Grün+Roth=Braun?

Von Lukas Heinser, 21. Oktober 2007 17:07

Herzlich willkommen zurück bei „Der lustige Nazi-Vergleich“.

Unsere Gäste heute: In der rechten Ecke … Bischof Walter „Reimt sich auf … Falter“ Mixa, in der anderen rechten Ecke … Grünen-Chefin Claudia Roth.

Und das kam so: Der Augsburger Bischof sprach am 2. Oktober beim Diözesankomitee in Regensburg und sagte unter anderem Folgendes:

Hinter einer familienfreundlichen Propaganda, bei der von Wahlfreiheit und Kindeswohl die Rede ist, verbirgt sich in Wirklichkeit ein staatliches Umerziehungsprogramm für Frauen und Mütter, mit dem junge Frauen in erster Priorität auf externe Erwerbstätigkeit und Berufskarriere statt auf Familienarbeit und ihre Berufung als Mutter eingestellt werden sollen.

*RINGELINGELING!*

Er hat „Umerziehung“ gesagt, er hat „Umerziehung“ gesagt! Das ist bestimmt wieder so ein Nazi-Begriff!

Oh, ist es nicht.

Aber Claudia Roth wäre nicht Claudia Roth, wenn ihr nicht spontan doch noch etwas dazu eingefallen wäre:

Wenn Mixa mit Blick auf die dringend nötige Verbesserung des Krippenangebots von einem ,Umerziehungsprogramm’ redet, dann spielt er mit der sprachlichen Nähe zu Verbrechen von Gulag bis Pol Pot. Er verhöhnt Menschen, die Opfer von schlimmen Untaten wurden und diskreditiert das Engagement für bessere Kinderbetreuung auf absolut unerträgliche Weise.

Die Russen! Kambodscha! Mal eine völlig neue Richtung.

Was kommt wohl als nächstes?

Nun, zunächst einmal kam zwei Wochen lang gar nichts. Dann sprach Claudia Roth gestern beim bayrischen Landesparteitag der Grünen und die Medien kolportieren wie folgt:

Bischof Walter Mixa sei ein „durchgeknallter, spalterischer Oberfundi aus Augsburg“, sagte die Bundesvorsitzende der Grünen.

(Quelle: sueddeutsche.de)

Sie hat tatsächlich „Spalter!“ gesagt. Höre ich ein „Jehova!“?

Foul in Augsburg:

Ein Sprecher des Bischofs erwiderte, diese Wortwahl Roths erinnere „in erschreckender Weise an die Propaganda-Hetze der Nationalsozialisten gegen die Katholische Kirche und ihre Repräsentanten“.

Und gleich noch mehr:

Der Öffentlichkeitsreferent der Diözese Augsburg, Dirk Hermann Voß, hatte zuvor gesagt, er erkenne in den persönlichen Attacken Roths gegen Vertreter der Kirche und in ihrem Versuch, sich selbst zur „Zensurbehörde“ der gesellschaftspolitischen Diskussion in Deutschland zu machen, „seit langem schon beunruhigende faschistoide Züge“. Die Grünen seien damit „auf allen Ebenen für Christen nicht wählbar“.

Oha, da wurd’s aber schnell allgemein: „für Christen nicht wählbar“. Und nu? Alle Grünen-Wähler kommen in die Hölle? Exkommunikation für Grünen-Wähler? Und was sagen die anderen christlichen Vereine dazu, dass der Öffentlichkeitsreferent der Diözese Augsburg gleich für ihre Leute mitspricht?

Leute, mal im Ernst: Geht’s nicht ’ne Nummer kleiner? Ihr seid nicht das Usenet oder die Blogosphäre, Ihr seid Politiker und Kirchenleute. Ihr müsst nicht sofort mit völliger rhetorischer Ohnmacht reagieren, wenn jemand mal anderer Meinung ist als ihr – was ziemlich genau immer der Fall sein dürfte. Ihr redet über Familienpolitik und benehmt Euch so, wie sich Dreijährige im Sandkasten benehmen würden.

Dabei kann ich nur wenig Unterschiede feststellen zwischen

Roth forderte in ihrer Rede beim bayerischen Grünen-Landesparteitag in Deggendorf, Familien bräuchten endlich eine echte Wahlfreiheit, ob sie ihre Kinder selbst beaufsichtigen wollten oder sie in Kinderkrippen zur Betreuung geben.

und

Stattdessen müsse staatliche Familienpolitik die Entscheidung von Eltern, ihre Kinder selbst zu erziehen und nicht in staatliche Betreuungseinrichtungen zu geben, in gleicher Weise fördern wie den Ausbau von Krippenplätzen, fordert der Bischof.

Die wollen doch beide das Gleiche, oder nicht?

5 Kommentare

  1. niels | zeineku.de
    21. Oktober 2007, 20:59

    Und was lernen wir daraus? Roth und Mixa – beide alberne Kasper.

    Und erstere ist sowieso schlimm. Wenn ich Claudia Roth sehe, muss ich immer weggucken und mir die Ohren zuhalten, um Schmerzen zu vermeiden. „Eichhörnchen auf Ecstasy“ hat Schmidt mal gesagt, wenn ich mich recht erinnere.

  2. vib
    21. Oktober 2007, 22:14

    Hm, vielleicht wollen sie das gleiche, aber hey, das ist Politik, da darf man das nienienienie zugeben – außer es ist die gleiche Partei. Und übrigens ist Politik schlimmer als Internet – finde ich und kann mich nicht entscheiden wer schlimmer ist: Ein Kappenträger oder die Frau Roth.

  3. Olli
    22. Oktober 2007, 13:54

    Na endlich mal jemand, der differenzieren kann und die Kirche im Dorf lässt. Danke.

  4. ckwon
    22. Oktober 2007, 16:18

    Wollen die wirklich das Gleiche?

    Nein. Bischof Mixa widerspricht sich selbst ständig. Einerseits sagt er, er wolle nur die Wahlfreiheit erhöhen, andererseits kritisiert er fast jede Maßnahme, die die Wahlfreiheit erhöht als Teufelszeug.

    Ich habe inzwischen mehrere Interviews mit ihm und seinen Auftritt bei Christiansen (oder wares eine andere dieser Sendungen?) gesehen, da hat er sich ständig im Kreis gedreht und was, was er 5 Minuten vorher gefordert hat auch gleich wieder schlecht befunden.

    Aber ich gebe dir vollkommen recht, die Schärfe in der Wortwahl ist übertrieben.
    Andererseits ist Bischof Mixa nur durch seine Wortwahlschärfe überhaupt als Interviewpartner interessant geworden. Die erste Äußerng, die je von ihm medial Beachtung fand enthielt schließlich das Wort „Gebärmaschine“ u.ä. (ohne solche Wortwahl hätte er nie Beachtung gefunden)

  5. Thomas
    22. Oktober 2007, 18:34

    Mixa hin oder her. Er gibt in meinen Augen Dinge von sich, die zu einem Bischof nicht passen, der eigentlich eine gewisse Vorbildfunktion haben sollte. Die Sache mit der „Gebärmaschine“ war der Anfang…

    Aber sei es drum, seine Ex-Diözese Regensburg war froh darüber, als er nach Augsburg ging. Und Augsburg hatte immer schon etwas „extravagante“ Bischöfe.