Blog am Bein

Von Lukas Heinser, 23. März 2009 19:28

Writer's block

Kürzlich wohnte ich einer Diskussion bei, bei der es um die (zugegebenermaßen sehr nebensächliche) Frage ging, ob es eigentlich „der Blog“ oder „das Blog“ heiße. Mein Standpunkt war, dass ich zwar „das Blog“ sagen würde, aber beim besten Willen nicht wüsste, warum. Vielleicht, um Verwechslungen mit „der Block“ (damn you, Auslautverhärtung!) zu vermeiden. Aber wozu hat man Germanistik und Anglistik studiert und seine B.A.-Arbeit über die Veränderungen in der Internetsprache geschrieben?

Bevor wir uns dem konkreten Fall nähern, müssen wir zwei grundsätzliche Probleme erwähnen: Erstens gibt es im Deutschen Unterschiede zwischen grammatischem (Genus) und biologischem (Sexus) Geschlecht, die dazu führen, dass sprachlich alle Hunde männlich, alle Katzen weiblich und alle Mädchen sächlich sind.1 Da die Artikel (bestimmte wie unbestimmte) vom grammatischen Geschlecht abhängen, muss man zu jedem Wort auch seinen Genus dazulernen. Daraus folgt auch, dass man zweitens für jedes Fremd- oder Lehnwort ein grammatisches Geschlecht festlegen muss. So sagt man „das Trottoir“ (im Französischen ein Maskulinum), „die Toilette“ (im Französischen auch Femininum) und „der Cappuccino“ (im Italienischen ebenfalls Maskulinum).

Versuchen wir, die Kurve Richtung „Blog“ zu kratzen, und nähern uns der Welt von Computern (mask.) und Internet (neutr.): So sagt man in Deutschland „die E-Mail“, was sich damit erklären ließe, dass die deutsche Übersetzung („E-Post“) ebenfalls feminin ist.2 In Österreich und der Schweiz heißt es aber „das E-Mail“, womit wir den Salat endgültig hätten.

Nehmen wir der Einfachheit halber trotzdem mal für einen Moment an, die deutsche Übersetzung bestimme alleine den Artikel. „Blog“ ist die Kurzform von „Weblog“, was sich wiederum auf „log“ bezieht, wozu das „Oxford English Dictionary“ Folgendes zu berichten weiß:

log /lɒg/ n.¹ ME. [Origin unknown] I 1 A bulky mass of wood; esp. an unhewn portion of a felled tree, or a length cut off for use as firewood. ME. b Surfing. A large or heavy surfboard. M20. 2 a A heavy piece of wood, fastened to the leg of a person or an animal to impede movement. L16. b Mil. Hist. A form of punishment whereby a heavy weight was chained to an offender‘s leg to be dragged or carried around as the person moved. M19. 3 A piece of quarried slate before it is split into layers. E18. 4 In pl. A jail, a lock-up. Austral. slang. L19.

[…]

II 5 An apparatus for ascertaining the speed of a ship, consisting of a float attached to a line wound on a reel. Also, any other apparatus for the same purpose. L16. 6 a A book containing a detailed daily record of a ship‘s voyage; a logbook. E19. b A systematic record of things done, found, experienced, etc., as (a)a record of discoveries or variations at successive depths in drilling a well; a graph or chart displaying this information; (b) a record with details of journeys kept by a lorry driver; (c) a record of what is broadcast by a radio or television station; (d) Computing a sequential file of transactions on a database. E20. c A list or summary of claims for a wage increase etc. Freq. more fully log of claims. Austral. E20.

(The New Shorter Oxford English Dictionary on historical principles; Edited by Leslie Brown; Oxford, 1993.)

Wäre ich gezwungen, diesem Eintrag eine einzige deutsche Vokabel zuzuordnen, würde ich mich wohl für „Klotz“ entscheiden.3 Er deckt den Bereich I komplett ab und passt im Bereich II zumindest noch zur Nummer 5. Außerdem ist er ähnlich schön lautmalerisch.

