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	<title>Coffee And TV &#187; Suchergebnisse  &#187;  Dinslaken</title>
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	<description>Popkultur - Allein das Wort schon!</description>
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		<title>Woanders is&#8217; auch scheiße</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 01:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn ich Menschen aus dem Ausland erklären soll, wo ich herkomme, höre ich mich immer noch viel zu oft mit &#8220;near Cologne&#8221; antworten. Bei den meisten Amerikanern kann man ja froh sein, wenn sie davon mal gehört haben. Briten hingegen kennen, so sie denn minimal fußballinteressiert sind, natürlich Dortmund und Schalke, manchmal sogar Bochum. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich Menschen aus dem Ausland erklären soll, wo ich herkomme, höre ich mich immer noch viel zu oft mit &#8220;near Cologne&#8221; antworten. Bei den meisten Amerikanern kann man ja froh sein, wenn sie davon mal gehört haben. Briten hingegen kennen, so sie denn minimal fußballinteressiert sind, natürlich Dortmund und Schalke, manchmal sogar Bochum. Die &#8220;Ruhr Area&#8221; allerdings ist eher was für Leute, die im Erdkundeunterricht gut aufgepasst haben, aber so würden eh nur die Wenigsten über ihre Heimat sprechen.</p>
<div align="center"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/ruhrpott3.jpg" alt='Bergbaumuseum Bochum' title='Bergbaumuseum Bochum.'></div>
<p>Das Verhältnis der &#8220;Ruhris&#8221; zum Ruhrgebiet ist ein zutiefst ambivalentes: Eine unheilvolle Mischung aus Lokalpatriotismus und Selbstverachtung, aus Stolz und Skepsis, Traditionsbewusstsein und Wurzellosigkeit führt dazu, dass sich im fünftgrößten Ballungsraum Europas niemand zuhause fühlt. Ein <a href="http://www.coffeeandtv.de/2008/02/27/hier-konnte-ihre-metropole-stehen/">Zusammengehörigkeitsgefühl</a> entsteht erst ganz langsam, Jahrzehnte nach der Blütezeit der Ruhrindustrie und auch recht widerwillig.</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/pilsken.jpg" title='Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach (Buchcover)' align="right" style="margin-left:20px">Konrad Lischka und Frank Patalong stammen auch aus dem Ruhrgebiet. Lischka ist 32 und in Essen aufgewachsen, Ptalaong 48 und aus Duisburg-Walsum. Heute arbeiten beide bei &#8220;Spiegel Online&#8221; in Hamburg, aber sie haben ein Buch geschrieben über die &#8220;wunderbare Welt des Ruhrpotts&#8221;: &#8220;Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach&#8221;.</p>
<p>Der Altersunterschied der beiden und ihre unterschiedliche Herkunft (Lischka kam mit seinen Eltern aus Polen ins Ruhrgebiet, Patalong ist Kind einer Arbeiterfamilie) machen den besonderen Reiz des Buches aus, denn ihre Hintergründe sind gerade unterschiedlich genug, um fast das ganze Ruhrgebiet an sich zu charakterisieren. Lischka ist (wie ich auch) ohne nennenswerte Schwerindustrie vor Augen aufgewachsen, bei Patalong konnte man die Wäsche traditionell nicht draußen trocknen lassen, weil sie dann schwarz geworden wäre. Sie beschreiben eine Region, die binnen kürzester Zeit von Menschen aus halb Europa besiedelt wurde, die jetzt alle in ihren eilig hochgezogenen Siedlungen hocken und feststellen, dass die Goldgräberzeit lange vorbei ist. Für die meisten endet die Welt immer noch an der Stadtteilgrenze, wofür Lischka das wunderschöne Wort &#8220;Lokalstpatriotismus&#8221; ersonnen hat. Entschuldigung, ich komm aus Eppinghoven, was soll ich da mit jemandem aus Hiesfeld?<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2012/01/30/woanders-is-auch-scheise/#footnote_0_6546" id="identifier_0_6546" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beides sind Stadtteile von Dinslaken, was schon in K&ouml;ln keiner mehr kennt.">1</a></sup></p>
<p>Das Buch ist geprägt von der so typischen Hassliebe der Ruhrgebietseinwohner zu ihrer &#8230; nun ja: Heimat, zusammengefasst im Ausspruch &#8220;Woanders is&#8217; auch scheiße&#8221;. Menschen, die sich gottweißwas darauf einbilden, aus einer bestimmten Stadt zu stammen oder dort wenigstens &#8220;angekommen&#8221; zu sein, findet man vielleicht in Düsseldorf, München oder Hamburg, aber nicht im Ruhrgebiet. Wir sind nur froh, wenn man uns nicht mit Dingen wie einem &#8220;Kulturhauptstadtjahr&#8221; behelligt, und packen alle Möchtegern-Hipster mit Röhrenjeans, asymetrischem Haarschnitt und Jutebeutel in den nächsten ICE nach Berlin. Hier bitte keine Szene, hier bitte überhaupt nichts, Danke!<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2012/01/30/woanders-is-auch-scheise/#footnote_1_6546" id="identifier_1_6546" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Verzeihung, ich bin da etwas vom Thema abgekommen. Aber ich wohne in einem sogenannten &amp;#8220;Szeneviertel&amp;#8221; und werde da schnell emotional.">2</a></sup></p>
<div align="center"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/ruhrpott2.jpg" alt='Emschermündung bei Dinslaken' title='Emschermündung bei Dinslaken.'></div>
<p>Ich fürchte, dass das Buch für Menschen, die keinerlei Verbindung zum Ruhrgebiet haben, deshalb in etwa so interessant ist wie eines über das Paarungsverhalten peruanischer Waldameisen. Es muss von einer völlig fremden Welt erzählen, in der Kinder auf qualmende Abraumhalden klettern, die Leute eine Art Blutpudding essen, der Panhas heißt, und in der eine Sprache gesprochen wird, die im Rest der Republik einfach als &#8220;falsches Deutsch&#8221; durchgeht.</p>
<p>Aber wer von hier &#8220;wech kommt&#8221;, der wird an vielen Stellen &#8220;ja, genau!&#8221; rufen &#8212; oder sich wundern, dass er die Gegend, in der er aufgewachsen ist, so ganz anders wahrgenommen hat, denn auch das ist typisch Ruhrgebiet. Frank Patalong erklärt an einer Stelle, welcher Ort im Ruhrgebiet bei ihm immer ein Gefühl von Nachhausekommen auslöst, und obwohl ich da noch nie drüber nachgedacht habe, bin ich in diesem Moment voll bei ihm: Auf der <a href="http://maps.google.de/maps?&#038;ie=UTF8&#038;ll=51.44811,6.778865&#038;spn=0.008398,0.020792&#038;safe=off&#038;z=16&#038;layer=c&#038;cbll=51.448327,6.778884&#038;panoid=ejdELPX3go7WENjizBonWA&#038;cbp=12,0,,0,0">Berliner Brücke</a>, der &#8220;Nord-Süd-Achse&#8221;, auf der die A 59 die Ruhr, den Rhein-Herne-Kanal und den Duisburger Hafen überspannt. Wenn wir früher aus dem Holland-Urlaub kamen, war dies der Ort, an dem wir wussten, dass wir bald wieder zuhause sind, und auch heute ist das auf dem Weg von Bochum nach Dinslaken der Punkt, wo ich meine Erwachsenenwelt des Ruhrgebiets verlasse und in die Kindheitswelt des Niederrheins zurückkehre.</p>
<p>Lischka und Patalong verklären nichts, sie sind mitunter für meinen Geschmack ein bisschen zu kritisch mit ihrer alten Heimat, aber dabei sprechen sie Punkte an, die mir als immer noch hier Lebendem in der Form wohl nie aufgefallen wären. Zum Beispiel das ständige Schimpfen auf &#8220;die da oben&#8221;, das bei den hiesigen Lokalpolitikern leider zu mindestens 80% berechtigt ist, das aber auch zu einer gewissen Kultur- und Intellektuellenfeindlichkeit geführt hat. Die Zeiten, in denen man sich als Arbeiterkind in seiner alten Umgebung rechtfertigen musste, weil man zur Uni ging, dürften vorbei sein, aber ein Blick in die Kommentare unter einem beliebigen Artikel beim Lokalrumpelportal <a href="http://www.derwesten.de/">&#8220;Der Westen&#8221;</a> zeigt, dass Museen, Bibliotheken oder Theater zumindest für einige Einwohner des Ruhrgebiets immer noch &#8220;überflüssiger Schnickschnack&#8221; sind.</p>
<div align="center"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/ruhrpott4.jpg" alt='Graffito an der S-Bahn-Station Bochum-Ehrenfeld' title='Graffito an der S-Bahn-Station Bochum-Ehrenfeld.'></div>
