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Punch The Button

Von Lukas Heinser, 30. April 2007 13:48

Ich mochte die Sugababes schon immer. Unter allen Girl Groups waren sie diejenigen mit dem meisten Indie Appeal, was sich nicht zuletzt dadurch zeigte, dass sie im vergangenen Jahr „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ von den Arctic Monkeys coverten und sich Starsailor am Sugababes-Hit „Push The Button“ vergriffen.

Von daher ist es eigentlich gar nicht so überraschend, eine Meldung wie diese hier zu lesen:

Sugabes: Pop-Sängerin nach Prügelei festgenommen

(Screenshot: Spiegel Online)

Das ist eine Art von Girl Power, zu der nicht mal deren Erfinder, die Spice Girls, fähig waren.

Mehr Abwechslung wagen

Von Lukas Heinser, 28. April 2007 15:28

Ich will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, ich hätte nichts besseres zu tun, als renommierten Musikmagazinen vergleichsweise nebensächliche Schreibfehler nachzuweisen. Zum einen ist es bei den Kilians, die vorher The Kilians hießen, wirklich nicht ganz einfach mit dem Namen (bis auf die Tatsache, dass da immer nur ein L im Bandnamen war); zum anderen habe ich erst letzte Woche den Namen von Conor Oberst mal wieder falsch geschrieben. Nehmen wir das nun folgende also lieber als Beispiel dafür, wie man durch verschiedenste Schreibweisen lästige Wiederholungen vermeidet und die eigene Arbeit auflockert.

Das Dortmunder Musikmagazin VISIONS hat in seinem aktuellen E-Paper u.a. einen Artikel über besagte Dinslakener Nachwuchsband. Dieser wird auf visions.de so angekündigt:

visions.de: “The Killians”

Im Inhaltsverzeichnis des E-Papers erfährt man dann, auf welcher „Seite“ man den Artikel findet:

visions-weekly.de: “Kilians”

Und der Artikel selbst wird dann so überschrieben:

visions-weekly.de: The Kilians
(Alle Screenshots: visions.de/visions-weekly.de, Hervorhebungen: Coffee And TV)

Ein Klavier, ein Klavier!

Von Lukas Heinser, 26. April 2007 18:35

Jetzt betreiben wir dieses Blog seit fast drei Monaten und ich habe immer noch keinen Satz über Ben Folds verloren. Das ist insofern skandalös, als Folds mein absoluter Lieblingskünstler ist, der gar nicht genug gewürdigt werden kann. Wer noch nie etwas von Ben Folds oder seiner früheren Band Ben Folds Five gehört hat, möge sich bitte erst ein paar Minuten schämen und diese Bildungslücke anschließend schließen.
Der Zustand des Nichtgeschriebenhabens ändert sich heute, denn gleich zwei, nun ja: überraschende bis verwirrende Meldungen aus dem Hause Folds erblickten das Licht der Welt:

Zum einen wird Folds das Solodebüt der Dresden-Dolls-Sängerin Amanda Palmer produzieren. Zwar bestand wohl nicht ernsthaft die Gefahr, Palmers Soloalbum könnte nicht auch ohne Folds gelingen, aber so besteht natürlich besonderer Grund zur Freude. Denn Folds‘ letzte Produktionsarbeit war das kleine Meisterwerk „Has Been“ von William „Captain Kirk“ Shatner – und dessen Vorgänger aus dem Jahr 1969 gilt immerhin als eines der schlechtesten Alben ever. Wenn Folds also aus einem alternden Weltraumcowboy nur das Beste rausholt, was soll er dann erst bei Miss Palmer machen?

Zum zweiten ging heute per Newsletter und MySpace-Blog eine Botschaft in die Welt, die am Besten gleich wörtlich zitiert wird:

i need a vacation. but i hate vacations because i don’t know what to do with my time. so i stayed up all last night dialing up friends who play music who also want a vacation and most of them told me to call back when i was sober and not crying.

i’ll ring them up again today, but my point is that i’d like to get a lot of talented musical artists together in one holiday moment of glory with possibly a few comedians and have some kind of magical experience ..MAN.

the idea of painting a large bus psychedelic purple, not taking baths for a week and driving around the country jamming out on one chord about the war got shot down quickly. everyone wanted to bring their blackberry’s and sing about their record companies, then there was an issue because some of the musical acts wanted corporate sponsorship on the side of the bus etc. we’ll get everyone on board…. soon. my people will come up with something and contact their people who will contact your people and we’ll make my vacation fantasies come true.

Um eine Phrase zu vermeiden: Man darf gespannt sein.