Werfen wir auch noch einen (wenig aufschlussreichen) Blick ins mittelenglische Wörterbuch („ME“ = „Middle English“):

loglog(ge n. (1); lok n. (2); lough.

log(ge n. (1) [Cp. ML loggum.] (a) An unshaped piece of wood, stave, stick; (b) as surname.

(Middle English Dictionary; Sherman M. Kuhn, Editor & John Reidy, Associate Editor; Ann Arbor, 1968.)

Das englische Wort „weblog“ könnte also mit einiger Berechtigung als „Netzklotz“ übersetzt werden, womit es ein Maskulinum wäre. Der Duden, über dessen Rolle man auch erst einmal streiten müsste, lässt übrigens „das“ und „der“ zu:

1. Blog, das, auch: der; -s, -s [engl. blog, gek. aus: weblog, →Weblog] (EDV Jargon): Weblog. ...

Ich bevorzuge wie gesagt „das Blog“4 und finde „der Blog“ etwas merkwürdig, aber merkwürdig finde ich ja auch regionalsprachliche Varianten wie „eingeschalten“ statt „eingeschaltet“ oder „ich bin gestanden“ statt „ich habe gestanden“ und das macht sie ja auch nicht falsch.

Sprache ist – da wiederhole ich mich gerne – etwas Lebendiges und die Mehrheit hat immer Recht. Sollte sich also „der Blog“ durchsetzen, würde das zwar vermehrt zu Verwechselungen von „der Blog“ und „der Block“ führen, aber man müsste es akzeptieren, wenn man nicht gegen Windmühlen kämpfen will.

Zu den Blog-nahen Sprachveränderungen zählen auch „Blog“ als Synonym für „Blogeintrag“ (Matthias Matussek veröffentlicht ja regelmäßig „neue Blogs“) und „Blogger“ als Bezeichnung für Blogleser und -kommentatoren. Das sind natürlich schon erhebliche Bedeutungsverschiebungen bzw. -erweiterungen, aber sowas ist bei jungen Themengebieten Blogs völlig normal.

Viel entscheidender als die Frage, ob es „der Blog“ oder „das Blog“ heißt, ist doch die, was drinsteht wer mir die vier Stunden Lebenszeit ersetzt, die ich in der Uni-Bibliothek verplempert habe.

  1. Besonders das mit den Mädchen ist ein ungeklärtes Problem, dem dessen sich Sprach- und Genderwissenschaften dringend annehmen sollten. []
  2. Schlimm wird’s bei einem Wort wie „blogger“, das für weibliche wie männliche Personen steht, für Deutsche aber nach einer männlichen Endung ausschaut. Spätestens bei „girlfriend“ empfiehlt es sich, auf fremdsprachliche Vokabeln zu verzichten und einfach den deutschen Begriff „Freundin“ zu verwenden. []
  3. Der Spiegelfechter hatte bei einer ähnlichen Diskussion auf freitag.de angeführt, das englische Wort „log“ stamme vom altisländischen und altnorwegischen „lag“ ab, was „umgefallener Baumstamm“ heiße — ich will nicht ausschließen, dass er da tatsächlich mehr wusste als das Oxford Dictionary, halte diese Information aber auch eher für Bonuswissen, das uns bei der konkreten Fragestellung nicht weiterhilft. []
  4. Weil ich es sinnvoll finde, wenn sachliche Dinge auch sachliche Artikel haben. []

46 Kommentare

  1. Johannes
    23. März 2009, 19:54

    Ich sage „der Blog“. Aus Prinzip. Diskussion zwecklos.

  2. Walter
    23. März 2009, 20:04

    Ich habe lange Zeit ein Logbuch geführt; „Das Logbuch“ wurde dann schnell zu „Das Log“. Knallt man noch eine Wort davor, bleibt es trotzdem beim Genus: „Das Schiffslog“ und „Das Weblog“. Schneidet man dabei wieder was ab, ändert sich beim Genus nicht (möglicherweise anders als beim Sexus): „Das Blog“. q.e.d.