<p>Und während ich darüber nachdenke, dass die Arbeiter in Liverpool, Detroit oder New Jersey irgendwie sehr viel mehr für ihren Stolz berühmt sind und dann teilweise auch noch Bruce Springsteen haben, fällt mir auf, dass ich zumindest selbst natürlich wahnsinnig stolz bin auf diese Gegend. Ja, das, was an unseren Städten mal schön war, ist seit Weltkrieg und Wiederaufbau überwiegend weg, aber wir haben wahnsinnig viel Grün in den Städten<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2012/01/30/woanders-is-auch-scheise/#footnote_2_6546" id="identifier_2_6546" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Buch verweist Lischka auf das sogenannte &amp;#8220;Pantoffelgr&uuml;n&amp;#8221;, ein Wort, das au&szlig;er ihm und dem Pressesprecher der Stadt Dinslaken glaube ich nie jemand verwendet hat.">3</a></sup>, ein schönes Umland und das beste Bier. Genau genommen isses hier gar nicht scheiße, sondern eigentlich <em>nur</em> woanders.</p>
<p>Und selbst wenn wir Ruhris innerlich ziemlich zerrissene Charaktere sind, die in ihren hässlichen Kleinstädten unterschiedlicher Größe stehen und gucken, wie aus den Ruinen unserer goldenen Vergangenheit irgendetwas neues entsteht: Es tut gut zu sehen, dass wir dabei nicht alleine sind. Willkommen im Pott!</p>
<p><b><a href="http://www.ruhrgebietbuch.de/">Konrad Lischka &#038; Frank Patalong &#8211; Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach</a><br />
Bastei Lübbe, 271 Seiten<br />
16,99 Euro.</b><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d5e7b07fc62449ee94ff420946044fdf" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6546" class="footnote">Beides sind Stadtteile von Dinslaken, was schon in Köln keiner mehr kennt.</li><li id="footnote_1_6546" class="footnote">Verzeihung, ich bin da etwas vom Thema abgekommen. Aber ich wohne in einem sogenannten &#8220;Szeneviertel&#8221; und werde da schnell emotional.</li><li id="footnote_2_6546" class="footnote">Im Buch verweist Lischka auf das sogenannte &#8220;Pantoffelgrün&#8221;, ein Wort, das außer ihm und dem Pressesprecher der Stadt Dinslaken glaube ich nie jemand verwendet hat.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6546&amp;md5=428be593d5352e8ef92074f29948a090" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Songs des Jahres 2011</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 16:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor 2012 richtig Fahrt aufnimmt oder ich meine Liste komplett verworfen habe, hier noch schnell meine Songs des Jahres 2011 (die Alben gibt&#8217;s <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/12/23/alben-des-jahres-2011/">hier</a>):</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=K2DHiyFdaSk"><strong>25. Andreas Bourani &#8211; Nur in meinem Kopf</strong></a><br />
Na, da überrasch ich mich doch mal selbst und fang mit einem deutschsprachigen Singer/Songwriter an! &#8220;Nur in meinem Kopf&#8221; hab ich geliebt, als ich es das erste Mal im Radio gehört habe, und auch massive Rotationen konnten dem Lied nicht viel anhaben. Es wirkt aber zugegebenermaßen auch wie für mich am Reißbrett entworfen: Pianointro, Four-To-The-Floor-Beat, galoppierende Beats, gerade so viel U2-Anleihen, wie ich ertrage, und dann noch die großartige Zeile von wegen &#8220;alles kaputthauen&#8221;. Schöne Stimme übrigens und sehr schönes Video, auch!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=-YfU0VIg3ok"><strong>24. Death Cab For Cutie &#8211; You Are A Tourist</strong></a><br />
&#8220;Codes And Keys&#8221;, das letztjährige Album von Death Cab For Cutie, hat mich nie so richtig packen können. Kein schlechtes Album, gewiss, aber die Band hatte schon bessere und mein Indie-Müdigkeit macht sich einmal mehr bemerkbar. Die spektakulärste Meldung im Bezug auf die Band im vergangenen Jahr war die <a href="http://www.spin.com/articles/zooey-deschanel-and-ben-gibbard-split">Nachricht</a>, dass sich Sänger Ben Gibbard und Zooey Deschanel scheiden lassen (und ich mich nicht entscheiden kann, wen von beiden ich lieber heiraten würde). ANYWAY: &#8220;You Are A Tourist&#8221; ist ein schöner Song mit einem sehr spannenden Groove, der auf der Tanzfläche noch bedeutend mitreißender ist, als vor dem heimischen Plattenspieler.</p>
<p><a href="http://www.tape.tv/musikvideos/Lady-Gaga/The-Edge-Of-Glory"><strong>23. Lady GaGa &#8211; The Edge Of Glory</strong></a><br />
Wenn man in ein-, zweihundert Jahren ein Buch über die Geschichte des Pop schreiben wird, wird man an Lady Gaga nicht vorbeikommen. Die Frau schafft es meisterhaft, sowohl den intellektuellen Hintergrund des Begriffs &#8220;Pop&#8221; auszufüllen, als auch Songs am Fließband rauszuhauen, die genau das sind: Pop. Wenn &#8220;Spex&#8221;-Leser und Schützenfestbesucher zur gleichen Musik tanzen können, ist das eine Leistung, die zumindest die Nominierung für den Friedensnobelpreis nach sich ziehen sollte. Weiteres Argument für &#8220;The Edge Of Glory&#8221;: Es ist die letzte veröffentlichte Aufnahme von E-Street-Band-Saxophonist Clarence Clemons vor dessen Tod. Gerade noch rechtzeitig, damit eine ganz neue Generation von Musikfans den &#8220;Big Man&#8221; <a href="http://popdust.com/2011/06/15/lady-gaga-get-well-clarence/">ins Herz</a> schließen konnte.</p>
<p><a href="http://www.myvideo.de/watch/8010224/James_Blake_The_Wilhelm_Scream"><strong>22. James Blake &#8211; The Wilhelm Scream</strong></a><br />
&#8220;Songs&#8221; sind die wenigsten Tracks auf James Blakes phantastischem Debütalbum, Radio-Singles gibt es eigentlich keine. Aber wenn überhaupt, dann ist &#8220;The Wilhelm Scream&#8221; das poppigste und zugänglichste Stück. Am ausschließlich in musikjournalistischen Texten verwendeten Verb &#8220;pluckern&#8221; führt kaum ein Weg vorbei, aber es dröhnt, rauscht, zirpt und echot auch ganz gewaltig unter und über Blakes Falsettgesang. Musik wie ein verstörender, aber doch sehr erholsamer Traum.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=fgCOUO-s8nY"><strong>21. Jupiter Jones &#8211; Still</strong></a><br />
Das Einmal-zu-oft-gehört-Phänomen im neuen Gewand: Wenn &#8220;Still&#8221; im Radio anfängt, bin ich ein bisschen genervt. Wenn ich den Song selber auflege ist es aber immer noch wie im ersten Moment: Wow! Allein diese Bassline, die gleichermaßen Schlag in die Magengrube wie Schulterklopfen ist! Jupiter Jones hatten vielleicht schon bessere, wütendere oder verzweifeltere Trennungslieder, aber &#8220;Still&#8221; ist auf seine Art schon sehr besonders &#8212; und besonders wahr. Die schönste Version ist natürlich die mit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=aFycGIn7i04#t=1m44s">Ina Müller</a>.</p>
<p><a href="http://www.tape.tv/musikvideos/Rihanna-feat-Calvin-Harris/We-Found-Love"><strong>20. Rihanna feat. Calvin Harris &#8211; We Found Love</strong></a><br />
Für Rihanna gilt ähnliches wie das, was ich gerade über Lady GaGa geschrieben habe. Sie arbeitet zwar nicht so aktiv selbst an ihrem Gesamtkunstwerk mit, aber sie ist einer der bestimmenden Superstars unserer Zeit. Allein die Liste ihrer Kollaborationen deckt die gegenwärtige Popmusik sehr gut ab: Jay-Z, Kanye West, David Guetta, Eminem, will.i.am, Justin Timberlake, Ne-Yo und Coldplay stehen da zum Beispiel drauf. Diesmal also mit Calvin Harris, der ein House-Feuerwerk abbrennt, während Rihanna einen Song von erhabener Schönheit singt. Ja: &#8220;We Found Love&#8221; ist nicht nur cool/geil/whatever, sondern auch schön und sollte jedem einsamen Menschen &#8220;in a hopeless place&#8221; zwischen Dinslaken und Bitterfeld Hoffnung machen.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=yvxL5E0em5w"><strong>19. Noah And The Whale &#8211; Tonight&#8217;s The Kind Of Night</strong></a><br />
&#8220;Last Night On Earth&#8221;, das aktuelle Album von Noah And The Whale, hatte ich schon bei den <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/12/23/alben-des-jahres-2011/">Alben</a> gelobt. &#8220;Tonight&#8217;s The Kind Of Night&#8221; ist ein perfektes Beispiel für diesen Technicolor-Pop mit seinen treibenden Rhythmen und euphorisierenden Chören. Und sagt man sich nicht jeden Abend &#8220;Tonight&#8217;s the kind of night where everything could change&#8221;? Eben! Muss ja nicht, aber könnte!</p>
<p><a href="http://vimeo.com/19529550?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed:+Vimeo/VideosGot80sLikes+(Vimeo+/+Videos+Got80s+likes"><strong>18. Foster The People &#8211; Pumped Up Kicks</strong></a><br />