Denkmal

Von Lukas Heinser, 26. April 2007 11:45

Welches historische Ereignis wird hier auf spielerische Weise aufbereitet aufgegriffen?

Bilderraetsel

Bild mal meine Meinung ab!

Von Lukas Heinser, 23. April 2007 19:06

Wir alle fragen uns sicher regelmäßig, wo Umfrageergebnisse wie „Männer finden Ursula von der Leyens neue Frisur gut“, „Deutsche fahren im Urlaub nur ungern in die Ukraine“ oder „Wenn morgen Bundestagswahl wäre, würde Knut zur sexiesten Schauspielerin gewählt“ herkommen. Bisher war mein Grundgedanke, dass da einige irre PR-Menschen in bombensicheren Kellern sitzen und solche Zahlen auswürfeln. Dann klingelte mein Telefon.

Eine Frau mittleren Alters aus der brandenburgischen Provinz war dran und sagte, sie rufe für das Meinungsforschungsinstitut Emnid an, ob sie bitte ein Haushaltsmitglied über 60 Jahren sprechen könne. Meine Erleichterung, dem Schicksal noch einmal entflohen zu sein, hielt nicht lange: auch wenn es bei uns kein solches gebe, würde sie mir gerne einige Fragen stellen, sagte die Frau. Ich willigte ein, fragte aber vorher selbst nach, wie man bitteschön an meine Nummer, die ich noch nicht mal kenne, und die wirklich nirgendwo verzeichnet sei, komme. Das mache ein Zufallsgenerator, entgegnete die Frau und legte los. Nach 23:15 Minuten war ich fertig, hatte zwei wundtelefonierte Ohren und meinen Beitrag zu einem Haufen toller Tortendiagramme in einem Haufen hochwertiger Medien geliefert.

Bei folgenden Statistiken werde ich in den nächsten Monaten „Mama, ich bin im Fernsehen!“ schreien dürfen:

  • betr. der Zufriedenheit mit der Bundespolitik („Geht so“)
  • betr. der Zufriedenheit mit der NRW-Landespolitik („Haben Sie die Option ‚Beschissen‘?“)
  • die sog. Sonntagsfrage
  • betr. des Rauchverbots bzw. dessen Interpretation durch die NRW-Landesregierung
  • betr. der Wiederaufnahme der Ermittlungen im Mordfall Buback und der möglichen Begnadigung von Christian Klar
  • betr. meiner Präferenzen für Kartoffelpuffer oder Reibekuchen (in deed: auf die Frage nach meiner Meinung über politisch motivierten Terrorismus folgte eine zu Kartoffelpuffern und Reibekuchen …)
  • betr. meines Geldinstituts
  • betr. meiner Erfahrungen mit Versandhändlern („telefonisch, Katalog, Internet“)
  • betr. meiner Erfahrungen zu Dienstleistungen per Internet (inkl. Musikdownloads)
  • betr. meiner Meinung und Erfahrung zu und mit Biolebensmitteln
  • betr. meinem Geschmack in Sachen Feinkostsalate („darunter verstehen wir Salate, die mit Mayonaise zubereitet werden“)
  • betr. diverser statistischer Daten meines Haushalts

Interessant. Ich befürworte übrigens, dass Christian Klar mit der Landesregierung in NRW Kartoffelpuffer essen soll – aber nur, wenn sie aus biologischem Anbau kommen und mit Apfelmus serviert werden.

Hör Bücher!

Von Lukas Heinser, 23. April 2007 14:35

Heute ist der Welttag des Buches. Aus diesem Anlass hier eine Liste mit den schönsten, wichtigsten, belesensten Literatur-Songs. Wie immer so unvollständig wie mein Gedächtnis:

  • Muff Potter – Bis zum Mond
  • Nirvana – Scentless Apprentice (über „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind)
  • Maxïmo Park – Russian Literature
  • Kashmir – Small Poem Of Old Friend
  • Manic Street Preachers – The Girl Who Wanted To Be God (nach einem Zitat von Sylvia Plath)
  • Ryan Adams – Sylvia Plath
  • Jupiter Jones – Reiß die Trauer aus den Büchern
  • The Beatles – Paperback Writer
  • Elton John – Goodbye Yellow Brick Road (bezieht sich auf „The Wizard Of Oz“)
  • Love – My Little Red Book
  • Simon & Garfunkel – Bookends
  • Modest Mouse – Bukowski
  • The Weakerthans – Our Retired Explorer (Dines With Michel Foucault In Paris, 1961)
  • The Ataris – If You Really Wanna Hear About It … (erste Zeile aus „The Catcher In The Rye“)
  • Piebald – Holden Caulfield (benannt nach der Hauptfigur ebenda)
  • Babyshambles – À Rebours (benannt nach einem Roman von Joris-Karl Huysmans)
  • Tocotronic – Gegen den Strich (benannt nach dem deutschen Titel des Huysmans-Romans)
  • Black Rebel Motorcycle Club – Howl (benannt nach dem berühmten Beatgedicht von Allen Ginsberg)
  • Smashing Pumpkins – Soma (benannt nach der Droge in „Brave New World von Aldous Huxley)