  3. Lukas
    23. März 2009, 20:08

    @Walter: Ihre Beweisführung knirscht ein wenig. Wenn ich von Handbüchern, Kochbüchern oder Taschenbüchern ausgehe, werden Spielhände, Sterneköche und Hosentaschen dadurch ja nicht automatisch Neutren.

  4. Kunar
    23. März 2009, 20:11

    Ist „das Mädchen“ keine Verkleinerungsform von „die Maid“? Wird „Blog“ nicht auch auf „Weblog“ im Sinne von „Netzlogbuch“ zurückgeführt?

    Die Ansicht, dass ein Wort wie „Blogger“ nicht für eine weibliche Person stehen kann, ist ein Schaden durch politische Korrektheit, die auf falschem Sprachverständnis beruht. Dieselben Leute glauben, sich besser auszudrücken, wenn sie „mensch“ statt „man“ schreiben oder nur noch von „Studierenden“ statt „Studenten“ sprechen.

  5. Patrik
    23. März 2009, 20:12

    „ich bin gestanden“ macht allein schon daher Sinn, dass man stehen dann nicht mit gestehen verwechseln kann.

  6. Sebastian S.
    23. März 2009, 20:20

    Ich finde es jedenfalls gut, dass man zu dem Thema auch Artikel schreiben kann, ohne rot anzulaufen.

  7. Mareike
    23. März 2009, 20:31

    (@Johannes)

    Ich sage „das Blog“. Aus Prinzip. Diskussion zwecklos.

    ( ;-) )

  8. Pascal
    23. März 2009, 20:44

    Danke schön. Endlich ein Beitrag, der das vermeintliche Problem sachlich angeht. Ich bleib trotzdem bei „der“ Blog. Einfach so, des Sprachgefühls wegen.

  9. Walter
    23. März 2009, 21:08

    Nun ja, knirschen tut es schon; aber der Genus von „Log“ ist im Deutschen – im Gegensatz zu „Hand“, „Koch“ oder „Tasche“ – eben recht unbekannt. Und dann ist so ein Kompositionsgenustransition[1] doch recht plausibel. Jawoll.

    Und „Netzblock“ ist kein guter Scherz.

    [1] Ich mag Neoxenologismen

  10. moritz
    23. März 2009, 21:49

    kann mir jemand erklären was ein klotz mit einem notizbuch zun hat (log) und warum ein block zum wohnen und schreiben herhält?

  11. Günter Jauch
    23. März 2009, 22:42

    Sorry, aber bei diesem Thema muss es sein:

    Besonders das mit den Mädchen ist ein ungeklärtes Problem, DESSEN sich Sprach- und Genderwissenschaften dringend annehmen sollten.

  12. tux.
    23. März 2009, 23:02

    Ich sage immer „Netzklotz“, um mich über die Anglizismerei lustig zu machen. Ohne Witz.

  13. Lukas
    23. März 2009, 23:34

    @“Günter Jauch“: Da haben Sie natürlich völlig recht. Wie peinlich.

    Darf ich Sie trotzdem bitten, in Zukunft eine gültige E-Mail-Adresse zu hinterlassen und nicht andererleuts Namen zu verwenden?

  14. Simon
    24. März 2009, 0:44

    Im GoogleDuell siegt „der blog“ gegen „das blog“ mit knapp 160000 „Googles“ Abstand…

  15. Wie Blog? | stohl.de
    24. März 2009, 7:26

    […] der/die/das Blog ist schon lngst vorbei? Coffee And TV stellen es sicherheitshalber nochmals klar: Blog am Bein. Also streitet euch […]

  16. Johanna
    24. März 2009, 7:49

    Früher war ich mal felsenfest auf „der“ und dann sagten einfach ALLE „das“ und irgendwie hat es sich jetzt so eingeschlichen und die meiste Zeit bin ich einfach nur verwirrt.
    Kann man den Artikel nicht einfach komplett auslassen?

  17. juliaL49
    24. März 2009, 9:16

    Herrlicher Artikel, der wie schon gesagt wurde, das Thema ordentlich sachlich behandelt.