Einmal Indiepop-Sommerhit zum Mitnehmen, bitte! &#8220;Pumped Up Kicks&#8221; hat einen schlichten Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Der Song lief merkwürdigerweise nie in der Werbung eines Mobilfunkanbieters (was eigentlich sein natürlicher Lebensraum gewesen wäre), hat eine Saison länger zum Hit gebraucht als <a href="http://www.blackbookmag.com/music/foster-the-peoples-pumped-up-kids-is-the-song-of-next-summer-1.21021">angenommen</a> und hat darüber hinaus noch einen milde gewaltverherrlichenden <a href="http://www.songtexte.com/songtext/foster-the-people/pumped-up-kicks-4be9772a.html">Text</a>, der dem amerikanischen MTV zu viel <a href="http://articles.nydailynews.com/2011-06-28/entertainment/29731837_1_mtvu-mtv-family-music-video">war</a> &#8212; aber davon ab ist es auch einfach ein sehr schöner Song.</p>
<p><a href="http://video.aol.com/aolvideo/aol-music/my-racing-thoughts/1187616796001"><strong>17. Jack&#8217;s Mannequin &#8211; My Racing Thoughts</strong></a><br />
Hatte ich schon mal erwähnt, dass keine Band in den letzten fünf Jahren eine so große Bedeutung für mich hatte wie Jack&#8217;s Mannequin? Gut. So richtig genau kann ich nämlich auch nicht erklären, warum mir &#8220;My Racing Thoughts&#8221; so gut gefällt, beim ersten Hören fand ich es nämlich regelrecht cheesy. Jetzt aber mag ich es, weil es ein harmloser, erbaulicher Popsong ist. Und dieser &#8220;she can read my, she can read my&#8221;-Part ist toll!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=KOaJLgu1fUg"><strong>16. Rival Schools &#8211; Wring It Out</strong></a><br />
Nein, ein zweites &#8220;Used For Glue&#8221; ist auf dem zweiten Rival-Schools-Album nicht enthalten. Aber fast. &#8220;I wanna wring it out / Every ounce / I wanna do the right thing, when the right thing counts&#8221; sind doch genau die Zeilen, die man zum Beginn eines Jahres hören möchte. Und dann einfach rein ins Leben, die richtigen Dinge tun, die falschen Dinge tun, aber in jedem Fall jede Unze rausquetschen. Was für eine Hymne!</p>
<p><a href="http://vimeo.com/20895239"><strong>15. Maritime &#8211; Paraphernalia</strong></a><br />
Das vierte Maritime-Album &#8220;Human Hearts&#8221; ist irgendwie komplett an mir vorbeigegangen, aber die Vorab-Single, die hat mich das ganze Jahr über begleitet. Indierock, der nicht nervt, weil er nicht ach so cool sein will, sondern beschwingt unterhält. So einfach ist das manchmal.</p>
<p><a href="http://www.tape.tv/musikvideos/Adele/Rolling-in-The-Deep"><strong>14. Adele &#8211; Rolling In The Deep</strong></a><br />
Die Geschichte mit der Echo-Verleihung hab ich ja blöderweise schon bei den <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/12/23/alben-des-jahres-2011/">Alben</a> erzählt. Muss ich mir jetzt was neues ausdenken? Ach was! Großer Song, bleibt groß! Punkt.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=f5CcOq8UzkI"><strong>13. Example &#8211; Stay Awake</strong></a><br />
Auf &#8220;Playing In The Shadows&#8221; sind fünf, sechs Songs, die alle in dieser Liste hätten auftauchen können. &#8220;Stay Awake&#8221; ist es letztlich geworden, weil die stampfenden House-Elemente (manche würden auch sagen: &#8220;die Kirmes-Elemente&#8221;) sonst ein wenig unterrepräsentiert gewesen wären. Und dann dieser Refrain: &#8220;If we don’t kill ourselves we&#8217;ll be the leaders of a messed-up generation / If we don’t kid ourselves will they believe us if we tell them the reasons why&#8221; und der Kontrast zwischen dem Four-To-The-Floor-Refrain und den zitternden Dubstep-Strophen! Hach, jetzt &#8216;n Autoscooter &#8230;</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=WdO85Qf4Poc"><strong>12. The Naked And Famous &#8211; Young Blood</strong></a><br />
Vielleicht hab ich mich vertan und es war gar nicht &#8220;Pumped Up Kicks&#8221; der Indiepop-Sommerhit, sondern &#8220;Young Blood&#8221;. Immerhin war der Song Jingle-Musik bei Viva und WDR 2 (!) und lief in gefühlt jeder TV-Sendung. Egal, sie können&#8217;s ja auch beide gewesen sein, wobei &#8220;Young Blood&#8221; ganz klar überdrehter und charmanter und &#8230; äh: lauter ist. Wegen maximaler Penetration kurz vor nervig, aber eben nur vor.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=Rxv7OunnUh8"><strong>11. Twin Atlantic &#8211; Make A Beast Of Myself</strong></a><br />
Dieser Break nach zwei Sekunden! Dieses Brett von Gitarrengeschrammel! Diese entspannt vor sich hin groovenden Strophen, die sich in diesen Orkan von Refrain entladen! Und, vor allem: Dieser niedliche schottische Akzent, vor allem beim Wort &#8220;universe&#8221;! Mein Punkrock-Song des Jahres!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=3hBJIbSScBM"><strong>10. Patrick Wolf &#8211; The City</strong></a><br />
Dieser Song hätte <a href="http://www.contactmusic.com/news/wolfs-eurovision-plans_1109011">unter Umständen</a> der britische Beitrag zum Eurovision Song Contest sein können &#8212; und wäre damit einer der besten in der Geschichte des Wettbewerbs gewesen. Nun ist es &#8220;nur&#8221; ein dezent überdrehter Indiepop-Song mit Handclaps, Saxophon, verzerrten Stimmen und hypnotischen Beats.</p>
<p><a href="http://www.tape.tv/musikvideos/Coldplay/Every-Teardrop-Is-A-Waterfall"><strong>9. Coldplay &#8211; Every Teardrop Is A Waterfall</strong></a><br />
Sie haben&#8217;s schon bemerkt: Wir sind in dem Teil der Liste angekommen, wo ich die vorgeblich rationalen Argumente weggepackt habe und mehr mit hilflosen Emotionalitäten und &#8220;Hach&#8221;s um mich werfe. Hier toll: Das absurde <a href="http://www.whosampled.com/sample/view/100098/Coldplay-Every%20Teardrop%20Is%20a%20Waterfall_Peter%20Allen-I%20Go%20to%20Rio/">Sample</a>, die Rhythmusgitarre, die Leadgitarre, die grandiose Schlagzeugarbeit von Will Champion, der Text und der Moment nach drei Minuten, wenn sich alles aufeinander türmt. Hüpfen! Tanzen! Hach!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZjsbbdsFOOU"><strong>8. Jonathan Jeremiah &#8211; Happiness</strong></a><br />
Mein Jahr 2011 lässt sich in zwei Teile teilen: den vor <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/08/24/hallo-endorphin/">Jonathan Jeremiah</a> und den danach. Mit &#8220;Happiness&#8221; fühlt sich mein Leben an wie eine britische Komödie mit Hugh Grant. I&#8217;m going home where my people live.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=DBgKh8AWx70"><strong>7. Imaginary Cities &#8211; Hummingbird</strong></a><br />
Der Weakerthans-Livegitarrist Rusty Matyas hat mit Sängerin Marti Sarbit die Band Imaginary Cities gegründet, deren Debütalbum &#8220;Temporary Resident&#8221; im letzten Jahr auf Grand Hotel van Cleef erschienen ist. So viel zur Theorie. Die Praxis &#8230; ach, hören Sie einfach selbst! Was für ein Song!</p>
<p><a href="http://vimeo.com/20072197"><strong>6. Cold War Kids &#8211; Finally Begin</strong></a><br />
Früher, als ich noch mit dem Fahrrad durch die Stadt meiner Jugend gefahren bin, hab ich manchmal auf dem Heimweg die Arme ausgebreitet, die Augen zugemacht und bin zur Musik aus meinem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walkman#Kassettenbasierter_Walkman">Walkman</a> quasi durch die Nacht geflogen. Glücklicherweise nie auf die Fresse, aber das ist schon recht gefährlich, Kinder. Jedenfalls: &#8220;Finally Begin&#8221; wäre ein Song für genau solche Flugmanöver. Diese Gitarren! Diese Harmonien, die offenbar direkt die Endorphinausschüttung im Hirn anwerfen können! Und dieser Text über überwundene Bindungsangst! Für eine Nacht noch mal 16 sein in Dinslaken, bitte!</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=bt-h7qIWLPA"><strong>5. The Mountain Goats &#8211; Never Quite Free</strong></a><br />
Wie <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/12/23/alben-des-jahres-2011/">gesagt</a>: &#8220;Never Quite Free&#8221; wurde Anfang Dezember innerhalb von 48 Stunden zu einem der meist gehörten Songs des Jahres. Wer braucht schon das Strophe/Refrain-Schema? Wenn ich Ihre Aufmerksamkeit auf diese Stelle nach ziemlich exakt zwei Minuten lenken darf, wo das Schlagzeug richtig losscheppert und der Schellenkranz einsetzt: für solche Momente wird Musik gemacht und für solche Momente höre ich Musik.</p>
<p><a href="http://vimeo.com/21632848"><strong>4. The Pains Of Being Pure At Heart &#8211; Heart In Your Heartbreak</strong></a><br />
