seinen jüngsten Alben schwer begeistert. „Together Through Life“ steht „Love And Theft“ und „Modern Times“ da in nichts nach: Blues, der mal trocken nach vorne stapft, mal melancholisch am Klavier gespielt wird. Bemerkenswert ist es dann aber schon, dass Dylan mit dem Album die erste UK-Number-One seit 39 Jahren gelungen ist und die Single „Beyond Here Lies Nothin'“, die ein bisschen an „Black Magic Woman“ von Santana erinnert und die es einen Tag als kostenlosen Download auf Dylans Website gab, plötzlich im Radio rauf und runter läuft.

Officials Secrets Act – Understanding Electricity
Es gibt Alben, da weiß ich beim ersten Hören, dass ich sie mag, aber nicht sonderlich oft hören werde. „Understanding Electricity“ könnte dieses Schicksal blühen, obwohl der Indierock zwischen Maxïmo Park, We Are Scientists und The Wombats wirklich schön ist. Mitunter nerven manche abgedrehten Sounds ein bisschen, aber Songs wie „Little Birds“ und „Hold The Line“ (hat nichts mit Toto zu tun) sind dann auf der anderen Seite einfach ganz großer Pop und haben zumindest erhöhtes Mixtape-Potential.

Songs
Kilians – Hometown
Hatte ich nicht gerade noch „Used To Pretend“ als „den vielleicht besten Kilians-Song bisher“ bezeichnet? Ja, klar. Aber wenn die Kilians einen Song namens „Hometown“ schreiben, der auch noch so einen catchy Refrain hat, dann muss der natürlich noch einmal besonders hervorgehoben werden. Auch wenn es angeblich gar nicht um Dinslaken an sich geht, sondern um das Gefühl, von einer Stadt und ihren Menschen geprägt worden zu sein, empfiehlt sich dieser Song natürlich als inoffizielle Stadthymne. Wenn die Dinslakener cool wären, würde im Sommer kein anderes Lied aus Cabrios und offenen Wohnungsfenstern tönen.

Bob Dylan – Life Is Hard
In die Reihe von „Moonlight“ und „Workingman’s Blues #2“ gesellt sich „Life Is Hard“: Ein ruhiger Blues und die Stimme eines Mannes, der alles erlebt hat und den nichts mehr erschüttern kann. Schlicht und ergreifend.

Muff Potter – Niemand will den Hund begraben
Ich weiß nicht, wie oft ich die neue Muff-Potter-Platte „Gute Aussicht“ hören müsste, bis sie mir gefällt. Bei „Steady Fremdkörper“ hat’s ja auch irgendwann geklappt — nur, dass ich die Platte seit Ewigkeiten nicht mehr gehört habe und mich nur an einen Song erinnern kann. „Niemand will den Hund begraben“ könnte also das diesjährige „Die Guten“ sein. Diesmal geht’s aber nicht um Trennungen sondern – Super-Songthema – um Landflucht. Die Schilderung der Heimatstadt, in der es kaum noch junge Leute gibt, und in der alles langsam stirbt, hat schon Springsteen’sche Dimensionen und hätte auch gut auf die letzte kettcar-Platte gepasst. Das war übrigens auch so ein Album, das ich mir erst schönhören musste, um es dann ganz schnell wieder zu vergessen.

[Listenpanik, die Serie]

Programmhinweis: Sie kocht den DJ

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. April 2009 18:27

Morgen bekochen sich beim „perfekten Promi-Dinner“ auf Vox folgende Personen: Theo „Mahn Man“ West (wir erinnern uns), Oliver Beerhenke („Upps! – Die Super-Pannenshow), Kelly Trump („Beate Uhse TV“) und Michael „Der König des Pop-Schlagers“ Wendler.

Da es immer noch eher selten vorkommt, dass bundesweit empfangbare Fernsehprogramme zu Teilen in Dinslaken-Oberlohberg produziert werden, wollen wir diese Sendung zum Anlass nehmen, mal wieder ein Promi-Dinner live zu bloggen:

Am Sonntag, 26. April 2009
Ab 20:00 Uhr
Auf coffeeandtv.de

Hörst Du, sie spielen unser Lied

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 17. April 2009 10:52

Zum siebten Geburtstag seines eigenen Blogs uiuiuiuiuiuiui.de hat Manuel ein Lied über führende deutschsprachige Blogs improvisiert. Trotzdem findet auch dieses hier Erwähnung:


Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog from Manuel Wolff on Vimeo.