    Ich wollte mich aber zum Kuriosum „Blog als Blogeintrag“ äußern: das ist wohl aus dem englischen übernommen, wo das bei sehr häufig vorkommt (v.a. bei prominenten Personen, die ihre offizielle Webseite irgendwann mal auf Blog umgestellt/um einen Blog erweitert haben).

  18. Andreas
    24. März 2009, 12:16

    Für den Frevel, den männlichen Artikel in Bezug auf Blog auch nur in Erwägung zu ziehen, wurde man bisher über die Dorfgrenze von Kleinbloggersdorf gejagt.

  19. Mischa
    24. März 2009, 13:39

    Da das Blog von Weblog und das von Logbuch abstammt (deine anderen Deutungen à la Klotz tue ich mal als Satire ab) und es „das Logbuch“ heißt, muss es zweifelsfrei „das Blog“ heißen. „Der Blog“ ist einfach quatsch.

    Aber. ABER. In einer Zeit, in der ohnehin jeder ohne ernstzunehmende Konsequenzen die deutsche Sprache so vergewaltigen kann, wie er es für richtig hält oder nicht besser weiß, ist solch eine Diskussion obsolet. Soll doch jeder „der“ oder „das“ sagen, wie es ihm grad beliebt. Auch wenn’s in den Ohren weh tut.

  20. Andreas
    24. März 2009, 13:54

    Ich sehe das ;-) genauso wie Mischa bezüglich der Herleitung von „das Blog“.

    Und bei „log“ muß ich immer an die „log lady“ denken… :-D

  21. Sven E.
    24. März 2009, 15:29

    Meine eigentliche Erkenntnis: Grammatisch ist grammatisch korrekt. Mir wurde seit zehn Jahren gesagt, es heiße grammatikalisch.

  22. Lukas
    24. März 2009, 15:52

    @Mischa: Es kommt eben nicht von „logbook“, sondern von „log“ (s.o.). Und das wiederum hieß ursprünglich „Klotz“.

    @Andreas: Was auch immer „Kleinbloggersdorf“ sein mag …

  23. cosmo
    24. März 2009, 15:55

    Das Weblog stammt nicht vom Logbuch ab.
    Könnten bitte mal alle damit aufhören, solchen Käse zu verbreiten, wie das es „das Log“ heißen müsse, weil es ja auch „das Logbuch“ heißt? Der Fall ist vielmehr genau Umgekehrt gelagert: „das Logbuch“ leitet sich aus „Log“ und „Buch“ her und ist deshalb „das Logbuch“, weil es auch „das Buch“ heißt – Lukas hat das in #13 ja schon verdeutlicht.

    @Lukas
    Deine Recherche im Oxford English Dictionary war trotzdem nicht sinnlos, du biegst nur kurz nach deinem Zitat etwas falsch ab: Es gibt bereits seit Jahrhunderten ein Wort im Deutschen, dass genau all die Bedeutungen von engl. „Log“, die du aufführst, hat: http://de.wikipedia.org/wiki/Log_(Messgerät)
    Und das ist sächlich.

  24. Mischa
    24. März 2009, 16:11

    @cosmo: warum soll es bitte nicht von logbuch abstammen, mein lieber? warum bist du dir so sicher?! schauen wir uns doch mal lukas‘ quelle oben im beitrag an, ich zitiere:

    „6 a A book containing a detailed daily record of a ship‘s voyage; a logbook. E19. b A systematic record of things done, found, experienced, etc., as (a)a record of discoveries or variations at successive depths in drilling a well; a graph or chart displaying this information; (b) a record with details of journeys kept by a lorry driver; (c) a record of what is broadcast by a radio or television station;“

    Somit kann es sehr wohl vom „log“, auch genannt logbuch abstammen, was auch am meisten sinn macht, im völligen gegensatz zum klotz! Was nichts dran ändert, dass das „Das“ sich natürlich aufs Buch bezieht, da hast du recht!