Gerade beim Tippen festgestellt: Wenn man für jedes &#8220;heart&#8221; in Bandnamen und Songtitel einen Schnaps trinken würde, wäre das ein schöner Start in den Abend. Schöner würde der natürlich, wenn der Song auch liefe, denn es ist ein herrlicher Song, der übrigens auch in der (ansonsten etwas freudlosen) fünften Staffel von &#8220;Skins&#8221; zu hören war. (Radio-)DJs hassen die beunruhigend lange Pause nach 2:42 Minuten, aber ansonsten kann man diesen Song natürlich nur lieben.</p>
<p><a href="http://vimeo.com/11258773"><strong>3. Ed Sheeran &#8211; The A Team</strong></a><br />
&#8220;+&#8221;, das großartige Debüt-Album von Ed Sheeran, das Sie bald auch in Deutschland kaufen können (und sollten!), habe ich mir im September im Schottland-Urlaub gekauft, weil Plattenfirma und HMV mich mit ihrer Platzierungspolitik geradezu gewaltsam dazu gedrängt haben. Auf dem Weg zum Flughafen habe ich es zum ersten Mal gehört und ich war nicht direkt verzaubert, was aber auch an dem schottischen Landregen gelegen haben mag, mit dem ich auf meinem Fußmarsch noch zu kämpfen hatte. Beim zweiten Mal jedoch: Was für ein Album! Und was für ein Opener! Zärtlich, ohne weinerlich zu sein! Schmusig, ohne zu langweilen. Vergleiche mit deutschen Singer/Songwritern verbieten sich, aber vielleicht kommt ja auch mal ein Ed-Sheeran-Äquivalent daher.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=0KrmxavLIRM"><strong>2. Bon Iver &#8211; Calgary</strong></a><br />
Zugegeben: Das war beim ersten Hören schon etwas verwirrend mit diesen ganzen Keyboardflächen. Aber nur kurz! Justin Vernon könnte auch das Telefonbuch von Milwaukee singen (und manchmal habe ich ehrlich gesagt den Verdacht, er würde es zwischendurch zumindest mal versuchen) und ich würde immer noch eine Gänsehaut bekommen. </p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=g6MnpD5_4GI"><strong>1. Bright Eyes &#8211; Shell Games</strong></a><br />
Anfang April <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/04/03/die-musik-von-hier-nach-dort/">schrieb</a> ich, dass der Popsong des Jahres, wenn in den verbleibenden neun Monaten nicht noch ein Wunder geschehe, &#8220;Shell Games&#8221; sein würde, und ich sollte Recht behalten. Es wirkt ein bisschen, als habe sich Conor Oberst die Pop-Blaupause eines Gregg Alexander vorgenommen und nur noch ein paar persönliche Sonderheiten reingeworfen. Zur Bilder-des-Jahres-Montage in meinem Kopf läuft dieser Song, der auch das Liedzitat 2011 bereit hält: &#8220;My private life is an inside joke / No one will explain it to me&#8221;.</p>
<p><i>Hinweis: Bitte beachten Sie auch diesmal beim Kommentieren wieder die <a href="http://www.npr.org/blogs/monkeysee/2011/12/14/143699630/the-20-unhappiest-people-you-meet-in-the-comments-sections-of-year-end-lists">Regeln</a>.</i><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/17c15248ae444bdda324fd93173aba0a" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6505&amp;md5=84ccfbb806f0c7c593a4f358cedbb64e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>It&#8217;s not my home, it&#8217;s their home</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jul 2011 12:28:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist womöglich schon mal an der einen oder anderen Stelle angeklungen, dass ich 20 Jahre meines Lebens in einer Stadt verbracht habe, die Dinslaken heißt. Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern, aber ich kann natürlich versuchen, daraus irgendwie Kapital zu schlagen. Deswegen habe ich, als wir fürs Duslog in Düsseldorf waren, Stefan Niggemeier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist womöglich schon mal an der einen oder anderen Stelle angeklungen, dass ich 20 Jahre meines Lebens in einer Stadt verbracht habe, die Dinslaken heißt.</p>
<p>Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern, aber ich kann natürlich versuchen, daraus irgendwie Kapital zu schlagen. Deswegen habe ich, als wir fürs <a href="http://duslog.tv/">Duslog</a> in Düsseldorf waren, Stefan Niggemeier einfach mal kurz nach Dinslaken geschleift und ihm meine alte Heimat gezeigt.</p>
<p>Herausgekommen ist ein etwas spezieller Imagefilm, der bald bei der Dinslakener Stadtinformation käuflich zu erwerben sein wird:</p>
<p><iframe width="545" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/DX72JkYbrCI" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6160&amp;md5=6c4e70fa7659a9c4556f1ce9ae28a51f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der hermetische Zirkel</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 14:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Sonntagabend ist die Dinslakener McDonald&#8217;s-Filliale bei einem Brand schwer beschädigt worden. Die &#8220;Rheinische Post&#8221; berichtet vom Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei: Das gesamte Gewerbegebiet Mitte, indem sich das Schnellraustarant (sic) befindet, wurde in der Zeit von 22.15 bis 0.45 Uhr von Polizisten abgesperrt, um zu verhindern, dass die Löscharbeiten von Schaulustigen behindet (sic) werden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Sonntagabend ist die Dinslakener McDonald&#8217;s-Filliale bei einem Brand schwer beschädigt worden.</p>
<p>Die <a href="http://www.rp-online.de/niederrheinnord/duisburg/nachrichten/Mc-Donalds-Filiale-brennt-ab_aid_1003922.html">&#8220;Rheinische Post&#8221;</a> berichtet vom Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei:</p>
<blockquote><p>Das gesamte Gewerbegebiet Mitte, indem sich das Schnellraustarant (sic) befindet, wurde in der Zeit von 22.15 bis 0.45 Uhr von Polizisten abgesperrt, um zu verhindern, dass die Löscharbeiten von Schaulustigen behindet (sic) werden.</p></blockquote>
<p>Das mit der Absperrung scheint nur mittelgut geklappt zu haben. Oder der Fotograf, der für &#8220;RP Online&#8221; die 14-teilige Bildergalerie <a href="http://www.rp-online.de/niederrheinnord/duisburg/nachrichten/Grossbrand-Hier-brennt-ein-McDonalds-ab_bid_65376.html">&#8220;Hier brennt ein McDonald&#8217;s ab&#8221;</a> fotografiert hat, hatte ein sehr, sehr starkes Teleobjektiv dabei.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6059&amp;md5=41c45263970bb491c98211841e3bdba1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Certain Songs</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 14:42:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Regelmäßig, wenn ich in der S-Bahn sitze, frage ich mich, was die ganzen Menschen mit ihren (zumeist weißen) Stöpseln im Ohr wohl so gerade hören. Ändert sich, wenn man dienstlich gezwungen ist, Anzug und Krawatte zu tragen, auch der Musikgeschmack, oder hört der Mann aus dem Controlling irgendeiner großen Versicherung vielleicht doch gerade Napalm Death? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Regelmäßig, wenn ich in der S-Bahn sitze, frage ich mich, was die ganzen Menschen mit ihren (zumeist weißen) Stöpseln im Ohr wohl so gerade hören.</p>
<p>Ändert sich, wenn man dienstlich gezwungen ist, Anzug und Krawatte zu tragen, auch der Musikgeschmack, oder hört der Mann aus dem Controlling irgendeiner großen Versicherung vielleicht doch gerade Napalm Death? Hören alle den neuesten heißen Scheiß oder sitzen da auch Leute, die alte Alben von R.E.M. oder gar Semisonic anhören? Und: Hört gerade jemand das gleiche Lied wie ich? Haben wir es gar zufällig im gleichen Moment gestartet? (Und, falls ja: Würden wir je erfahren, dass wir einander eigentlich heiraten müssten?)</p>
<p>Ein Mann namens Tyler Cullen hat sich die gleiche Frage gestellt &#8212; bzw. eben nicht sich, sondern Passanten in New York. Und weil New York nicht Dinslaken ist, haben ihn die Leute für diese Frage nicht zusammengeschlagen, sondern ihm höflich geantwortet:</p>
<p><iframe width="540" height="337" src="http://www.youtube.com/embed/tvHRUY0tBcs" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Bei den meisten (gezeigten) Menschen kann man also tatsächlich erahnen, was sie für Musik hören.</p>
<p><small>[via Facebook]</small></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6052&amp;md5=78ed8f2d5f4eaa1999fd9b1a6a2060b3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auswärtsspiele: Duslog &amp; Journalist</title>