Und hier der große Alice-im-Wunderland-Zugabenblock:

  • The Sisters Of Mercy – Alice
  • Elton John – Mona Lisa And Mad Hatters
  • Aimee Mann – Humpty Dumpty
  • Jefferson Airplane – White Rabbit
  • Symphony X – Through The Looking Glass
  • Travis – The Humpty Dumpty Love Song
  • Bright Eyes – Down In A Rabbit Hole

Sparen wir uns den Klimaschutz

Von Lukas Heinser, 20. April 2007 13:03

Mit der Getrennt- und Zusammenschreibung ist es manchmal echt ein Kreuz – schnell hat man etwas geschrieben, was man gar nicht meinte. Wenn dann auch noch eine crazy graphische Aufbereitung dazukommt, hat man den Salat:

Klimaschutz sparen

(Quelle: Newsletter von amazon.de)

„Viel schlimmer ist doch, dass mittlerweile jede Putzfrauenstelle übers Fernsehen gecastet wird.“

Von Lukas Heinser, 19. April 2007 18:31

Wer sich für großartige Sätze von großartigen Musikern begeistern kann, dem sei der aktuelle Musikexpress (Mai 2007) wärmstens ans Herz gelegt. Auf leider nur einer Seite befragt Jan Wigger Peter Hein von den Fehlfarben – und der sagt so viele tolle Sachen, dass man gar nicht mehr weiß, welchen Spruch man sich demnächst auf ein T-Shirt (wohl vorsichtshalber in XXXXXL) drucken lassen soll.

Zum Thema Fußball-WM und dem sog. „positiven Patriotismus“ (Fahnenschwenken):

Ich habe natürlich gegen die deutsche Mannschaft gehalten, das mache ich immer. Zum Fahnenschwenken: Natürlich geht das. Die Hälfte der Leute mit den Fahnen konnte ja kaum Deutsch, die leben halt hier und konnten ihrem von zu Hause gewohnten Fahnenschwenken mal freien Lauf lassen. Ich fand es auch in Ordnung, wie man sich mit diesen Winkelementen an den Autos lächerlich gemacht hat.

Über Franz Josef Wagners Kolumne in der „Bild“-Zeitung:

„Post von Wagner“ fand ich früher nur blöd. Aber seitdem mir mal jemand plausibel gemacht hat, dass der wirklich „amtlich durchgeknallt“ ist, bleibe ich daran hängen. […] Also ab und zu schreibt der auch was Wahres, und ich lese das mit Belustigung.“

Auf die Frage, ob Pete Doherty Punk sei:

Also Pete Doherty ganz bestimmt nicht, der ist eher Sid Vicious. Und das ist nicht Punk, sondern (überlegt) … Depp.

Als ihm der Promoter eine Brötchentüte reicht:

Mensch, da ist ja gar nichts von dem drin, was ich bestellt habe. Kein Ei, kein Sandwich, nur so’n Körner-Kack. Wenigstens ist das Tier tot, was auf dem Brötchen ist.

Über MP3s:

Das ist im Prinzip nur Scheiße, da gehst du einmal mit nem Magnet vorbei, und dann haben sie ihre Musik mal gehabt. Ich stelle mir immer vor, wie die jetzt 30-Jährigen in zwanzig Jahren auf dem Flohmarkt stehen und da ihre Chips verhökern (verstellt die Stimme): „Ey, hallo, 30 Gigabyte, ey voll krass, mussu hören!“

Der Rest des Heftes ist auch zu empfehlen, die neue Fehlfarben-Platte offenbar auch.