  25. Lukas
    24. März 2009, 16:20

    @Mischa: Es heißt aber „weblog“, nicht „weblogbook“. „logbook“ gibt’s auch als eigenen Eintrag.

  26. cosmo
    24. März 2009, 16:41

    @Mischa
    Machen wir doch mal einen einfachen Test: Kommt „Küche“ von „Küchenschrank“ oder kommt „Küchenschrank“ von „Küche“?
    Kommt „Auto“ von „Autoreifen“ oder kommt „Autoreifen“ von „Auto“?
    Und: „Log“ kann man auf mehrere verschiedene Arten verwenden, in denen „Logbuch“ nicht anwendbar ist.

  27. Kathi
    24. März 2009, 17:43

    Übrigens sind auch biologisch alle Katzen weiblich. *duck und weg*

  28. Kunar
    24. März 2009, 18:43

    Der Umgangston in den Kommentaren schein etwas an Schärfe zu gewinnen. Damit wäre ein typisches Element einer Sprachdiskussionen erreicht.

    Ich frage noch einmal zurück, weil es mich interessiert und ich hier noch viel lernen kann:
    1. Weil es „log book“ gibt, kann das „log“ in „web log“ nicht von „log“ in der Bedeutung „log book“ kommen, d.h. im Englischen meint man tatsächlich einen Netzklotz und nicht ein Netzbuch?
    2. Weil das Wort „log“ ursprünglich und zuerst mit „Klotz“ übersetzt werden muss, müssen aus „log“ abgeleitete Wörter auch mit dieser ersten Bedeutung übersetzt werden und nicht etwa mit der Bedeutung, die „log“ in diesem Zusammenhang in dem zusammengesetzten Wort hat?
    3. (spontanes Beispiel) In der Serie „Raumschiff Enterprise“ sprach der Captain immer wieder in sein „Captain’s log“. Im Deutschen hieß es immer „Logbuch des Captains“ (in etwa). Gehört der Übersetzer geteert und gefedert für diese Falschübersetzung, die zwar einen Sinn ergibt, aber nicht das ausdrückt, was eigentlich gemeint war, nämlich den Klotz des Kapitäns?
    4. Finden Entlehnungen aus anderen Sprachen immer in der Weise statt, dass die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes genommen wird, oder kann es vorkommen, dass gerade eine bestimmte (untergeordnete) Bedeutung als Hauptbedeutung in die andere Sprache eingeht?
    5. Findet Genuszuordnung immer in der Weise statt, dass richtig übersetzt wird („web site“ -> „die Webseite“)?

  29. Mischa
    24. März 2009, 19:02

    @lukas und cosmo: schon mal überlegt, dass weblog vielleicht die abkürzung für weblogbook ist?! klotz macht doch noch nicht mal im entferntesten sinn! lieber lukas, ich zitiere dich selbst bzw. deine quelle: log = „b A systematic record of things done, found, experienced, etc.,“ das macht doch viel mehr sinn als ein klotz, oder nicht?!

    ergo: selbst wenn es nicht das „logbuch“ in der wortkombi ist – geschenkt, so ist es dennoch eher das log, das kein klotz ist.

    @kunar: falls schärfe reingekommen ist – sorry. danke für deinen letzten kommentar!

  30. Lukas
    24. März 2009, 19:22

    Bevor wir uns in ein Missverständnis manövrieren: Die von Mischa noch mal zitierte Erklärung bezieht sich immer noch auf das Wort „log“, d.h. ein „log“ ist (auch ohne „book“) eine Aufzeichnung. (Vielleicht hat man die Aufzeichnungen früher ins Holz geritzt, s. Kerbholz.)

    Zum Vergleich noch die Oxford-Definition von „logbook“:

    logbook n. L17. [f. LOG n.¹ + BOOK n.] 1. Naut. A book containing a detailed daily record of a ship‘s voyage (including the rate of progress as indicated by the log); Aeronaut. a book in which particulars of aircraft flights, flying hours, etc., are recorded; gen. any book containing a detailed record. L17. 2 In the UK, a document (now officially called the vehicle registration document) recording the registration details of a motor vehicle. M20.