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		<pubDate>Thu, 05 May 2011 16:39:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit vergangenem Sonntag halten Stefan Niggemeier und ich in uns einem Luftkurort pensionierter Generäle versteckt &#8212; in Düsseldorf. Der Grund dafür ist der Eurovision Song Contest, der dieses Jahr überraschend in der Stadt zwischen Köln und Dinslaken stattfindet. Was wir hier genau machen, kann man in bereits vier Folgen auf duslog.tv verfolgen. Vorher habe ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit vergangenem Sonntag halten Stefan Niggemeier und ich in uns einem Luftkurort pensionierter Generäle versteckt &#8212; in Düsseldorf. Der Grund dafür ist der Eurovision Song Contest, der dieses Jahr überraschend in der Stadt zwischen Köln und Dinslaken stattfindet. Was wir hier genau machen, kann man in bereits vier Folgen auf <a href="http://duslog.tv/"><strong>duslog.tv</strong></a> verfolgen.</p>
<p>Vorher habe ich noch knapp 10.000 Zeichen darüber geschrieben, was uns hier mutmaßlich erwarten wird. Diesen Text finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift &#8220;Der Journalist&#8221; und auf <a href="http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/stellungnahmen-und-meinungen/wie-die-satelliten-eurovision-song-contest.html"><strong>journalist.de</strong></a>.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6013&amp;md5=ab387c21eb274a64278a77f46ce4983e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Kampagnenjournalismus</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2011/02/27/kampagnenjournalismus/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 20:39:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum musst du springen wie der Springer dich schuf Mädchen, hattest du nicht eigentlich einen anderen Beruf (Wir Sind Helden &#8211; Zieh Dir was an) Wenn man Besucherzahlen und Verlinkungen als Parameter für Erfolg ansieht, war es eine sehr erfolgreiche Woche fürs BILDblog. Was uns allerdings verwundert hat: Nicht einer der vielen Artikel über die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Warum musst du springen wie der Springer dich schuf<br />
Mädchen, hattest du nicht eigentlich einen anderen Beruf</em><br />
(Wir Sind Helden &#8211; Zieh Dir was an)</p>
<p>Wenn man Besucherzahlen und Verlinkungen als Parameter für Erfolg ansieht, war es eine sehr erfolgreiche Woche fürs BILDblog. Was uns allerdings verwundert hat: Nicht einer <a href="http://www.bildblog.de/28037/dr-wagner-and-mr-guttenberg/">der</a> <a href="http://www.bildblog.de/28079/dr-albern/">vielen</a> <a href="http://www.bildblog.de/28247/man-darf-nicht-bescheissen/">Artikel</a> über die Sonderbehandlung, die &#8220;Bild&#8221; Karl-Theodor zu Guttenberg angedeihen ließ, hat letztlich unseren Server zum Knirschen gebracht, sondern der wütende, leicht hilflose <a href="http://www.bildblog.de/28264/wir-sind-helden-wollen-nicht-fuer-bild-werben/">Brief</a> einer Popsängerin.</p>
<p>Die Werbeagentur Jung von Matt hatte bei Judith Holofernes und ihrer Band Wir Sind Helden angefragt, ob diese nicht im Rahmen einer Werbekampagne &#8220;ihre of­fe­ne, ehr­li­che und un­ge­schön­te Mei­nung zur BILD&#8221; äußern wollten. Das war angesichts der Tatsache, dass Holofernes mit ihrer <a href="http://www.bildblog.de/2694/bild-ist-und-bleibt-kein-lifestyleaccessoire/">Meinung zu &#8220;Bild&#8221;</a> nie hinterm Berg gehalten hatte, eine steile Anfrage &#8212; nach Maßstäben von Werbern also womöglich eine brillante Idee.</p>
<p>Aber Sängerin und Band wollten nicht auf ein Plakat, sie teilten ihre Ansichten der Menschheit lieber unentgeltlich mit: auf der eigenen <a href="http://www.wirsindhelden.de/2011/02/1069/">Website</a>, bei uns und später, als beide Server am Boden waren oder in den Seilen hingen, auch noch <a href="http://www.swr3.de/info/nachrichten/Der-Brief-von-Judith-Holofernes-in-volle/-/id=47428/did=967666/1fw7vxt/index.html">anderswo</a>.</p>
<p>Die Reaktionen haben alles getoppt, was wir (und wohl auch die Band selbst) erwartet hätten. Mehr als 50.000 Menschen haben inzwischen den Facebook-&#8221;Gefällt mir&#8221;-Button unter dem BILDblog-Eintrag geklickt, was für uns eine so unvorstellbar hohe Zahl ist, dass ich sie nur noch mit der Einwohnerzahl meiner alten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dinslaken">Heimatstadt</a> vergleichen kann. So gesehen geht da also noch was.</p>
<p>Die Reaktionen waren überwiegend, aber nicht ausschließlich positiv. Und sie warfen auch Fragen auf, die ein Facebook-Freund von mir so auf den Punkt brachte:</p>
<blockquote><p>Warum ist das so ne Sensation, das &#8220;Wir sind Helden&#8221; nicht für BILD werben? Das ist doch wohl das Mindeste, das man von jemandem mit Anstand erwarten kann.</p></blockquote>
<p>Ja, das stimmt natürlich. Dennoch <a href="http://www.bild.de/BILD/news/fakten/uebersicht-werbung/werbung.html">werben</a> Leute wie Hans-Dietrich Genscher, Gregor Gysi, Jonathan Meese, David Garrett, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, aber <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/02/26/til-schweiger-die-guttenbergs-und-bild/">natürlich</a> auch Til Schweiger für das Blatt. Die dürfen dann zwar auch ein bisschen Kritik äußern, aber sie machen natürlich trotzdem für bundesweite Plakatierung und 10.000 Euro für einen guten Zweck gemeinsame Sache mit &#8220;Bild&#8221;. (Bemerkenswert übrigens, dass der am ehesten &#8220;kritisch&#8221; zu nennende Beitrag ausgerechnet der Radiospot des Komikers Atze Schröder ist.) Die damalige Frauenrechtlerin und heutige &#8220;Bild&#8221;-Gerichtsreporterin Alice Schwarzer war übrigens schon bei einer früheren <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/schwarzer-humor/">&#8220;Bild&#8221;-Kampagne</a> dabei.</p>
<p>Offenbar ist der (an vielen Stellen rührend ungelenke) Brief von Judith Holofernes ein bisschen wie das Kind aus &#8220;Des Kaisers neue Kleider&#8221;, das &#8220;Aber der ist doch nackt!&#8221; ruft. &#8220;Endlich sagt&#8217;s mal jemand&#8221;, lautete an vielen Stellen der Tenor, was einen natürlich schon ein bisschen betrübt zurück lässt, wenn man seit Jahren zu belegen versucht, was Holofernes jetzt noch mal aufschreibt:</p>
<blockquote><p>Die BILD -​Zei­tung ist kein au­gen­zwin­kernd zu be­trach­ten­des Trash-​Kul­tur­gut und kein harm­lo­ses “Guilty Plea­su­re” für wohl­fri­sier­te Auf­stre­ber, keine wit­zi­ge so­zia­le Re­fe­renz und kein Li­fes­tyle-​Zi­tat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zei­tung das, als was ihr sie ver­kau­fen wollt: Hass­ge­lieb­tes, aber wei­test­ge­hend harm­lo­ses In­ven­tar eines ei­gent­lich viel schlaue­ren Deutsch­lands.</p></blockquote>
<p>Genau das war ja die Motivation von Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis, als sie vor fast sieben Jahren BILDblog gegründet haben: zu zeigen, dass &#8220;Bild&#8221; eben &#8220;kein lustiges Quatschblatt&#8221; ist, wie Stefan es immer wieder ausgedrückt hat.</p>
<p>Das scheint plötzlich auch der &#8220;Spiegel&#8221; erkannt zu haben, der morgen &#8211; ein Zufall, tatsächlich &#8211; mit dieser Geschichte aufmacht:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/spiegel_bild.jpg" title='Titelbild: "Der Spiegel"' alt='Bild — Die Brandstifter'></p>
<p>Ich habe das Heft noch nicht gelesen, die Vorabbesprechungen fallen <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2011/02/27/neu-bei-bildblog-der-spiegel/">ziemlich</a> <a href="http://www.pottblog.de/2011/02/27/enttaeuschender-der-spiegel-titel-092011-bild-die-brandstifter/">enttäuscht</a> aus und doch ist es bemerkenswert, dass sich ein großes deutsches Medium so explizit mit &#8220;Bild&#8221; befasst.</p>