Bloody April

Von Lukas Heinser, 17. April 2007 18:29

Gestern wurden auf dem Campus der Universität von Blacksburg, Va. mehr als 30 Menschen von einem Amokläufer erschossen. Das ist unglaublich schrecklich, eine sehr, sehr traurige Geschichte. Viele Menschen rund um die ganze Welt sind entsetzt und sprachlos – und es wäre wirklich wünschenswert, wenn auch die Journalisten angedenk eines solchen Ereignisses einfach mal sprachlos wären und die Schnauze hielten. Die New York Times dokumentiert sehr eindrucksvoll, wie die Fernsehreporter auf dem Campus einfielen, und wie Augenzeugen per Handykamera und Internet die Nachrichtenstation mit Bildern aus der Schusslinie versorgten. Der Artikel schließt mit einem Zitat, das zynisch zu nennen ich mich nicht scheue:

“Stay out of harm’s way,” the CNN anchor Don Lemon said, addressing students at Virginia Tech. “But send us your pictures and video.”

Aber auch die deutschen Medien schalteten sofort auf Turbo und schritten beherzt und enthirnt zur Tat. Dabei war die „Bild“-Schlagzeile, die etwas vom „größten Blutbad aller Zeiten“ faselte, sogar noch das kleinste Übel. Je nachdem, wie man den Begriff „Blutbad“ definiert und wie man den Superlativ räumlich einschränken will, stimmt die Behauptung sogar: in den USA hat es nie einen Amoklauf mit mehr Todesopfern gegeben.
In fast jeder Zeitungs- oder Fernsehredaktion musste sich ein Mitarbeiter daran machen, eine Chronik der schlimmsten Amokläufer zu erstellen. Auch das kann man kritisch sehen, aber es kann ja auch ganz hilfreich sein, sich noch mal ein paar Fakten ins Gedächtnis zu rufen.
Da schon während des Amoklaufs reichlich von Studenten der Virginia Tech über die Ereignisse gebloggt wurde, kann man sich nun an die Web-Auslese machen. Das ist sogar aus medientheoretischer Sicht hochinteressant, da es bisher kaum vergleichbare Ereignisse gibt, die derart medial abgedeckt sind.

Was Spiegel Online sich dann aber noch leistet, ist entweder als Beschäftigungstherapie für Praktikanten oder als endgültige Gleichsetzung von SpOn mit „Bild“ anzusehen:

Die Amokläufe von Littleton, Erfurt und Blacksburg haben nicht nur das Leid und den Schrecken gemeinsam, den wenige über viele gebracht haben. Sie teilen auch den Monat, in dem die Schreckenstaten verübt wurden.

Und in deed: das einzige, was dem Artikel noch fehlt, sind die Quersummen der Tage, an denen die Amokläufe stattfanden (34, 16, 20). Über den gestrigen Täter schreibt jdl:

Waren Klebold und Harris auch seine Vorbilder? Kannte er die Wahnsinnstat des Robert Steinhäuser? War das Datum bewusst gewählt? Schon die Fragen sind beängstigend. Wie werden erst die Antworten sein?

Beängstigend, fürwahr. Denn die „Bild“-gleiche Überschrift

Monat der Massaker: Blutiger April

bezieht sich ja gar nicht auf eine mögliche Nachahmungstat (die man im Moment ebenso wenig ausschließen wie bestätigen kann), sondern auf einen verdammten Monat. Ein Blick in die SpOn-eigene Chronik hätte gezeigt, dass von den 18 dort aufgeführten Amokläufen 15 in Nicht-April-Monaten stattfanden – dafür vier im März (!!!!1). Vielleicht liegt es ja an den Sternen

Nachtrag, 19:17 Uhr: Stefan Niggemeier schreibt dazu:

Im weltweiten Rennen um den dümmsten Bericht zum Amoklauf in Blacksburg liegt Spiegel Online mit diesem Artikel fast uneinholbar in Führung

Warten wir’s ab …

Listenpanik (2): Hier kommt Rock’n’Roll

Von Lukas Heinser, 17. April 2007 15:58

Die letzte Bestandsaufnahme ist schon wieder fast zwei Monate her und so richtig sinnvoll will mir dieses unstrukturierte Vorgehen nicht erscheinen. Deswegen gibt es hier ab demnächst immer am Monatsende eine Liste der wichtigsten Platten und Singles. Jetzt aber erst mal die für Ende Februar bis Mitte April – natürlich wie immer streng subjektiv und garantiert unter versehentlichem Vergessen von hundert anderen Sachen, die auch toll sind.

Alben
1. Get Cape. Wear Cape. Fly – The Chronicles Of A Bohemian Teenager
Passender kann ein Albumtitel kaum sein: Ganz großes Gefühlskino mitten aus dem Leben, das von verspieltem Geplucker vor dem Sturz in den Emo-Strudel bewahrt wird. Sam Duckworth ist gerade mal 20 und damit ein mehr als würdiger Erbe für Connor Oberst, dessen Bright Eyes das Tal der Tränen langsam zu verlassen wollen scheinen.