    Und jetzt versuche ich mal, Kunars Fragen von meinem Standpunkt aus zu beantworten:
    1. Ich denke, dass sich das „log“ in „weblog“ auf eine Aufzeichnung oder Dokumentation bezieht (so wie in „logfile“), nicht auf ein Buch. (Damit wiederum wäre „blog“ für einen einzelnen Eintrag nur naheliegend. Aber hier geht’s ja um Sprache, nicht um Logik.)
    2. „Klotz“ ist die Übersetzung für die Bedeutungen unter I (Römisch Eins). Für den Teil unter 6 passt „Aufzeichnung“ oder „Eintragung“ sicher besser, man muss aber im Hinterkopf behalten, dass es im Englischen das selbe Wort ist.
    3. So wie ich das sehe, ist das Logbuch das Buch, in dem die Aufzeichnungen gesammelt werden. Die Bedeutung ist also die selbe, nur dass der Captain in der englischen Fassung von den einzelnen Aufzeichnungen spricht.
    4. Bedeutungsverschiebung, -erweiterungen oder -verengungen gibt es ja schon bei Begriffen, die seit Generationen zur deutschen Sprache gehören. Bei „frischen“ Fremdwörtern kann sich das sicherlich noch schneller ändern.
    5. Wie im ursprünglichen Artikel geschrieben: Der Genus scheint sich an Übersetzungen zu orientieren, aber das ist kaum allgemeingültig.

  31. Kunar
    24. März 2009, 20:44

    Danke für die Antwort! Interessant, dass das Wort „log“ in der Übersetzung (von einigen) als Begriff für das ganze (hier: Logbuch) genommen wird. Gibt auch den umgekehrten Fall, dass der allgemeine Ausdruck (e-mail) in der anderen Sprache zum Wort für das einzelne („die elektronische Nachricht“) wird.

  32. Benjamin
    24. März 2009, 23:11

    Vielleicht hilft dieses kurze Video ein wenig Klarheit zu schaffen.
    http://www.youtube.com/watch?v.....re=related

  33. sonja
    25. März 2009, 0:16

    DAS Mädchen ist schlicht und ergreifend ganz genau so eine Verniedlichung wie DAS Jüng(el)chen, DAS Entchen uns dergleichen. Man kann ja auch gerne wieder die Dirn sagen..

    log kommt für mich eindeutig (weil einzig logisch) von log im Sinne der Aufzeichnung, die man sich eben traditionell und plastisch als Logbuch vorstellt. Liegt bei den „Seiten“ eines Weblogs ja auch nahe..

  34. Zeitlos
    25. März 2009, 14:20

    Zum Logbuch auf Schiffen kann auf Englisch auch „ship’s log“ gesagt werden. Vielleicht leuchtet das auch den Klotz-Theorie-Anhängern ein, dass es ja eventuell so gewesen sein könnte, dass das Ship dann irgendwann durch das Web ersetzt wurde – Und das dabei vielleicht niemand an Klötze gedacht hat :-)

  35. Roland
    25. März 2009, 20:34

    An der Tatsache, dass der Begriff „Blog“ in Richtung Logbuch einzuordnen ist, gibt es für mich nicht zu rütteln. Was soll denn die Auslegung mit „Klotz“ für einen Sinn ergeben?

  36. foster
    25. März 2009, 21:05

    Ich selbst sage „das Blog“. Wegen Logbuch. Entscheidung aus Sprachgefühl.

    Aber eine allgemeingültige Regel daraus stricken wollen?

    Gegenbeispiel zum konkreten Fall aus der Computerwelt: es heißr „die Datei“, aber ich kenne niemanden, der das (zumindest in IT-affinen Kreisen sich eingebürgert habende gleichbedeutende) „File“ mit weiblichem Artikel verwenden würde. Auch der Duden kennt da nur die sächliche Version.

    Sprache logisch erklären zu wollen kommt mir abenteuerlich vor.