<p>Den etwa 40.000 BILDblog-Lesern an einem durchschnittlichen Tag (diese Woche waren es meist mehr oder sehr viel mehr) und den 50.000 Facebook-Likes des Helden-Aufsatzes steht eine <a href="http://www.bildblog.de/auflage.php">&#8220;Bild&#8221;-Auflage</a> gegenüber, die zwar kontinuierlich sinkt, aber immer noch bei 2,9 Millionen liegt. Die Reichweite (eine Zahl, die durch das Werfen von Hühnerknochen bei Vollmond ermittelt wird) liegt sogar bei über <a href="http://www.axelspringer.de/presse/Media-Analyse-2009-BILD-baut-Reichweite-auf-11-63-Millionen-Leser-aus_899746.html">elf Millionen</a>. Dagegen nehmen sich selbst die Auflage und die Reichweite des &#8220;Spiegel&#8221; (knapp eine Million und <a href="http://www.firmenpresse.de/pressinfo154651.html">5,9 Millionen</a>) eher bescheiden aus, aber es ist eben ein Vielfaches dessen, was wir oder ein Medienmagazin wie <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/">&#8220;Zapp&#8221;</a> erreicht. (Zumal der Anteil der Leute, die &#8220;Bild&#8221; bisher &#8220;irgendwie ganz okay&#8221; fanden, unter den &#8220;Spiegel&#8221;-Lesern deutlich größer sein dürfte, als unter denen des BILDblog.)</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Ein Vorwurf, der immer mal wieder aufkam, lautete, mit ihrer Antwort hätten Wir Sind Helden &#8220;Bild&#8221; nur noch mehr Aufmerksamkeit verschafft. Mit der gleichen Logik könnte man Greenpeace vorwerfen, indirekte PR für BP zu machen. Das alte Mantra &#8220;Any PR is good PR&#8221; steht im Raum, das ich für ziemlichen Unfug halte. Fragen Sie mal Jörg Kachelmann, welche Auswirkungen die ständige Erwähnung seines Namens in den Medien während der letzten elf Monate auf dessen Karriere und Leben gehabt haben! Zudem braucht die &#8220;Marke&#8221; &#8220;Bild&#8221; ungefähr so dringend weitere Aufmerksamkeit von jungen, kritischen Menschen, wie die &#8220;Marke&#8221; &#8220;Apple&#8221; von Microsoft-Verehren und Linux-Fans.</p>
<p>Der andere Haupt-Kritikpunkt war, die Band wolle doch nur auf sich aufmerksam machen. Stefan Winterbauer, der Blinde unter den Einäugigen bei &#8220;Meedia&#8221;, <a href="http://meedia.de/background/meedia-blogs/stefan-winterbauer/stefan-winterbauer-post/article/wir-sind-helden--der-billige-anti-bild-reflex_100033439.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=1692&#038;cHash=75414eaf5cdd9c1a0c6572c32ec43a19">schrieb</a>:</p>
<blockquote><p>Es ist bezeichnend, dass “Wir sind Helden” einen solchen Popularitätsschub mit einer eher oberflächlichen und wirren Bild-Schelte erreicht und nicht mit ihrer Musik. Das jüngst erschienene Best-of-Album “Tausend wirre Worte” schaffte es nicht mehr in die Top-Ten der Album Charts und rangiert auch bei Download-Plattformen wie iTunes weit hinten.</p></blockquote>
<p>Die Kommentare bei &#8220;Meedia&#8221; fielen überwiegend vernichtend aus, einige zeigten sich gar &#8220;enttäuscht&#8221; von dem Mediendienst, was insofern erstaunlich ist, als das ja immerhin eine vage positive Erwartungshaltung voraussetzen würde.</p>
<p>Natürlich kann man der Band diesen Vorwurf machen. Ich glaube nur, dass er in diesem speziellen Fall ins Leere läuft: Es ist ja nicht das erste Mal, dass Judith Holofernes öffentlich zu gesellschaftlichen Themen Stellung bezieht, und auch nicht das erste Mal, dass sie &#8220;Bild&#8221; schilt. Wenn eine Frau, die sonst für ihre durchdachten Texte gelobt wird, sich regelrecht auskotzt und dabei ein Brief entsteht, den man unter ästhetischen Gesichtspunkten eher so als &#8220;mittel&#8221; bezeichnen würde, nehme ich ihr die Empörung wirklich ab.</p>
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<p>Nun kam am Freitag auch die neue Single der Helden auf den Markt, weswegen man der Aktion ein &#8220;Geschmäckle&#8221; attestieren kann. Allerdings lag uns das Angebot der Band, den Text zu veröffentlichen, schon neun Tage vorher vor. Dass es letztlich so lange dauerte, lag an der Verpeiltheit auf beiden Seiten. </p>
<p>Und so richtig berechnend wirkt Judith Holofernes auch nicht, wenn sie im <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/520486">Interview mit jetzt.de</a> schon gegen die nächsten stichelt:</p>
<blockquote><p>Also, wenn diese E -Mail uns fünf schlaue, nette Leute in die Arme treibt, die uns bis jetzt scheiße fanden, und wir die dann vielleicht gegen die fünf Leute eintauschen können, die uns in ihrem Plattenregal neben den &#8220;Grafen&#8221; gestellt ahaben [sic!], weil sie &#8220;halt irgendwie so deutsche Texte mögen&#8221;, dann ist das doch ein guter Deal.</p></blockquote>
<div align="center">* * *</div>
<p>Und während ich diesen Eintrag schrieb, erreichte mich die <a href="http://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/27/bild-zeitung_wirbt_mit_holofernes-absage/">Nachricht</a>, dass der Brief von Judith Holofernes morgen in einer ganzseitigen Werbeanzeige von &#8220;Bild&#8221; in der &#8220;taz&#8221; erscheinen wird. Damit setze ich dann gerne auch darauf, wer aus diesem Scharmützel als Verlierer hervorgehen wird: die &#8220;taz&#8221;, wenn morgen wieder ein paar hundert Abo-Kündigungen eingehen.</p>
<p><small>Disclosure: Ich kann mit dem aktuellen Album von Wir Sind Helden <a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/09/16/spexen-fur-anfanger/">nichts anfangen.</a></small><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ada1dbc5eaa84140999ade7976a4f96e" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5924&amp;md5=83a7aaee8d38913ae82beb5d89fb621b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Jugend schreibt</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2011/02/07/jugend-schreibt/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 12:38:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Living In A Magazine]]></category>
		<category><![CDATA[behind the scenes]]></category>
		<category><![CDATA[bildblog]]></category>
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		<category><![CDATA[journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[lokaljournalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor einigen Jahren wollte ich schon einmal über die Arbeitsbedingungen von Schüler- und Jugendreportern bei Lokalzeitungen schreiben. Auslöser war damals ein &#8230; nun ja: unfassbar schlechter Artikel, den ich über die &#8220;Einslive Krone&#8221; gelesen hatte. Ich hätte darüber geschrieben, dass die hoffnungsvollen Jüngst-Journalisten als besonders preiswerte Arbeitssklaven missbraucht werden, dass ihre Artikel unredigiert (oder ohne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Jahren wollte ich schon einmal über die Arbeitsbedingungen von Schüler- und Jugendreportern bei Lokalzeitungen schreiben. Auslöser war damals ein &#8230; nun ja: unfassbar schlechter Artikel, den ich über die &#8220;Einslive Krone&#8221; gelesen hatte. Ich hätte darüber geschrieben, dass die hoffnungsvollen Jüngst-Journalisten als besonders preiswerte Arbeitssklaven missbraucht werden, dass ihre Artikel unredigiert (oder ohne weitere Erklärungen redigiert) veröffentlicht werden und sie so aus ihren möglichen Fehlern nie würden lernen können. Dann stellte ich fest, dass der unfassbar schlechte Artikel von einer &#8220;WAZ&#8221;-Redakteurin geschrieben worden war, und vergaß das Thema erst mal.</p>
<p>Dann sind wir beim BILDblog auf den <a href="http://www.bildblog.de/27646/jugendreporterin-im-zwielicht/">Fall einer Jugendreporterin</a> beim Kölner &#8220;Express&#8221; gestoßen, die es geschafft hatte, Online- und Print-Redaktion Artikel unterzujubeln, die aus Pressemitteilungen und Agenturmeldungen abgeschrieben waren. Die <strike>Fahrgestellnummer</strike> Handlungsorte hatte die Autorin ins Einzugsgebiet der Zeitung verlegt.</p>
<p>Ein solches Verhalten ist zweifellos völlig unjournalistisch. Aber so ein Text muss ja theoretisch auch erst mal an einer Redaktion vorbei, bevor er veröffentlicht wird. Dass &#8220;fact checking&#8221; in den meisten deutschen Redaktionen ein Fremdwort ist, ist klar (es ist ja auch eins), aber nach gewissen Erfahrungen der letzten Jahre sollte man als Endredakteur doch zumindest einmal kurz den Namen von angeblichen Zitatgebern googeln. Bei der &#8220;Express&#8221;-Reporterin hätte in zwei der drei Fälle das erste Suchergebnis die tatsächliche Wirkungsstätte der entsprechenden Personen verraten und damit weitere Fragen aufwerfen müssen.</p>
<p>Der erste Zeitungsartikel, in dem mein Name in der Autorenzeile stand, erschien im Mai 1997 in der Dinslakener Lokalausgabe der &#8220;Neuen Rhein Zeitung&#8221; (die damals glaube ich noch &#8220;Neue Ruhr Zeitung&#8221; hieß). Im Zuge eines &#8220;Zeitung in der Schule&#8221;-Projekts hatten wir mit der ganzen Klasse den Hundeübungsplatz der Polizei in Wesel besucht und Reportagen darüber geschrieben. Aus drei dieser Reportagen verschnitten die Redakteure dann einen neuen Artikel, den sie druckten. Was ausgerechnet an unseren Texten so gut gewesen sein soll, haben wir nie erfahren.</p>