[Liedtext und mehr Hintergründe gibt’s hier]

Für einen Moment hatte ich übrigens gedacht, es handele sich um das erste Lied, in dem der Ortsname Dinslaken fällt — aber das stimmt natürlich nicht.

Here In Pleasantville

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 8. April 2009 14:07

In Dinslaken weiß man zu Feiern.

Aus verschiedenen beruflichen und privaten Gründen war ich gezwungen, die letzte Woche in Dinslaken zu verbringen. Es war nicht so schlimm, dass man den Spruch mit dem ärgsten Feind hätte auspacken müsste,1 aber es war schon … außergewöhnlich.

Da war zum Einen jene Geschichte, die über fast die ganze Zeit die Lokalpresse füllte: Heinrich Mühmert, Autohändler, Ringrichter und seit Jahrzehnten Ratsmitglied für verschiedenste Parteien und Splittergruppen, hatte in seiner Haushaltsrede vor dem Stadtrat einen Karnevalsprinzen aus dem Stadtteil Eppinghoven als „schwulen Wicht“ bezeichnet.2

Ratsherren verließen aufgebracht den Saal, Mühmert erhielt einen Ordnungsruf, entschuldigte sich hinterher derart halbherzig, dass sich sein eigener Karnevalsverein3 von ihm distanzierte. Mühmert ist übrigens einer von sechs Bürgermeisterkandidaten in Dinslaken, was unter Berücksichtigung des aktuellen Wahlrechts und der Wahlbeteiligung vom letzten Mal bedeuten könnte, dass er mit gut 4.800 gültigen Stimmen die Stadt regieren dürfte.

Doch auch fernab der … äh: „Politik“ ließ mich die Stadt, in der ich 20 Jahre meines Lebens verbracht hatte,4 nachdenklich zurück: Da waren die schon erwähnten Türsteher der „Kulturkantine“, die zwar 26-jährige Frauen nicht erkannten, aber – so berichtete man mir zumindest glaubhaft hinterher – Minderjährige in die Disco ließen.5 Da war die Kassiererin des Innenstadt-Supermarkts, die mich beim Kauf eines Kastens Bier um Vorlage meines Ausweises bat — wohl weil ich auch mit 25 noch nicht wie 16 aussehe.

Man muss ihr zugute halten, dass an jenem Vormittag die Abiturienten ihre Zulassung feierten6 und es natürlich immer besser ist, einmal zu viel nachzufragen als einmal zuwenig. Die Frage, die sich aus beiden Erlebnissen ergibt, lautet natürlich dennoch ganz klar: Wie zum Henker sehen Teenager in Dinslaken eigentlich aus, dass man sie nicht von Menschen Mitte Zwanzig unterscheiden kann?!

  1. Ich wüsste so spontan auch nicht, wer das sein sollte. []
  2. Fragen Sie mich um Himmels willen nicht, wie man es rhetorisch schafft, in einer Debatte über den Haushalt einen homosexuellen Karnevalsprinzen zu verunglimpfen. Es braucht vermutlich jahrzehntelange Erfahrung, Ex-Mitgliedschaften bei FDP und Schill-Partei und jede Menge aufgestaute Homophobie, um das auf die Reihe zu kriegen. []
  3. Gemeint ist wirklich ein Karnevalsverein, nicht Mühmerts „Offensive Dinslaken“, die später in Teilen allerdings auch noch auf Abstand ging — da sehen Sie mal, was Lokalpolitik wirklich bedeutet! []
  4. Was man nun wirklich niemandem wünschen kann. []
  5. Besonders lustig ist übrigens, dass offenbar auch Bandmitglieder der Kilians, die an jenem Abend gleichsam Gastgeber waren, Probleme am Einlass hatten. []
  6. An die ich meinen Kasten schließlich auch verteilte. []

Overwhelmed by their hometown

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 4. April 2009 15:25

Gestern also spielten die Kilians anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „They Are Calling Your Name“ (erscheint Ende nächster Woche, kann man jetzt schon bei last.fm hören) in ihrer Heimatstadt Dinslaken.

Wie es wirklich war, werden wir am Montag (also 60 Stunden nach dem Konzert) in den Lokalzeitungen lesen können. Da wird dann vermutlich auch die exakte Besucherzahl stehen (Coffee-And-TV-Schätzungen: 1.200 bis 1.500).

Bis dahin verweise ich auf ungefilterte Live-Eindrücke in 13 Fotos und sechs Tweets:

Auf in die Stadt, #Kilians gucken. l:Dinslaken

Hier geht es weiter.

Seite: << 1 2 3 ... 6 7 8 ... 15 >>