  37. Ottokrüja
    25. März 2009, 23:59

    @Sven E.

    Ich halte ‚grammatikalisch‘ ebenfalls logikalisch, optikalisch sowie akustikalisch für eine Zumutung.

    Schön, wenn man nicht allein ist…

  38. poco de bonus
    26. März 2009, 10:19

    Ich sage „der Blog“, das klingt für mich schöner. „Das Blog“ klingt für meine Ohren wie „das E-Mail“, einfach schrecklich.

  39. Britta Stahl
    26. März 2009, 11:31

    Ganz klar muss der Blog ein männlicher Kamerad sein. Schließlich werden hier Fakten präsentiert und offen und ehrlich zur Diskussion gestellt. Das Ganze auf die sächliche Ebene zu reduzieren passt irgendwie nicht.

  40. Oliver Ding
    26. März 2009, 15:21

    @foster: Eigentlich heißt „file“ eher „die Akte“, aber der Unterschied beim Artikel der deutschen Übersetzung bleibt.

    @Britta Stahl: Blogs sind für sachliche Diskussionen da, also muss der Artikel sächlich sein. *duckundwegrenn*

  41. Hirni
    26. März 2009, 16:41

    Na, wenn Log Klotz heißt, ist doch auch die Auslautverhärtung zu verkraften, denn Block steht dem doch semantisch recht nah.

    Das Mädchen ist natürlich gar kein Rätsel, sondern folgt (wie es sich für brave Kinder gehört) einfach der grammatikalischen Regel, dass Diminutive eben neutral sind, genau wie das Männchen und das Frauchen.

    Womit wir bei grammatisch/grammatikalisch wären. Ich benutze das immer so, dass „grammatikalisch“ „die Grammatik betreffend, zu ihr gehörend“ bedeutet, während „grammatisch“ „korrekt, den grammatikalischen Regeln entsprechend“ oder – Klassiker – „von einem kompetenten Sprecher akzeptiert“ bedeutet. Habe auf die Schnelle aber nichts gefunden, was dieses Verständnis stützte, lasse mich gerne eines Besseren belehren.

    Zu guter Letzt, danke für diesen witzigen Blogeintrag!

  42. zoom » Umleitung «
    26. März 2009, 23:05

    […] Sprachverwirrung: “der Blog” oder “das Blog”? … CoffeeAndTV […]

  43. Lukas
    27. März 2009, 0:05

    Vielleicht hätte ich doch nach dem ersten Kommentar einfach dichtmachen sollen …

  44. ckwon
    27. März 2009, 10:19

    Genau. Mehr Selbstreferentialidings geht ja kaum noch. Es ist fast schade, dass dieser Eintrag deutlich stärker mit Kommentaren bedacht wird, als Artikel in denen es um was wirklich wichtiges geht.

    Und was mache ich? Schreibe jetzt auch noch nen Kommentar…Hmm….

    Meine Meinung: Das Blog. Warum ? Egal. Wenn beide Versionen parallel laufen, dann ist mir das auch recht. Trotzdem nett, Lukas, dass du versucht hast, das Ganze logisch aufzudröseln.

  45. Raventhird
    27. März 2009, 14:12

    Spitzenmäßig recherchierter Artikel, vielen Dank. Ich sage eigentlich auch „das Blog“, verwende aber manchmal die andere Form. „Das Blog“ scheint schon deswegen richtiger zu sein, weil es eben in Langform „Weblog“ heisst und es würde doch niemand auf die Idee kommen, „der Computerlogbuch“ zu sagen, oder ;)?

  46. Thorsten
    8. April 2009, 23:39

    Netter Beitrag. Kann es sein, dass vor allem Süddeutsche „der Blog“ sagen und alle anderen „das Blog“? Bei der Mail ist es ja ähnlich: Süddeutsche (und Schweizer) sagen eher „ein Mail“ (neutrum), alle anderen „eine Mail“.

    Es ist schon richtig: Alle Formen sind okay. Inhalte sind interessanter.