<p>Fünfeinhalb Jahre später fing ich als freier Reporter für die Dinslakener Lokalausgabe der &#8220;Rheinischen Post&#8221; an. Vor meinem ersten Termin gab man mir eine Mappe mit, in der alles stand, was man als junger Journalist zu beachten hatte. Ich weiß nicht mehr, was drin stand, aber &#8220;nicht abschreiben!&#8221; stand womöglich irgendwo dabei. Der Rest war learning by doing &#8212; oder genauer: <em>learning by reading what has become of your own texts</em>.</p>
<p>Mein erster Text wurde komplett im Wortlaut veröffentlicht, was sicher nicht an dessen Qualität lag. In anderen Texten korrigierte die Redaktion die ungewöhnlichen Namen der Protagonisten zur gängigen und damit falschen Schreibweise oder sorgten dafür, dass sich die Jugendlichen bei einem Rockfestival die &#8220;Dröhnung am Freitagabend schmecken&#8221; ließen. Bei der Zeitungslektüre meiner Reportage über einen Schwimmmeister im städtischen Freibad erfuhr ich, dass die Blondinen bei &#8220;Baywatch&#8221; nicht &#8220;drall&#8221;, sondern &#8220;hübsch&#8221; sind. Für Überschriften galt damals, was auch heute noch für jede Lokalredaktion gilt: Hauptsache, sie sind nichtssagend und auf keinen Fall grammatisch korrekt oder gar knackig.</p>
<p>Rückmeldungen gab es kaum, aber das mag auch daran liegen, dass ich als Kulturreporter die Artikel meist noch am Abend in die Redaktion mailte und nur selten mit den Kollegen vor den völlig veralteten Redaktionscomputern saß. Aber auch wenn ich da war, gab es nicht viele Gespräche über meine Texte.</p>
<p>Das alles hilft den jungen Reportern (und den Zeitungen) nicht weiter. Natürlich ist es toll, schon in jungen Jahren große Artikel für die Zeitung schreiben zu dürfen, aber zu optimieren gibt es eigentlich immer was. Zwar muss man annehmen, dass den allermeisten Lesern die Qualität von Zeitungstexten eher egal ist, aber wer für 12 bis 20 Cent pro Zeile vorher noch stundenlang in Schalterhallen Kunstwerke aus Simbabwischen Serpentinstein begucken oder sich auf einem kalten Supermarktparkplatz mit Renault-Bastlern über Tuning unterhalten musste, der hat als Dreingabe wenigstens ein bisschen konstruktive Kritik verdient.</p>
<p>Angesichts der chronischen Unterbesetzung vieler Lokalredaktion mag es fast wie ein Wunschtraum klingen, aber irgendjemand sollte eigentlich noch mal vor Veröffentlichung über jeden Text drübergucken &#8212; besonders über die von Berufsanfängern, die noch nicht mal theoretisch mit journalistischer Ethik in Kontakt gekommen sind.</p>
<p>Die Geschichte mit den umgesiedelten Agenturmeldungen ist da noch vergleichsweise ungefährlich. Da gab es etwa den Fall einer Jugendreporterin, die ein Interview gemacht hatte mit einem Mädchen, das in einer sozialen Einrichtung lebt. Dabei ging es auch um die Vorgeschichte, warum sie aus ihrem kleinen Heimatdorf in diese Einrichtung in der nächsten größeren Stadt gekommen war. Der Artikel erschien schließlich mit voller Namensnennung des Mädchens, das anschließend tagelang in der Angst lebte, einer ihrer Verwandten könnte diese Geschichte lesen. Zum Glück schien sich niemand aus ihrer Familie weiter für den Jugendreporterteil zu interessieren. </p>
<p>Ich halte es nach wie vor für eine gute Idee, als Journalist die sprichwörtliche Lokal-Schule von Kaninchenzüchterverein und Seidenmalereiausstellung durchlaufen zu haben. Damit kann man auch gar nicht früh genug anfangen (unvergessen die Germanistik-Studenten im ersten Semester, die gerne &#8220;was mit Medien&#8221; machen wollten, aber noch nie irgendeinen Text geschrieben hatten). Aber diese hoffnungsvollen jungen Leute, sollen irgendwann, wenn sich die ganzen frühvergreisten Schreibbeamten aus den Redaktion zurückgezogen haben werden, ja auch mal an vorderster Front stehen. Und da kann es nicht schaden, sich von Anfang an um sie zu kümmern.<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5c0d0fecc88c472a8a4f98400ee1b712" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5814&amp;md5=f8afba54d6feef8da670014774f08218" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Salzburg Calling</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2011/01/28/salzburg-calling/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 18:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[My Shared Folder]]></category>
		<category><![CDATA[Rock'n'Roll High School]]></category>
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		<description><![CDATA[Gerade so bei GoTV reingezappt und die Schlusseinblendung und die letzten vier Takte eines Songs mitbekommen. Die klangen so vielversprechend, dass ich den Song gleich mal bei YouTube gesucht und &#8211; Oh Wunder des Urheberrechts &#8211; auch gefunden habe: Der erste Refrain kann nicht ganz das Versprechen einhalten, das der Song bis dahin aufgebaut hat. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade so bei GoTV reingezappt und die Schlusseinblendung und die letzten vier Takte eines Songs mitbekommen. Die klangen so vielversprechend, dass ich den Song gleich mal bei YouTube gesucht und &#8211; Oh Wunder des Urheberrechts &#8211; auch gefunden habe:</p>
<p><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="560" height="345" src="http://www.youtube.com/embed/ZCVmJKDnCrM" frameborder="0" allowFullScreen></iframe></p>
<p>Der erste Refrain kann nicht ganz das Versprechen einhalten, das der Song bis dahin aufgebaut hat. Bei der dritten Wiederholung (er ist ja eine einzige Wiederholung) entfaltet er allerdings durchaus seinen Charme. Nichts Weltbewegendes, aber zumindest mal wieder ein bisschen neues Leben in der extrem öde gewordenen Schublade mit der Aufschrift &#8220;Indie Rock&#8221;.</p>
<p>Trippin In London kommen &#8211; man kann es sich bei diesem leider etwas doofen Namen denken &#8211; nicht aus England. Stattdessen kommen sie &#8211; das kann man sich beim GoTV-Einsatz denken &#8211; aus Österreich, genauer: Salzburg. Kämen sie aus Dinslaken, würden deutsche Musikjournalisten sicher steil gehen.</p>
<p>Auf einer obskuren Seite namens <a href="http://www.myspace.com/trippininlondon">MySpace</a> gibt es weitere Songs zu hören, bei iTunes gibt&#8217;s noch nix.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5798&amp;md5=4b5b38b67e9ed9eefe3100bde9c170d8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Eigentlich sind sie als Punkband unterwegs</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2010/12/21/eigentlich-sind-sie-als-punkband-unterwegs/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 23:55:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rock'n'Roll High School]]></category>
		<category><![CDATA[dinslaken]]></category>
		<category><![CDATA[erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[nachwuchsbands]]></category>
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		<category><![CDATA[zuchtschau]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie werden es vermutlich nicht mitbekommen haben und auch die speziellsten Special-Interest-Webseiten schweigen sich zu dem Thema aus, aber heute ist ein ganz besonderer Tag: Der erste öffentliche Auftritt der Band Zuchtschau jährt sich zum zehnten Mal. Sie werden über diese Band nichts finden, denn damals war das Internet durchaus noch vergesslich, aber es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie werden es vermutlich nicht mitbekommen haben und auch die speziellsten Special-Interest-Webseiten schweigen sich zu dem Thema aus, aber heute ist ein ganz besonderer Tag: Der erste öffentliche Auftritt der Band Zuchtschau jährt sich zum zehnten Mal.</p>
<p>Sie werden über diese Band nichts finden, denn damals war das Internet durchaus noch vergesslich, aber es ist ein guter Moment, aus dem Schatten der Anonymität heraus zu treten und zu sagen: Ich war Teil von Zuchtschau.</p>
<p>Die recht kurze und in weiten Teilen ereignislose Geschichte dieser Band begann im Januar 2000 auf dem Schulhof eines Dinslakener Gymnasiums. Matthias, ein langjähriger Schulfreund von mir, plante mit zwei Schülern aus der Stufe über uns, gemeinsam eine Band zu gründen. Nur ein Schlagzeuger fehlte ihnen noch. Da ich von meinem siebten bis zum dreizehnten Lebensjahr Schlagzeugunterricht bekommen hatte und man sowas ja bestimmt nicht verlernt, bot ich mich an. Am darauf folgenden Freitag fand die erste Probe im Keller des legendären ND-Jugendzentrums statt.</p>