2. Mika – Life In Cartoon Motion
Passender kann ein Albumtitel kaum sein: Höchst vergnüglicher Bubblegum-Pop, der immer kurz davor steht, ins Alberne abzuschweifen, sich aber immer wieder rettet. Dass der 23jährige Sänger (als Kind mit seiner Mutter aus dem Libanon geflohen, der Vater sieben Monate im Irak verschwunden, hat früher Telefonwarteschleifen besungen) bisher schon ein für heutige Verhältnisse erschreckend bewegtes Leben geführt hat, macht ihn auch als Interviewpartner interessant.

3. Flowerpornoes – Wie oft musst du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?
Passender … Nee, anders: Es mag Zufall sein, dass Tom Liwa seine Band in dem Jahr reaktivierte, in dem mit Blumfeld eine andere große deutschsprachige Indieband der ersten Stunde die Bühne verlässt. Strapazierte Liwa auf seinen letzten Soloplatten die Nerven seiner bodenständigeren Fans mitunter erheblich mit esoterischen Themen, steht er plötzlich wieder mitten im Leben. Die E-Gitarren bollern und er singt Geschichten von Zahnarzttöchtern, Apfelkernen und Rock’n’Roll. Und der ist bekanntlich größer als wir alle.

4. Maxïmo Park – Our Earthly Pleasures
Die neben Bloc Party vermutlich spannendste Band der British Class of 2005 legt ebenfalls nach. Wie es sich für einen guten Zweitling gehört, wirkt die Band gefestigter und scheint ihren Weg gefunden zu haben. Musikalisch großer Indiepop mit vollem Instrumentarium, textlich oft genug ganz tief drin in den menschlichen Abgründen.

5. Just Jack – Overtones
Hip Hop? Funk? Pop? Na ja, in irgendeine Schublade wird man das Album schon stopfen können. Besser aufgehoben ist es aber im Discman, während man auf der Wiese in der Sonne liegt. So laid back und sommerlich kann Musik klingen, ohne gleich süßlich duften zu müssen.

Singles
1. Manic Street Preachers – Your Love Alone Is Not Enough
Okay, okay: noch ist die Single nicht erschienen. Aber wenn die Manic Street Preachers durch die Soloausflüge von James Dean Bradfield und Nicky Wire zu alter Stärke zurückfinden und dann noch ein Duett mit Nina Persson von den Cardigans, der Frau in die jeder ordentliche Indiehörer und -musiker mindestens einmal verliebt war, veröffentlichen, ist das Releasedate ja wohl egal. Wenn Bradfield und Persson durch diese nach Petticoat und Tanztee klingende Nummer schunkeln und nebenbei noch ein paar Selbstzitate verbraten („You stole the sun“ – „Straight from my heart, from my heart, from my heart“), ist das eben ganz und gar großartig.

2. Travis – Closer
Auch noch nicht erschienen, aber ebenfalls bereits zu hören ist die Comeback-Single von Travis. „Closer“ ist ein echter grower, der beim ersten Hören langweilig erscheint, und den man nach fünf Durchgängen schon ewig zu kennen glaubt. „Gänsehaut-Zeitlupen-Stadion-Pophymne“ nennt das die Presseinfo und hat damit sogar irgendwie recht. Die Band tänzelt durchs Video und man würde es ihr gerne gleichtun. Das macht – zusammen mit den anderen Hörproben, die es bereits gab – ganz große Lust auf das neue Album.

3. Just Jack – Starz In Their Eyes
Night fever, night fever! In der sog. gerechten Welt wäre das der Tanzbodenfüller der Saison. So ist es eben nur der Funksong, mit dem man sich bis zum Erscheinen des nächsten Phoenix-Albums die Beine vertreten kann. Oder was man sonst mit Beinen so macht, wenn Musik läuft.

4. Kilians – Fight The Start
Ja ja, die klingen total wie die Strokes. Nur, dass ich mich nicht erinnern könnte, dass die Strokes je A Tribe Called Quest zitiert hätten. Außerdem können Menschen, die sich für besonders schöne Bassläufe interessieren, hier noch richtig was lernen. Und alle anderen auch. Gerechte Welt: Riesenhit. Kann man sogar nachhelfen.

5. The View – Wasted Little DJ’s
Bevor alle Welt New Rave feiert – was auch immer das genau sein soll – gibt es hier noch mal Indierock. Der Song dengelt zwischen Libertines und Beach Boys dahin und sollte dieses Jahr auf keinem Mixtape fehlen.

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