<p>Ich wollte gerne eine Band gründen, die nach Ben Folds Five klang, aber danach sah es nicht aus: Wir hatten nicht nur keinen Pianisten, sondern auch keinen Basser. Matthias und Thomas würden Gitarre spielen, Sebastian singen. Unser Saxophonist (!) war nur bei wenigen Proben dabei. Auch vom Genre her musste ich Kompromisse eingehen, denn Thomas und Sebastian wollten eine Punkband gründen. Meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema beschränkten sich damals noch auf einige Songs der Toten Hosen und der Ärzte, die ich im Musikfernsehen gesehen hatte, aber das war mir egal: Hauptsache Musik machen, berühmt werden und Mädchen abgreifen.</p>
<p>Beim Bandnamen hatte ich ebenso wenig zu sagen: Er stand fest, seit Thomas und Sebastian im Vorjahr bei einer Teckel-Zuchtschau auf unserem Schulhof ein Hinweisschild mit dem Schriftzug &#8220;Zuchtschau&#8221; entwendet hatten, das seitdem Thomas&#8217; Jugendzimmer schmückte.</p>
<p>Thomas brachte damals zu jeder Probe einen neuen Song mit, die wir alle recht schnell drauf hatten. Ich spielte immer den gleichen Beat, er spielte vier Akkorde, Matthias gniedelte irgendwas dazu und von Sebastian verstand man kaum was, weil er über einen schwachen kleinen Gitarrenverstärker sang. Was sich von der Herangehensweise schwer nach Punk anhört, klang im Ergebnis aber wie vier brave Söhne aus der Mittelschicht, die versuchen, Punk zu spielen.</p>
<p>Nach wenigen Wochen wechselten wir vom Jugendzentrum in den Keller meines Elternhauses, wo ich mich jetzt an meinem eigenen Schlagzeug verausgaben konnte. Stilecht wurden zu jeder Probe Doppelkekse und Eistee gereicht.</p>
<p>Zur Geburtstagsfeier meines Vaters kam es zum ersten Auftritt vor Publikum, den man wohlwollend als &#8220;avantgardistisch&#8221; bezeichnen könnte, musikwissenschaftlich präzise als &#8220;schlecht&#8221;. Alles dröhnte und schepperte, von Sebastians Stimme war so gut wie nichts zu hören. Unterdessen begann sich der drohende Abstieg der Band abzuzeichnen: Der Schlagzeuger (also ich) hatte sich selbst das Gitarrenspiel beigebracht und wollte nun eigene Songs beisteuern &#8212; das todsichere Ende jeder Band.</p>
<p>Von Dingen wie MySpace konnte man damals nur träumen: Mit einem einzigen Mikrofon nahmen wir das Geschepper im Proberaum am PC auf und überspielten es anschließend auf eine Musikkassette, die Thomas und Sebastian beim Besuch eines Wohlstandskinder-Konzerts der Band mitgeben wollten.</p>
<p>Einem Auftritt beim Nachbarschaftsfest sollte im August endlich der erste offizielle Auftritt folgen: Wir waren im Nachwuchsprogramm des traditionsreichen Stadtfests &#8220;DIN-Tage&#8221; vorgesehen. Das Konzert stand unter keinem guten Stern, denn zunächst mussten wir (um des Familienfriedens willen &#8212; <i>sehr</i> punk) auf unseren selbstgebastelten Backdrop verzichten, den unser Bandlogo zierte:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2010/12/zuchtschau-logo.gif" alt="Logo der Band Zuchtschau" title="Logo der Band Zuchtschau" width="500" height="454" class="alignnone size-full wp-image-5722" /></p>
<p>Mein Großvater hatte das Banner zufälligerweise zu Gesicht bekommen und fühlte sich beim Anblick unseres Dackels offenbar an eine Organisation erinnert, die nach seinen Aussagen &#8220;Tausend hinterrücks erschossen und in die Luft gesprengt&#8221; habe. Auf gar keinen Fall dürften wir damit in die Öffentlichkeit, sagte er, und wir müssten auch mal an die Karrieren unserer Eltern denken. Wir hätten aber gar kein weiteres Bettlaken bemalen müssen, da das Konzert wegen einer Unwetterwarnung sowieso abgesagt wurde. Das angekündigte Gewitter sollte Dinslaken freilich nie erreichen.</p>
<p>Im Dezember 2000 sollte dann aber <i>wirklich</i> der erste Auftritt stattfinden &#8212; beim traditionsreichen &#8220;School&#8217;s Out&#8221;, bei dem nun wirklich jede Dinslakener Band, die länger als ein paar Wochen existierte, irgendwann mal gespielt hat. Für das Konzert hatte sich das Kulturamt der Stadt etwas ganz besonderes einfallen lassen: Es sollte einen Sampler mit Songs von allen auftretenden Bands drauf geben. Die Bands, die &#8211; wie wir &#8211; keine ordentlichen Aufnahmen vorweisen konnten, bekamen einen halben Tag im Tonstudio spendiert. In Zeiten, wo angesichts leerer Kassen als erstes bei Kultur- und Jugendarbeit gespart wird, klingt diese Anekdote wie eine Geschichte aus einer längst vergangenen sozialdemokratischen Epoche, aber sie ist wirklich erst zehn Jahre her.</p>
<p>Mit einem Demo unseres Songs &#8220;Held im Traumland&#8221; fuhren wir in ein kleines Duisburger Studio und versuchten, das Lied irgendwie auf Band zu bannen. Schlagzeug und Rhythmusgitarre wurden gleichzeitig eingespielt (ohne Klickspur natürlich, das hätten wir nie hinbekommen), der Rest später drübergelegt. &#8220;Ihr wisst schon, dass Ihr im Refrain schneller werdet?&#8221;, fragte unser Produzent (kräftig gebaut, Kette rauchend und schnauzbärtig) besorgt und wir antworteten &#8211; leider wahrheitsgemäß &#8211; damit, dass das Absicht sei. Am Ende des Tages hatten wir tatsächlich einen fertigen Song, auf dem sogar ein Bass zu hören war &#8212; Matthias hatte noch eben eine sehr schlichte Bassspur eingespielt.</p>
<p>Das &#8220;School&#8217;s Out&#8221; kam und in Sachen Größenwahn konnte uns kaum jemand etwas vormachen: Wie die großen Rockbands, die wir aus dem Fernsehen kannten, hatten auch wir Computergeschriebene Setlisten, eigene Timetables (&#8220;Dinslaken, GER: Soundcheck 4pm, Doors 4.30pm, Dinner 5pm, Zuchtschau 5.45pm&#8221;) und eine schriftliche Drehgenehmigung für unseren Freund mitgebracht, der das Konzert auf Video 8 bannen sollte. Tatsächlich verfolgten einige Leute unseren Auftritt, sogar einige &#8220;Fans&#8221; waren angereist: dicke, picklige Jungen aus der Nachbarstadt, die noch uncooler waren als wir.</p>
<p>Wir bretterten durch unser Set, wobei ich im Rückblick annehmen muss, dass wir nicht für fünf <strike>Cent</strike> Pfennig gerockt haben. Bei unserem Song &#8220;Winke, Winke&#8221; (eine von Rammstein inspirierte Hymne auf die Teletubbies &#8212; <i>I kid you not</i>) zerschmetterte Sebastian das Kinderkeyboard, auf dem er das Intro gespielt hatte, vor den Augen verwirrter Security-Angestellter auf der Bühne. Am Ende waren wir so schnell gewesen, dass wir noch Zeit hatten, eine (weder geplante noch geprobte) Zugabe nachzuschießen.</p>
<p>Headliner (auch für so etwas gab es im Dinslaken des Jahres 2000 noch Geld) des School&#8217;s Out war die Magdeburger Band Scycs, deren Single &#8220;Radiostar&#8221; weiland ein kleiner Hit war. Die Musiker gingen auf unseren Vorschlag ein, gemeinsam mit allen Bands des Abends ein Weihnachtslied zu intonieren, doch der Versuch endete in einem riesigen Chaos, dessen Ausmaße ich womöglich noch irgendwo auf Video habe.</p>
<p>Im Jahr 2001 spielten wir bei einem Bandwettbewerb in Moers unseren einzigen Auftritt außerhalb Dinslakens, außerdem bei einem Aktionstag gegen Rechts, beim einzigen Dinslakener Entenrennen, beim hundertsten Geburtstag unserer Schule und tatsächlich (ganz ohne Backdrop) bei den DIN-Tagen.</p>
<p>An einem Freitag im November verließen Matthias und ich die Band. Sebastian hatte sich wenige Stunden zuvor einen Bass gekauft.</p>
<p>Doch wie klang diese Band, der es so ergangen ist wie Tausenden Nachwuchs-Spinal-Taps vor und nach ihnen? Ungefähr so:</p>
<p><object width="560" height="445"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/daXle1tFsJk?fs=1&amp;hl=en_GB"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/daXle1tFsJk?fs=1&amp;hl=en_GB" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="445"></embed></object></p>
<p><i><small>Die Überschrift dieses Eintrags ist bei <a href="http://itunes.apple.com/de/album/poet-der-affen-poet-of-the-apes/id347544747">Tommy Finke</a> geklaut.</small></i><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/afa2c6d0d73548d6aa5cb00013b9ff89" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5720&amp;md5=c3d1f95252c05c19e136dab50ab1818b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.coffeeandtv.de/2010/12/21/eigentlich-sind-sie-als-punkband-unterwegs/feed/</wfw:commentRss>
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		</item>
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